Gesundheit heute
Bakerzyste
Bakerzyste (Poplitealzyste, Kniegelenksganglion): Gutartiger, gallertig oder flüssig gefüllter umkapselter Hohlraum (Zyste) an der Rückseite des Kniegelenks. Es handelt sich um eine sackartige Ausbuchtung der Kniegelenkskapsel, die bei Kindern oft spontan entsteht, bei Erwachsenen meist bei Kniegelenksergüssen im Rahmen verschleißbedingter Erkrankungen. Meist bilden sich Bakerzysten von selbst zurück, wenn die Ursache behandelt wird. Nur bei besonders großen Zysten ist in seltenen Fällen eine Operation erforderlich. Platzt eine große Zyste, kann es zu Komplikationen kommen, beispielsweise zu Entzündungen. Dann muss der Abtransport der Flüssigkeit unterstützt werden, z. B. durch Kompressionsverbände. Insgesamt sind die Heilungsaussichten bei der Bakerzyste sehr gut.
Leitbeschwerden
- Meist schmerzlose walnuss- bis faustgroße Schwellung an der Rückseite des Kniegelenks mit prall-elastischer Konsistenz
- Druckgefühl und Bewegungseinschränkung bei großen Zysten.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn die Kniekehle oder Wade stark geschwollen erscheint und/oder schmerzhaft ist.
Am selben Tag bei plötzlichen starken Schmerzen in der Kniekehle und/oder Wade.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Eine Bakerzyste ensteht, wenn rund ums Knie Schwachstellen im Gewebe sind oder die Knie-Gelenkkapsel einreißt. Dann entwickelt sich manchmal eine Aussackung (Zyste, Ganglion), die mit Gelenkflüssigkeit gefüllt ist. Sie schiebt sich an den großen Nerven und Gefäßen in der Kniekehle vorbei und zwischen den Sehnen der Wadenmuskulatur hindurch, wo sie als Schwellung sichtbar wird.
Ursachen und Risikofaktoren
Oft treten Bakerzysten im Rahmen von Kniegelenkserkrankungen auf. Dann ist die Gelenkinnenhaut gereizt und produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit. Typische Ursachen einer solchen symptomatischen Bakerzyste sind z. B. Kniegelenksarthrosen, Rheuma, Meniskusverletzungen oder ein Kreuzbandriss.
Auch einseitige Alltagsbelastung wie zu langes Sitzen kann eine Bakerzyste begünstigen. Dann verspannen und verkürzen sich die Beinmuskeln, Sehnen und Bänder. Auch ihre Elastizität und Geschmeidigkeit nehmen ab. Bei Bewegung reiben sie aneinander und das Gelenk fühlt sich steif an. Der Körper versucht die entstehende Reibung zu dämpfen, indem er mehr Gelenkflüssigkeit bildet.
Manchmal findet sich keine Ursache und die Bakerzyste bildet sich ohne Grund. Das kommt besonders häufig bei Kindern vor. In der Medizin spricht man dann von einer primären Bakerzyste. Es gibt in diesem Fall keine zugrundeliegende Erkrankung, die man behandeln könnte. Primäre Bakerzysten verursachen aber kaum Beschwerden und bilden sich in aller Regel innerhalb einiger Monate von selbst zurück.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
In der Regel bereitet eine Bakerzyste nur wenig oder keine Beschwerden. Sie verursacht eine walnuss- bis faustgroße Schwellung in der Kniekehle, die vor allem bei gestrecktem Kniegelenk sichtbar ist und manchmal bis in die Wade reicht. Die Schwellung fühlt sich prall-elastisch an, ist aber normalerweise nicht schmerzhaft. Erst wenn die Bakerzyste eine gewisse Größe (etwa 5 Zentimeter Durchmesser) erreicht und stärker auf das umliegende Gewebe drückt, spüren die Betroffenen ein Druckgefühl in der Kniekehle. Dann kann auch die Beweglichkeit des Knies eingeschränkt sein, insbesondere die Beugung.
Sehr selten kommt es vor, dass die Bakerzyste auf Blutgefäße drückt. Dann kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödem), erkennbar an einer Schwellung des Fußes und Unterschenkels. Ebenso selten drückt die Zyste auf umliegende Nerven. Taubheitsgefühle oder eine Muskelschwäche in der Wade können dann die Folge sein.
