Gesundheit heute

Akne bei Jugendlichen

Akne: Nicht ansteckende Hauterkrankung, die mit Vergrößerung der Talgdrüsen, vermehrter Talgproduktion und dadurch begünstigten Entzündungen einhergeht. Sie tritt besonders in der Pubertät auf und hat mit 17 Jahren ihren Häufigkeitsgipfel. Rechnet man milde Formen mit, so ist fast jeder Jugendliche von Akne betroffen, Jungen meist schwerer als Mädchen. Jedoch haben etwa 10 % der Betroffenen auch noch nach dem 25. Lebensjahr Beschwerden. Bei 30 % verläuft die Akne so schwer, dass sie medizinisch behandelt wird.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Mitesser (Komedonen), die sich zu "Pickeln" (Pusteln) entwickeln und entzünden
  • Auftreten der Akne vor allem im Gesicht (besonders an Stirn, Wangen und Kinn), im Dekolleté und am oberen Rücken.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten 1–2 Wochen, wenn

  • die Akne durch Selbsthilfemaßnahmen nicht innerhalb von 2–3 Monaten besser wird
  • sich eitrige Pusteln oder tiefe Knoten bilden.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Akne außerhalb der Pubertät auftritt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

In der Pubertät bilden insbesondere Jungen, aber auch Mädchen, männliche Geschlechtshormone wie Testosteron. Durch das Hormon werden die Talgdrüsen zu verstärkter Absonderung von Talg (Talgsekretion) angeregt (Seborrhö). Wie stark die Talgdrüsen auf die Hormone ansprechen, ist dabei von Mensch zu Mensch verschieden. Gleichzeitig neigt die Haut an den Talgdrüsenausgängen bei vielen Jugendlichen zur Verdickung (Verhornung), sodass sich der Talg zusammen mit abgeschilferten Hautzellen anstaut und weiße Mitesser (weiße Komedonen) entstehen. Diese färben sich durch Einlagerung von Pigmenten (nicht durch Schmutz) im Lauf der Zeit dunkel oder sogar schwarz (schwarze Mitesser bzw. Komedonen). Die verstopften Talgdrüsen werden leicht von Hautbakterien, z. B. Propionibacterium acnes, besiedelt. Dadurch entzünden sich die Mitesser und die umgebende Haut; es entstehen die bekannten Pickel, also eitrig entzündete Mitesser.

Ursachen

Hormonveränderungen. Jugendliche leiden durch die hormonelle Umstellung in der Pubertät an der "ordinären Akne" (Acne vulgaris). Weitaus seltener entwickelt sich die Akne durch Hormonzufuhr von außen. Auch nach der Pubertät klagen viele Mädchen über leichte Akne: In der 2. Zyklushälfte verändert sich der Hormonhaushalt, da der Anteil des Gelbkörperhormons Progesteron steigt. Gleichzeitig sinkt der Anteil des Östrogens, das die Talgproduktion eher bremst.

Die sogenannte Neugeborenenakne ist eine Reaktion der empfindlichen Säuglingshaut auf die mütterlichen Hormone, die das Kind im Mutterleib aufgenommen hat. Die Hormone werden jedoch schnell wieder abgebaut, sodass sich die Akne nach einiger Zeit von selbst bessert.

Umweltgifte und Kosmetika. Gefördert wird Akne auch durch Umwelteinflüsse, insbesondere durch den längerfristigen Einsatz fettiger Kosmetika, die die Hautporen schließen.

Ernährung. Der Einfluss der Ernährung ist kompliziert: Während die oft beschuldigte Schokolade oder fettreiche Ernährung kontrovers diskutiert wird, zeigen Studien, dass eine durch Überernährung und Bewegungsmangel ausgelöste diabetische Stoffwechsellage (metabolisches Syndrom) die Akne fördert.

Stress. Auch akuter Stress lässt Pickel und Akne "blühen".

Medikamente. Eine sogenannte medikamentös bedingte Akne bildet sich in wenigen Tagen nach der Einnahme von Medikamenten nicht nur im Gesicht, sondern auch an sonst eher unüblichen Stellen wie Armen, Beinen oder Rumpf. Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem kortisonhaltige Mittel gegen Entzündungen, bestimmte Mittel gegen Epilepsie oder Lithium gegen Depressionen.

Erkrankungen. Leiden erwachsene Frauen unter Akne, ist dies evtl. ein Hinweis auf das polyzystische Ovarialsyndrom, eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen der Frau. Eine andere Ursache ist die Überproduktion von männlichen Geschlechtshormonen (Hyperandrogenismus). Ebenso muss an die Hautkrankheit Rosazea gedacht werden.

Weitere Ursachen. Jede Akne wird zudem durch den Besuch von Solarien (hochdosiertes UVA-Licht) und durch nicht atmungsaktive Kleiderstoffe verschlimmert. Manchmal wird vermutet, dass mangelhafte Hygiene die Ursache für Akne ist. Dafür gibt es allerdings keine Belege.

