Gesundheit heute

Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina

Hand-Mund-Fuß-Krankheit: Meist harmlose virale Infektionskrankheit mit leichtem Fieber, Bläschen an der Mundschleimhaut sowie charakteristischem Hautausschlag. Die Bläschen an Handinnenflächen, Fußsohlen (aber auch Beinen) sowie im Mund-Lippen-Bereich platzen schnell auf und sind dann sehr schmerzhaft.

Herpangina (vesikuläre Pharyngitis): Virale Infektionskrankheit, bei der besonders die Mundhöhle, und hier besonders die Gaumenbögen oder die Mandeln (Tonsillen), betroffen sind. Die Krankheit wird begleitet von höherem Fieber, Bläschen an der Mundschleimhaut sowie Hals- und Kopfschmerzen.

Die Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina werden meistens durch Coxsackie-A-Viren hervorgerufen. Beide Erkrankungen sind sehr ansteckend und das bereits auch schon vor Beginn der Beschwerden. Aus diesem Grund kommt es insbesondere im Sommer und Frühherbst häufig unter Kindergartenkindern zu Epidemien, die fast immer harmlos verlaufen. In aller Regel klingen die Symptome von selbst nach 1–2 Wochen ab. Eine spezielle Therapie ist deshalb nicht notwendig. Sobald die Bläschen voll abgeheilt sind, sind die Kinder auch nicht mehr ansteckend.

Symptome und Leitbeschwerden

Hand-Mund-Fuß-Krankheit:

  • Leichtes Fieber
  • Hautausschlag im Mund-Lippen-Bereich, an den Handflächen und Fußsohlen, der dann übergeht in 1–3 mm große Bläschen mit schmalem rotem Rand
  • Gleichzeitig Bläschen an der Mundschleimhaut, im Rachen, an der Zunge und an den Lippen
  • Schwächegefühl
  • Kopf- und Halsschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Evtl. uncharakteristische Bauchbeschwerden oder Erbrechen; gleichzeitig Durchfall möglich.

Herpangina:

  • Rasch ansteigendes, hohes Fieber
  • Allgemeines Krankheitsempfinden mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Hals- und Schluckbeschwerden
  • Zunächst kleine rote Flecken auf der Mundschleimhaut, später herpes-ähnliche Bläschen im hinteren Gaumenbereich, die zu kleinen Geschwüren aufplatzen
  • Evtl. uncharakteristische Bauchbeschwerden oder Erbrechen
  • Fehlen von Erkältungszeichen, wie laufende Nase oder Husten
  • Evtl. Magen-Darm-Probleme nach Verschwinden der Bläschen.

Wann in die Kinderarztpraxis

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie die oben genannten Symptome bei Ihrem Kind bemerken.

Heute noch, wenn

  • Sie gelbe Eiterbeläge auf den Mandeln Ihres Kindes entdecken.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind hohes Fieber hat
  • Ihr Kind unter Krämpfen oder einem steifen Nacken leidet
  • Ihr Kind verwirrt, teilnahmslos oder schläfrig ist.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die häufigsten Erreger der Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina sind Coxsackie-Viren der Gruppe A. Aber auch die Coxsackie-Viren der Gruppe B und das in Europa seltene humane Enterovirus 71 lösen die beiden Erkrankungen aus und führen dann zu schwereren Verläufen. Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Tröpfchen- (Bläscheninhalt, Speichel) oder Schmierinfektion vor allem über die Hände. Die Viren dringen meist im Rachenbereich in den Körper ein und vermehren sich. Konzentrieren sich die Beschwerden vor allem auf den Mund- und Rachenbereich, sprechen Mediziner von Herpangina, bei Hautausschlag an Füßen und Händen von der Hand-Mund-Fuß-Krankheit. In aller Regel klingen die Symptome von selbst nach 1–2 Wochen ab, allerdings werden noch längere Zeit Viren über den Stuhl ausgeschieden.