Manchmal nimmt der Druck innerhalb der Zyste so zu, dass die Zystenwand an einer Stelle reißt und die Gelenkflüssigkeit in die Unterschenkelmuskulatur fließt (rupturierte Bakerzyste). Dieses Ereignis kann heftige Schmerzen hervorrufen. Auch eine starke Entzündungsreaktion mit Schwellung und Rötung des gesamten Unterschenkels ist dann möglich. Die Symptome ähneln denen einer tiefen Beinvenenthrombose und führen daher oft zu Verwechslungen. Bei einer sehr großen Zyste kann sich die Flüssigkeitsmenge nicht gut im Gewebe verteilen. Zusätzlich schwillt durch die Entzündungsreaktion der Unterschenkel weiter an. Im Gewebe baut sich Druck auf, der Nerven und Blutgefäße abdrückt. In der Medizin spricht man dann vom Kompartmentsyndrom. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Wird nicht zügig Abhilfe geschafft, stirbt das Gewebe ab und es droht der Verlust des Unterschenkels. Ohne Behandlung kann ein Kompartmentsyndrom sogar lebensbedrohlich sein.
Diagnosesicherung
Der Verdacht auf eine Bakerzyste lässt sich durch eine Ultraschall-Untersuchung gut bestätigen. Im Ultraschall ist auch zu sehen, ob die Zyste gerissen ist. Manchmal ist nicht ganz klar, ob es sich stattdessen um eine tiefe Beinvenenthrombose handelt. Dann prüft die Ärzt*in den Blutfluss in den benachbarten Gefäßen durch eine [Farb]Duplexsonografie.
Differenzialdiagnosen. Neben der Beinvenenthrombose gibt es eine weitere Erkrankung mit Verwechslungsgefahr. Eine intakte Bakerzyste ist äußerlich oft nicht von einem arteriellen Aneurysma zu unterscheiden, also der Aussackung einer Arterie. Auch das lässt sich aber im Ultraschall durch die Darstellung des Blutflusses feststellen.
Sind diese beiden Erkrankungen ausgeschlossen und steht der Befund Bakerzyste eindeutig fest, schließen sich weitere Untersuchungen wie Röntgen und Kniespiegelung an, um die Ursache der Zyste zu ergründen. Manchmal ist auch eine Kernspintomografie (MRT) erforderlich.
Behandlung
Bei einer symptomatischen Bakerzyste wird zunächst die Ursache behandelt. Wird ein Meniskusschaden behoben oder klingt der Entzündungsschub einer Kniearthrose oder Rheumaerkrankung ab, bildet sich in der Regel auch die Bakerzyste von selbst wieder zurück.
Ist dies nicht der Fall oder handelt es sich um eine primäre Bakerzyste, hängt die Therapie von den Beschwerden ab. Bei leichten oder keinen Beschwerden wird zunächst abgewartet und beobachtet (watch and wait), ob die Zyste von selbst kleiner wird. Die Patient*in sollte in der Zwischenzeit eine Sportpause eingelegen und das Knie schonen.
Bei stärkeren Beschwerden können neben der Schonung des Beins auch schmerzlindernde Medikamente ausprobiert werden, am besten als Salbe in einem Wickel. Auch Bandagen sowie Wärme- oder Kälteanwendungen können die Beschwerden reduzieren.
Hilft auch das nicht, können eine Punktion der Zyste (Einstechen mit einer Nadel und Absaugen der Flüssigkeit) und eine Kortison-Injektion Linderung bringen. Diese Behandlungen werden heute aber nur noch selten durchgeführt, weil sich die Zyste meist schnell wieder füllt.
Operiert wird eine Bakerzyste nur in seltenen Fällen, etwa wenn sie fortdauernd Beschwerden macht und keine Rückbildungstendenz zeigt, z. B. weil der Knieschaden nicht erfolgreich behandelt werden kann. Eine Operation kann auch sinnvoll sein, wenn eine Zyste wiederholt so groß wird, dass sie zu platzen droht. Aber auch nach einer Operation kehrt die Bakerzyste häufig über kurz oder lang zurück, wenn der Reizzustand im Knie nicht behoben werden kann. Daher gilt das Hauptaugenmerk der Therapie immer einer möglichst umfassenden Behandlung der Grunderkrankung.