Risikofaktoren

  • Fettige Substanzen oder bestimmte Kosmetika (z. B. Make-up)
  • Genetische Veranlagung: Sind bereits mehrere Familienmitglieder betroffen, besteht ein größeres Risiko für Akne
  • Reiben und Druck gegen die Haut, beispielsweise durch zu enge Kleidung oder das Tragen eines Rucksackes.

Klinik

Beim Krankheitsbild der eigentlichen Akne (Acne vulgaris) unterscheidet die Ärzt*in mehrere Formen, die sich durch typische Hautveränderungen erkennen lassen:

Leichte Akne. Bei Acne comedonica ist die Haut fettig und übersät mit vielen Mitessern ohne nennenswerte Entzündungen (Eiterpickel). Diese treten hauptsächlich im Gesicht auf, vor allem an Stirn, Kinn und seitlichem Nasenbereich. Gerade bei Mädchen übersteigt die Zahl der geschlossenen Mitesser die Zahl der offenen deutlich.

Mittelschwere Akne. Bei anderen Jugendlichen dominieren größere Knötchen, teilweise mit Eiterbildung, die sich sowohl im Gesicht als auch auf Brust, Rücken und Oberarme verteilen. Aus den entzündeten Pusteln entstehen unterschiedliche Narbentypen. Diese Form wird (Acne papulopustulosa) genannt.

Schwere Akne. Vor allem Jungen sind von sehr schweren Formen mit knotigen, tiefen, teils eitrigen Entzündungen betroffen. Nachdem diese abgeheilt sind, bleiben bei der auch Acne conglobata genannten Form charakteristische Aknenarben zurück.

Komplikation

Eine mögliche Komplikation ist die Acne fulminans, eine Form der schweren Akne mit Fieber und absterbenden Hautbereichen (Hautnekrosen).

Diagnosesicherung

Um andere Hautkrankheiten wie Pilzerkrankungen oder eine eitrige Haarbalgentzündung auszuschließen, ist der Besuch in der Hautarztpraxis notwendig. Zur Diagnose einer "ordinären Akne" benötigt die Ärzt*in meist keine weiteren Untersuchungen, sie erkennt sie an dem typischem Erscheinungsbild ("Blickdiagnose").

Behandlung

Für fast alle Behandlungen der Akne gilt: Bis sie wirken, ist Geduld gefragt. Wer keine Geduld hat und womöglich ständig die Behandlung wechselt, sieht keinen Fortschritt und hat eher das Gefühl, dass nichts hilft.

Pharmakotherapie

Alle Aknepräparate werden auf die gereinigte und abgetrocknete Haut aufgetragen. Vor und nach dem Auftragen müssen die Hände gut gewaschen werden. In leichten Fällen reichen "Rubbelcremes" (Waschpeelings) zur Abschilferung der verhornten Talgdrüsenausführungsgänge aus, wie etwa Brasivil® Paste.

Basisbehandlung durch Schälmittel. Meist wird dem betroffenen Jugendlichen aber eine sogenannte Basisbehandlung mit Benzoylperoxid (BPO) empfohlen, einem chemisch wirkenden, frei verkäuflichen Schälmittel, das gleichzeitig gegen Mitesser, Bakterien und die Entzündung wirkt. Da die Gesichtshaut sehr empfindlich ist, sollten nur niedrig konzentrierte Präparate eingesetzt werden. Beim Auftragen sind die Augen, Nasenlöcher und die Lippen auszusparen, da BPO die Schleimhäute reizt. Augenbrauen, Kopfhaare, Barthaare und Textilien können beim Kontakt mit BPO ausbleichen.

Die Behandlung mit BPO sollte die Beschwerden innerhalb von acht Wochen verbessern. Eine Anwendung länger als 3 Monate wird nicht empfohlen.

Ähnlich wirkt die verschreibungspflichtige Azelainsäure. Generell irritieren Cremes die Haut weniger als Gels oder gar Lösungen, deshalb sind Cremes am Anfang der Behandlung manchmal die bessere Wahl. Auch eine geeignete Hautpflege verringert die von den Schälmitteln oft ausgehende Reizwirkung. Reagiert die Haut empfindlich auf die Azelainsäure, ist das Präparat zunächst nur jeden zweiten Tag anzuwenden.

Oberflächliche (topische) Retinoide. Bei schwereren Akneformen reichen Schälmittel meist nicht aus. Hier werden aus der Vitamin-A-Säure gewonnene Präparate (Retinoide) verordnet, vor allem das wenig reizende Adapalen (als Creme oder als Gel). In hartnäckigen Fällen kann das – allerdings anfänglich stark reizende – Tretinoin (Vitamin-A-Säure) versucht werden. Noch stärker wirkt das Isotretinoin. Bei allen Präparaten wird von einer Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit abgeraten – bei Isoretinoiden drohen sogar Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Alle Retinoide haben zudem den Nachteil, dass sie die Haut lichtempfindlicher machen. Deshalb werden sie am besten abends aufgetragen. Zusätzlich muss auf einen ausreichenden Sonnenschutz geachtet werden. Retinoide werden häufig auch in Kombination mit BPO eingesetzt.

