Gesundheit heute
Pubertätsverzögerung und verfrühte Pubertät
Verfrühte Pubertät (zu frühe Pubertät, Pubertas praecox): Verfrühtes Einsetzen der Pubertät. Als Grenze gilt bei Mädchen das Auftreten der Pubertätszeichen vor dem 8., bei Jungen vor dem 9. Geburtstag. Mittlerweile setzt die Pubertät bereits mit durchschnittlich fast 12 Jahren ein – und damit etwa 2 Jahre früher als vor 20 Jahren.
Verspätete Pubertät (zu späte Pubertät, Pubertas tarda): Fehlen jeglicher Pubertätszeichen bei Mädchen nach dem 14., bei Jungen nach dem 16. Geburtstag ohne andere Erkrankung. Die verspätete Pubertät kommt bei Jungen häufiger vor als bei Mädchen.
Symptome und Leitbeschwerden
Verfrühte Pubertät bei Mädchen:
- Brustwachstum vor dem 8. Lebensjahr
- Beschleunigtes Längenwachstum
- Schambehaarung vor dem 9. Lebensjahr
- 1. Menstruation (Menarche) vor dem 9. Lebensjahr
- Schweißgeruch.
Verfrühte Pubertät bei Jungen:
- Zunahme des Hodenvolumens auf über 3 ml vor dem 9. Lebensjahr
- Beschleunigtes Längenwachstum
- Beginn der Körper- und Schambehaarung vor dem 9. Lebensjahr
- Schweißgeruch.
Verspätete Pubertät bei Mädchen:
- Vollständiges Ausbleiben der Pubertätsentwicklung wie Brust- und Schambehaarung im 14. Lebensjahr (oder später)
- Stehenbleiben einer begonnenen Pubertätsentwicklung
- Ausbleiben der 1. Regelblutung (Menarche) im 18. Lebensjahr (oder später).
Verspätete Pubertät bei Jungen:
- Ausbleibende Zunahme des Hodenvolumens auf über 3 ml im 15. Lebensjahr (oder später)
- Stehenbleiben einer begonnenen Pubertätsentwicklung.
Wann zum Kinderarzt
Bei Gelegenheit, wenn
- Sie Zweifel haben, ob die Pubertät bei Ihrem Kind altersgerecht verläuft.
- die Pubertätsentwicklung mehr als 18 Monate lang "stillsteht" oder beim Mädchen die Periode nicht innerhalb von 5 Jahren nach der Brustentwicklung einsetzt.
- bei Mädchen die Regelblutung schon vor dem 10. Geburtstag oder mit dem 16. Geburtstag noch nicht eingetreten ist.
- die Pubertät bei Ihrem Sohn bereits vor dem 9. Geburtstag beginnt.
In den nächsten Wochen, wenn
- bei Ihrem Kind die Pubertät nicht nur sehr früh, sondern auch sehr schnell eintritt.
- nach normalem Pubertätsbeginn die Pubertät "stehen bleibt".
Die Erkrankung
Ursachen und Einflussfaktoren
Das Einsetzen der Pubertät ist oft familiär bedingt: "Spät zündende" Kinder haben oft "spät entwickelte" Eltern.
Geburtsgewicht. Ein niedriges Gewicht bei der Geburt verursacht häufig ein frühes Einsetzen der Pubertät.
Ernährung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Geschlechtsreife vor allem wegen einer verbesserten Ernährung heutzutage früher eintritt. Diese sog. sexuelle Akzeleration (lat acellero = beschleunigen) betrifft alle Jungen und Mädchen - sie wird seit Jahrzehnten beobachtet und hält weiter an. Die oben genannten Altersangaben berücksichtigen den aktuellen Stand.
Übergewicht. Auch das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle: Bei übergewichtigen Mädchen beginnt die Pubertät früher als bei normalgewichtigen. Bei Jungen mit Übergewicht ist es dagegen umgekehrt. Dies liegt daran, dass das Fettgewebe auch kleine Mengen von Östrogenen bildet, die bei Mädchen die Pubertät unterstützen, bei Jungen aber hemmen.
