Gesundheit heute
Morbus Dupuytren
Morbus Dupuytren (Dupuytren-Kontraktur, Dupuytrensche Krankheit): Strangförmige Verdickung und Verkürzung der Bindegewebsplatte (Palmaraponeurose) unter der Haut der Handfläche mit einer zunehmenden Einwärtskrümmung der Finger. Die schmerzlos fortschreitende Erkrankung betrifft zu 85 % Männer (meist über 50 Jahren), überwiegend an beiden Händen. Bekannt ist eine familiäre Veranlagung ebenso wie eine Häufung bei Personen mit Diabetes, Epilepsie, Alkoholismus und bei Rauchern. Zur Behandlung stehen verschiedene, unterschiedlich invasive Verfahren zur Verfügung. In den meisten Fällen ist ein handchirurgischer Eingriff, z. B. die operative Entfernung der Palmaraponeurose, erforderlich.
Symptome und Leitbeschwerden
- Tastbare, später auch sichtbare Knoten und Stränge in der Hohlhand und an der Beugeseite der Finger
- Zunehmende Krümmung der Finger, meist beginnend an Ring- und Kleinfinger; v. a. im Grund- und Mittelgelenk ist keine volle Streckung mehr möglich
- Manchmal Schmerzen in der Hohlhand.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Wochen, wenn
- Knoten an der Handinnenseite oder Streckhemmungen der Finger auffallen.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
In der Innenhand befindet sich zwischen der Haut, den Beugesehnen und den Nerven eine fächerförmig angeordnete Gewebsschicht, die Palmaraponeurose. Sie hat die Aufgabe, die Sehnen und Nerven der Hand vor Verletzungen zu schützen. Beim Morbus Dupuytren produzieren die Bindegewebszellen der Palmaraponeurose aus unbekannten Gründen vermehrt das Struktureiweiß Kollagen. Folge ist eine schmerzlose, fortschreitende Verdickung und Verkürzung der Bindegewebsplatte. Sie führt dazu, dass die Finger insbesondere im Grund- und Mittelgelenk zunehmend einwärts gezogen werden und sich nicht mehr vollständig strecken lassen (Beugekontraktur). Ring- und Kleinfinger sind meistens als Erste betroffen, später greift die Erkrankung manchmal auf die Hohlhand und den Mittelfinger über, in seltenen Fällen auch auf Daumen und Zeigefinger. Werden durch die Stränge und Knoten Nerven oder Gefäße gereizt, kommt es zusätzlich zu Schmerzen.
Ähnliche Krankheitsbilder mit gutartigen Wucherungen und Verhärtungen von Bindegewebsplatten finden sich manchmal auch an anderen Körperstellen, oft begleitend zum Morbus Dupuytren. Sie betreffen vornehmlich die Fußsohle (Morbus Ledderhose) und den Penis (Induratio penis plastica), selten auch die Bauchwand (Fasziitis nodularis).
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache für den Morbus Dupuytren ist noch nicht geklärt. Genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Zudem folgt der Morbus Dupuytren manchmal auf offene Verletzungen der Handinnenfläche oder Brüche an Hand und Arm. Begünstigend sollen zudem hoher Alkoholkonsum (wahrscheinlich über die dabei häufig erhöhten Blutfette) und Rauchen wirken.
Es gibt etliche Erkrankungen, bei denen der Morbus Dupuytren vermehrt auftritt. Ob dies ursächlich oder nur zufällig ist, wird noch diskutiert. Wahrscheinlich liegt das an den erhöhten Blutfetten wie sie bei Diabetes mellitus und manchen Fettstoffwechselstörungen auftreten. Auch bei Menschen mit Leberzirrhose oder einer Epilepsie entwickelt sich die Beugekontraktur häufiger.
Diagnosesicherung
Die Diagnose ergibt sich aus dem sicht- und tastbaren Befund und der Prüfung der Fingerbeweglichkeit. Solange noch keine Beugekontrakturen bestehen, erfolgen nur Verlaufskontrollen.
Differenzialdiagnose. Bei der angeborenen Kamptodaktylie kommt es ebenfalls zu einer Beugekontraktur des kleinen Fingers oder Ringfingers.
Behandlung
In der Frühphase, bei der sich vereinzelt Knoten zeigen, aber noch keine Funktionseinschränkung beim Strecken der Finger vorliegen, wird zunächst Abwarten empfohlen. Stellen sich Schmerzen beim Umgreifen von Gegenständen ein oder entwickelt sich eine Streckhemmung, bieten sich die folgenden Verfahren an:
- Bestrahlung. In sehr frühen Stadien kann die Röntgenbestrahlung das Fortschreiten der Erkrankung für etliche Jahre aufhalten und so eine Operation hinauszögern.