Oberflächliche (topische) Antibiotika. Bestehen entzündliche Hautveränderungen und Pusteln, die sich mit den Schälmitteln nicht bessern, helfen zusätzlich antibiotikahaltige Cremes, vor allem mit Erythromycin oder Clindamycin. Antibiotikapräparate sollten aber immer erst eingesetzt werden, wenn andere Therapieformen unzureichend wirken. Die Hautbakterien werden sonst gegen das Antibiotikum unempfänglich (resistent). Aus demselben Grund dürfen Antibiotikapräparate nicht länger als 6–12 Wochen hintereinander aufgetragen werden. Außerdem sollten sie nur zusammen mit Benzoylperoxid- oder Retinoid-Präparaten verabreicht werden

Systemische Präparate. In schweren Fällen, also vor allem bei der Acne conglobata, lindert die oral einzunehmende Einzeltherapie mit Isotretinoin die Akne. Nebenwirkungen wie trockene Haut, Leberfunktionsstörungen und Erhöhung der Blutfettwerte sowie Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression kommen vor. Für sexuell aktive Mädchen und Frauen ist diese Behandlung nur dann eine Option, wenn sie gleichzeitig sehr sicher verhüten. Denn durch die orale Einnahme von Retinoiden sind bei einer Schwangerschaft Fehlbildungen beim Ungeborenen möglich. Auch nach Beenden der Behandlung muss deshalb die Verhütung mindestens 4 Wochen lang fortgesetzt werden.

Die Behandlung mit Antibiotika zum Schlucken kommt kurzfristig bei stark eitrigen Formen in Betracht. Bei jungen Mädchen bessert auch die "Pille" die Akne oft deutlich.

Neue Therapiemethoden

Laser- und Lichttherapie. Zusätzlich zu Salben und Medikamenten werden verschiedene Formen der Bestrahlung mit Laser und Blitzlichtlampen als Behandlungsmöglichkeit erforscht. Diese Behandlungen sind jedoch noch nicht ausreichend erprobt, aber wahrscheinlich den medikamentösen Ansätzen unterlegen.

Fototherapie. Die Haut wird bei dieser Behandlung gezielt und unter ärztlicher Aufsicht mit UV-Licht bestrahlt. Studien haben ergeben, dass sich die Akne zumindest kurzfristig bessern soll. Die UV-Bestrahlung bei der Fototherapie ist nicht vergleichbar mit dem Besuch in einem Sonnenstudio!

Komplikationen

Bei der Behandlung kommt es anfänglich nicht selten zu Verschlechterungen. Aus diesem Grund werden die Schälmitteln nur alle 2 Tage angewendet und die Therapie stufenweise eingeschlichen. Wenn möglich, sollte eine Therapieform aber immer 6 Wochen ausprobiert werden, bevor eine andere oder stärkere Option gewählt wird.

Prognose

In vielen Fällen heilt die Akne bis zum 25. Lebensjahr von selbst wieder ab. Bleibt sie länger bestehen, spielen häufig Faktoren wie Stress und Medikamente eine Rolle. Manchmal handelt es sich dann auch um eine hormonell bedingte Akne, etwa in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

  • Zuerst einmal: Es tut keinem Betroffenen gut, wenn er Begriffe wie "unreine Haut" hört – mit Reinheit oder Unreinheit hat Akne nichts zu tun. Und Eltern, die gleich auf jeden Pickel hinweisen, machen sich zurecht nicht besonders beliebt.
  • Die von Akne betroffenen Hautregionen sollten einmal am Tag nur mit pH-neutralen und parfümfreien Seifen oder Waschlotionen gereinigt werden. Zu häufiges Waschen mit aggressiven Substanzen zerstört das Hautmilieu und führt oft zu einer Verschlimmerung.
  • Da alle Aknemittel die Haut reizen können, ist die richtige Hautpflege entscheidend. Am besten geeignet sind entfettende Syndets (synthetische Seifen), wie etwa Eubos®, Hydroderm® oder Effaclair®. Bei stark fettender Haut nimmt man zur Entfettung auch eine milde alkoholische Lösung, etwa 20%iges Isopropanol oder Solutio Cordes®. Beim Abdecken von Mitessern und Pickeln sollte man fettige oder ölige Kosmetika besser meiden.
  • Das bei vielen Teenagern beliebte "Ausdrücken" von Mitessern oder Pickeln schadet eher, denn die entzündungsverursachenden Substanzen werden durch unsachgemäßes Quetschen nur tiefer ins Gewebe gepresst. Das Risiko für Entzündungen und damit verbundene Narbenbildungen steigt. Stattdessen sollte eine Kosmetiker*in die Mitesser entfernen.
  • Nicht zu stark dosiertes Sonnenlicht wirkt erfahrungsgemäß günstig, was sich auch daran zeigt, dass Akne im Sommer oft besser und im Winter eher schlechter wird. Allerdings beruht der Eindruck eher darauf, dass Akne auf gebräunter Haut weniger auffällt.

