Gesundheit heute
Tennisarm und Golferellenbogen
Tennisarm (Tennisellenbogen, Epicondylitis humeri radialis, Mausarm): Überlastungsbedingte Reizung des Sehnenansatzes der langen Hand- und Fingerstreckmuskeln an der Außenseite des Ellenbogens. Während früher vor allem Tennisspieler*innen betroffen waren, ist heute oft die Arbeit am PC ursächlich.
Golferellenbogen (Werferellenbogen, Epicondylitis humeri ulnaris): Überlastungsbedingte Reizung des Sehnenansatzes der langen Hand- und Fingerbeugemuskeln an der Innenseite des Ellenbogens.
Die Therapie besteht in erster Linie aus dem Schonen und Ruhigstellen der betroffenen Region. Gegen die Schmerzen helfen entzündungshemmende Medikamente. In hartnäckigen Fällen verspricht eine Operation Erfolg. Die Erkrankungen heilen in der Regel vollständig.
Symptome und Leitbeschwerden
Tennisarm:
- Schmerzen an der äußeren Seite des Ellenbogens beim Zugreifen
- Später auch Schmerzen beim Strecken der Hand
- Druckschmerz an der Ellenbogenaußenseite
- Morgendliche Steifheit des Ellenbogens
- Zunehmende Schmerzen bei passiver Beugung von Handgelenk und Fingern.
Golferellenbogen:
- Schmerzen am inneren Ellenbogen bei Beugung des Handgelenks oder Heben eines schweren Gegenstands
- Schmerzen beim Ballen der Faust und beim Festhalten eines Gegenstands mit durchgestrecktem Arm
- Zunehmende Schmerzen bei passiver Überstreckung von Handgelenk und Fingern.
Wann zur Arztpraxis
Bei Gelegenheit, wenn
- sich die Beschwerden durch Schonung des betroffenen Arms nicht innerhalb einiger Wochen bessern.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Bei Tennisarm und Golferellenbogen handelt es sich um Sehnenansatzentzündungen (Insertionstendopathien, Myotendinosen) mit schmerzhaften Reizzuständen, die infolge von Fehl- oder Überbeanspruchung auftreten. Dabei entstehen kleinste Einrisse in den Sehnenansätzen, die sich bei fortbestehender Reizung zunehmend entzünden. Dies geschieht v. a. bei längerer, ungewohnter Beanspruchung untrainierter Muskulatur, bei anhaltender, einseitiger Belastung im Beruf (z. B. Schreiben auf einer Tastatur oder Klavierspielen) und beim Sport. Hier sind häufig eine falsche Technik oder ein ungeeignetes Sportgerät (z. B. ein schlechter Tennisschläger) für die Beschwerden verantwortlich. Der Tennisarm ist dabei zehn- bis zwanzigmal häufiger als der Golferellenbogen.
Strecker oder Beuger. Die Bezeichnung als Tennisarm bzw. Golferellenbogen kommt von der jeweiligen typischen Belastung: Beim Tennis, v. a. beim Rückhandschlag, ist die Streckmuskulatur von Hand und Fingern sehr stark beansprucht, während beim Golf und beim Werfen besonders die Hand- und Fingerbeuger zum Einsatz kommen. Die Sehnen dieser Muskeln setzen jeweils an Knochenvorsprüngen an, die sich an der Außen- beziehungsweise Innenseite des Ellenbogens befinden.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in stellt die Diagnose anhand der typischen Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung tastet sie vorsichtig den Arm ab. Je nachdem, welche Sehne gereizt ist, finden sich die schmerzenden Druckpunkte am inneren oder äußeren Ellenbogen.
Zur Absicherung der Verdachtsdiagnose "Tennisellenbogen" gibt es verschiedene Provokationstest:
- Stuhl-Hebe-Test. Schmerzen am äußeren Ellenbogen beim Anheben eines Stuhls mit gestreckten Armen und nach innen gedrehten Unterarmen.
- Thomson-Test. Schmerzen am äußeren Ellenbogen beim Nach-Hinten-Biegen der geschlossenen Faust gegen Widerstand (z. B. die darauf liegende Hand der Ärzt*in).
- Trinkgeld-Test. Schmerzen am äußeren Ellenbogen beim Nach-Außen-Drehen der Handinnenfläche (wie z. B. beim Entgegennehmen von Trinkgeld) gegen Widerstand.
Nur in Zweifelsfällen sind zusätzliche Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen oder MRT nötig, etwa um ein Nervenengpasssyndrom des Speichennervs oder einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule als Ursache der Schmerzen auszuschließen.
Differenzialdiagnosen: Ähnliche Beschwerden verursachen das Supinatorlogensyndrom oder das Sulcus-ulnaris-Syndrom.
Behandlung
Bei 95 % der Tennis- oder Golferellenbogen führen konservative Maßnahmen zum Verschwinden der Beschwerden. Dabei sind allerdings Geduld und Konsequenz gefragt. Es gibt verschiedene Methoden, die Erkrankung anzugehen, häufig werden Behandlungsverfahren auch miteinander kombiniert.
Schonung und Sportpause. Die wichtigste Therapie besteht darin, den betroffenen Arm konsequent zu schonen und schmerzhafte Bewegungen strikt zu meiden. Das bedeutet bei Sportler*innen: Sportpause.
Ruhigstellung. In schweren Fällen veranlasst die Ärzt*in eine zusätzliche Ruhigstellung, indem sie eine Unterarmschiene mit Einschluss von Handgelenk und Fingern anlegt. Als Alternative bietet sich eine vorgefertigte Epicondylitisbandage an; dabei handelt es sich um eine Manschette, die den ellenbogennahen Unterarm umfasst.