Nach einer durchgemachten Infektion mit Coxsackie-Viren verfügt das Kind zwar über eine Immunität gegenüber diesem Erreger. Da Coxsackie-Viren jedoch in vielen Variationen vorkommen, kann ein Kind mehrmals an einer Hand-Mund-Fuß-Krankheit und Herpangina erkranken – dann ausgelöst durch einen anderen Vertreter der Coxsackie-Viren.

Verlauf

Zunächst leidet das Kind unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen, etwa 1–2 Tage später bilden sich schmerzhafte Bläschen vor allem an der Mundschleimhaut. Die Lippen, der weiche Gaumen, die Mandeln und der Rachen bleiben frei bzw. sind selten betroffen. Manchmal sind auch die Bindehäute befallen. Aus diesen Bläschen entwickeln sich schmierig belegte und schmerzhafte Geschwüre (Aphten), sodass das erkrankte Kind kaum essen will. Gleichzeitig oder auch nur kurze Zeit später leidet das Kind an einem symmetrischen Hautausschlag mit der Bildung von Bläschen an den Handinnenflächen, Fußsohlen und am Gesäß. Dieser Ausschlag verursacht sowohl an Händen als auch an den Füßen einen stechenden oder spannenden Schmerz, begleitet von einem starken Juckreiz. Die Bläschen heilen meist nach 8–12 Tagen ohne Krustenbildung ab. Selten lösen sich nach der Infektion die Finger- und/oder Zehennägel ab, die allerdings wieder nachwachsen.

Komplikationen

In sehr seltenen Fällen führt die Infektion mit Coxsackie-A-Viren zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung; Coxsackie-Viren der Gruppe B können darüber hinaus Herzentzündungen auslösen.

Diagnosesicherung

Die Ärzt*in stellt die Diagnose aufgrund des typischen Krankheitsbildes (Blickdiagnose). Manchmal nimmt sie eine Probe aus dem Bläscheninhalt oder aus dem Stuhl, um die Viren nachzuweisen.

Differenzialdiagnose. Schmerzhafte Bläschen im Mund verursacht auch die Stomatitis aphtosa (Mundfäule). Das ist eine Erkrankung, die durch Herpes-Viren verursacht wird. Auch die Hautveränderungen bei Windpocken ähneln denen der Hand-Mund-Fuß-Krankheit.

Behandlung

Eine medikamentöse Bekämpfung des Virus ist nicht möglich. Entsprechend zielt die ärztliche Behandlung vorrangig auf die Linderung der Beschwerden, etwa durch fiebersenkende Medikamente (z. B. Paracetamol) und Spülungen oder Tinkturen für den Mund.

Prognose

Die Prognose ist sehr gut. Sowohl die Hand-Mund-Fuß-Krankheit als auch Herpangina sind fast immer ungefährlich und Folgeschäden sind selten. Die Bläschen heilen meistens innerhalb von 1–2 Wochen ohne Folgen aus und das Fieber geht in den meisten Fällen nach 2–4 Tagen zurück. Erkrankte Kinder entwickeln eine lebenslange Immunität gegen den Virustyp, der die Infektion verursacht hat.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Schmerzen lindern. Oft schmerzen gerade die Bläschen im Mund so stark, dass erkrankte Kinder kaum mehr essen mögen. Dagegen lässt sich aber einiges unternehmen:

  • Kurzfristig hilft oft schon das Lutschen eines Eiswürfels oder eines Speiseeises. Der Kältereiz "überdeckt" dann den eigentlichen Schmerz.
  • Auch Tinkturen mit Kamille, Salbei, Ratanhia oder Myrrhe lindern den Schmerz. Geben Sie eine kleine Menge auf ein Wattestäbchen und bestreichen Sie die betroffenen Stellen vorsichtig.
  • Gegen Schmerzen beim Schlucken helfen besonders Lutschtabletten, Sprays oder Gurgellösungen, die ein Lokalanästhetikum enthalten. Diese enthalten beispielsweise die Wirkstoffe Benzocain oder Ambroxol. Verabreichen Sie diese am besten direkt vor dem Essen, weil der Effekt nur kurz anhält.
  • Bei starken Schmerzen dürfen Sie Ihrem Kind für wenige Tage auch Schmerzmittel als Saft oder Tablette geben, z. B. Ibuprofen oder Paracetamol. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie bei Unsicherheit Ihre Ärzt*in oder Apotheker*in.

