Gesundheit heute
Austrocknung
Austrocknung (Dehydratation, Exsikkose, Flüssigkeitsmangel, Volumendefizit): Wassermangel in den Körperzellen, entweder durch fehlende Flüssigkeitszufuhr oder durch vermehrten Flüssigkeitsverlust (z. B. bei Durchfallerkrankungen und starkem Schwitzen). Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder sowie alte Menschen, aber auch Sportler*innen bei intensiver Anstrengung. Austrocknung führt zunächst zu trockener Haut, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Im fortgeschrittenen Stadium drohen lebensbedrohliche Störungen im Salzhaushalt, u. a. mit Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit. Eine Dehydratation wird meist mit vermehrter Flüssigkeitszufuhr behandelt. In schweren Fällen oder bei Risikopatient*innen erfolgt dies meist mit Infusionen in der Klinik.
Symptome und Leitbeschwerden
- Mundtrockenheit
- Eingerissene, spröde Mundwinkel
- Pergamentartige, trockene Haut
- Weißlich-bräunlich belegte Zunge
- Raue Stimme
- Unruhe, Konzentrationsschwäche
- Verwirrtheit (was eine „akute“ Demenz vortäuschen kann)
- Sinkende und dunkel gefärbte Urinmenge (unter 1,5 l pro Tag)
- Herzrasen.
Wann in die Arztpraxis
Bei Verdacht auf Austrocknung sollte unverzüglich ärztliche Hilfe gesucht werden. Dies gilt insbesondere, wenn
- Säuglinge, Kleinkinder oder alte Menschen betroffen sind
- gleichzeitig starker Durchfall oder hohes Fieber vorliegt
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen bestehen.
Die Erkrankung
Der Mensch besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Der Wasserhaushalt gewährleistet, dass dieser Wasseranteil im Körper konstant bleibt. Er benötigt dazu täglich ~ 2,6 l Wasser; 1,5–2 l davon in Form von Flüssigkeit. Die Ausscheidung erfolgt weitgehend über die Nieren, kleinere Wassermengen werden auch über den Schweiß und die Lunge (als Wasserdampf) abgegeben. Ist der Wasserhaushalt im Gleichgewicht, sind die Aufnahme von Wasser, die Bildung von Wasser im Körper (Oxidationswasser) und die Ausscheidung ausgeglichen. Vor allem die Nieren erhalten dieses Gleichgewicht aufrecht und regulieren die Wassermenge. Adiuretin (antidiuretisches Hormon, ADH), ein Hormon aus der Hypophyse, steuert diesen Vorgang. Ist der Wasserhaushalt gestört, trocknet der Organismus entweder aus oder er überwässert.
Ursachen und Risikofaktoren
Für eine Austrocknung gibt es viele Ursachen. So sinkt mit zunehmendem Alter das Trinkbedürfnis, weil das Durstgefühl nachlässt; die Gründe sind nicht bekannt. Ältere Menschen vergessen oft einfach, genügend zu trinken. Aus Angst vor unkontrolliertem Urinverlust beschränken vor allem inkontinente Personen das Trinken auf das Nötigste.
Eine Austrocknung kann aber auch auf einem erhöhten Flüssigkeitsverlust beruhen. Dazu gehören beispielsweise
- Starker Durchfall und Erbrechen
- Starkes Schwitzen bei Fieber oder Sport
- Übermäßige Urinausscheidung aufgrund von Erkrankungen, z. B. bei Diabetes mellitus oder bei einem Mangel an antidiuretischem Hormon (Diabetes insipidus)
- Einnahme von Entwässerungsmedikamenten (Diuretika, harntreibende Medikamente).
Etliche Medikamente sind ebenfalls dafür bekannt, eine Austrocknung zu begünstigen. Bestimmte Blutdrucksenker (ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker) unterdrücken das Durstgefühl und können dadurch zu einer verringerten Flüssigkeitsaufnahme führen. Neue Diabetesmedikamente (SGLT2-Inhibitoren wie Dapaglifozin, Empaglifozin) erhöhen die Glukoseausscheidung und damit auch die Flüssigkeitsausscheidung über die Niere. Antidepressiva und Antihistaminika lösen oft Mundtrockenheit aus, was vor allem bei älteren Personen ausreichendes Trinken und Essen beeinträchtigt.
Klinik
Das Missverhältnis zwischen Flüssigkeitsaufnahme und -verlust hat vor allem Auswirkungen auf die Haut, das Herz, die Niere und das zentrale Nervensystem (ZNS). Je nachdem, wie stark die Dehydratation ist und wie lange sie dauert, entwickeln sich erst leichte, dann ernste Symptome.
