Gesundheit heute
Hüftimpingement
Hüftimpingement (Femoroacetabuläres Impingement FAI, Hüftenge-Syndrom): Veränderungen im Hüftgelenk, die dazu führen, dass bei Beinbewegungen der Hüftkopf gegen die Gelenkpfanne stößt. Dadurch kommt es zu Bewegungseinschränkungen, Knorpelschäden und Leistenschmerzen. Diese entwickeln sich zunächst langsam und machen sich vor allem beim Sport, Treppensteigen oder bei langem Sitzen bemerkbar. Es werden zwei Formen unterschieden: Beim CAM-Impingement sind Oberschenkelkopf- und hals verdickt und schlagen dadurch an den Pfannenrand. Ursächlich ist wahrscheinlich eine hohe Belastung, z. B. durch Sport. Das Pincer-Impingement beruht meist auf einer zu tiefen Gelenkpfanne, hiervon sind vermehrt Frauen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen.
Akut helfen Schmerzmittel, Fango und die Elektrotherapie (TENS) gegen die Schmerzen. Mit speziellen Übungen lassen sich die Muskeln stärken und die Beweglichkeit verbessern. Häufig reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus, um die Beschwerden zu lindern. Dann müssen die ursächlichen knöchernen Veränderungen in einer Gelenkspiegelung oder selten auch einer offenen Hüftoperation beseitigt werden.
Symptome und Leitbeschwerden
- Einseitige, tiefsitzende stechende und ziehende Leistenschmerzen, die auch in den Oberschenkel ausstrahlen können
- Schmerzen vor allem beim Beugen in der Hüfte und beim Nach-Innen-Drehen des Beins
- Schmerzen zunächst nur zeitweise, z. B. bei starken Belastungen wie Sport
- Später Schmerzen bei langem Sitzen, Treppensteigen oder Bergauf-Laufen
- Schonhaltung mit leicht nach außen gedrehtem Bein.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn
- sich oben genannte Schmerzen entwickeln.
Die Erkrankung
Das Hüftgelenk besteht aus dem Oberschenkelkopf und der Hüftgelenkspfanne, die seitlich im Hüftbein liegt. Umschlossen wird die Gelenkpfanne von einem derben Faserring, der Gelenklippe (Labrum acetabuli). Sie vergrößert die Gelenkfläche und dichtet das Gelenk ab. In ihr verlaufen sensible Fasern, die Informationen aus dem Hüftgelenk an das Gehirn melden. Verletzungen der Gelenklippe sind deshalb schmerzhaft.
Mechanisch ist das Hüftgelenk eine Sonderform des Kugelgelenks, und zwar ein sogenanntes Nuss- oder Napfgelenk. Es lässt Bewegungen des Beins in drei Achsen zu: Beugung im Hüftgelenk nach vorne und Streckung nach hinten, Heranführen nach innen und Abspreizen nach außen sowie die Einwärts- und die Auswärtsdrehung. Durch die Nuss- oder Napfform der Gelenkpfanne ist das Bewegungsausmaß jedoch eingeschränkter als beim reinen Kugelgelenk.
Um reibungslos zu funktionieren, muss der Kopf des Oberschenkelhalses gut in der Pfanne gleiten können. Beim Hüftimpingement ist das nicht der Fall: Hier stößt bei Bewegung des Beines der Oberschenkelkopf an das Dach der Hüftgelenkspfanne. Die Folge ist nicht nur eine schmerzhafte mechanische Behinderung der Bewegung. Durch das ständige Aneinanderstoßen bzw. Einklemmen werden Gelenklippe und Gelenkknorpel verletzt. Es kommt zum Knorpelabrieb, manchmal lösen sich auch kleine Teile ab. Am Knochen führt der dauernde Reiz zu Neubildungen von Knochengewebe (Knochensporne), die die Enge im Gelenkspalt noch verstärken. Schließlich schmerzen schon die kleinsten Bewegungen. Wird das Hüftimpingement nicht behandelt, ist die Entwicklung einer Hüftgelenksarthrose unvermeidlich.
Formen
Beim Hüftimpingement werden zwei Formen unterschieden, wobei sehr häufig auch Misch- oder Zwischenformen auftreten.