Ausreichend trinken. Wenn ihr Kind Fieber hat, verliert es viel Flüssigkeit. Deshalb ist es wichtig, ihr Kind trotz Schmerzen zum Trinken zu motivieren. Ideal sind Tees mit entzündungshemmenden Kräutern wie Kamille oder Salbei.

Fieber senken. Leichtes Fieber muss nicht gesenkt werden – denn Fieber ist eine natürliche Strategie des Körpers, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Leidet ihr Kind sehr, helfen Hausmittel wie Wadenwickel, aber auch fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Geeignete Speisen. Säurehaltige oder salzige Speisen und Getränke reizen die offenen Stellen im Mund zusätzlich und verursachen oft erhebliche Schmerzen. Vermeiden Sie solche Lebensmittel und bereiten Sie Ihrem Kind weiche oder flüssige Speisen zu wie Suppen oder Pürees.

Prävention

Hygienemaßnahmen. Eine gezielte Vorbeugung vor Herpangina und der Hand-Mund-Fuß-Krankheit ist nicht möglich. Dennoch sollten Sie im Umgang mit Ihrem erkrankten Kind auf allgemeine Hygienemaßnahmen achten. Dazu gehört das Händewaschen mit Seife, vor allem nach dem Wechseln der Windeln und nach dem Toilettengang. Ebenso müssen Sie auf einen allzu engen Kontakt (Schmusen, Küssen, Umarmen, gemeinsame Nutzung von Besteck oder Geschirr) mit Ihrem Kind verzichten. Reinigen Sie auch verschmutzte Oberflächen und Gegenstände wie WC, Spielzeug oder Türgriffe besonders gründlich.

Kindergarten ja oder nein? Immer wieder für Diskussion sorgt die Frage, ob Kleinkinder die Hand-Mund-Fuß-Krankheit oder Herpangina generell zu Hause auskurieren müssen. Das Robert Koch-Institut in Berlin sagt dazu sinngemäß:

  • Erkrankte Kinder aus Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen generell auszuschließen, ist wegen der hohen Zahl asymptomatischer Verläufe und – da die Viren noch für Wochen nach Symptomende ausgeschieden werden – nicht notwendig und auch nicht angemessen.
  • Dennoch sollten Kinder mit akuten Symptomen Gemeinschaftseinrichtungen fernbleiben, da von der hohen Virusausscheidung in dieser Phase auch ein besonders hohes Übertragungsrisiko ausgeht.
  • Nach Eintrocknen der Bläschen und klinischer Genesung soll die Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen auch ohne ärztliches Attest ermöglicht werden.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit für Kinder, Kösel, München, 8. Auflage (2015). Überarbeitung: Dagmar Fernholz, Bettina Bobinger
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Diese Impfungen müssen sein

Eine der für Säuglinge empfohlenen Impfungen ist die gegen Rotaviren. Sie wird als Schluckimpfung verabreicht.

Diese Impfungen müssen sein

Kindergesundheit im Blick

Impfen ist wichtig: Es schützt Säuglinge und Kleinkinder vor schweren Erkrankungen und deren lebenslangen Folgen. Inzwischen werden für Kinder und Jugendliche 13 Impfungen empfohlen. Nicht alle erhalten sie – denn manche Eltern lassen sich durch falsche Behauptungen von Impfgegner*innen verunsichern. Doch die Impfungen sind nachgewiesen sicher und höchst effektiv – sowohl für das geimpfte Kind als auch für die Allgemeinheit. Eltern sollten deshalb diese Chance nutzen.

Schon über 150 Millionen Leben gerettet

Impfungen und Impfstoffe gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Durch sie wurden allein in den letzten 50 Jahren 154 Millionen Leben gerettet und die globale Lebenserwartung deutlich gesteigert. Die erste Impfung war die Ende des 18. Jahrhunderts eingeführte Pockenimpfung. Im 19. Jahrhundert kamen Impfstoffe gegen Tetanus und Milzbrand dazu, und inzwischen schützen Impfstoffe gegen mehr als 30 schwere oder folgenreiche Infektionen.