Entwicklungsverzögerung. Die häufigste Ursache für eine verspätete Pubertät ist die familiär bedingte konstitutionelle Entwicklungsverzögerung. Diese "Spätzünder" zeigen – wie meist auch ihre Eltern – eine verspätete körperliche Reifung, was sich im Röntgenbild auch an den Knochen als vermindertes Knochenalter nachweisen lässt.
Organische Erkrankungen. Andere Ursachen für eine verspätete Pubertät sind selten: So können alle chronischen Organerkrankungen nicht nur Untergewicht und Kleinwuchs bedingen, sondern auch die Pubertät hinauszögern. Ebenso führen manche genetisch bedingten Störungen mit Veränderungen an den Geschlechtschromosomen zu einem Ausbleiben bzw. einer Verzögerung der Pubertät. Am häufigsten sind hier das Ullrich-Turner-Syndrom, das bei einem von 2500 Mädchen vorliegt, sowie das Klinefelter-Syndrom, das bei etwa einem von 1000 Jungen vorkommt. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Schädigung bzw. Fehlanlage der Hoden oder Eierstöcke verursachen eine verspätete oder ausbleibende Pubertät.
Stress. Mitunter verursacht schwerer psychosozialer Stress wie Versagensängste oder Mobbing eine verspätete Pubertät
Sport. Kinder, die zu intensiv körperliches Training (Leistungssport) betreiben, werden öfter später geschlechtsreif.
Pubertätszeichen
Normalerweise setzt die Pubertät bei Mädchen ungefähr mit 10 Jahren und bei Jungen etwa 2 Jahre später ein. Brust bzw. Penis und Hoden wachsen, und die Schambehaarung beginnt zu sprießen.
Etwa mit 13 Jahren (im Durchschnitt etwa 2,5 Jahre nach Beginn der Brustentwicklung) bekommen Mädchen ihre erste Regelblutung (Menarche). Ein Jahr zuvor haben sie ihren größten Wachstumsschub, der dann mit einsetzenden Monatsblutungen rasch abklingt. Bei der ersten Menstruation hat ein Mädchen etwa 95 % seiner Endgröße erreicht (Pubertätsentwicklung bei Mädchen). Die ersten nächtlichen Samenergüsse treten bei Jungen meist zwischen dem 14. und 15. Geburtstag ein. In dieser Zeit beginnt der Wachstumsschub des Jungen, die Schwankungsbreite ist allerdings enorm.
Einzelne vorzeitige Pubertätszeichen
Manchmal zeigen sich auch schon vor der Pubertät Veränderungen an den Geschlechtsorganen, die immer dem Kinderarzt vorgestellt werden sollten. In den meisten Fällen sind diese aber nicht krankhaft:
- Bei Mädchen wird nicht selten eine Brustentwicklung im Kleinkindalter beobachtet (prämature Thelarche). Die betroffenen Kinder sind wahrscheinlich gegenüber Östrogenen, die auch schon bei kleinen Mädchen gebildet werden, empfindlicher. Wenn allerdings gleichzeitig die Wachstumsgeschwindigkeit ansteigt, Schambehaarung oder gar eine Regelblutung auftritt, können krankhafte Hormonstörungen dahinter stehen.
- Wenn bei Mädchen die Schambehaarung schon zwischen 5 und 8 Jahren beginnt (oder bei Jungen zwischen 7 und 9 Jahren), muss das nicht krankhaft sein (vorzeitige Schamhaarentwicklung, prämature Pubarche). Aber auch hier gilt: Zieht gleichzeitig das Wachstum an oder sind andere Pubertätszeichen zu beobachten (etwa die Entwicklung von Brüsten bei Mädchen oder eine Vergrößerung der Hoden bei Jungen), ist eine hormonelle Störung möglich.
Verfrühte Pubertät
Von einer zu frühen Pubertät wird dann gesprochen, wenn ein Mädchen schon vor dem 8. Lebensjahr Brüste entwickelt oder sich die Hoden bei einem Jungen schon vor dem 9. Lebensjahr vergrößern (dabei bilden sich dann in der Regel auch die ersten Schamhaare). Mädchen sind viermal häufiger von dieser verfrühten Pubertät betroffen als Jungen.