Komplementärmedizin

Naturheilheilkunde. Auch die Naturheilkunde bietet kein Patentrezept gegen Akne – die Empfehlungen reichen von A-Vitaminen über Blutreinigungstees mit Schachtelhalm und Brennnessel, Kamille und Salbei bis hin zu Zink (innerlich wie äußerlich). Kleiebäder und Heilerdeanwendungen unterstützen am ehesten die schulmedizinische Behandlung. Heilerde entzieht der Haut Talg und Schmutz und regt gleichzeitig die Durchblutung an. Außerdem wirkt sie entzündungshemmend.

Vorsicht geboten ist bei der manchmal empfohlenen essigsauren Tonerde: Wer sich in der Dosierung vergreift, riskiert Verätzungen im Gesicht.

Viele Betroffene haben gute Erfahrungen mit Teebaumöl gemacht, allerdings: Es wirkt nicht von heute auf morgen. Das Öl wird mit etwas Gesichtsgel oder Gesichtswasser vermischt und auf die betroffenen Stellen aufgetupft. Bei Hautirritationen muss die Anwendung sofort abgebrochen werden.

Ein altes, aber in der Wirksamkeit wissenschaftlich unbewiesenes Hausmittel gegen Akne ist Hefe, die entweder als frische Bäckerhefe oder als Fertigpräparat (z. B. Levurinetten®) innerlich und äußerlich angewendet wird.

Auch verschiedene homöopathische Mittel wie gereinigtes Bienengift sollen helfen, das Hautbild zu verbessern. Bisher gibt es jedoch keine überzeugenden Beweise, dass sie wirken.

Dampfbad. Ein altes Hausmittel ist das Dampfbad. Dafür wird eine Schüssel mit sehr heißem Wasser befüllt, das mit einer Hand voll getrockneter Kamillenblüten oder Ringelblumen angereichert wird. Anschließend wird der Kopf mit einem Handtuch bedeckt und über die Schüssel gebeugt. Das Dampfbad sollte etwa 10–15 Minuten wirken. Danach muss die Haut gut abgetrocknet werden.

Prävention

Lebensführung. Wer zu Mitessern und Pickeln neigt, verhindert mit der richtigen Hautpflege oft das Entstehen von Entzündungen. Selbstverständlich spielen auch andere vorbeugende Verhaltensweisen eine Rolle: gesunde Lebensweise mit frischem Obst und Gemüse, ausreichend Schlaf, viel Bewegung an der frischen Luft und Nikotin-Verzicht.

Pflegemittel. Um die Akne nicht zu verschlimmern, sollte die Haut nicht ständig neuen "pflegenden" Substanzen ausgesetzt werden. Besser man bleibt bei einem Pflegemittel – sofern es vertragen wird.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dagmar Fernholz, Bettina Bobinger
Zurück
Diese Impfungen müssen sein

Eine der für Säuglinge empfohlenen Impfungen ist die gegen Rotaviren. Sie wird als Schluckimpfung verabreicht.

Diese Impfungen müssen sein

Kindergesundheit im Blick

Impfen ist wichtig: Es schützt Säuglinge und Kleinkinder vor schweren Erkrankungen und deren lebenslangen Folgen. Inzwischen werden für Kinder und Jugendliche 13 Impfungen empfohlen. Nicht alle erhalten sie – denn manche Eltern lassen sich durch falsche Behauptungen von Impfgegner*innen verunsichern. Doch die Impfungen sind nachgewiesen sicher und höchst effektiv – sowohl für das geimpfte Kind als auch für die Allgemeinheit. Eltern sollten deshalb diese Chance nutzen.

Schon über 150 Millionen Leben gerettet

Impfungen und Impfstoffe gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Durch sie wurden allein in den letzten 50 Jahren 154 Millionen Leben gerettet und die globale Lebenserwartung deutlich gesteigert. Die erste Impfung war die Ende des 18. Jahrhunderts eingeführte Pockenimpfung. Im 19. Jahrhundert kamen Impfstoffe gegen Tetanus und Milzbrand dazu, und inzwischen schützen Impfstoffe gegen mehr als 30 schwere oder folgenreiche Infektionen.

Die Ergebnisse der Impfmedizin können sich sehen lassen. So gelten die Pocken inzwischen als ausgerottet, und die Kinderlähmung steht mit jährlich etwa 100 Fällen weltweit kurz davor. Diphtherie und Keuchhusten sind in industrialisierten Ländern fast verschwunden, und neueste Impfungen wie gegen HPV können sogar die Entwicklung von Krebs verhindern.