Die Ergebnisse der Impfmedizin können sich sehen lassen. So gelten die Pocken inzwischen als ausgerottet, und die Kinderlähmung steht mit jährlich etwa 100 Fällen weltweit kurz davor. Diphtherie und Keuchhusten sind in industrialisierten Ländern fast verschwunden, und neueste Impfungen wie gegen HPV können sogar die Entwicklung von Krebs verhindern.

Impfungen dienen vor allem dem Schutz von Kindern. Ihr Immunsystem ist noch unreif, was sie anfälliger für ansteckende Krankheiten macht. Das bedeutet aber nicht nur, dass sie leichter infiziert werden. Kommt es zu einer Infektion, verläuft die Erkrankung bei ihnen oft besonders schwer. So können Masern, Keuchhusten und Rotavirus-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern bleibende Schäden zurücklassen oder sogar tödlich sein. Diese Kinderkrankheiten sind also keinesfalls harmlos – auch wenn ihr Name das vielleicht nahelegt.

Mit rechtzeitigen Impfungen lassen sich viele gefährlichen Erkrankungen ganz verhindern oder zumindest schwere Verläufe abmildern. Denn Impfungen trainieren das Immunsystem, ohne die Krankheit auszulösen: Indem man harmlose Anteile eines Erregers verabreicht, lernen die Immunzellen, mit der Infektion umzugehen. Es werden dann nicht nur spezifische Antikörper zur Abwehr gegen den Erreger entwickelt. Das Immunsystem bildet auch sogenannte Gedächtniszellen, die sich die Abwehr merken. Kommt es nach der Impfung zum Kontakt mit dem echten Erreger, erkennen sie diesen schneller und können innerhalb kürzester Zeit die passenden Antikörper produzieren.

Impfungen nützen nicht nur dem geimpften Kind. Sie wirken auch indirekt schützend auf die gesamte Gemeinschaft – das nennt man Herdenschutz. Das liegt daran, dass geimpfte Kinder die Weitergabe von kursierenden Erregern vermindern. Sind über 95% gegen eine Erkrankung geimpft, bricht die Übertragungskette ab. Dadurch werden Ausbrüche eingedämmt und die Krankheitslast in Kitas und Schulen deutlich verringert.

Doch nicht nur andere Kinder profitieren von der Impfung. Durch die verringerte Weitergabe von Erregern schützt man auch Erwachsene vor einer Infektion. Besonders wichtig ist dies für diejenigen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. So z. B. alte Menschen, chronisch Kranke oder solche, die immununterdrückende Medikamente einnehmen.

Hinweis: Allein die Masernimpfung ist hocheffektiv, wie die WHO berechnet hat. Bis 2024 hat sie rund 58 Millionen Leben gerettet – und zwar vor allem das von Kindern.

Nur Impfen schützt

Damit Impfungen schützen können, gibt es nur eins: Impfen. Denn die Erreger sind (bis auf die Pocken) nicht verschwunden. Überall dort, wo sich Menschen aufhalten, sind auch Viren und Bakterien zu finden. Darunter tummeln sich nicht nur harmlose Erkältungsviren, sondern potenziell auch all die Erreger, die Kindern gefährlich werden können.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expert*innenteam, das die Wirkung und die Sicherheit von Impfungen wissenschaftlich prüft und Empfehlungen dazu herausgibt. Jedes Jahr wird ein Impfkalender veröffentlicht, indem diese Empfehlungen aktualisiert werden. Darin finden sich die Zeitpläne, wann Kinder, Jugendliche und Erwachsene gegen welche Erkrankung geimpft werden sollten.

Die meisten Eltern lassen ihre Kinder gemäß der STIKO-Empfehlungen impfen. Noch liegen die Impfquoten auf recht hohem Niveau. So sind über 90% der Säuglinge und Kleinkinder gegen Diphtherie, Polio und Tetanus geimpft. Allerdings werden inzwischen immer häufiger die nötigen Auffrischimpfungen unterlassen. Auch bei Impfungen, die erst für Jugendliche empfohlen werden, ist noch viel Luft nach oben. Die gegen Krebs schützende HPV-Impfung haben bei den 15-Jährigen 55% der Mädchen und 36% der Jungen erhalten.

