Gesundheit heute

Mukoviszidose

Mukoviszidose (Zystische Fibrose, CF): Angeborene, (genetisch) vererbte Funktionsstörung der sekretbildenden Drüsen. Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass die Drüsensekrete zu zäh- und dickflüssig sind und die betroffenen Organe dadurch geschädigt werden. Im Vordergrund steht – meist schon im ersten Lebensjahr – eine ungenügende Bildung von Verdauungsenzymen in der Bauchspeicheldrüse. Später treten Komplikationen mit der Lunge (wiederkehrende Lungenentzündungen) hinzu. Jedes 2 500. Neugeborene ist betroffen, die Lebenserwartung reichte früher nur bis zum Schulalter – heute liegt sie bei etwa 32 Jahren, dank der erheblich verbesserten Therapiemöglichkeiten. Da eine Heilung nicht möglich ist, steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund.

Leitbeschwerden

Folgende Beschwerden können auf Mukoviszidose hinweisen:

  • Zäher Schleim, der in den Bronchien zu hartnäckigen, wiederholten Infektionen der Atemwege führt.
  • Bei etwa jedem zehnten erkrankten Säugling wird direkt nach der Geburt der Darm durch sehr zähes Mekonium (dunkelgrüner Stuhl des Neugeborenen) verstopft und blockiert; es kommt zum Mekoniumileus (Darmverschluss).
  • Ist die Bauchspeicheldrüse mitbeteiligt (das ist in etwa 80 % der Fall), kann dies zur Pankreasinsuffizienz mit starken Fettstühlen führen.
  • Sowohl Lungen- als auch Verdauungsprobleme führen im Kindesalter zu Gedeih- und Wachstumsstörungen. Betroffene Kinder sind typischerweise klein und mager.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Manchmal schmeckt die Haut beim Säugling salzig, das ist aber ein sehr ungenauer „Test“. Bei jedem Verdacht ist der Schweißtest angezeigt, mit dem über den vermehrten Chloridgehalt im Schweiß die Erkrankung nachgewiesen wird. Da ein standardisiertes Neugeborenen-Sreening auf Mukoviszidose in Deutschland noch fehlt, wird die Diagnose oft ins Kleinkindesalter verschleppt.

Therapie. Da eine Heilung nicht möglich ist, steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund. Dazu zählen:

  • erhöhte Flüssigkeitszufuhr und Einnahme von schleimlösenden Medikamenten (Sekretolytika), damit der Schleim leichter abgehustet werden kann. 
  • regelmäßige Inhalationen mit schleimverflüssigenden Substanzen, zum Beispiel Kochsalzlösung, N-Acetylcystein, Ambroxol und Mannitol.
  • regelmäßige Inhalationen mit bronchienerweiternden Substanzen wie Salbutamol oder Dornase alpha, evtl. auch mit entzündungshemmenden Substanzen, etwa Kortison.
  • bei bakterieller Infektion der Lunge (Pneumonie) inhalative oder orale Einnahme von Antibiotika
  • Atemtherapie, z. B. autogene Drainage – eine Selbstreinigungstechnik der Atemwege.
  • evtl. Physiotherapie, um die Kondition zu steigern.
  • bei nachgewiesener Funktionsschwäche der Bauchspeicheldrüse (in etwa 80% der Fälle) Substitution fehlender Pankreasenzyme.

Medikamentöse Therapien richten sich nach dem ursächlichen Gendefekt. Bei der G551D-Mutation kommt Ivacaftor (Kalydeco®) zum Einsatz, um die Lungenfunktion zu verbessern und die Häufigkeit von Pneumonien zu senken. Besteht eine F508del-Mutation, wird Ivacaftor meist in Kombination mit Lumacaftor (Orkambi®) verabreicht. Haben die häufig auftretenden Lungeninfektionen das Lungengewebe bereits zerstört, droht Lungenversagen Dann ist eine Organtransplantation die einzige Option.

Prognose. Die Lebenserwartung reichte früher nur bis zum Schulalter – heute liegt sie bei etwa 40 Jahren, dank der erheblich verbesserten Therapiemöglichkeiten.

Von: Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was Bier mit dem Blutzucker macht

Bier schmeckt vielen, kann aber auch in alkoholfreien oder kohlenhydratarmen Varianten den Blutzucker beeinflussen.

Was Bier mit dem Blutzucker macht

Low carb oder alkoholfrei

Bier gehört für Diabetiker*innen nicht gerade zu den gesunden Lebensmitteln. Deshalb weichen manche auf Low-carb-Biere oder alkoholfreie Sorten aus. Doch auch diese vermeintlich gesunden Biere können für Menschen mit Diabetes problematisch werden.

Alkohol beeinflusst Blutzucker

Die Deutschen trinken gerne Bier. Das gilt auch für viele Diabetiker*innen. Doch Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf mehrere Arten. Einerseits hemmt er in der Leber die Glukosefreisetzung und kann eine Unterzuckerung auslösen. Das kommt vor allem bei den Diabetiker*innen zum Tragen, die blutzuckersenkende Medikamente benötigen. Anderseits haben alkoholische Getränke oft einen hohen Kohlenhydratanteil, wodurch der Blutzucker in die Höhe getrieben wird.

Alkoholfrei, aber viele Kohlenhydrate

Deshalb greifen Menschen mit Diabetes beim Bier gern zu vermeintlich gesünderen Varianten. Eine davon ist alkoholfreies Bier: Tatsächlich entfällt durch den fehlenden Alkohol das Risiko der Unterzuckerung. Allerdings gibt es dabei einen Haken: Alkoholfreie Biere haben oft einen überraschend hohen Zuckeranteil. Je nach Herstellungsverfahren kommen dabei 4 bis 6 g pro 100 ml zusammen, und zwar als Glukose, Fructose oder Maltose.

Um dem alkoholfreien Bier mehr Fülle und Geschmack zu verleihen, wird zudem oft Maltodextrin zugefügt. Das ist zwar weniger süß, hat aber einen hohen glykämischen Index – d.h. es lässt den Blutzucker besonders schnell ansteigen. Neben dem ohnehin hohen Kohlenhydratanteil wird dies zu einem zusätzlichen Problem für Diabetiker*innen.

Kohlenhydratarm, aber alkoholreich

Alkoholfreie Biere sind also offenbar nicht geeignet bei Diabetes. Doch wie sieht es mit den Low-Carb-Bieren aus, den Varianten mit einem geringen Kohlenhydratanteil? Bei deren Herstellung setzen die Brauereien auf eine vollständige Vergärung der Zucker. Dadurch haben die Low-carb-Biere kaum Kohlenhydrate und einen besonders niedrigen glykämischen Index.

Das ist prinzipiell vorteilhaft für Diabetiker*innen. Allerdings hat die vollständige Vergärung auch eine Kehrseite: Die betreffenden Biere sind meist alkoholreicher als klassische Sorten. Der Alkohol wiederum hemmt die Glukosefreisetzung durch die Leber, was, wie schon erwähnt, zu Unterzuckerung führen kann.

Im Grunde sind deshalb beide Biersorten nicht ideal für Menschen mit Diabetes – auch wenn sie häufig als besonders gesund beworben werden. Wer trotzdem nicht auf Biergenuss verzichten möchte, sollte dies nur in Maßen tun – und bei jedem Schluck achtsam sein.

Quelle: Medscape

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / David Molina Grande