Gesundheit heute
Schulprobleme, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenstörung
Schulprobleme: Häufig auftretende Probleme in der Schule durch vielfältige Ursachen – von anlagebedingten Behinderungen über Verhaltensprobleme bis hin zu sozialen Problemen wie Mobbing oder Prüfungsangst.
Teilleistungsschwäche: Funktionsschwäche in bestimmten Teilbereichen des Denkens, Fühlens oder Sprechens. Bei stärker ausgeprägten Formen wird von einer Teilleistungsstörung gesprochen.
Teilleistungsstörungen sind z. B. die Lese-Rechtschreib-Schwäche (LSR, Dyslexie, Legasthenie) und die Rechenstörung (Dyskalkulie), eine begrenzte Störung im mathematischen Bereich (siehe unten). In Deutschland sind etwa 3–8 % der Kinder und Erwachsenen von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche und fast 5 % von einer Rechenstörung betroffen. Jungen haben häufiger eine Rechtschreibstörung, Mädchen eine Rechenstörung.
Symptome und Leitbeschwerden
Bei Schulproblemen:
- Sich verschlechternde Schulleistungen
- Schlechte Motivation, Schulangst
- Verhaltensauffälligkeiten wie Stören, Verweigerung oder Schulschwänzen als Folge der ständigen Misserfolge, die den Schulerfolg wiederum weiter gefährden
- Psychosomatische Beschwerden, z. B. Bauch- oder Kopfweh.
Bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS):
- Auffällig große Diskrepanz zwischen den Lese- und Schreibfertigkeiten eines Kindes und seinen übrigen geistigen und schulischen Fähigkeiten
- Im sprachlichen Bereich vor allem die Verwechslung ähnlich klingender Laute (z. B. d/t) oder ähnlich aussehender Buchstaben (d/b), das Auslassen und "Verdrehen" von Buchstaben ("nud" statt "und"). Das Kind erkennt zudem nicht, wenn das Gelesene keinen Sinn ergibt
- Niedrige Lesegeschwindigkeit, häufiges Stocken, Verlieren der Zeile im Text
- Probleme beim Wiedergeben des Gelesenen
- Hohe Fehlerzahl bei Diktaten und abgeschriebenen Texten, auffallend viele Fehler in Grammatik und Zeichensetzung
- Psychosomatische Beschwerden, z. B. Bauch- oder Kopfweh.
Bei Rechenstörung (Dyskalkulie):
- Probleme beim Benennen und Schreiben von Zahlen
- Schwierigkeiten im grundsätzlichen Verständnis von mathematischer Logik. Rechenschritte bleiben unverständlich oder werden auswendig gelernt
- Abzählen unter Zuhilfenahme von Fingern oder Zählhilfen wie Stifte oder Steine
- Verwechseln der Rechenarten (Addition, Multiplikation etc.)
- Psychosomatische Beschwerden, z. B. Bauch- oder Kopfweh.
Wann zum Kinderarzt
In den nächsten 2 bis 4 Wochen, wenn
- Ihr Kind schlechte Schulleistungen erbringt und weder Sie noch die Lehrkraft wissen, woran es liegt.
Hinweis: Vermuten Sie allerdings, dass Schulprobleme hinter den Problemen stecken, ist der Kinderarzt nur bedingt der richtige Ansprechpartner.
Die Erkrankung
Schulprobleme: Ursachen und Risikofaktoren
Wenn Kinder Probleme in der Schule haben, können viele Gründe dahinterstecken:
- Ein Kind ist den Anforderungen der Schule – oder einer bestimmten Schulform – von seiner geistigen Entwicklung oder Begabung her nicht gewachsen. So beeinträchtigt jede Intelligenzminderung die Abstraktionsfähigkeit, Auffassungsgabe, Konzentrations- und Merkfähigkeit, und dies manchmal so sehr, dass die Kinder in der Regelschule überfordert sind.
- Bei anderen Kindern spielt eine zu hohe Leistungserwartung eine Rolle, wodurch viele Kinder heute die für sie falsche Schulform, insbesondere das Gymnasium, besuchen. Früher oder später zeigen sich Schulprobleme als Ausdruck der chronischen Überforderung und Überlastung.
- Schulprobleme ergeben sich – unabhängig von der Intelligenz oder Reife des Kindes – auch durch psychische Störungen oder Verhaltensprobleme. So sind Kinder mit Angststörungen, Depressionen, AD[H]S, Aggressionsstörungen oder Störungen des Sozialverhaltens beim Lernen schwer eingeschränkt.