CAM-Impingement. Hier kommt es zu Knochenwucherungen am Übergang vom Oberschenkelkopf zum schlanken Oberschenkelhals. Der Teil des Knochens, der in der Pfanne gleitet, ist verdickt. Der Oberschenkelkopf schlägt oder drückt deswegen bei Bewegung an das knöcherne Pfannendach und schädigt dort Knorpel und Gelenklippe. Das CAM-Impingement (oder auch Nockenwellen-Impingement) ist bei jungen, männlichen Sportlern häufig, besonders oft betroffen sind Fußballer und Eishockeyspieler.
Pincer-Impingement. Bei dieser auch Beißzangenimpingement genannten Störung ist die Gelenkpfanne zu tief (oder das Pfannendach zu stark ausgeprägt). Deshalb stößt der (normal geformte) Oberschenkelkopf bei Bewegungen immer wieder an die Gelenklippe. Das schädigt nicht nur die Gelenklippe und die schützende Gelenkknorpelschicht: Durch den Dauerreiz produziert der Knochen immer mehr Material und wird immer dicker – was den Gelenkspalt zusätzlich verringert. Das Pincer-Impingement findet sich häufig bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren.
Ursachen
- Vor allem beim CAM-Impingement halten Orthopäd*innen starke sportliche Belastungen für die Ursache. Kritische Sportarten sind Eishockey, Fußball, Kampfsport, Turnen und Ballett. Daneben sollen Wachstumsstörungen, Anlagefehler oder auch Verletzungen an der Hüfte ein Hüftimpingement auslösen.
Diagnosesicherung
Zunächst wird die Patient*in genau zu den Schmerzen befragt, z. B. wo sie auftreten und ob sie mit bestimmten Bewegungen oder Sport verbunden sind. Bei der körperlichen Untersuchung testet die Ärzt*in die Beweglichkeit des Beines in allen drei Achsen. Ein wichtiger Hinweis sind Schmerzen beim Impingement-Test: Dabei liegt die Patient*in auf dem Rücken, die Hüfte ist in einem 90°-Winkel gebeugt (Oberschenkel senkrecht). Die Ärzt*in bewegt das Bein nach innen und dreht es gleichzeitig einwärts. Beim Impingement stößt der Oberschenkelkopf schmerzhaft an das Pfannendach.
Bildgebende Verfahren. Der verengte Gelenkspalt lässt sich im Röntgen gut nachweisen, zusätzlich sieht man dabei oft knöcherne Anbauten. Knorpelschäden oder Schäden der bindegewebigen Gelenklippe erkennt man im MRT. Auch Bänder, Muskeln und Schleimbeutel sind nur mithilfe des MRT und nicht im Röntgenbild darstellbar. Die Ultraschalluntersuchung der Hüfte gibt wiederum Hinweise darauf, ob sich Flüssigkeit im Gelenk befindet.
Hüftgelenksinfiltration. Manchmal ist unklar, ob die Schmerzen tatsächlich von einem gereizten Hüftgelenk herrühren. Dann spritzen manche Ärzt*innen unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle ein Betäubungsmittel in den Hüftgelenksspalt. Ist wirklich die Hüfte der Auslöser, sind die Schmerzen dann für kurze Zeit verschwunden.
Differenzialdiagnosen. Viele andere Erkrankungen der Hüfte machen ähnliche Beschwerden. Dazu gehören beispielsweise die Hüftgelenksarthrose, die Coxitis und die Schleimbeutelentzündung im Hüftgelenk.
Behandlung
Konservative Maßnahmen lindern die Schmerzen und zögern im frühen Stadium der Erkrankung eine Operation hinaus. Die eigentliche Ursache – also die knöchernen Veränderungen – behandeln sie nicht. Um diese zu beseitigen, ist ein operativer Eingriff erforderlich.
Konservativ
Schonung und Sportpause. In der akuten Phase ist es wichtig, das Gelenk zu schonen. Treten die Beschwerden beim Sport auf, ist eine Sportpause angesagt. Wie lange das erforderlich ist, muss mit der behandelnden Ärzt*in besprochen werden.
Schmerzmittel. Zur Linderung der Schmerzen verordnen die Ärzt*innen meist entzündungshemmende und schmerzstillende NSAR wie Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®), Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Coxibe wie Etoricoxib (z. B. Arcoxia®).