Impfungen dienen vor allem dem Schutz von Kindern. Ihr Immunsystem ist noch unreif, was sie anfälliger für ansteckende Krankheiten macht. Das bedeutet aber nicht nur, dass sie leichter infiziert werden. Kommt es zu einer Infektion, verläuft die Erkrankung bei ihnen oft besonders schwer. So können Masern, Keuchhusten und Rotavirus-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern bleibende Schäden zurücklassen oder sogar tödlich sein. Diese Kinderkrankheiten sind also keinesfalls harmlos – auch wenn ihr Name das vielleicht nahelegt.

Mit rechtzeitigen Impfungen lassen sich viele gefährlichen Erkrankungen ganz verhindern oder zumindest schwere Verläufe abmildern. Denn Impfungen trainieren das Immunsystem, ohne die Krankheit auszulösen: Indem man harmlose Anteile eines Erregers verabreicht, lernen die Immunzellen, mit der Infektion umzugehen. Es werden dann nicht nur spezifische Antikörper zur Abwehr gegen den Erreger entwickelt. Das Immunsystem bildet auch sogenannte Gedächtniszellen, die sich die Abwehr merken. Kommt es nach der Impfung zum Kontakt mit dem echten Erreger, erkennen sie diesen schneller und können innerhalb kürzester Zeit die passenden Antikörper produzieren.

Impfungen nützen nicht nur dem geimpften Kind. Sie wirken auch indirekt schützend auf die gesamte Gemeinschaft – das nennt man Herdenschutz. Das liegt daran, dass geimpfte Kinder die Weitergabe von kursierenden Erregern vermindern. Sind über 95% gegen eine Erkrankung geimpft, bricht die Übertragungskette ab. Dadurch werden Ausbrüche eingedämmt und die Krankheitslast in Kitas und Schulen deutlich verringert.

Doch nicht nur andere Kinder profitieren von der Impfung. Durch die verringerte Weitergabe von Erregern schützt man auch Erwachsene vor einer Infektion. Besonders wichtig ist dies für diejenigen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. So z. B. alte Menschen, chronisch Kranke oder solche, die immununterdrückende Medikamente einnehmen.

Hinweis: Allein die Masernimpfung ist hocheffektiv, wie die WHO berechnet hat. Bis 2024 hat sie rund 58 Millionen Leben gerettet – und zwar vor allem das von Kindern.

Nur Impfen schützt

Damit Impfungen schützen können, gibt es nur eins: Impfen. Denn die Erreger sind (bis auf die Pocken) nicht verschwunden. Überall dort, wo sich Menschen aufhalten, sind auch Viren und Bakterien zu finden. Darunter tummeln sich nicht nur harmlose Erkältungsviren, sondern potenziell auch all die Erreger, die Kindern gefährlich werden können.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expert*innenteam, das die Wirkung und die Sicherheit von Impfungen wissenschaftlich prüft und Empfehlungen dazu herausgibt. Jedes Jahr wird ein Impfkalender veröffentlicht, indem diese Empfehlungen aktualisiert werden. Darin finden sich die Zeitpläne, wann Kinder, Jugendliche und Erwachsene gegen welche Erkrankung geimpft werden sollten.

Die meisten Eltern lassen ihre Kinder gemäß der STIKO-Empfehlungen impfen. Noch liegen die Impfquoten auf recht hohem Niveau. So sind über 90% der Säuglinge und Kleinkinder gegen Diphtherie, Polio und Tetanus geimpft. Allerdings werden inzwischen immer häufiger die nötigen Auffrischimpfungen unterlassen. Auch bei Impfungen, die erst für Jugendliche empfohlen werden, ist noch viel Luft nach oben. Die gegen Krebs schützende HPV-Impfung haben bei den 15-Jährigen 55% der Mädchen und 36% der Jungen erhalten.

Hinweis: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in Deutschland alle von der STIKO empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche als Kassenleistung. Voraussetzung ist, dass diese in die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgenommen wurden.

Warum Eltern sich sorgen

Manche Eltern sorgen sich jedoch, dass eine Impfung ihrem Kind schaden könnte. Sie fürchten schwere Nebenwirkungen wie z. B. akute Herzmuskelentzündungen oder Langzeitfolgen. Solche Ängste werden von einigen Randgruppen geschürt, vor allem geschieht dies in sozialen Medien. So wurde die Masernimpfung angeschuldigt, Autismus auszulösen, der HPV-Impfung sagten Impfgegner*innen nach, sie führe zur Unfruchtbarkeit. Beides ist wissenschaftlich widerlegt und wird trotzdem immer wieder verbreitet. Auch die Impfdebatte um Corona hat die Skepsis bei einigen Menschen verstärkt. Deshalb ist es wichtig, sich unabhängige, neutrale Informationen zu besorgen. Gute Adressen dafür sind die STIKO und natürlich die Haus- oder Kinderärzt*in.