- Auch Probleme in der Gruppe äußern sich in Schulproblemen einzelner Schüler. Außenseiter finden in der Gruppe keine positive Verstärkung, und Rollenfestschreibungen innerhalb der Gruppe (z. B. Klassenkasper) erschweren manchen Kindern das Lernen. Schwerwiegende Gruppenprobleme entstehen durch Mobbing, aber auch durch Bevorzugung oder Benachteiligung vonseiten der Lehrer.
- Chronische Krankheiten werden von Eltern gelegentlich vermutet, sind aber eher selten die Ursache von Schulproblemen. Die meisten Kinder, die mit der Schule Probleme haben, sind körperlich gesund. Eine Ausnahme sind Kinder mit Sinnesstörungen, etwa einer bisher unerkannten Seh- oder Hörbehinderung.
- Lebenskrisen, z. B. Scheidung der Eltern, unglückliche Beziehungen in der Pubertät oder heftige Probleme mit einem oder beiden Elternteilen, äußern sich ebenfalls in Schulproblemen.
- Viel häufiger aber sind Kinder mit besonderen Teilleistungsschwächen. Diese Kinder verfügen über alles, was sie für den Erfolg in der Schule benötigen; sind also normal intelligent, erfahren die richtige Förderung durch das Elternhaus und sind – zumindest anfänglich – von ihrer Psyche und ihrem Verhalten her "gut gestimmt"; sie haben aber trotzdem schulische Probleme.
Lese-Rechtschreib-Schwäche: Ursachen und Warnsignale
Bei der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS, Dyslexie, Legasthenie) besteht eine Störung des Lesens und Schreibens. Als Folge sinken die Noten in fast allen Schulfächern ab, da Lesen und Schreiben praktisch überall gebraucht werden (beispielsweise in der Mathematik bei Textaufgaben).
Ursachen. Die genauen Ursachen sind bis heute unklar, eine ganz entscheidende Rolle spielen sicherlich erbliche Anlagen: Hat ein Kind etwa einen Elternteil oder ein Geschwisterkind mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, so hat es eine Wahrscheinlichkeit von etwa 40–50 %, selbst davon betroffen zu sein.
Derzeit vermuten Wissenschaftler die Ursache in der Verarbeitung von Tönen und Bildern durch das Gehirn. So haben sie festgestellt, dass die betroffenen Kinder es zum einen nicht schaffen, separat aufeinander folgende Töne zu unterscheiden, zum anderen auch Probleme dabei haben, bewegte Punkte zu beobachten. In leichten Fällen oder bei hoher Intelligenz kaschiert das Kind seine Störung z. B. durch Auswendiglernen oder rasches Kombinieren, sodass die Störung erst im 3. oder gar 4. Grundschuljahr auffällt.
Auch Hirnschädigungen (z. B. nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma) verursachen unter Umständen eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Als Folge werden Wörter gelesen, die so nicht dastehen (z. B. "Katze" statt "Hund") – hierbei spricht man von einer Paralexie –, oder sie werden nur mühsam Buchstabe für Buchstabe gelesen.
Warnsignale. Schon bei Kleinkindern gibt es eine Reihe von Warnsignalen, die auf eine spätere Lese-Rechtschreib-Schwäche hindeuten:
- Das Kind hat Schwierigkeiten beim Zuhören.
- Es zeigt kaum Bereitschaft, Wörter nachzusprechen.
- Das Kind nimmt Informationen nur auf, wenn es direkt angesprochen wird.
- Das Kind hat ein schlechtes Gedächtnis für Wochentage, Farben und Namen.
- Das Kind schafft es nicht, sich auch kürzeste Gedichte und Reime zu merken.
Rechenstörung: Ursachen und Warnsignale
Bei der Rechenstörung (Dyskalkulie) fehlen den Kindern das nötige Mengenverständnis und die Zählfertigkeiten, um die Grundrechenarten zu erlernen. Sie verstehen Zahlen nicht als Mengenangaben, sondern als reine Symbole.
Ursachen. Die genauen Ursachen sind immer noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler vermuten eine Kombination unterschiedlicher Faktoren, unter anderem ist eine erbliche Komponente wahrscheinlich. Diskutiert wird auch eine untypische Entwicklung und Aktivität einer bestimmten Gehirnregion, die für das numerische Mengenverständnis entscheidend ist. Häufig fehlt den Kindern auch die Fähigkeit, an Vorläuferwissen und bereits Erlerntem anzuknüpfen.
