Gesundheit heute

Pflege, Reparatur und Probleme mit Zahnersatz

Reparatur und Erweiterung

Vor allem herausnehmbarer Zahnersatz kann durch Fallenlassen oder Fehlbelastungen beschädigt werden. Meistens lässt sich die beschädigte Prothese im zahntechnischen Labor reparieren, nur bei größeren Zerstörungen oder völlig verbogenen Prothesen muss Ersatz her. Legen Sie daher sicherheitshalber beim Herausnehmen der Prothese ein Handtuch ins Waschbecken oder lassen Sie ein wenig Wasser ein – dann bleibt die Prothese intakt, wenn sie einmal fällt.

Eine nicht mehr passende Prothese wird im zahntechnischen Labor unterfüttert und so wieder an den Kiefer angepasst. Manche Prothesentypen (z. B. Klammerprothesen) lassen sich relativ einfach erweitern, wenn weitere Zähne fehlen. Bei anderen (z. B. Brücken oder Geschiebeprothesen) ist die Erweiterung komplizierter oder gar nicht möglich.

Prothesenreinigung

1560_GTV_Teilprothese_Klammern_Kariesschaeden.jpg|Bei Teilprothesen mit Klammern unterliegen die Haltestellen einer besonderen Belastung. Durch sorgfältige Mundhygiene lassen sich Kariesschäden (wie bei diesem jugendlichen Patienten, nach Entfernung der Klammern im unteren Bild besonders gut zu sehen) jedoch vermeiden.|[GTV 1560]|Gebiss mit (oben) und ohne (unten) Teilprothese, an deren Auflagestelle sich Karies gebildet hat

Die dritten Zähne sollten wie die natürlichen Zähne nach jeder Mahlzeit gereinigt werden. Dazu werden sie herausgenommen und unter fließendem Wasser mit einer Zahnbürste und etwas flüssiger Seife oder Spülmittel gereinigt. Viele Ärzte empfehlen Zahnpasta wegen ihrer guten Reinigungswirkung, im Lauf der Jahre können die enthaltenen Putzkörper die Prothese jedoch allmählich aufrauen.

In Apotheken, Drogerien oder beim Zahnarzt erhalten Sie spezielle Prothesenbürsten mit einem keilförmigen Bürstenfeld, mit denen Sie auch schwer zugängliche Stellen an Teilprothesen reinigen können. Reinigungstabletten sollten Sie höchstens gelegentlich benutzen, da sie nicht so gut reinigen und den Zahnersatz ausbleichen – außerdem gehen sie schnell ins Geld. Parallel zur Pflege der Prothese sollten Sie auch die Zähne oder Implantate im Mund reinigen und das Zahnfleisch abbürsten.

Zahntechnische Labore bieten eine professionelle Reinigung des Zahnersatzes an. Der Zahntechniker reinigt den Zahnersatz in einem Spezialbad mit Ultraschall und poliert ihn anschließend. Bei ausreichender Pflege ist dies ein- bis zweimal im Jahr nötig.

Grundsätzlich sollten Sie Ihren Zahnersatz immer, auch nachts, tragen. Er saugt sich an der Mundschleimhaut fest und übt über den Unterdruck Zug auf den Kiefer aus – das verhindert einen allmählichen Abbau des Kieferknochens. Wenn die Prothese Nacht für Nacht im Wasserglas auf dem Nachttisch steht, passt sie dagegen über kurz oder lang nicht mehr so gut.

Zahnersatzprobleme

Druckstellen und schlechter Halt sind die häufigsten Probleme mit herausnehmbarem Zahnersatz. Druckstellen entstehen, wenn der Zahnersatz zu fest auf den Kiefer drückt und an dieser Stelle das Zahnfleisch wund scheuert. Der Zahnarzt schleift die Prothese an dieser Stelle ab und behandelt das wunde Zahnfleisch mit einer Druckstellensalbe (z. B. Recessan®).

Wenn Sie im Urlaub Probleme mit Ihrer Prothese haben, können Sie sich mit Druckstellensalbe (z. B. Recessan®) selbst behandeln. Sie sollten jedoch in keinem Fall versuchen, den Zahnersatz selbst abzuschleifen – ohne das richtige Werkzeug geht er dadurch kaputt.

Schlecht haltende Prothesen sind, speziell im Unterkiefer, ebenfalls ein häufiger Grund zur Klage. Dies liegt an der ungünstigen anatomischen Form vieler zahnloser Kiefer. Beim Unterkiefer kommt erschwerend hinzu, dass Platz für die Zunge ausgespart werden muss, sodass sich die Prothese nur an wenigen Stellen am Zahnfleisch festsaugen kann. Abhilfe schafft eine sorgfältige Unterfütterung der Prothese. Dabei wird nach einem genauen Abdruck vom Mund im Zahnlabor flüssiger Kunststoff auf die Prothese aufgetragen und nach dem Aushärten passend zurechtgeschliffen. Eine Auskleidung mit weichem Kunststoff ist ebenso möglich, wird aber aus Hygienegründen nur selten angewandt.