Ein häufig gehörtes Argument gegen Impfungen ist, dass Impfungen das Immunsystem der Kinder überlasten. Doch das kindliche Immunsystem ist unglaublich leistungsstark, es verarbeitet täglich tausende Antigene aus der Umwelt und der Nahrung. Die Standard-Sechsfachimpfung für Säuglinge nutzt nur etwa 0,1% dieser Immunkapazität. Impfungen stören auch die sonstige Abwehr nicht: Dass frisch geimpfte Kinder gleichzeitig nicht mehr Infektionen bekommen, haben zahlreiche Studien nachgewiesen.

Auch die Nebenwirkungen werden von Impfgegner*innen ins Feld geführt. Leichte Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen oder leichtes Fieber zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Sie können bei allen von der STIKO empfohlenen Impfungen auftreten und sind in der Regel unbedenklich und nur von kurzer Dauer. Schwere Nebenwirkungen sind dagegen überaus selten. Forschende haben berechnet, dass es bei einer von 1 Million verabreichten Impfdosen zu einer Anaphylaxie (einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion) kommt. Viel gefährlicher als Impfungen sind die entsprechenden Krankheiten: Masern führen in 30% der Fälle zu schweren Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung. Und von 100-200 Polio-Infizierten behalten etwa ein bis zwei eine Lähmung der Beine zurück.

Hinweis: Impfstoffe werden nicht nur vor ihrer Zulassung umfassend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Sicherheit von den entsprechenden Behörden geprüft. Auch nach Einführung der Impfung werden sie weiter kontrolliert und jahrzehntelang Daten gesammelt und analysiert, um etwaige Langzeitprobleme zu erkennen.

Die einzelnen Impfungen im Kindesalter – das sollte man wissen

Welche Impfungen die STIKO im Einzelnen empfiehlt, richtet sich nach dem Lebensalter. Zur von der STIKO empfohlenen Grundimmunisierung gehören Impfungen gegen folgende Infektionen: 

  • Rotavirus-Infektion 
  • Tetanus 
  • Diphtherie
  • Poliomyelitis
  • Keuchhusten (Pertussis) 
  • Hämophilus-influenza-Infektion (Hib)
  • Hepatitis B 
  • Pneumokokkeninfektion 
  • Meningokokkeninfektion

Im Alter von sechs Wochen geht es mit der Impfung gegen Rotaviren los, ab Woche acht kommen bis zu acht weitere Impfungen hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich um Impfungen, die in drei Dosen verabreicht werden, z. B. im zweiten, im vierten und im elften (bis zwölften) Lebensmonat. Sie alle können an einem Tag gegeben werden. Als Sechsfach-Impfung in einer Spritze gibt es z. B. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio (Kinderlähmung), Hib und Hepatitis B. Die Impfstoffe gegen Meningokokken B und Pneumokokken werden einzeln geimpft. Je nach Impfstoff sind weitere Auffrischimpfungen im sechsten Lebensjahr und im Alter von 9 bis 16 Jahren nötig.

