Gesundheit heute
Einnässen
Einnässen (Enuresis, Harninkontinenz): Unwillkürlicher Urinverlust bei einem Kind auch nach seinem 5. Geburtstag, entweder nur während der Nacht (Enuresis nocturna) oder auch bei Tag (Enuresis diurna).
Die häufigste Form des Einnässens ist das Einnässen ausschließlich in der Nacht (Enuresis nocturna). Das Kind – in zwei Drittel der Fälle handelt es sich um einen Jungen – „wird einfach nicht trocken“, ist aber ansonsten völlig unauffällig. Die Enuresis ist häufig: 10 % aller 7-Jährigen sind nachts noch nicht trocken.
Abzugrenzen ist das Einkoten (Enkopresis), dem meist schwere psychische Störungen des Kindes zugrunde liegen, und das andere Ursachen hat als das Einnässen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Häufigeres unwillkürliches Einnässen nach dem 5. Geburtstag
- Kein Nachweis organischer Erkrankungen.
Wann zum Kinderarzt
Bei Gelegenheit, wenn
- sich Ihr Kind nach dem 5. Geburtstag mind. 2 Nächte im Monat einnässt.
In den nächsten 2 bis 4 Wochen, wenn
- Ihr Kind erneut regelmäßig einnässt, obwohl es vorher schon trocken war.
Heute noch, wenn
- Ihr Kind große Mengen Urin lässt, auffällig viel trinkt und sich sein Allgemeinbefinden in letzter Zeit verschlechtert hat; dies weist z. B. auf Diabetes hin.
- Ihr Kind wieder einnässt und es gleichzeitig Fieber oder neuartige Beschwerden beim Wasserlassen hat; dies weist auf einen Harnwegsinfekt hin.
Hinweis: Die meisten Kinderärzt*innen raten dazu, regelmäßiges Einnässen nach dem 5. Geburtstag durch eine gründliche körperliche Untersuchung (evtl. auch Urin- und Ultraschalluntersuchungen) zu klären.
Die Erkrankung
Einnässen gehört zur normalen kindlichen Entwicklung: Bis die Kontrolle über die Blase zuverlässig klappt, geht mancher Schwall daneben. Gerade im Kindergartenalter wird das „Geschäft“ wegen eines spannenden Spiels oft so lange aufgeschoben, bis es zu spät ist. Oder das Kind will auch wieder so klein und umsorgt sein wie das frisch geborene Geschwisterkind. Entsprechend schwierig ist es, eine genaue Grenze festzulegen, ab wann Einnässen nicht mehr normal ist.
Die meisten Mediziner*innen sprechen erst von Einnässen, wenn ein Kind nach dem 5. Geburtstag noch nicht trocken ist. Andere Ärzt*innen setzen die Grenze für das Trockenwerden über Tag auf den 4. und für die Nacht auf den 6. Geburtstag fest.
Gelegentliche „Unfälle“ z. B. auf Reisen oder in Krisensituationen kommen auch bei älteren Kindern immer wieder mal vor und sind kein Grund zur Besorgnis.
Ursachen
Was genau dem Einnässen zugrunde liegt, ist unbekannt, genetische Einflüsse sind jedoch sicher von Bedeutung (oft hatte z. B. der Vater als Kind auch Probleme mit dem nächtlichen Trockenwerden). Nur bei wenigen Kindern sind andere Faktoren von Bedeutung:
Schlaf. Die häufigste Ursache für das nächtliche Bettnässen scheint zu sein, dass das Kind zu tief schläft und nicht aufwacht, wenn die Blase voll ist.
Funktionelle Blasenfunktionsstörung. Bei manchen Kindern, vor allem solchen, die vorzugsweise am Tag einnässen, ist die Blasenkontrolle unzureichend. Die betroffenen Kinder (oft Mädchen) haben aufgrund eines unzureichenden Zusammenspiels der an der Blasenentleerung beteiligten Muskeln einen häufigen, schnell einsetzenden Harndrang.
Fassungsvermögen der Blase. Bei einigen Kindern liegt es daran, dass die Blase nicht mehr so viel Flüssigkeit fasst oder die Nieren die Urinproduktion nachts nicht drosseln.
Nerven. Nässt ein größeres Kind ungewollt ein, sind die für die Blasenkontrolle notwendigen Nervenfunktionen noch nicht ausgereift.
Getränke. Kakao oder auch koffeinhaltige Getränke wie Cola, Kaffee, grüner oder schwarzer Tee wirken harntreibend und tragen zum Bettnässen bei, v. a. wenn sie abends getrunken werden.