Kortisoninjektionen. Manche Ärzt*innen empfehlen, entzündungshemmendes Kortison in das Gelenk zu spritzen. Eine kurzfristige Wirkung tritt zwar fast immer ein, ein Langzeiteffekt ist jedoch fraglich. Außerdem ist Kortison nicht ganz ungefährlich. Wird das Kortison aus Versehen nicht in den freien Gelenkraum, sondern den Knorpel gespritzt, kann das Gewebe absterben. Insgesamt sind die Kortison-Injektionen deshalb umstritten.
Physikalische Maßnahmen. Viele Betroffene profitieren von Fangobehandlungen, Elektrotherapie (TENS) oder warmen Bädern.
Physiotherapie. Eine kräftige Hüftmuskulatur entlastet das Hüftgelenk. Deswegen empfehlen Physiotherapeut*innen gezielte kräftigende Übungen (Beispiele siehe "Ihre Apotheke empfiehlt"). Trainiert werden darf aber nur im schmerzfreien Intervall. Bei akuten Schmerzen muss die Hüfte geschont werden.
Operativ
Bei der operativen Behandlung werden die auslösenden Ursachen des Hüftimpingements beseitigt oder korrigiert. So lassen sich beispielsweise störende Knochenanbauten an Gelenkkopf oder Gelenkpfanne abtragen und freie Knorpelteilchen entfernen. Beim CAM-Impingement schleift die Operateur*in außerdem den Oberschenkelhals zurecht und stabilisiert die Gelenklippe.
Heute ist ein solcher Eingriff meist im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) möglich. Anstelle einer offenen Operation genügen kleine Schnitte, über die ein Endoskop mit Kamera sowie die erforderlichen Werkzeuge in das Gelenk eingeführt werden. Offen operiert man allerdings noch immer, wenn größere Korrekturen am Hüftgelenk nötig sind, z. B. die Korrektur des Schenkelhalswinkels.
Nachbehandlung. Je nach Eingriff ist bis zu 6 Wochen nach der OP das Gehen nur mit Unterarmgehstützen erlaubt. In der Physiotherapie wird die Hüfte zunächst ohne Belastung bewegt, z. B. auf einem Fahrradergometer. Nach und nach sind unter Aufsicht Kräftigungsübungen sinnvoll (Crosstrainer, Wassergymnastik). Treten Schmerzen auf, wird die Belastung wieder reduziert. Eine Vollbelastung ist etwa 12 bis 16 Wochen nach der Operation wieder möglich.
Prognose
Unbehandelt droht beim Hüftimpingement die Entwicklung einer Hüftgelenksarthrose.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Muskelaufbau. Im akuten, schmerzhaften Stadium eines Hüftimpingements sind Sportpause und Schonung angesagt. Ansonsten helfen – nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in – spezielle Übungen, die Muskulatur aufzubauen und das Hüftgelenk dadurch zu entlasten. Beispiele dafür sind:
- Beckenhebung. Legen Sie sich auf den Rücken, die Arme neben dem Körper, die Beine angewinkelt. Die Füße stehen unter den Knien. Fersen in den Boden drücken, Becken heben. Oberschenkel und Rumpf sollen wie ein Brett in einer geraden Linie sein. Mehrere Sekunden halten, Becken bis auf wenige Zentimeter über dem Boden senken und dann wieder anheben. 15 bis 20-mal wiederholen.
- Bein heben in Seitenlage. In Seitenlage auf den Boden legen, der Arm stützt den Kopf, die Beine liegen übereinander. Fußspitzen anziehen, oberes Bein gestreckt nach oben heben. Vorsichtig wieder senken, etwa 15-mal wiederholen. Seite wechseln. Zur weiteren Kräftigung der Muskulatur können Sie ein dehnbares Theraband um die Knöchel wickeln und das Bein gegen diesen Druck anheben.
Sport. Nach einer Impingement-Operation darf nach Rücksprache mit der Ärzt*in auch wieder Sport getrieben werden. Am hüftfreundlichsten und deshalb schon nach etwa 6 Wochen erlaubt sind Schwimmen und Radfahren. Wann belastende Sportarten wieder möglich sind, hängt vom individuellen Fall ab. Häufig dauert es etwa ein halbes Jahr.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