  • Rotaviren-Infektion. Rotaviren treten gehäuft zwischen Februar und April auf. Fast alle Säuglinge und Kleinkinder stecken sich damit an, insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren. Pro Jahr erkranken etwa 40-60 000 Kinder daran. Die Erkrankung löst wässrigen Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen aus. Vor allem Säuglinge können viel Flüssigkeit und Mineralien verlieren und austrocknen, es kann sogar zu Todesfällen kommen. Bei der Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung, die je nach Präparat aus 2 bis 3 Dosen besteht. Die erste Dosis soll mit sechs Wochen verabreicht werden. Als Nebenwirkung ist die Darminvagination bekannt, bei der sich ein Teil des Darms in einen anderen hineinschiebt. Das natürliche Invaginationsrisiko bei Säuglingen beträgt 60 bis 100 auf 100 000 Kinder pro Jahr. Nach der ersten Dosis der Rotaviren-Impfung steigt das Risiko minimal an, und zwar auf 1 bis 5 zusätzliche Fälle pro 100 000 geimpften Säuglingen. Der Nutzen der Impfung überwiegt damit das Risiko erheblich, weshalb die Impfung auch von der STIKO empfohlen wird.
  • Diphtherie wird durch Bakterien übertragen und führt zu Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Heiserkeit. Früher sind viele Kinder an der Diphtherie erstickt, weltweit sterben heute etwa 5 bis 10% der Erkrankten an Herz- und Nierenschäden. In Deutschland kommt die Diphtherie kaum noch vor. In anderen Ländern ist die Erkrankung noch verbreitet, bei unvollständigem Impfschutz kann sie deshalb auch in Deutschland wieder Fuß fassen. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, meist mit dem sogenannten Sechsfachimpfstoff.
  • Tetanus. Tetanusbakterien finden sich in Gartenerde, Straßenstaub oder im Sandkasten, Kinder sind damit also ständig konfrontiert. Über kleinste Verletzungen können sie in den Körper eindringen und Wundstarrkrampf hervorrufen. Selbst wenn die Erkrankung behandelt wird, sterben etwa 10 bis 20 % der betroffenen an Atemnot oder Herzversagen. Aufgrund der Impfung (in der Regel im Sechsfachimpfstoff) ist Wundstarrkrampf in Deutschland sehr selten. 
  • Keuchhusten (Pertussis). Die Keuchhustenerkrankung wird durch Bakterien übertragen und kann vor allem bei Säuglingen gefährlich Atemstillstände auslösen. In seltenen Fällen schädigen Sauerstoffmangel und Krampfanfälle das Gehirn, es drohen u. a. Lähmungen, Seh- und Hörstörungen. Geimpft wird im Rahmen der Sechsfach-Impfung.
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis). Polioviren sind überaus ansteckend, sie verbreiten sich über Husten und Niesen und über den Stuhl (Schmierinfektion). Bei den allermeisten Infizierten verläuft die Erkrankung unbemerkt. 4 bis 8% entwickeln jedoch grippeähnliche Symptome, bei bis zu 1 % von ihnen kommt es zu Lähmungen, die lebenslang anhalten können. Polio ist in Deutschland selten, kann aber durch Reisende ins Land gebracht werden. Umso wichtiger ist ein guter Impfschutz. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, bei Säuglingen meist mit der Sechsfach-Impfung.
  • Hämophilus influenzae Typ B (Hib). Hib-Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen und infizieren vor allem den Nasenrachenraum inklusive Mittelohr und Nebenhöhlen. Bei schweren Verläufen kann der Kehldeckel anschwellen und zu Atemnot führen, auch Hirnhautentzündungen sind möglich. Säuglinge und Kleinkinder können innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich erkranken. Die STIKO empfiehlt die Hib-Impfung ab einem Alter von 2 Monaten, sie ist in entsprechenden Sechsfach-Impfstoffen enthalten. 
  • Hepatitis B. Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus gefährden die Leber. Die Viren werden über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, insbesondere beim Geschlechtsverkehr. Die STIKO rät zu einer frühen Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Dadurch werden Jugendliche rechtzeitig vor Beginn ihrer sexuellen Aktivität vor der Erkrankung geschützt. Die Hepatitis-B-Impfung kann gemeinsam im Sechsfach-Impfstoff verabreicht werden.

  • Pneumokokken. Pneumokokken sind Bakterien, die durch Husten und Niesen übertragen werden und schwere Infektionen in Mittelohr, Lunge, und Nasennebenhöhlen verursachen. Auch Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündungen gehen auf ihr Konto. Die Infektion variiert stark. Es gibt Keimträger*innen, die völlig krankheitsfrei sind, bei anderen kommt es zu schweren Verläufen, von denen jede zehnte tödlich endet. Die Pneumokokkenimpfung wird zu den gleichen Zeitpunkten verabreicht wie die anderen Grundimmunisierungen, allerdings in einer separaten Spritze.

  • Meningokokken B. Von diesen Bakterien, die zu Hirnhautentzündung und Blutvergiftung führen können, gibt es verschiedene Typen. Sie alle werden durch Tröpfchen übertragen. Eine von zwölf Erkrankungen mit Meningokokken Typ B verläuft tödlich. Bei den Überlebenden sind Langzeitfolgen wie Hörverlust oder Nierenschäden möglich. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Ebenso wie die Pneumokokkenimpfung erfolgt sie in einer separaten Spritze.

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken

Auch Masern, Mumps und Röteln sind alles andere als harmlos, weshalb Kinder dagegen geimpft werden sollten. Im Gegensatz zu Impfstoffen der Grundimmunisierung handelt es sich um Lebendimpfstoffe. Sie enthalten abgeschwächte Erreger, die sich nur leicht vermehren und keine volle Krankheit auslösen. Milde Beschwerden wie leichter Ausschlag, erhöhte Temperatur, Gelenkbeschwerden oder leichte Durchfälle treten bei 2 bis 10 % der Geimpften auf und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Lebendimpfstoffe sollen erst ab dem 11. Monat geimpft werden, da das kindliche Immunsystem erst ab diesem Zeitpunkt reif dafür ist. Meist werden Masern, Mumps und Röteln zusammen in einem Kombiimpfstoff (MMR-Impfung) geimpft. Die richtigen Zeitpunkte dafür sind das Alter von 11 sowie von 15 Monaten.