Bestehende Erkrankungen. Auch organische Störungen führen zu einem unwillkürlichen Urinabgang, wie etwa Fehlbildungen der Harnleiter oder des Rückenmarks, Harnwegsinfektionen oder Diabetes. Ist der Harntrakt fehlgebildet, nässt das Kind meist auch tagsüber ein.
Psychische Auslöser. Das Einnässen eines vormals „trockenen Kindes“ ist oft die Folge psychischer Belastungen – von der Geburt eines Geschwisterkindes über Partnerprobleme der Eltern bis zur schulischen Überforderung.
Schlafapnoe. Selten setzt bei Kindern die Atmung während des Schlafes für einen Moment aus. Dadurch wird das Gehirn für kurze Zeit nicht mit Sauerstoff versorgt. Dadurch wird auch die Blasenkontrolle kurzzeitig blockiert.
Komplikationen
Viele Kinder leiden unter Isolation, Resignation und unter einem geringen Selbstwertgefühl. Aber auch soziale Probleme und Konflikte innerhalb der Familie sind nicht selten.
Diagnosesicherung
Bereits aufgrund der Schilderungen der Eltern wird die Ärzt*in die Diagnose stellen.
48-Stunden-Protokoll. Oft ist auch ein Tagebuch hilfreich, in dem die Eltern über 48 Stunden das Trink- und Toilettenverhalten festhalten, das heißt, wie oft und zu welchen Uhrzeiten das Kind einnässt, wie häufig es zur Toilette geht und wie groß die Urinmenge ist, aber auch, ob Schwierigkeiten bestehen, mit dem Urinieren zu beginnen oder aufzuhören.
Körperliche Untersuchungen. Ein besonderes Augenmerk legt die Ärzt*in auf die Untersuchung von Bauch, äußeren Geschlechtsorganen und des unteren Rückens. So stellt er sicher, dass die Blase und der Darm richtig funktionieren und der Harntrakt des Kindes normal entwickelt ist.
Urinanalyse. Falls das Kind auch über Schmerzen beim Wasserlassen klagt, wird der Urin auf mögliche Harninfekte untersucht.
Uroflowmetrie. Bei dieser Harnflussmessung muss das Kind die Blase in einen Trichter des Untersuchungsgeräts entleeren. Mithilfe von Sensoren wird erfasst, wie viel Urin pro Zeiteinheit ausgeschieden wird.
Ultraschall. Mit diesem Verfahren schließt die Ärzt*in Fehlbildungen von Blase und Niere aus und überprüft die Restharnbildung. Bei dieser Blasenentleerungsstörung wird die Blase nicht komplett geleert; es bleibt Restharn in der Harnblase.
Ärztliche Behandlung
Meist versuchen Eltern und Kinder einfache Möglichkeiten, um dem Bettnässen vorzubeugen. Beim Blasentraining übt das Kind, tagsüber möglichst spät zur Toilette zu gehen, das Wasserlassen also hinauszuzögern. Dadurch lernt es, wie sich eine volle Blase anfühlt, und gleichzeitig wird das Blasenvolumen vergrößert.
Hinweis: Bei Kindern unter 7 Jahren sollte auf eine medikamentöse Behandlung verzichtet werden, und auch bei älteren Kindern stehen nicht-medikamentöse Verfahren wie die Verwendung einer Klingelhose (siehe unten) an erster Stelle.
Apparative Verhaltenstherapie (AVT). Gerade nachts ist es wichtig, die volle Blase wahrzunehmen und rechtzeitig die Toilette aufzusuchen. Dafür stehen diverse elektronische Wecksysteme (tragbares Gerät oder Bettgerät, mit Klingelton und/oder Vibration) zur Verfügung und sind Mittel der ersten Wahl. Diese Wecksysteme registrieren die Nässe – sei es in der Hose (Klingelhose) oder auf der Matratze (Klingelmatte) oder als Mini-Wecksysteme, die an der Unterhose oder am Schlafanzug angebracht werden – und lösen einen Alarm aus, sobald sich die Blase des Kindes zu leeren beginnt. Der Alarm wird entweder als Vibration oder als Lichtsignal oder auch über Funk ausgelöst. Das Kind soll möglichst das Wasserlassen noch anhalten und zur Toilette gehen oder nach den Eltern rufen. Ziel dieser apparativen Verhaltenstherapie ist es, bereits vor dem Alarm aufzuwachen, das heißt, das Kind soll die volle Blase selbst wahrnehmen und rechtzeitig zur Toilette gehen.
