Gesundheit heute

Gesundheit in Reichweite bringen

Seine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, kann unter den realen Begrenzungen des Lebens zu einem schwierigen Unterfangen werden. Denn viele Gesundheitsrisiken sind nun einmal in den modernen Alltag „einzementiert“ und Teil des modernen Lebensstils, den wir ja nicht ohne Grund leben. Folgende Tipps sollen Ihnen helfen, Gesundheit in Ihr persönliches Leben zu integrieren:

Was zählt, ist die Spannweite der eigenen Flügel. Setzen Sie sich Ziele, die zu Ihren Möglichkeiten, Ihrer Person, Ihrem Leben passen. Besser statt: „Ab heute keine Schokolade mehr“, mag sein: „Vor dem Nachschlag kurz nachdenken“. Oder vielleicht sogar: „Vor dem dritten Bier 10 Minuten Pause machen“. Realistische Ziele orientieren sich nicht an der Realität von Gesundheitsratgebern oder Zeitschriften, sondern an Ihrer Realität. Mit anderen Worten: In Sachen Gesundheit zählt nicht, wie wir das Leben gerne hätten, sondern wie unser Leben ist.

Nur was im Alltag ankommt, wirkt. Im Namen der Gesundheit legt man nur zu gerne kurzzeitige Sonderprogramme auf: zwei Wochen Diät, Fastentage oder eine Kur. Aber: Nach wissenschaftlichem Ermessen verpufft der Effekt solcher Sondereinsätze zu 100 %. Das „echte“ Leben, so scheint es, bildet vielmehr Quersummen: Nur was sich langfristig ins Leben einbauen lässt, verändert die Bilanz. Eine Diät funktioniert nur, wenn sie eben keine Diät, also kein besonderes Essen für einen kurzen Zeitraum ist, sondern das Essverhalten dauerhaft verändert. Und mehr Bewegung hält man nur durch, wenn die zusätzlichen Kilometer Teil der täglichen Routine werden. Jeder Millimeter, um den wir den Alltag verändern, ist mehr wert als der Kilometer, den wir uns hier und da abtrotzen.

Wer sich verändern will, braucht andere. Sein Verhalten langfristig zu ändern ist ohne Rückhalt und sozialen Aufwind nicht zu schaffen. Ohne Ansporn, ohne Publikum, ohne Neider und Bewunderer fällt es uns schwerer, durchzuhalten. Wer sich verändern will, muss mit anderen ins Gespräch kommen, Beziehungen stärken, ein soziales Netz knüpfen.

Die „Problemzone“ ist das Gehirn. 90 % der Empfehlungen zur Selbsthilfe bleiben meist wirkungslos – und werden doch geglaubt. Millionen von Frauen quälen sich mit Tinkturen gegen Zellulite – dabei ist sie ein normaler Befund bei Frauen mit mehr als einem halben Millimeter Fettschicht unter der Haut. Weitere Millionen geben Millionen zur Verlangsamung des Alterns aus – aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig. Alle Diäten finden Anhänger, gerne auch als Kombi-Packung: „12 Geheimtipps für gutes Aussehen, guten Sex und 10 kg Gewichtsabnahme“. Wer es mit sich ernst meint, sollte Wundern und „Geheimtipps“ mit Verstand begegnen.

Gesundheit passiert „en passant“ – oder gar nicht. Natürlich wäre es gut für uns, täglich eine halbe Stunde Yoga zu praktizieren, eine halbe Stunde spazieren zu gehen, eine halbe Stunde nach dem Mittagessen auszuruhen und morgens ein paar kalte Güsse zur Abhärtung zu machen. Aber nur die wenigsten haben Zeit, um im Alltag das zu tun, was die Fotomodelle in den Ratgebern vormachen. Gute Vorsätze, die wir nicht „auf dem Weg“, also im Zuge unserer alltäglichen Beschäftigungen, realisieren können, bleiben in aller Regel ein Luftschloss.

Prioritäten setzen. Als der berühmte Bankräuber Sutton vor Gericht gefragt wurde, warum er Bank um Bank ausgeraubt habe, war seine Antwort klar: „Weil dort das Geld ist.“ In Sachen Selbsthilfe sollten wir wie Sutton denken: Klare Ziele setzen, nicht Nebenschauplätze ansteuern. Die wichtigste Priorität mag für den einen das Abspecken sein, für den anderen die Reise nach Paris. Jeder muss seine „Bank“ finden.