  • Masern. Masernviren sind extrem ansteckend, sie rufen grippeähnliche Symptome und Hautausschlag hervor. Eine von 1000 Erkrankten entwickelt eine Gehirnentzündung, die in bis zu 20% tödlich verläuft. Bei einem Drittel der Betroffenen mit Gehirnentzündung bleiben Schäden zurück. Bei 30 bis 60 von 100 000 erkrankten Kindern unter 5 Jahren kommt es zu einer schwerwiegenden Spätfolge, der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis. Dabei handelt es sich um einen schleichenden Zerfall des Gehirns bis zum Tod. Um diese schweren Folgen zu verhindern, wird gegen Masern geimpft. Gemäß Masernschutzgesetz müssen alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten eine Impfung oder eine Masernimmunität nachweisen. Da ein Lebendimpfstoff verwendet wird, kann es zu milden Symptomen kommen (siehe oben). Die Wahrscheinlichkeit für eine Gehirnentzündung ist entgegen der Propaganda von Impfgegner*innen verschwindend gering, sie beträgt weniger als 1 Fall pro 1 Million Geimpften (im Vergleich 1:1000 bei Masernerkrankung).
  • Mumps. Mumpsviren werden durch Tröpfchen oder Speichel übertragen und lösen bei zwei Drittel der Infizierten Fieber, Kopf- und Ohrenschmerzen aus. Oft schwellen beide Ohrspeicheldrüsen an. In einem von 100 Erkrankungsfällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen, ältere an Mumps erkrankte Jungen entwickeln öfter eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung. Auch Entzündungen der Hörnerven können auftreten und zu bleibenden Hörschäden führen. Gegen Mumps wird wie gegen Masern zweimal geimpft, meist mit dem MMR-Kombiimpfstoff.
  • Röteln. Rötelnviren werden ebenfalls durch Tröpfchen übertragen und lösen eine erkältungsähnliche Erkrankung mit Hautausschlag und Fieber aus. Komplikationen sind selten, sie treffen die Atemwege, das Mittelohr, die Hirnhäute und das Herz. Besonders gefährlich sind Röteln, wenn sich eine ungeschützte Schwangere ansteckt. Dann droht dem Kind die Röteln-Embryopathie mit schweren Fehlbildungen an Ohr, Auge, Herz und Gehirn. Zum eigenen Schutz, aber auch um die Verbreitung zu verringern, sollten Kinder im Alter von 11 und 15 Monaten gegen Röteln geimpft werden.

Hinweis. Eine weitere Impfung ab 11 bis 12 Monate ist die gegen Windpocken (zwei Impfungen). Die bisher empfohlene Impfung gegen Meningokokken C entfällt, stattdessen soll im Jugendalter ein zweites Mal gegen Meningokokken geimpft werden.

Impfungen für Kinder ab 9 Jahren

Seit 2007 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen. HPV werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und können Krebs verursachen, vor allem am Gebärmutterhals, aber auch am After, am Penis und im Rachen. Besonders gefährlich sind HPV 16 und 18. Gegen eine Ansteckung mit diesen beiden (je nach Präparat auch weiteren) Typen schützt die HPV-Impfung. Geimpft wird im Zeitraum zwischen 9 und 14 Jahren. Für den besten Schutz ist es wichtig, dass die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Seit ihrer Einführung hat sich gezeigt, dass die Impfung sicher und effektiv ist. In Schweden ist das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen um 90% gesunken.

Seit 2025 sollen laut STIKO 12- bis 14-Jährige eine weitere Impfung erhalten: die Meningokokkenimpfung gegen die Typen A, C, W und Y, die sogenannte MenACWY-Impfung. Die STIKO verfolgt dadurch zwei Strategien. Jugendliche sind die Altersgruppe, deren Rachenbereich am stärksten mit Meningokokken besiedelt ist (wobei die meisten Träger keine Symptome zeigen). Durch Partys, Schule und Gruppenaktivitäten werden die Bakterien leicht verbreitet. Die Impfung schützt nicht nur die Jugendlichen selbst vor einer schweren Erkrankung. Sie reduziert auch die Anzahl an Übertragenden und senkt dadurch die Infektionsrate insgesamt.

Hinweis: Im Jugendalter ist es wichtig, auch an die Auffrischimpfung der Grundimmunisierung zu denken. Dazu gehören die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Poliomyelitis (DTP-M-Impfung). Ein guter Termin dafür ist die U11 oder die J1. Die DTP-M-Auffrischung kann beim gleichen Termin wie die MMR-Impfung verabreicht werden, sie stören sich gegenseitig nicht.

Wie sieht es mit Grippe und Corona aus?

Eine Impfung gegen Corona oder die Influenza (Grippe) wird von der STIKO für Kinder derzeit (2025) nicht standardmäßig empfohlen. Möglich sind beide Impfungen ab dem Alter von sechs Monaten. Ratsam ist die Grippeimpfung bei chronisch kranken Kindern, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Das sind z. B. Kinder mit 

  • chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma
  • Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Diabetes 
  • neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder 
  • angeborenen bzw. erworbenen Immuninfekten oder einer HIV-Infektion.

Kinder mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und Abwehrschwäche sollten zudem gegen Coronaviren geimpft werden. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die in Pflegeeinrichtungen betreut werden – denn dort haben sie ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren. Die Basisimmunität gegen Coronaviren ist bei drei Kontakten mit dem Virus oder seinen Bestandteilen (Impfung) erreicht.

Quellen: STIKO, DKFZ, Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Mareen Fischinger