Auch wenn die ersten Wochen wegen der häufigen nächtlichen Klingelalarme sowohl für die Kinder als auch für die Eltern recht anstrengend sind, ist diese Therapie eine einfache und vor allem eine meist erfolgreiche Methode zur Behandlung der Beschwerden. Allerdings setzt sie die Motivation der Kinder voraus. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für bestimmte Weckgeräte die Kosten; Voraussetzung ist, dass diese als Hilfsmittel anerkannt und ärztlich verschrieben sind.
Pharmakotherapie
Überbrückend, z. B. auf einer Klassenfahrt, hilft die abendliche Einnahme des Wirkstoffs Desmopressin. Es handelt sich dabei um einen Abkömmling des natürlichen Hormons ADH, das die Urinbildung hemmt. Das Medikament wirkt relativ schnell und ist meist bereits nach der ersten Einnahme erfolgreich. Leider gibt es auch Nebenwirkungen: Kopfschmerzen und Übelkeit haben ihren Grund oft darin, dass die Kinder zu viel Wasser im Körper behalten. Deshalb sollen Kinder und Jugendliche während der Therapie abends nicht mehr als 1 Glas Flüssigkeit trinken.
Vorübergehend lässt sich Bettnässen auch durch ein trizyklisches Antidepressivum stoppen (einige Wirkstoffe sind auch für die Therapie des Bettnässens zugelassen).
Bei beiden Medikamenten müssen die Anwendungsvorschriften genau eingehalten werden. Meist wirken sie nur so lange, wie sie eingenommen werden, sodass Rückfälle nach Absetzen des Medikaments leider häufig sind.
Leidet das Kind unter der Enuresis nocturna, bringen Parasympatholytika wie Oxybutynin, Trospiumchlorid oder Darifenacin eine Besserung.
Prognose
Die allermeisten Kinder entwachsen dem Bettnässen bis zum Schulalter. Dennoch bleibt bei einzelnen Kindern das Problem bis zur Pubertät aktuell und ist eine Belastung.
Das wichtigste Ziel der „Behandlung“ sollte sein, aus dem Problem Einnässen nicht noch größere Probleme zu machen wie vermindertes Selbstwertgefühl, Familienärger oder seelischer Rückzug. Pro weiteres Jahr werden 10–15 % der betroffenen Kinder auch ohne Maßnahmen beschwerdefrei.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
- Führen Sie ein Miktionsprotokoll über das Wasserlassen (= Miktion) und die „Unfälle“.
- Schimpfen, Bloßstellen oder Bestrafen helfen nicht. Die meisten Kinder leiden unter dem Einnässen ebenso wie ihre Eltern. Auch das viel geübte ein- oder zweimalige Wecken in der Nacht hat sich als eine überwiegend unwirksame Tortur erwiesen. Unterstützen Sie das Selbstwertgefühl des Kindes, indem Sie offen über das Einnässen reden und ihm dabei vermitteln, dass es nichts „falsch“ macht.
- Große Trinkmengen nach dem Abendessen sollten vermieden werden. Ein radikales Trinkverbot ab 16 oder 17 Uhr bringt jedoch weder nennenswerte Erfolge noch ist es eine dauerhafte Lösung.
- Bei Kindern bis 6 Jahren, die nur nachts einnässen, ist es oft das Beste, eine waschbare wasserdichte Unterlage ins Bett zu legen, bügelfreie Bettwäsche zu benutzen und ansonsten einfach abzuwarten.
- Bei einem Teil der Kinder hilft ein Sonne-und-Wolken-Kalender, bei dem „trockene“ Nächte mit einer Sonne und „nasse“ mit einer Wolke gekennzeichnet werden. Kleine Belohnungen, z. B. ein Gummibärchen oder ein Sticker, können die Motivation des Kindes unterstützen.
- Löst sich das Problem bis zum 6. Geburtstag nicht von selbst und ist ein 5-jähriges Kind sehr motiviert, ist als nächster Schritt die Verwendung einer Klingelhose oder einer Klingelmatte möglich (Näheres siehe unten).
Komplementärmedizin
Angeboten werden Akupunktur, Chiropraktik, Hypnose sowie pflanzliche und homöopathische Arzneimittel, die je nach Begleitsymptomen gewählt werden. Die Wirkungen sind nicht nachgewiesen.
Ebenfalls ist derzeit noch nicht geklärt, ob Kinder von unterschiedlichen Formen der Psychotherapie profitieren.
Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