Hinweis: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in Deutschland alle von der STIKO empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche als Kassenleistung. Voraussetzung ist, dass diese in die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgenommen wurden.

Warum Eltern sich sorgen

Manche Eltern sorgen sich jedoch, dass eine Impfung ihrem Kind schaden könnte. Sie fürchten schwere Nebenwirkungen wie z. B. akute Herzmuskelentzündungen oder Langzeitfolgen. Solche Ängste werden von einigen Randgruppen geschürt, vor allem geschieht dies in sozialen Medien. So wurde die Masernimpfung angeschuldigt, Autismus auszulösen, der HPV-Impfung sagten Impfgegner*innen nach, sie führe zur Unfruchtbarkeit. Beides ist wissenschaftlich widerlegt und wird trotzdem immer wieder verbreitet. Auch die Impfdebatte um Corona hat die Skepsis bei einigen Menschen verstärkt. Deshalb ist es wichtig, sich unabhängige, neutrale Informationen zu besorgen. Gute Adressen dafür sind die STIKO und natürlich die Haus- oder Kinderärzt*in.

Ein häufig gehörtes Argument gegen Impfungen ist, dass Impfungen das Immunsystem der Kinder überlasten. Doch das kindliche Immunsystem ist unglaublich leistungsstark, es verarbeitet täglich tausende Antigene aus der Umwelt und der Nahrung. Die Standard-Sechsfachimpfung für Säuglinge nutzt nur etwa 0,1% dieser Immunkapazität. Impfungen stören auch die sonstige Abwehr nicht: Dass frisch geimpfte Kinder gleichzeitig nicht mehr Infektionen bekommen, haben zahlreiche Studien nachgewiesen.

Auch die Nebenwirkungen werden von Impfgegner*innen ins Feld geführt. Leichte Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen oder leichtes Fieber zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Sie können bei allen von der STIKO empfohlenen Impfungen auftreten und sind in der Regel unbedenklich und nur von kurzer Dauer. Schwere Nebenwirkungen sind dagegen überaus selten. Forschende haben berechnet, dass es bei einer von 1 Million verabreichten Impfdosen zu einer Anaphylaxie (einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion) kommt. Viel gefährlicher als Impfungen sind die entsprechenden Krankheiten: Masern führen in 30% der Fälle zu schweren Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung. Und von 100-200 Polio-Infizierten behalten etwa ein bis zwei eine Lähmung der Beine zurück.

Hinweis: Impfstoffe werden nicht nur vor ihrer Zulassung umfassend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Sicherheit von den entsprechenden Behörden geprüft. Auch nach Einführung der Impfung werden sie weiter kontrolliert und jahrzehntelang Daten gesammelt und analysiert, um etwaige Langzeitprobleme zu erkennen.

Die einzelnen Impfungen im Kindesalter – das sollte man wissen

Welche Impfungen die STIKO im Einzelnen empfiehlt, richtet sich nach dem Lebensalter. Zur von der STIKO empfohlenen Grundimmunisierung gehören Impfungen gegen folgende Infektionen: 

  • Rotavirus-Infektion 
  • Tetanus 
  • Diphtherie
  • Poliomyelitis
  • Keuchhusten (Pertussis) 
  • Hämophilus-influenza-Infektion (Hib)
  • Hepatitis B 
  • Pneumokokkeninfektion 
  • Meningokokkeninfektion

Im Alter von sechs Wochen geht es mit der Impfung gegen Rotaviren los, ab Woche acht kommen bis zu acht weitere Impfungen hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich um Impfungen, die in drei Dosen verabreicht werden, z. B. im zweiten, im vierten und im elften (bis zwölften) Lebensmonat. Sie alle können an einem Tag gegeben werden. Als Sechsfach-Impfung in einer Spritze gibt es z. B. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio (Kinderlähmung), Hib und Hepatitis B. Die Impfstoffe gegen Meningokokken B und Pneumokokken werden einzeln geimpft. Je nach Impfstoff sind weitere Auffrischimpfungen im sechsten Lebensjahr und im Alter von 9 bis 16 Jahren nötig.

