Gesundheit heute
Bizepssehnenriss
Bizepssehnenriss (Bizepssehnenruptur): Riss einer der drei Sehnen des Bizepsmuskels. In über 95 % der Fälle ist die lange Bizepssehne betroffen, die den Muskel am Oberrand der Schultergelenkpfanne befestigt. Die Verletzung ist fast immer verschleißbedingt und betrifft (ehemalige) Sportler*innen oder körperlich schwer arbeitende Menschen über 40 Jahre. In der Regel reicht eine konservative Behandlung mit kurzfristiger Ruhigstellung, gefolgt von Bewegungsübungen, aus. Bei jüngeren und schwer arbeitenden Menschen kann die abgerissene Sehne auch operativ wieder am Knochen befestigt werden. Sehr selten reißt die untere Bizepssehne. Grund ist eine plötzliche, schwere Belastung (z. B. beim Sport oder beim schweren Heben), hier wird operiert. Ob konservativ oder operativ behandelt, meist bleibt nach einem Bizepssehnenriss eine leichte Kraftminderung zurück.
Symptome und Leitbeschwerden
Riss der langen Bizepssehne:
- Schmerzen an der Schulter, Druckschmerz am oberen vorderen Oberarm
- Im Seitenvergleich sicht- und tastbare Vorwölbung des unter der Haut verschobenen Bizepsmuskels an der Vorderseite des Oberarms
- Manchmal Kraftminderung.
Riss der unteren Bizepssehne:
- Akuter, stechender Schmerz
- Schwäche bei der Beugung des Arms und Umwendbewegung des Unterarms (Handflächen nach oben), besonders ausgeprägt beim Riss der unteren Bizepssehne
- Bluterguss und Schwellung.
Wann in die Arztpraxis
Am gleichen Tag bzw. gleich nach einem Unfall, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Der Bizeps ist ein zweiköpfiger Muskel am Oberarm, der aufgrund seiner wichtigsten Funktion auch Armbeuger genannt wird. Neben der Beugung des Unterarms hat der Muskel aber noch weitere Aufgaben: Er ist bei der Drehung des Unterarms nach außen beteiligt und unterstützt andere Armmuskeln beim Anheben und Einwärtsdrehen des gesamten Armes.
Der Bizeps besteht aus zwei Muskelanteilen, dem kurzen und dem langen Bizepskopf, deren Sehnen (lange und kurze Bizepssehne) an der Schulter entspringen. Die beiden Köpfe vereinen sich am Oberarm zum typischen Muskelbauch, der über eine weitere Sehne mit dem Unterarm verbunden ist. Diese Sehne, die den armbeugenden Muskelzug auf die Speiche überträgt, ist die distale oder untere Bizepssehne.
Krankheitsentstehung
Von den drei Sehnen des Bizepsmuskels reißt die lange Bizepssehne am häufigsten (etwa 95 % der Bizepssehnenrisse). Das liegt daran, dass die Sehne nach Jahren schwerer, körperlicher Arbeit oder starker sportlicher Beanspruchung häufig Abnutzungserscheinungen aufweist und brüchig wird. Insbesondere Überkopfarbeiten wie z. B. Elektroinstallationen und armbelastender Sport wie Kraftsport, Speerwerfen und Handball haben zur Folge, dass sich die Sehne im Verlauf der Zeit unter dem Schulterdach aufreibt (PHS). Oft führen dann bereits kleine Belastungen zum Riss. Mit 1 % extrem selten ist ein Riss der kurzen Bizepssehne, die den Muskel am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts fixiert. Wenn sie reißt, dann meist aufgrund von Unfällen.
Auch der Riss der unteren Bizepssehne ist mit etwa 5 % aller Bizepssehnenrisse selten. Ursache ist hier oft eine plötzliche starke Überlastung oder Überdehnung des Muskels, betroffen sind Sportler*innen oder Schwerarbeiter*innen. Typischer Verletzungsvorgang ist das Heben oder Fangen sehr schwerer Lasten. Manchmal reißt die untere Bizepssehne auch bei direktem Schlag auf die Sehne oder einem Unfall.
Klinik
Der Riss der langen Bizepssehne ist häufig schmerzarm. Drückt man jedoch auf den Knochenkanal im oberen Bereich des vorderen Oberarms, in dem die Sehne verläuft, verspürt der Betroffene in der Regel einen Druckschmerz. Der Riss der unteren Bizepssehne ist dagegen meist mit einem akuten stechenden Schmerz verbunden.
Versucht der Betroffene, den Bizeps bei der Armbeugung einzusetzen, spürt er eine mehr oder weniger deutliche Schwäche, da der abgerissene Muskel keine Kraft mehr überträgt. Auch das Auswärtsdrehen des Unterarms fällt schwer oder ist womöglich gar nicht mehr möglich. Diese Funktionsschwäche ist beim selteneren Abriss der unteren Bizepssehne besonders ausgeprägt. Reißt die obere lange Bizepssehne, fällt seltener eine Funktionsschwäche auf. Zum einen ist die kurze Bizepssehne noch intakt, zum anderen sind zur Beugung und Einwärtsdrehung auch noch andere Armmuskeln beteiligt, die den Verlust der langen Bizepssehne ausgleichen können.
