Gesundheit heute

Pille danach als Notfallverhütung

Verhütungspannen kommen vor: Wenn die Einnahme der „Pille" vergessen wurde, das Kondom abgerutscht ist, der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde, der Zyklus schwankt oder man einfach unvernünftig war und gar nicht verhütet hat. Um dennoch kein Kind zu bekommen, gibt es die „Pille danach” als nachträgliche „Verhütungsmethode" (Postkoitale Kontrazeption). Sie istausschließlich für Notfälle gedacht. 

„Pille danach” (Morning after Pill, Postkoitale Kontrazeption, Interzeption): eine oder zwei Hormontabletten zur Verhinderung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die Tabletten enthalten das gestagenartige Hormon Levonorgestrel (PiDaNa®, Postinor®, Unofem®) oder den Progesteron-Rezeptor-Modulator Ulipristal (EllaOne®).

Von der „Pille danach” abzugrenzen ist die Abtreibungspille. 

Wirkstoffe und Wirkweise:

Levonorgestrel. Levonorgestrelhaltige Präparate müssen innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Je früher die Einnahme erfolgt, desto wirksamer ist sie:

  • Wird die 1. Dosis innerhalb von 24 Stunden eingenommen, kommt es bei 0,4 % zu einer Schwangerschaft.
  • Wird sie erst am 2. Tag eingenommen, beträgt die Schwangerschaftsrate schon 1,2 %.
  • Wird sie erst am 3. Tag eingenommen, werden 2,7 % schwanger.

Der Wirkmechanismus ist nicht genau bekannt. Levonorgestrel verhindert den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) und verzögert damit den Eisprung. Levonorgestrel ist wirkungslose, wenn die Einnahme am Tag des Eisprungs oder einen Tag nach dem Eisprung erfolgt ist.

Die Packungen enthalten eine Tablette mit 1,5 mg Levonorgestrel.

Präparate: PiDaNa® 1,5 (DE), Psotinor® (EU), NorLevo® (CH), Vikela® (AT). Für Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Wird Levonorgestrel zu spät genommen oder kommt es trotz Einnahme zu einer Schwangerschaft, schadet die Einnahme der Schwangerschaft nicht.

Die Wirkung von Levonorgestrel kann durch andere Arzneimittel reduziert werden. Hierzu zählen unter anderem Medikamente zur Behandlung von Epilepsie, Tuberkulose, HIV, Pilzinfektionen sowie pflanzliche Präparate, die Johanniskraut enthalten. Wurde ein die Wirkung von Levonorgestrel hemmendes Arzneimittel in den letzten 4 Wochen eingenommen, sollte die Levonorgestrel-Dosis von 1,5 auf 3 mg verdoppelt werden.

Ulipristal. Ulipristalhaltige Präparate müssen innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Sie verhindern den Eisprung, indem sie die Wirkung des Gelbkörperhormons Progesteron unterdrücken. Im Gegensatz zu Levonorgestrel wirken sie auch noch kurz vor dem Eisprung. Ulipristal ist aber ebenfalls wirkungslos, wenn die Einnahme am Tag des Eisprungs oder einen Tag nach dem Eisprung erfolgt. Noch unklar ist, welchen Einfluss Ulipristal auf eine bereits bestehende Schwangerschaft hat.

Präparate: ellaOne® (EU). Für Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Die Wirkung von Ulipristal kann durch andere Arzneimittel reduziert werden. Hierzu zählen unter anderem Medikamente zur Behandlung von Epilepsie, Tuberkulose, HIV, Pilzinfektionen sowie pflanzliche Präparate, die Johanniskraut enthalten. Der Wirkungsverlust ist stärker als bei Levonorgestrel.

Einnahme und Nebenwirkungen:

Einnahme. Es wird eine Tablette mit 30 mg Ulipristal als Einzeldosis eingenommen. Die Einnahme sollte nicht auf nüchternen Magen erfolgen, da sonst Übelkeit und Erbrechen drohen. Bei Erbrechen innerhalb von 3 Stunden nach der 1. Einnahme muss die Einnahme der „Pille danach” wiederholt werden.

Nach Einnahme der „Pille danach” besteht kein Verhütungsschutz, es muss anderweitig, z. B. mit Kondomen, verhütet werden. Die herkömmliche „Pille" sollte nach der „Pille danach” bis zur nächsten Monatsblutung abgesetzt werden.

Stillen. Stillende Mütter sollten levonorgestrelhaltige Präparate direkt nach dem Stillen einnehmen und dann 8 Stunden nicht stillen. Einige Fachleute empfehlen, zusätzlich bis zu 24 Stunden nach der Einnahme die Muttermilch zu verwerfen. Nach Einnahme ulipristalhaltiger Präparate sollte 36 Stunden lang nicht gestillt, die Muttermilch also abgepumpt und verworfen werden.

Nebenwirkungen. In 75 % der Fälle treten Übelkeit ohne Erbrechen auf, bei mehr als 10 % auch Kopfschmerzen, Unterbauchschmerzen oder Brustspannen. In der Mehrzahl der Fälle tritt die Monatsblutung nach Einnahme der „Pille danach” zum erwarteten Zeitpunkt und in normaler Stärke ein. Bei ~ 25 % der Anwenderinnen verschiebt sich die Menstruation nach vorne oder hinten, auch Zwischen- und Schmierblutungen treten auf.

Verschreibungspflicht. In Deutschland ist die „Pille danach” rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Österrreich: Levonorgestrelhaltigen Präparate sind verschreibungsfrei, ulipristalhaltige Präparate nicht.

Schweiz: NorLevo® ist rezeptfrei, darf aber nur nach einer ausführlichen Aufklärung durch den Apotheker abgegeben werden.

Von: Dr. med. Andrea Stadler, Dr. med. Arne Schäffler

Aktuelle Beiträge zum Thema

  • Verhütungspille für den Mann
    Hormonfrei und ohne Nebenwirkungen

    Innerhalb der nächsten zehn Jahre sehen australische Forscher eine hormonfreie Pille für den Mann auf dem Markt, die weder Fruchtbarkeit noch sexuelle Aktivit... mehr

  • Sprache bei Babys und Kleinkindern
    Zuwendung der Eltern fördert Sprechen

    Die sprachliche Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern verläuft rasant. Wichtige Grundlage dafür ist die direkte Kommunikation und Zuwendung der Eltern.... mehr

  • Schwangerschaftsdemenz nach Geburt
    Denkfähigkeit im Wochenbett verringert

    Lange wurde angenommen, dass Frauen während der Schwangerschaft übermäßig vergesslich und verwirrt seien. Eine neue Studie zeigt jedoch: Die „Schwangersch... mehr

  • Trauer nach einer Fehlgeburt
    Den Kummer nicht verdrängen

    Jede dritte Schwangerschaft endet vor der 12. Woche. Für die Mutter ist die Fehlgeburt ein schwerer Schicksalsschlag. Doch wenn sie die Trauer zulässt und das... mehr

  • Kinderwunsch trotz Diabetes
    Sicher durch die Schwangerschaft

    Frauen mit Diabetes können heute in der Regel problemlos Kinder bekommen. Dennoch müssen sie einige Hinweise beachten, um die Risiken für sie selbst und ihr ... mehr

  • Röteln-Infektion bei Schwangeren
    Mikrozephalie kann Folge sein

    Die Mikrozephalie – ein zu kleiner Kopf bei Neugeborenen – erlangte als Folge der Zika-Virus-Infektion hohe Aufmerksamkeit. Doch auch hierzulande gibt es in... mehr