Haut. Bei Wassermangel fühlt sich die Haut rau und trocken an, oft bilden sich kleine Schuppen an den Augenwinkeln und seitlich der Nase. Zudem verliert die Haut an Elastizität und Spannkraft. Dadurch bleiben Hautfalten beim Anheben stehen (Hautfaltentest).
Herz und Kreislauf. Durch das verringerte Volumen in den Gefäßen sinkt der Blutdruck, wodurch die Versorgung der Organe verschlechtert wird. Das versucht das Herz, mit häufigerem Schlagen auszugleichen. In der Folge kommt es zu Herzrasen, bei starker Ausprägung drohen Kreislaufversagen und Schock.
Niere und Blase. Wenn im Körper Flüssigkeit fehlt, scheidet die Niere weniger Urin aus. Deshalb wird der Urin konzentrierter und dunkler. Längere Phasen von Dehydratation können die Nierenfunktion beeinträchtigen und Nierensteine begünstigen. Da die Blase nicht mehr regelmäßig gespült wird, steigt das Risiko für Blasenentzündungen, wobei die Keime bis in das Nierengewebe aufsteigen und eine Niereninfektion auslösen können.
ZNS. Nervenzellen leiden besonders stark unter einer Dehydratation. Durch die verringerte Durchblutung erhalten sie weniger Sauerstoff und Nährstoffe, gleichzeitig können sich schädliche Stoffwechselprodukte ansammeln. Das alles beeinträchtigt die Hirnleistung. Es kommt zu Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Stimmungsveränderungen. Bei länger andauernder oder starker Austrocknung drohen Verwirrtheit, Unruhe, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.
Diagnosesicherung
Eine Austrocknung wird aufgrund der Beschwerden und der klinischen Untersuchung diagnostiziert. Die Ärzt*in untersucht Haut und Schleimhäute auf Trockenheit, achtet auf eingesunkene Augen und prüft die Hautspannung mithilfe des Hautfaltentests. Puls und Blutdruck geben Hinweise auf die Kreislaufsituation.
Durch verschiedene Laboruntersuchungen kann das Ausmaß der Austrocknung beurteilt werden:
- Urinmenge und -konzentration.
- Blutbild. Anhand des Hämatokrit-Wertes lässt sich erkennen, ob das Blut verdickt ist.
- Elektrolyte im Serum. Sie geben Auskunft darüber, ob es schon zu Elektrolytverschiebungen wie z. B. einem Natriummangel gekommen ist.
- Nierenwerte. Ein Anstieg von Kreatinin und Harnstoff im Blut zeigt eine Funktionseinschränkung oder Schädigung der Niere an.
Bei der Ursachenforschung ist die Befragung zu eingenommenen Medikamenten wichtig. Wird eine Erkrankung hinter der Austrocknung vermutet, kommen weitere Untersuchungen wie die Bestimmung von Blutzucker oder von Hormonwerten hinzu.
Behandlung
Eine leichte Austrocknung kann man durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr selbst ausgleichen. Dazu sollten mehrfach am Tag Mineralwasser oder Früchte- oder Kräutertees getrunken werden. Zwischendurch ist auch die Aufnahme leicht salzhaltiger Brühe vorteilhaft.
Betroffene mit schwerer Austrocknung müssen Infusionen erhalten. Bei alten Menschen oder Säuglingen passiert dies meist in der Klinik. Die verabreichte Flüssigkeit wählt die Ärzt*in nach den Elektrolytkonzentrationen im Blut aus. Dabei muss vorsichtig vorgegangen werden: Bei zu schneller Infusion kann es zu Wasseransammlungen in der Lunge oder im Gehirn kommen. In der Regel verläuft eine solche Akuttherapie jedoch unkompliziert, wenn keine sonstigen Erkrankungen bestehen.
Prognose
Wird eine Austrocknung früh erkannt und behandelt, ist die Prognose gut.
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Unterstützung durch Angehörige
Damit ältere Menschen ausreichend trinken, brauchen sie in vielen Fällen die Unterstützung durch Angehörige. Um die täglich notwendige Trinkmenge von mindestens 2,5 l zu erreichen, helfen folgende Maßnahmen:
- Beobachten Sie das Trinkverhalten der Betroffenen und entwickeln Sie gemeinsam einen Trinkplan.
- Stellen Sie die erforderlichen Trinkrationen in Sichtweite bereit: z. B. ein Glas Wasser auf dem Nachtisch, das direkt nach dem Aufstehen getrunken wird, nach dem Frühstück eine Kanne Tee oder Saft, die bis zum Mittagessen geleert sein sollte, eine weitere Kanne für nachmittags usw.