  • Rotaviren-Infektion. Rotaviren treten gehäuft zwischen Februar und April auf. Fast alle Säuglinge und Kleinkinder stecken sich damit an, insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren. Pro Jahr erkranken etwa 40-60 000 Kinder daran. Die Erkrankung löst wässrigen Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen aus. Vor allem Säuglinge können viel Flüssigkeit und Mineralien verlieren und austrocknen, es kann sogar zu Todesfällen kommen. Bei der Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung, die je nach Präparat aus 2 bis 3 Dosen besteht. Die erste Dosis soll mit sechs Wochen verabreicht werden. Als Nebenwirkung ist die Darminvagination bekannt, bei der sich ein Teil des Darms in einen anderen hineinschiebt. Das natürliche Invaginationsrisiko bei Säuglingen beträgt 60 bis 100 auf 100 000 Kinder pro Jahr. Nach der ersten Dosis der Rotaviren-Impfung steigt das Risiko minimal an, und zwar auf 1 bis 5 zusätzliche Fälle pro 100 000 geimpften Säuglingen. Der Nutzen der Impfung überwiegt damit das Risiko erheblich, weshalb die Impfung auch von der STIKO empfohlen wird.
  • Diphtherie wird durch Bakterien übertragen und führt zu Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Heiserkeit. Früher sind viele Kinder an der Diphtherie erstickt, weltweit sterben heute etwa 5 bis 10% der Erkrankten an Herz- und Nierenschäden. In Deutschland kommt die Diphtherie kaum noch vor. In anderen Ländern ist die Erkrankung noch verbreitet, bei unvollständigem Impfschutz kann sie deshalb auch in Deutschland wieder Fuß fassen. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, meist mit dem sogenannten Sechsfachimpfstoff.
  • Tetanus. Tetanusbakterien finden sich in Gartenerde, Straßenstaub oder im Sandkasten, Kinder sind damit also ständig konfrontiert. Über kleinste Verletzungen können sie in den Körper eindringen und Wundstarrkrampf hervorrufen. Selbst wenn die Erkrankung behandelt wird, sterben etwa 10 bis 20 % der betroffenen an Atemnot oder Herzversagen. Aufgrund der Impfung (in der Regel im Sechsfachimpfstoff) ist Wundstarrkrampf in Deutschland sehr selten. 
  • Keuchhusten (Pertussis). Die Keuchhustenerkrankung wird durch Bakterien übertragen und kann vor allem bei Säuglingen gefährlich Atemstillstände auslösen. In seltenen Fällen schädigen Sauerstoffmangel und Krampfanfälle das Gehirn, es drohen u. a. Lähmungen, Seh- und Hörstörungen. Geimpft wird im Rahmen der Sechsfach-Impfung.
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis). Polioviren sind überaus ansteckend, sie verbreiten sich über Husten und Niesen und über den Stuhl (Schmierinfektion). Bei den allermeisten Infizierten verläuft die Erkrankung unbemerkt. 4 bis 8% entwickeln jedoch grippeähnliche Symptome, bei bis zu 1 % von ihnen kommt es zu Lähmungen, die lebenslang anhalten können. Polio ist in Deutschland selten, kann aber durch Reisende ins Land gebracht werden. Umso wichtiger ist ein guter Impfschutz. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, bei Säuglingen meist mit der Sechsfach-Impfung.
  • Hämophilus influenzae Typ B (Hib). Hib-Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen und infizieren vor allem den Nasenrachenraum inklusive Mittelohr und Nebenhöhlen. Bei schweren Verläufen kann der Kehldeckel anschwellen und zu Atemnot führen, auch Hirnhautentzündungen sind möglich. Säuglinge und Kleinkinder können innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich erkranken. Die STIKO empfiehlt die Hib-Impfung ab einem Alter von 2 Monaten, sie ist in entsprechenden Sechsfach-Impfstoffen enthalten. 
  • Hepatitis B. Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus gefährden die Leber. Die Viren werden über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, insbesondere beim Geschlechtsverkehr. Die STIKO rät zu einer frühen Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Dadurch werden Jugendliche rechtzeitig vor Beginn ihrer sexuellen Aktivität vor der Erkrankung geschützt. Die Hepatitis-B-Impfung kann gemeinsam im Sechsfach-Impfstoff verabreicht werden.