Wenn das Unterfüttern nicht reicht, helfen dauerhaft nur Implantate oder andere chirurgische Eingriffe. In vielen Fällen gewöhnen Sie sich jedoch schnell an den vermeintlich mäßig haltenden Zahnersatz und lernen ihn unbewusst mit der Muskulatur zu fixieren. Auch das Essen und Sprechen ist anfangs ungewohnt und erfordert ein bisschen Übung. Falls Sie nach zwei Wochen immer noch Probleme mit den Dritten haben, muss sie der Zahnarzt noch einmal anpassen.

Im Umgang mit Haftcremes ist Vorsicht geboten. Für besondere Anlässe kann man sie gefahrlos verwenden, sie eignen sich jedoch nicht für den Dauergebrauch. Haftcremes beeinflussen den Geschmackssinn und die Speichelproduktion. Zudem verändern sie mit der Zeit das Zahnfleisch, sodass die Prothese noch weniger hält. Besser als Haftcreme ist Haftpulver, es sollte aber auch nicht regelmäßig verwendet werden.

Komplementärmedizin

Tipps zur Mundpflege für Prothesenträger

Weiterführende Informationen

  • U. Wiebler; G. Zieres (Hrsg.): Ratgeber Zahnersatz. Versicherteninformationen, Versorgungsmöglichkeiten, Entscheidungshilfen. Iatros, 2004. Dieses Buch aus der Schriftenreihe des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz stellt verschiedene Versorgungsmöglichkeiten ausführlich dar und vergleicht sie am Beispiel von Befunden.
  • Stiftung Warentest (Hrsg.): Zähne – Vorsorge, Behandlung, Kosten. Verein für Konsumenteninformation, 2005. Ratgeber rund um Zähne und Zahnbehandlungen. Sehr empfehlenswert.

Von: Dr. med. dent. Gisbert Hennessen, Thilo Machotta, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Auf Borstenhygiene achten

Zweimal täglich Zähne putzen – aber bitte mit einer sauberen Zahnbürste.

Auf Borstenhygiene achten

Keimfalle Zahnbürste

Regelmäßiges Zähneputzen soll Zahnfleisch und Zähne eigentlich gesund halten. Doch achtet man dabei nicht auf die Hygiene, wird die Zahnbürste zur Keimschleuder.

Gründlich schrubben reicht nicht

Mindestens zweimal täglich sollte man die Zähne putzen, damit Karies und Parodontose keine Chance haben. Gefährlich für die Zähne sind nicht nur Keime und Speisereste. Auch der Zahnbelag muss regelmäßig „weggeschrubbt“ werden, weil sich darunter gerne Bakterien verstecken.

Dabei landen die entfernten Speisereste und Keime allerdings nicht komplett im Abfluss. Viele bleiben zwischen den Borsten der Zahnbürste haften – selbst wenn diese nach dem Benutzen ausgespült wird. Das ergaben Laboruntersuchungen von Handzahnbürsten und Bürstenköpfen elektrischer Zahnbürsten. Die Forscher*innen fanden eine Unzahl von Keimen auf den Bürsten, darunter sogar Fäkalkeime aus dem Darm und Schimmelpilze. Letztere gelangen als Sporen aus der Luft zwischen die Borsten und genießen dort durch Feuchtigkeit und Speisereste ideale Wachstumsbedingungen.

Feuchtigkeit vermeiden

Das ist nicht nur eine wenig appetitliche Vorstellung, sondern sogar gesundheitsgefährdend. Denn derart verunreinigten Zahnbürsten übertragen die eigentlich schon entfernten Keime wieder zurück in den Mund. Das wiederum erhöht das Risiko für Karies und Parodontose. Doch die eigene Zahnbürste muss nicht zur Keimschleuder werden, solange man ein paar einfache Regeln beachtet:

  • Zahnbürste nach dem Ausspülen immer gut trocknen lassen. Dazu die Bürste aufrecht hinstellen. Noch besser ist es, sie mit einem sauberen trockenen Tuch abzuwischen.
  • Keine Schutzkappen oder geschlossene Aufbewahrungsbehälter verwenden! Darunter hält sich die Feuchtigkeit.
  • Benutzt man zwei Zahnbürsten und davon je eine morgens und abends im Wechsel, trocknen die Borsten noch besser aus.
  • Spätestens nach drei Monaten sollte man die Zahnbürste austauschen.
  • Nach einer Erkältung oder einem Magen-Darm-Infekt sollte man sofort die Zahnbürste wechseln, um sich nicht erneut zu infizieren.

Ob andere Maßnahmen wie das Desinfizieren der Zahnbürste mit Mundwasser die Keime ausreichend vernichtet, ist umstritten. Übrigens: Manche Expert*innen raten von Bambuszahnbürsten ab. Diese sollen die Schimmelbildung begünstigen, weil sie unterhalb der Borsten mehr Hohlräume haben.

Quelle: Ökotest

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Prostock-studio/shutterstock.com