Gesundheit heute

Das medizinische Fachgebiet Schlafmedizin

Die Schlafmedizin (Somnologie) ist eines der jüngsten medizinischen Fachgebiete, das sich mit allen Formen des nichterholsamen Schlafs beschäftigt.

Die Herausforderung für den Schlafmediziner besteht darin, echte Schlafstörungen von solchen zu unterscheiden, denen lediglich falsche Schlafgewohnheiten zugrunde liegen. Während echte Schlafstörungen durch körperliche Erkrankungen, psychische Belastungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln bedingt sind, also ärztlich behandelt werden müssen, lassen sich die anderen Formen oft schon durch Beachtung der Schlafhygiene verbessern.

Einen Facharzt für Schlafmedizin gibt es bisher nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (GDSM) erteilt Ärzten mit nachgewiesenen Spezialkenntnissen jedoch einen „Qualitätsnachweis Somnologie“. Die Mehrzahl der derzeit tätigen Schlafmediziner sind Internisten, Neurologen, Psychiater oder Psychotherapeuten. Die meisten Schlafprobleme werden jedoch durch den Hausarzt behandelt – zum einen, weil Schlaflabore nur durch Überweisung zugänglich sind, zum anderen, weil die Erstdiagnostik durch den Hausarzt auch deshalb sinnvoll ist, weil vielen Schlafproblemen unrealistische Erwartungen an den Schlaf zugrunde liegen. Hier hilft häufig schon ein aufklärendes Gespräch zwischen Patient und Hausarzt.

Von: Dr. Bernadette Andre-Wallis, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Neuropathische Schmerzen im Visier

Capsaicin, ein Wirkstoff aus Chili und Paprika, kann neuropathische Schmerzen lindern.

Neuropathische Schmerzen im Visier

Antidepressiva oder Capsaicin?

Gegen das Brennen, Stechen und Kribbeln von neuropathischen Schmerzen ist das rechte Kraut noch nicht gefunden. Viele Wirkstoffe werden eingesetzt, wenige helfen. Welche Medikamente am meisten Erfolg versprechen, hat eine internationale Arbeitsgruppe untersucht.

Besonders häufig beim Diabetes

Neuropathische Schmerzen sind häufig: Bis zu 10 % der Bevölkerung leiden darunter. Sie werden als stechend, brennend und einschießend beschrieben, und manchmal entstehen sie schon bei leichter Berührung. Ganz besonders häufig treten sie im Rahmen eines Diabetes, einer Gürtelrose oder einer Multiplen Sklerose auf.

Sie zu behandeln ist schwierig. Herkömmliche Schmerzmittel bringen wenig bis gar nichts. Aber auch mit den zahlreichen speziell eingesetzten Substanzen oder Methoden wird nur sehr selten eine vollkommene Schmerzfreiheit erreicht. In vielen Fällen ist jedoch zumindest eine gewisse Linderung der Beschwerden möglich.

Drei Wirkstoffe erste Wahl

Forschende haben jetzt anhand von 313 Studien untersucht, welche Ansätze den meisten Erfolg versprechen. Dabei verglichen sie nicht nur die Wirkung der Therapien, sondern auch die Rate an möglichen Nebenwirkungen.

Insgesamt sind die Behandlungserfolge gering, berichten die Forschenden. Am besten war das Nutzen/Risikoverhältnis bei trizyklischen Antidepressiva, Gabapentin und Pregabalin sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern. Diese drei Wirkstoffklassen werden deshalb als erste Wahl zur Behandlung neuropathischer Schmerzen empfohlen.

Auch Pflaster können helfen

Als zweite Wahl stuften die Expert*innen zwei Pflaster ein: Das rezeptpflichtige, nur unter ärztlicher Aufsicht anzuwendende 8%ige Capsaicinpflaster sowie das rezeptfreie 5%ige Lidocainpflaster.

Sind die genannten Therapien erfolglos, gibt es einige weitere Optionen. Dazu gehören die Injektion von Botulinumtoxin, die Gabe von Opioiden oder die transkranielle Magnetstimulation. Insbesondere die letztgenannte Methode sollte in größeren Studien geprüft werden, um mehr Klarheit zu bekommen, wie effektiv und sicher sie ist, betonen die Forschenden.

Quelle: Info Neurologie + Psychiatrie

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Antonio Gravante