- Echte verfrühte Pubertät (Pubertas praecox vera): Die Steuerhormone des Gehirns lösen die Pubertätsentwicklung zu früh aus, meist ohne dass eine Ursache hierfür feststellbar wäre. Die verschiedenen Pubertätsstadien treten dabei in ihrer normalen Reihenfolge auf. Ähnliches gilt für die familiär bedingten Formen der verfrühten Pubertät (konstitutionelle Frühentwicklung). Bei diesen Kindern waren auch die Eltern Frühentwickler; eine Ursache ist nicht feststellbar.
- Verfrühte Scheinpubertät (Pseudopubertas praecox): Geschlechtshormone werden in dafür eigentlich gar nicht vorgesehenen Organen gebildet, etwa beim adrenogenitalen Syndrom (einer angeborenen Störung der Kortisonbildung der Nebenniere) oder bei manchen Tumoren. Typisch ist für diese Formen, dass die Hoden bzw. – nicht von außen sichtbar – die Eierstöcke klein bleiben.
Verspätete Pubertät
Bei Kindern mit verspäteter Pubertät bleibt bis zum 14. bzw. 16. Lebensjahr Brustentwicklung oder Hodenwachstum aus. Von einer verspäteten Pubertät sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.
Sonderform primäre Amenorrhoe. Eine Sonderform der verspäteten Pubertät ist die ausbleibende Blutung beim ansonsten normal pubertierenden Mädchen (primäre Amenorrhoe). Ursachen können Fehlbildungen des Uterus oder der Scheide sowie ein Verschluss der Scheide durch ein zusammengewachsenes Jungfernhäutchen (Hymenalatresie) sein. Im letzteren Fall verursacht das Blut, das während der Periode aufgestaut wird, zyklische Bauchschmerzen.
Komplikationen
Wie sich die verspätete Pubertät auf die Kinder auswirkt, hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Wachstum. Kinder mit konstitutioneller Entwicklungsverzögerung wachsen zunächst langsamer als ihre Altersgenossen (was einen gewissen Leidensdruck bedingen kann), ihre Endgröße ist aber normal. Kommen Kinder allerdings früher in die Pubertät, sind sie im Erwachsenenalter meist kleiner. Der Grund dafür: Die Knochen hören nach dem frühen Wachstumsschub auf zu wachsen.
Depressionen. Werden Jugendliche früher als ihre Altersgenossen geschlechtsreif, leiden sie häufiger an psychologischen, Verhaltens- und zwischenmenschlichen Problemen, die das Risiko für Depressionen in den darauffolgenden Jahren erhöhen. Dies trifft eher auf Mädchen als auf Jungen zu.
Diagnosesicherung
Eine körperliche Untersuchung, die Bestimmung des Knochenalters durch Röntgen der linken Hand, Hormonuntersuchungen des Blutes und bei Mädchen eine gynäkologische Untersuchung (mit Ultraschall der Gebärmutter) zählen zum Basisprogramm, das je nach Verdacht ergänzt wird.
Behandlung
Eine zu frühe Pubertät kann durch spezielle Antihormone gebremst werden, die entweder gespritzt oder als Nasenspray gegeben werden. Umgekehrt kann bei verspäteter Pubertät die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale durch Gabe von Steuerhormonen wie GnRH oder Geschlechtshormonen eingeleitet werden.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Kinder leiden darunter, anders zu sein als ihre Altersgenossen. Der Gruppendruck ist gerade während der Pubertät enorm. Hier gilt Ähnliches wie für das zu kleine oder zu große Kind: Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes, damit es sich so akzeptieren kann, wie es ist.
Die Kariesprophylaxe beginnt schon vor dem ersten Milchzahn.
Karies sicher vorbeugen
Weder zuviel, noch zu wenig Fluorid
Zur Kariesprävention bei Kindern wird neben Mundhygiene und gesunder Ernährung vor allem die Gabe von Fluoriden empfohlen. Doch gerade dabei gibt es Unsicherheiten. Reicht fluoridhaltige Zahnpasta, muss man zusätzlich Fluoridtabletten geben oder riskiert man damit womöglich einer Überdosierung?