  • Pneumokokken. Pneumokokken sind Bakterien, die durch Husten und Niesen übertragen werden und schwere Infektionen in Mittelohr, Lunge, und Nasennebenhöhlen verursachen. Auch Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündungen gehen auf ihr Konto. Die Infektion variiert stark. Es gibt Keimträger*innen, die völlig krankheitsfrei sind, bei anderen kommt es zu schweren Verläufen, von denen jede zehnte tödlich endet. Die Pneumokokkenimpfung wird zu den gleichen Zeitpunkten verabreicht wie die anderen Grundimmunisierungen, allerdings in einer separaten Spritze.

  • Meningokokken B. Von diesen Bakterien, die zu Hirnhautentzündung und Blutvergiftung führen können, gibt es verschiedene Typen. Sie alle werden durch Tröpfchen übertragen. Eine von zwölf Erkrankungen mit Meningokokken Typ B verläuft tödlich. Bei den Überlebenden sind Langzeitfolgen wie Hörverlust oder Nierenschäden möglich. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Ebenso wie die Pneumokokkenimpfung erfolgt sie in einer separaten Spritze.

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken

Auch Masern, Mumps und Röteln sind alles andere als harmlos, weshalb Kinder dagegen geimpft werden sollten. Im Gegensatz zu Impfstoffen der Grundimmunisierung handelt es sich um Lebendimpfstoffe. Sie enthalten abgeschwächte Erreger, die sich nur leicht vermehren und keine volle Krankheit auslösen. Milde Beschwerden wie leichter Ausschlag, erhöhte Temperatur, Gelenkbeschwerden oder leichte Durchfälle treten bei 2 bis 10 % der Geimpften auf und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Lebendimpfstoffe sollen erst ab dem 11. Monat geimpft werden, da das kindliche Immunsystem erst ab diesem Zeitpunkt reif dafür ist. Meist werden Masern, Mumps und Röteln zusammen in einem Kombiimpfstoff (MMR-Impfung) geimpft. Die richtigen Zeitpunkte dafür sind das Alter von 11 sowie von 15 Monaten.

  • Masern. Masernviren sind extrem ansteckend, sie rufen grippeähnliche Symptome und Hautausschlag hervor. Eine von 1000 Erkrankten entwickelt eine Gehirnentzündung, die in bis zu 20% tödlich verläuft. Bei einem Drittel der Betroffenen mit Gehirnentzündung bleiben Schäden zurück. Bei 30 bis 60 von 100 000 erkrankten Kindern unter 5 Jahren kommt es zu einer schwerwiegenden Spätfolge, der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis. Dabei handelt es sich um einen schleichenden Zerfall des Gehirns bis zum Tod. Um diese schweren Folgen zu verhindern, wird gegen Masern geimpft. Gemäß Masernschutzgesetz müssen alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten eine Impfung oder eine Masernimmunität nachweisen. Da ein Lebendimpfstoff verwendet wird, kann es zu milden Symptomen kommen (siehe oben). Die Wahrscheinlichkeit für eine Gehirnentzündung ist entgegen der Propaganda von Impfgegner*innen verschwindend gering, sie beträgt weniger als 1 Fall pro 1 Million Geimpften (im Vergleich 1:1000 bei Masernerkrankung).
  • Mumps. Mumpsviren werden durch Tröpfchen oder Speichel übertragen und lösen bei zwei Drittel der Infizierten Fieber, Kopf- und Ohrenschmerzen aus. Oft schwellen beide Ohrspeicheldrüsen an. In einem von 100 Erkrankungsfällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen, ältere an Mumps erkrankte Jungen entwickeln öfter eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung. Auch Entzündungen der Hörnerven können auftreten und zu bleibenden Hörschäden führen. Gegen Mumps wird wie gegen Masern zweimal geimpft, meist mit dem MMR-Kombiimpfstoff.
  • Röteln. Rötelnviren werden ebenfalls durch Tröpfchen übertragen und lösen eine erkältungsähnliche Erkrankung mit Hautausschlag und Fieber aus. Komplikationen sind selten, sie treffen die Atemwege, das Mittelohr, die Hirnhäute und das Herz. Besonders gefährlich sind Röteln, wenn sich eine ungeschützte Schwangere ansteckt. Dann droht dem Kind die Röteln-Embryopathie mit schweren Fehlbildungen an Ohr, Auge, Herz und Gehirn. Zum eigenen Schutz, aber auch um die Verbreitung zu verringern, sollten Kinder im Alter von 11 und 15 Monaten gegen Röteln geimpft werden.