Je nachdem welche Sehne gerissen ist, verlagert sich der Muskelbauch: Ist die lange Bizepssehne betroffen, wandert der Muskelbauch nach unten Richtung Unterarm und ist als Vorwölbung über der Ellenbeuge zu sehen. Ist die untere Bizepssehne abgerissen (also die Verbindung zum Unterarm), verschiebt sich der Muskelwulst Richtung Schulter.
Nach einigen Wochen bis Monaten nimmt die Kraft allmählich wieder zu, weil der gerissene Muskelbauch einen Teil seiner ursprünglichen Funktion wieder aufnimmt und zudem andere Muskeln die Aufgaben des verletzten Bizeps mitübernehmen.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in stellt die Diagnose anhand des Schmerzberichts, der typischen Kraftminderung und der Verlagerung des Muskelbauchs Richtung Schulter oder Unterarm. Zur Diagnosesicherung eignet sich der Ultraschall, in Zweifelsfällen auch ein Kernspin. Röntgenbilder helfen, die Frage nach weiteren Abnutzungserscheinungen an der betroffenen Schulter zu klären. Außerdem lässt die Ärzt*in den Arm röntgen, um einen Bruch auszuschließen.
Differenzialdiagnose. Bei einem Riss müssen vor allem Begleitverletzungen wie z. B. ein Rotatorenmanschettenriss oder Brüche des Oberarms ausgeschlossen werden.
Behandlung
Riss der langen oder kurzen Bizepssehne
Konservative Behandlung. Zur Behandlung reichen häufig konservative Maßnahmen. Vor allem ältere Patient*innen fühlen sich – auch wenn die Sehne nicht mehr richtig zusammenwächst und dadurch die Kraft gemindert ist – meist wenig beeinträchtigt in ihrem Alltag. Nach zwei- bis viertägiger Ruhigstellung im Schulter-Arm-Verband, z. B. einem Gilchrist-Verband, folgt eine Therapie mit Bewegungsübungen. Kälteanwendungen und die Einnahme abschwellender, entzündungshemmender Medikamente wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) tragen zum Rückgang der Beschwerden bei.
Bei jüngeren Betroffenen oder Personen, die körperlich schwer arbeiten, tendieren viele Chirurg*innen und Orthopäd*innen zur Operation. Dabei befestigen sie die abgerissene Bizepssehne knapp unterhalb des Schultergelenks am Oberarmknochen oder vernähen sie mit der kurzen Bizepssehne, die am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts ansetzt. Manchmal ist es erforderlich, den am Ursprungsort hängenden Sehnenrest über eine Gelenkspiegelung zu entfernen.
Im Anschluss an die Operation sind schon nach einer kurzen Ruhigstellungsphase aktive Bewegungen erlaubt. Für starke Belastungen ist der operierte Arm jedoch erst nach 2–4 Wochen einsetzbar.
Riss der unteren Bizepssehne
Eine gerissene untere Bizepssehne wird in der Regel operiert. Dabei fixiert die Operateur*in die Sehne an der Speiche, entweder direkt per Naht oder über einen Anker. Ist die Sehne stark beschädigt, wird sie häufig durch die Sehne eines anderen Muskels ersetzt. Auch nach der operativen Versorgung eines unteren Bizepssehnenrisses muss der Arm zwar geschont, aber frühzeitig mithilfe einer geeigneten Physiotherapie bewegt werden. Sport ohne Belastung ist nach etwa 4 Wochen, mit Belastung nach 12 Wochen erlaubt.
Behandlungskomplikationen bei der Operation
Im Operationsgebiet verläuft der Speichennerv (N. radialis). Wird dieser bei der Operation geschädigt, kommt es (meist vorübergehend) zu einer Schwäche der Handmuskeln. Sie äußert sich mit dem typischen Bild der Fallhand, bei der Handrücken und Finger nicht gestreckt werden können.
Prognose
Ob konservativ oder operativ versorgt: Nach einem Riss der Bizepssehne bleibt oft eine Kraftminderung beim Beugen und nach außen Drehen des Unterarms zurück. Diese Kraftminderung ist nach der operativen Behandlung meist weniger ausgeprägt.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Nach der Schonung sind Übungen zur Dehnung und zur Kräftigung sowohl des Bizeps als auch der anderen Armmuskeln hilfreich.
- Bizepsdehnung. Hände im Stehen hinter dem Rücken zusammenführen, die Handflächen zeigen nach unten. Langsam die Arme nach hinten-oben strecken.
- Kräftigung der Muskeln. Arme auf Schulterniveau seitlich anheben und ausstrecken, gestreckt über den Kopf heben, wieder absenken bis Schulterhöhe. Übung bis zu 20 Mal wiederholen. Später dabei Gewichte einsetzen.
- Beweglichkeit trainieren. Arme im Stehen vorsichtig kreisen lassen. Zur Übung der unteren Bizepssehne wird der Unterarm wiederholt gebeugt und ein- und auswärts gedreht.
- Yoga und Pilates. Auf sanfte Weise lassen sich Beweglichkeit und Kraft von Arm und Schulter auch mit Übungen aus dem Bereich von Yoga und Pilates verbessern. Um Fehlbelastungen zu vermeiden, sollte man sich beim Erlernen der Übungen von einer Trainer*in anleiten lassen.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