Bei einer gerissenen Bakerzyste saugt die Ärzt*in möglichst viel Flüssigkeit ab, um das Gewebe vor zu starkem Druck zu schützen. Zusätzlich wird der Abtransport der Lymphflüssigkeit durch Lymphdrainagen und Kompressionsverbände unterstützt. Gegen die Entzündungsreaktion werden Entzündungshemmer verordnet, die auch schmerzstillend wirken. Das Bein muss dann konsequent geschont und hochgelagert werden.
Entwickelt sich ein Kompartmentsyndrom, reicht das Absaugen der Flüssigkeit nicht aus. Dann wird ein Entlastungsschnitt gesetzt und die Muskeln freigelegt, um sie vom Druck zu entlasten. Später, wenn das Gewebe wieder ausreichend abgeschwollen ist, wird der Schnitt wieder vernäht.
Prognose
In der Regel ist die Bakerzyste harmlos und bildet sich von selbst zurück. Insbesondere bei Kindern verschwindet sie oft so schnell wie sie gekommen ist. Bei symptomatischen Bakerzysten ist die Grunderkrankung entscheidend. Wird diese erfolgreich therapiert, verschwindet die Bakerzyste fast immer von selbst. Lässt sich die Grunderkrankung nicht beheben, kehrt die Zyste oft wieder zurück. Entsteht bei einer Ruptur der Zyste ein Kompartmentsyndrom, hängt die Prognose entscheidend von einer raschen Behandlung ab.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Schonung. Beanspruchen sie ihr Knie zunächst möglichst wenig. Vermeiden Sie Treppensteigen. Legen sie eine Sportpause ein. Versuchen Sie belastende Tätigkeiten wie Großeinkäufe und Gartenarbeit für einige Zeit zu verschieben oder an Angehörige abzugeben. Ist dies nicht möglich, verteilen Sie diese Tätigkeiten auf kleine Portionen und verschaffen ihrem Knie danach Ruhepausen, in denen Sie es hochlegen.
Kühlen oder Wärme. Je nach der Grunderkrankung und deren Stadium kann sowohl eine Wärme- als auch eine Kälteanwendung lindernd wirken. Allgemein gilt, dass Kälte eher im Akutzustand und Wärme erst nach einigen Tagen empfehlenswert ist. Probieren Sie aus, was Ihnen angenehmer ist.
Physiotherapie. Ist die Bakerzyste und deren Ursache erfolgreich behandelt, kann langfristig die Physiotherapie helfen, das Knie zu stärken und einer erneuten Überproduktion der Gelenkflüssigkeit entgegenzuwirken. So kann wiederkehrenden Bakerzysten und auch weiteren Knieschäden vorgebeugt werden.
Komplementärmedizin
Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit einer Blutegelbehandlung bei der Behandlung einer Kniearthrose bewiesen. Oft sind Blutegel sogar länger wirksam als starke örtliche Entzündungshemmer wie Diclofenac. Eine direkte Wirkung auf Bakerzysten wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht, jedoch zeigen zahlreiche Erfahrungsberichte bei der Knie-Behandlung mit Blutegeln, dass die Zysten hierbei ebenfalls verschwinden. Oft reicht schon eine einmalige Behandlung mit 2–3 auf der Zyste angesetzten Egeln.
Weiterführende Informationen
www.rheuma-online.de – Rheumatologische Informationsplattform, Neuss: Bietet umfangreiches, ärztlich geleitetes Forum sowie zum Suchwort Bakerzyste zahlreiche Informationen. Verständliche Darstellung mit vielen Details.- Deutsches Arthrose-Forum – Nicht kommerzielle, von der Deutschen Arthrose Stiftung unterstützte private Internetseite, Pforzheim: Sehr umfassend und informativ, bietet auch Regionalgruppen und eine Arthrose-Datenbank ("Zugang zum Arthrose Forum"). Wählen Sie über die Rubrik Arthrose Archiv die Bakerzyste, und es werden Ihnen Erfahrungsberichte und Disskussionsforen angezeigt.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