- Nadelfasziotomie. Hier sticht die Ärzt*in nach lokaler Betäubung der Hand die bindegewebigen Stränge mit einer Nadel an. Die dadurch beschädigten und gelockerten Stränge lassen sich dann per Hand strecken und zerreißen. Danach empfiehlt sich nachts das Tragen einer Schiene, die die Finger in Streckstellung hält. Leider kommt es nach diesem Eingriff manchmal wieder zu Beschwerden. Das Verfahren ist jedoch unkompliziert und kann wiederholt angewendet werden. Es eignet sich besonders in frühen Stadien, gilt aber auch als Alternative, wenn in späten Stadien eine Operation nicht möglich ist.
- Injektion von Kollagenase. Dieses Verfahren ähnelt der Fasziotomie. Es wird ein Enzym, das Kollagen spaltet, unter die Stränge gespritzt und diese dann mechanisch zerrissen. In Deutschland ist der Wirkstoff aus Kostengründen nicht mehr auf dem Markt, im Ausland wird er weiterhin verwendet. Langzeitergebnisse stehen noch aus.
- Faszienspaltung. Hier werden die bindegewebigen Stränge in einer offenen Operation an der Hand aufgetrennt.
- Partielle oder totale Entfernung der Palmaraponeurose (Fasziektomie). Wenn es dem Betroffenen nicht mehr gelingt, die erkrankte Hand flach auf den Tisch zu legen (Streckdefizit von mehr als 20° in Fingergrundgelenken), ist die Zeit für eine operative Entfernung der Palmaraponeurose gekommen. Der Eingriff lässt sich meist ambulant durchführen. Er wird umso schwieriger und risikoreicher, je länger die Krankheit besteht, da dann die narbigen Verwachsungen im Bereich der Sehnen(scheiden), Nerven und Blutgefäße zunehmen.
- Dermofasziektomie. Ist auch die Haut der Handfläche stark geschrumpft, muss zusätzlich eine Z-Plastik vorgenommen werden. Dabei wird die Haut zickzackförmig eingeschnitten und in auseinandergezogener Form wieder vernäht. Alternativ verschließt man offene Stellen mit einer Spalthauttransplantation oder lässt sie langsam von selbst zuheilen. Dieser Eingriff hat ein sehr hohes Infektionsrisiko, außerdem ist die Heilung der Hand langwierig.
- Amputation des kleinen Fingers. In sehr schweren Fällen kann im Rahmen der Fasziektomie auch die Entfernung des kleinen Fingers erforderlich werden.
- Krankengymnastik und Physiotherapie dürfen begleitend eingesetzt werden, vermögen aber allein bei der Dupuytrenschen Beugekontraktur wenig auszurichten.
Nachbehandlung
Zur Nachbehandlung gehören intensive Bewegungsübungen und Eisanwendungen; nach Hautverpflanzungen ist anfangs eine Ruhigstellung, bei verbliebenen Streckhemmungen eine Schienenbehandlung angezeigt. Zur Behandlung anhaltender Schwellungen verschreibt die Ärzt*in Lymphdrainagen und einen Kompressionsfingerling oder -handschuh, der auf die betroffenen Finger sanften, aber stetigen Druck ausübt und damit die angestaute Gewebsflüssigkeit herausdrückt.
Prognose
Bei rechtzeitiger Operation sind die Chancen gut, dass die Finger wieder frei beweglich werden. Lässt sich die Palmaraponeurose nur teilweise entfernen, droht allerdings in mindestens 15 % der Fälle ein Rückfall. Bei vollständiger Entfernung ist dieses Risiko geringer, allerdings treten dafür häufiger Komplikationen wie Nerven- und Gefäßverletzungen auf.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Physiotherapie und Krankengymnastik werden in ihrer Wirkung auf den Morbus Dupuytren unterschiedlich beurteilt. Je nach Ausmaß und Stadium können sie nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in aber begleitend eingesetzt werden.
- Dehnübungen. Sie sollen Muskeln und Bindegewebe beweglich und elastisch halten. Wichtig dabei ist, immer beide Hände zu beüben, auch wenn nur eine davon betroffen ist.
- Hand und Finger dehnen. Mit dem Gesicht zu einer Wand aufstellen, Arme in Schulterhöhe und Hände mit gespreizten Fingern an der Wand aufsetzen und dagegen drücken.
- Finger einzeln dehnen. Unterarm und Handfläche auf einem Tisch ablegen, Finger spreizen. Die Finger einzeln anheben und kurz oben halten.
- Finger spreizen. Fingerbeeren einer Hand aneinander bringen, ein Haargummi oder breites Gummiband darumlegen. Dann alle Finger langsam auseinanderspreizen, sodass das Haargummi bis an das Handgelenk rutscht.
- Wärme. Warme Handbäder oder warme Packungen entspannen die Hände und werden von vielen Betroffenen als angenehm empfunden.
- Massagen und manuelle Therapie. Versteifte Fingergelenke lassen sich manchmal durch eine manuelle Therapie mobilisieren. Auch Handmassagen sind oft wohltuend, sie verbessern die Durchblutung und lockern das Gewebe.
Weiterführende Informationen
- www.dupuytren-patienteninfo.de – Informative und gut bebilderte Internetseite des leitenden Arztes der Klinik für Handchirurgie, Essen: Übersichtliche Darstellung des Morbus Dupuytren.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