Hinweis. Eine weitere Impfung ab 11 bis 12 Monate ist die gegen Windpocken (zwei Impfungen). Die bisher empfohlene Impfung gegen Meningokokken C entfällt, stattdessen soll im Jugendalter ein zweites Mal gegen Meningokokken geimpft werden.

Impfungen für Kinder ab 9 Jahren

Seit 2007 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen. HPV werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und können Krebs verursachen, vor allem am Gebärmutterhals, aber auch am After, am Penis und im Rachen. Besonders gefährlich sind HPV 16 und 18. Gegen eine Ansteckung mit diesen beiden (je nach Präparat auch weiteren) Typen schützt die HPV-Impfung. Geimpft wird im Zeitraum zwischen 9 und 14 Jahren. Für den besten Schutz ist es wichtig, dass die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Seit ihrer Einführung hat sich gezeigt, dass die Impfung sicher und effektiv ist. In Schweden ist das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen um 90% gesunken.

Seit 2025 sollen laut STIKO 12- bis 14-Jährige eine weitere Impfung erhalten: die Meningokokkenimpfung gegen die Typen A, C, W und Y, die sogenannte MenACWY-Impfung. Die STIKO verfolgt dadurch zwei Strategien. Jugendliche sind die Altersgruppe, deren Rachenbereich am stärksten mit Meningokokken besiedelt ist (wobei die meisten Träger keine Symptome zeigen). Durch Partys, Schule und Gruppenaktivitäten werden die Bakterien leicht verbreitet. Die Impfung schützt nicht nur die Jugendlichen selbst vor einer schweren Erkrankung. Sie reduziert auch die Anzahl an Übertragenden und senkt dadurch die Infektionsrate insgesamt.

Hinweis: Im Jugendalter ist es wichtig, auch an die Auffrischimpfung der Grundimmunisierung zu denken. Dazu gehören die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Poliomyelitis (DTP-M-Impfung). Ein guter Termin dafür ist die U11 oder die J1. Die DTP-M-Auffrischung kann beim gleichen Termin wie die MMR-Impfung verabreicht werden, sie stören sich gegenseitig nicht.

Wie sieht es mit Grippe und Corona aus?

Eine Impfung gegen Corona oder die Influenza (Grippe) wird von der STIKO für Kinder derzeit (2025) nicht standardmäßig empfohlen. Möglich sind beide Impfungen ab dem Alter von sechs Monaten. Ratsam ist die Grippeimpfung bei chronisch kranken Kindern, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Das sind z. B. Kinder mit 

  • chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma
  • Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Diabetes 
  • neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder 
  • angeborenen bzw. erworbenen Immuninfekten oder einer HIV-Infektion.

Kinder mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und Abwehrschwäche sollten zudem gegen Coronaviren geimpft werden. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die in Pflegeeinrichtungen betreut werden – denn dort haben sie ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren. Die Basisimmunität gegen Coronaviren ist bei drei Kontakten mit dem Virus oder seinen Bestandteilen (Impfung) erreicht.

Quellen: STIKO, DKFZ, Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Mareen Fischinger