Langfristig denken. Gesundheit funktioniert leider nicht wie die Post. Was wir heute tun, kommt nicht morgen an, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren. Wer rasch Erfolge sehen will, überlastet sich. Der Entschluss „jetzt mehr für seinen Körper zu tun“ – zu joggen, zu wandern, Rad zu fahren – endet nicht selten mit einem kaputten Knie. Deshalb: langsam beginnen, den Körper mäßig, aber regelmäßig belasten. Muskeln wachsen langsam und neue Bewegungsabläufe werden erst nach Monaten und Jahren flüssig.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
Zurück
Wärmflaschen richtig benutzen

Vor allem bei Bauchkrämpfen werden Wärmflaschen häufig eingesetzt.

Wärmflaschen richtig benutzen

Achtung, Verbrühungs-Gefahr

Wärmflaschen sind bei vielen Gelegenheiten hilfreich. Sie haben allerdings auch ihre Tücken – im schlimmsten Fall kann man sich damit verbrühen. Damit das nicht passiert, gibt es hier ein paar praktische Tipps.

Gummiwärmflasche gibt es seit hundert Jahren

Das Prinzip „Wärmespender“ am Körper gibt es schon lange. Im Mittelalter füllte man Zinnflaschen mit heißem Wasser, um sich damit im Bett zu wärmen oder Bauchkrämpfe zu lindern. Davor nahm man dafür heiße Steine oder Ziegel. Die bekannte Gummiflasche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden und ist seitdem aus der Hausapotheke kaum mehr wegzudenken.

Poröses Material kann gefährlich werden

Wärmflaschen haben allerdings auch ihre Tücken. Das liegt am Material, aus dem sie hergestellt sind – nämlich aus Gummi oder Kunststoff. Beides kann mit der Zeit porös werden, und das ist gefährlich. Es kann heißes Wasser austreten und zu Verbrühungen führen. Im schlimmsten Fall platzt eine mit heißem Wasser gefüllte Wärmeflasche sogar.

Damit das nicht passiert, sollten Wärmflaschen regelmäßig auf Risse oder Brüche kontrolliert werden. Hilfreich ist auch das Herstellungsdatum das – meist am Einfüllstutzen – auf dem Gummi zu finden ist. In der Mitte eines Kreises steht eine Jahreszahl, darum herum sind 12 Felder angeordnet. Damit werden Jahr und Monat der Herstellung angegeben. Wird die Wärmflasche kaum verwendet, sollte man sie alle 5 Jahre austauschen. Bei regelmäßigem Einsatz wird eine Nutzungsdauer von etwa drei Jahren empfohlen.

Richtig füllen, richtig trocknen

Um das Material zu schonen und keine Unfälle zu riskieren, ist es zudem hilfreich, die Wärmflasche gut zu behandeln. 

  • Das eingefüllte Wasser sollte maximal 60° C warm sein, bei Kindern reichen auch 40° C. 
  • Wärmflasche nur zu zwei Dritteln mit Wasser füllen, und die verbliebene Luft herausstreichen. Das verhindert Überdruck, der die Wärmeflasche zum Platzen bringen könnte. 
  • Wärmflasche nicht unter Sonneneinstrahlung lagern oder trocknen lassen, das schadet dem Material.
  • Wärmflasche nicht mit aggressiven Reinigern säubern und auch nicht falten - beides kann den Alterungsprozess des Materials beschleunigen. 
  • Nach dem Benutzen leeren und verkehrt herum aufhängen, um die Ablagerung von Kalk zu verhindern.

Körnerkissen als Alternative

Wer sich mit all dem nicht beschäftigen möchte, kann auch zu alternativen Wärmequellen greifen. Dazu gehören z. B. Wärmepflaster aus der Apotheke, die bei Rücken- oder Nackenverspannungen hilfreich sind. Auch das Körnerkissen, das man in der Mikrowelle aufwärmt, tut gute Wärmedienste – ganz ohne heißes Wasser und der Gefahr des Verbrühens.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Towfiqu Barbhuiya / Alamy / Alamy Stock Photos