- Bei Trinkbeschwerden erleichtern Strohhalme oder Schnabeltassen die Flüssigkeitsaufnahme.
- Frische Fruchtsäfte regen die Trinklust an und enthalten lebenswichtige Mineralien und Vitamine.
- Früchte mit hohem Flüssigkeitsgehalt (z. B. Melonen oder Weintrauben) sind manchmal eine gute Alternative zu Säften oder Tee. Auch Milch-, Gemüse- und Fleischsuppen sind gute Flüssigkeitsspender.
- Kaffee und schwarzer Tee sind erlaubt. Nach 17 Uhr führen sie allerdings nicht selten zu (Ein-)Schlafstörungen.
- Alkoholhaltige Getränke wie 1–2 Gläser Bier oder Weißwein am Abend sind in Ordnung. Im hohen Lebensalter hat die Restriktion des Alkoholkonsums keine Priorität. Es kommt lediglich darauf an, dass die Leber keine Schäden davonträgt. Die Hausärzt*in kann das durch einen einfachen Bluttest, z. B. durch Bestimmung der Gamma-GT prüfen.
Hinweis: Ein Zielkonflikt besteht, wenn die Ärzt*in die Trinkmenge aus medizinischen Gründen limitiert, z. B. bei Herzinsuffizienz oder Nierenschwäche. Diese Anordnung ist oft eine Gratwanderung zwischen dem, was dem Körper an Flüssigkeitsbelastung erspart werden soll und dem, was der Körper trotzdem zum Leben braucht. Eine ärztlich verordnete Trinkmenge sollte deshalb weder über- noch unterschritten werden und auf 10 % genau eingehalten werden.
Vor allem zu Beginn einer Entwässerungstherapie sollte gut auf Nebenwirkungen geachtet werden.
Beim Entwässern auf Natrium achten
Vorsicht mit Diuretika
Entwässerungsmittel werden bei vielen Erkrankungen eingesetzt. Eine Wirkstoffgruppe, die Thiazide, führt häufig zu einem Natriummangel im Blut. Und das vor allem zu Beginn der Therapie.
Von Müdigkeit bis Koma
Ob Wasser in den Beinen (Ödeme), Bluthochdruck oder Herzschwäche: Bei all diesen Erkrankungen gehört es zur Therapie, Flüssigkeit über die Niere aus dem Körper auszuschwemmen. Neben anderen Entwässerungsmitteln (Diuretika) werden dafür häufig Thiazide eingesetzt. Sie führen dazu, dass die Niere vermehrt Natrium und dadurch auch vermehrt Wasser ausscheidet.
Wie alle Medikamente haben auch Thiazide Nebenwirkungen. Die häufigsten betreffen den Elektrolythaushalt. Durch die gesteigerte Ausscheidung von Natrium droht ein Natriummangel, der sich auf verschiedene Arten bemerkbar macht. So kommt es bei den Betroffenen zu Müdigkeit und Lethargie, die vor allem bei älteren Patient*innen häufig zu Stürzen führen. Ist der Mangel an Natrium sehr ausgeprägt, drohen Muskelkrämpfe und Krampfanfälle, im schlimmsten Fall sogar ein Koma.
Risiko fast verdreifacht
Wie oft es zu einem Natriummangel unter einer Thiazidtherapie kommt, hat eine dänische Arbeitsgruppe untersucht. Sie verglich in zwei Studien die Auswirkung einer Hochdrucktherapie auf den Natriumhaushalt. Die mehr als 170 000 Patient*innen bekamen entweder ein Hochdruckmedikament allein oder ein Hochdruckmedikament plus Thiazid.
Das Risiko für einen Natriummangel wurde durch eine Therapie mit einem Thiazid fast verdreifacht. Am höchsten war es in den ersten Monaten der Behandlung. Auch die Dosis des Diuretikums war entscheidend: Je höher die tägliche Einnahmemenge, desto häufiger war der Natriummangel. Einen weiteren Einfluss hatte das Alter der Patient*innen: Mit den Jahren stieg das Risiko kontinuierlich an.
Bei Warnzeichen zur Ärzt*in
Diese Studie zeigt, dass man vor allem zu Beginn einer Behandlung mit Thiaziddiuretika aufmerksam sein sollte. Ärzt*innen müssen regelmäßig den Natriumspiegel im Blut messen. Und für Patient*innen ist es wichtig zu wissen, welche Beschwerden auf einen Natriummangel hindeuten. Bei einer unerklärbaren Müdigkeit oder Muskelkrämpfen sollten sie unverzüglich die Hausärzt*in informieren bzw. aufsuchen.
Quelle: Annals of Internal Medicine