Fluoridmenge genau beachten
Karies wird in Deutschland bei Kindern immer seltener. Grund dafür sind die seit den 1990er Jahren verbesserten Präventionsmaßnahmen, insbesondere die Gabe von Fluoriden im Säuglings- und Kindesalter. Fluorid lässt sich auf verschiedene Weise verabreichen, z. B. über fluoridhaltiges Wasser, Tabletten oder Zahnpasta. Um eine Fluoridüberdosierung und einer dadurch bedingten Schädigung von Zähnen, Knochen und zu vermeiden, müssen die Fluoridmengen genauestens beachtet werden. Als optimale Dosis für höchstmögliche Kariesvorbeugung bei geringstem Risiko gelten 0,05 mg/kg Körpergewicht. Wie sich das konkret umsetzen lässt, beschreibt das Netzwerk Gesund ins Leben in seiner bundesweiten Empfehlung zur Kariesvorbeugung im Säugling- und Kindesalter.
Von Geburt bis Zahndurchbruch
Schon vor dem ersten Milchzahn braucht der Säugling Fluoride. Die Dosierung hängt davon ab, wie das Kind ernährt wird.
- Gestillte Kinder erhalten täglich ein Kombipräparat aus 0,25 mg Fluorid und 400-500 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D in Tablettenform (Vitamin dient der Vorbeugung von Rachitis).
- Wird der Säugling überwiegend mit Säuglings(milch)nahrung ernährt, kommt es darauf an, wie fluoridhaltig das dafür verwendete Wasser ist. Liegt der Fluoridgehalt unter 0,3 mg/l, eignen sich die gleichen Kombitabletten wie beim gestillten Säugling. Beträgt der Fluoridgehalt 0,3 mg/l oder mehr, soll Vitamin D alleine verabreicht werden.
Vom Zahndurchbruch bis zum ersten Geburtstag
Ist der erste Zahn da, wird das Kind behutsam an das Zähneputzen herangeführt. Um eine Überdosierung der Fluoride zu vermeiden, ist es wichtig, den Fluoridgehalt der Zahnpasta und des für die Säuglingsmilch verwendeten Wassers zu kennen.
- Wird das Kind überwiegend mit Säuglingsmilch ernährt und liegt der Fluoridgehalt des dafür verwendeten Wassers bei oder über 0,3 mg/l, sollen ihm die Zähne nur einmal täglich mit einer reiskorngroßen Menge (0,125 g) geputzt werden. Hier ist es egal, ob die Zahnpasta fluoridhaltig ist oder nicht. Vitamin D gegen Rachitis wird in der Dosierung von 400-500 IE täglich per Tablette verabreicht.
- Bei gestillten Kindern oder einem Fluoridgehalt im Trinkwasser unter 0,3 mg/l gibt es zwei Möglichkeiten, den Kinderzähnen das nötige Fluorid zuzuführen: Ist die verwendete Zahnpasta fluoridreich, sind die Zähnchen zweimal täglich mit einer nur reiskorngroßen Menge Zahnpasta (mit 1000 ppm Fluorid) putzen. Zusätzlich bekommt das Kind täglich eine Vitamin-D-Tablette mit 400-500 IE Vitamin D. Bei fluoridfreier Zahnpasta werden die Zähne auch zweimal täglich geputzt. Zur Kariesvorbeugung gibt´s wie vor dem Zahndurchbruch ein Kombipräparat aus und 0,25 mg Fluorid und 400-500 IE Vitamin D.
Vom ersten bis zum zweiten Geburtstag
Bis zum zweiten Lebensjahr heißt es zweimal täglich Zähne putzen, und zwar mit einer reiskorngroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta (mit 1000 ppm Fluorid). Die Eltern sollten beim Zähneputzen dabei sein und genau darauf achten, dass nicht zuviel Zahnpasta auf die Zahnbürste aufgetragen wird.
Von 2 bis 6 Jahren
Im Vorschulalter brauchen die Kinderzähne mehr Fluoride. Enthält die Zahnpasta 1000 pppm Fluorid, wird eine erbsengroße Menge (etwa 0,25 g) auf die Zahnbürste gequetscht. Geputzt wird morgens und abends mit den Eltern. Sind die Kleinen tagsüber in Kindergarten oder Kita, darf dort eine dritte Zahnputzeinheit mit ebenfalls erbsengroßer Menge an Zahnpasta eingelegt werden. Hält man sich an diese Empfehlungen, sind die Zähne geschützt und das Risiko einer Überdosierung gering.
Quelle: Monatsschrift Kinderheilkunde