Tapen. Auch Kinesiotapes können die Beschwerden beim Tennisellenbogen lindern. Das richtige Anlegen des Tapes sollte man sich von Ärzt*in oder Physiotherapeut*in zeigen lassen.
Kühlen. Bei akuten Schmerzen hilft oft Kühlen, z. B. mit Coolpacks. Diese dürfen jedoch wegen der Gefahr von Erfrierungen nie direkt auf die Haut gelegt werden, sondern sind immer in ein Tuch einzuwickeln.
Schmerzmittel. Zusätzlich verordnet die Ärzt*in meist entzündungshemmende Medikamente, üblicherweise in Form von Salben mit NSAR wie Diclofenac als Wirkstoff (z. B. Voltaren®).
Kortisonspritze. Eine sehr gute, aber nur kurzfristige schmerzlindernde Wirkung zeigt das Spritzen von Kortisonpräparaten, direkt in den Bereich des betroffenen Sehnenansatzes. Bei Bedarf lassen sich auch lokale Betäubungsmittel (z. B. Lidocain) beimischen. Das Kortison lindert die Beschwerden rasch, die tatsächliche Heilung der entzündeten Sehnen jedoch verzögert sich. Außerdem kehren die Schmerzen oft schnell wieder zurück.
Physikalische Verfahren. Als weitere Behandlungsmöglichkeiten empfehlen sich physikalische Verfahren wie Iontophorese, Ultraschall, Quermassage der Handgelenksmuskulatur (Querfriktion) oder Dehnung der betroffenen Muskeln. Gute Therapieerfolge bringt oft auch die extrakorporale Stoßwellentherapie.
Strahlentherapie. Viele Patient*innen, denen die oben genannten Maßnahmen keine Linderung bringen, profitieren von einer Röntgentiefentherapie. Dabei wird der Ellenbogen mehrmals pro Woche (als Serie z. B. insgesamt 6 Mal) mit sehr niedrig dosierter Röntgenstrahlung bestrahlt, um die entzündliche Reaktion im betroffenen Gebiet einzudämmen und die Schmerzrezeptoren direkt zu hemmen.
Operativ
Falls die Beschwerden trotz aller Maßnahmen nicht abklingen oder nach kurzer Zeit wiederkehren, ist eine Operation in Betracht zu ziehen, jedoch frühestens nach einem Jahr konsequenter konservativer Therapie.
Häufige Verfahren sind die Operationen nach Wilhelm bzw. Hohmann, die auch oft kombiniert werden.
- Bei der Operation nach Hohmann kerbt die Ärzt*in die betroffenen Sehnen nahe am Ansatz ein, wodurch die Muskelspannung reduziert wird.
- Bei der Operation nach Wilhelm unterbricht oder verödet die Chirurg*in die schmerzleitenden Nervenfasern rund um den Sehnenansatz.
Diese Verfahren werden meist über einen etwa 4 bis 5 cm großen Hautschnitt und in Vollnarkose oder Regionalanästhesie durchgeführt. Einige Ärzt*innen bieten die Operation von Tennis- oder Golferellenbogen inzwischen auch in der minimal-invasiven Variante an.
Prognose
Die Erkrankung heilt fast immer folgenlos. Bis zum vollständigen Abklingen der Beschwerden vergehen aber manchmal mehrere Monate bis zu einem Jahr.
Ist eine Operation erforderlich, liegen die Heilungschancen je nach Methode bei 80–90 %.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Testen Sie aus, ob Ihrem schmerzenden Ellenbogen eher Kälte oder Wärme guttut. Oft zeigt bei akuten Schmerzen Kälte eine bessere Wirkung, bei chronischen Beschwerden dagegen Wärme.
Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Bei starken Schmerzzuständen von Sehnen-, Bändern- und Muskelansätzen soll die Einnahme von Johanniskraut (z. B. Helarium® 425) helfen, das normalerweise bei vorübergehenden depressiven Verstimmungen verordnet wird. Weitere häufig eingesetzte Phytopharmaka sind Präparate mit Arnika (z. B. Arnika-Gel oder Hyzum N® Tinktur) oder Kombinationspräparate aus ätherischen Ölen wie Bergamotte-, Lavendel-, Orangen- und Zitronenöl zum Einreiben (z. B. enthalten in Pin-Alcol® Lösung); ihre Wirkung ist jedoch schwächer als die der synthetischen Schmerzmittel.
Akupunktur. Der Tennisellenbogen gehört zu den Indikationen, für die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Behandlung mit Akupunktur empfiehlt. Akupunktur lindert vor allem kurzfristig die Schmerzen.
Prävention
Bandage anlegen. Wer zu Tennis- oder Golferellenbogen neigt, tut gut daran, sich eine Epicondylitisbandage zuzulegen. Prophylaktisch in Arbeit und Sport bei riskanten Bewegungsabläufen getragen, schützt sie in begrenztem Umfang oft vor einem erneuten Auftreten der Erkrankung.
Maus auswechseln. Der Wechsel der Computer-Maus in die andere Hand entlastet den Mausarm. Wer das nicht schafft, kann probieren, ob ein anderes Modell hilfreich ist, z. B. eine Vertikalmaus. Außerdem gibt es Unterarmstützen, die sich an den Schreibtisch anbringen lassen und zu einer besseren Arbeitshaltung führen.
Aufwärmen und Technik verbessern. Bei Risikosportarten wie Tennis, Squash, Golf oder Wurfsport sind neben einer korrekten Technik insbesondere ein langsamer Trainingsaufbau und eine ausreichende Aufwärmphase vorbeugend wirksam.
Schläger austauschen. Tennisspieler profitieren manchmal davon, ihren gewohnten Schläger gegen einen flexibleren und weniger kopflastigen auszutauschen.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