Warnsignale. Schon bei Kleinkindern finden sich Signale, die auf eine Rechenstörung hinweisen:
- Das Kind hat Probleme, Mengen durch Hinzufügen oder Wegnehmen zu verändern.
- Es schafft es nicht, Mengen und Verhältnisangaben wie "mehr, weniger, kleiner, größer" zuzuordnen.
- Das Kind hat Probleme mit Mengen- und Maßeinheiten (Bauklötze, Geld, Zeit).
- Das Kind hat Schwierigkeiten, die Uhr abzulesen.
Diagnosesicherung
Bei jedem Kind, das trotz guter allgemeiner Bedingungen und ausreichendem Fleiß Schulprobleme hat, prüft der Kinderarzt zunächst das Vorliegen einer Seh- oder Hörstörung sowie einer Intelligenzminderung. Vermutet der Arzt bestimmte Verhaltensprobleme (wie etwa ein AD[H]S), so schließen sich weitere Tests an.
Testung im Kindergarten oder in der Schule. Der Verdacht wird durch einfache und spielerische Testverfahren erhärtet wie durch das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Diese werden immer häufiger auch in Kindergärten, in Kitas oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen sowie in der Schule von entsprechend geschulten Mitarbeitern durchgeführt. Leider sind diese Tests nicht zu 100 % zielgenau: Fast jedes 5. Kindergartenkind zeigt auffällige Ergebnisse, aber nur ein Fünftel dieser Kinder entwickelt später tatsächlich eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Eine zuverlässige Diagnose ist aber meist erst am Ende der 2. Klasse möglich.
Auch ein Verdacht auf eine Rechenstörung wird mittels diverser Tests gesichert wie dem informellen Testverfahren "QADRIGA" (Qualitative Diagnostik Rechenschwäche im Grundlagenbereich Arithmetik), das auf der Methode des "lauten Denkens" aufbaut. Das Kind erläutert seine Rechenwege, sodass sich subjektive (falsche oder umständliche) oder begriffslose Lösungswege ermitteln lassen.
Testung durch Kinderpsychologen und -psychiater. Wenn notwendig, wird das Kind auch an einen Spezialisten wie einen Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie überwiesen. Steht die Schuleignung in Zweifel, so sollte das Kind von Psychologen getestet werden, die nicht nur seine Intelligenz, sondern auch seine speziellen Begabungen und Einschränkungen beurteilen.
Behandlung
Wird eine Teilleistungsstörung entdeckt, so helfen langfristig nur spezielle Übungsbehandlungen durch geschulte Pädagogen; die hierbei verwendeten Methoden sind allerdings noch immer umstritten. Die außerhäusliche Hilfe glättet im Idealfall auch die Wogen der durch die Schulprobleme oft schwer strapazierten Kinderseele und hilft der Familie, ihr Kind besser zu verstehen.
Schulische Förderung. Kinder mit LRS und Rechenstörung haben Anspruch auf gezielte schulische Förderung. Diese sollte idealerweise zweimal wöchentlich in Kleingruppen bis maximal 5 Kindern (auf ähnlichem Leistungsniveau!) stattfinden. Wie gut das örtliche Angebot ist, hängt entscheidend von der Schule und vor allem dem Bundesland ab, da die rechtlichen Bedingungen unterschiedlich sind. Selbsthilfegruppen, Schulbehörde und Jugendamt geben entsprechende Auskünfte. Das Jugendamt ist auch deshalb eine gute Anlaufstelle, weil alle Fördermaßnahmen bei Lese-Rechtschreib-Schwäche und Rechenstörung nicht über die Krankenkasse, sondern nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz abgewickelt werden.
Sprachtherapie. In seltenen Fällen beruht die Lese-Rechtschreib-Schwäche auf einer verzögerten Sprachentwicklung, einer ungenauen Aussprache oder anderen Sprachstörungen. Hier hilft oft eine Sprachtherapie.
Üben. Da es sich um eine Art Entwicklungsstörung – begrenzt auf den Sprachbereich – handelt, hilft ein zusätzliches Üben in der Regel nicht weiter. Hier ist es ratsamer, dass die Eltern das Kind stets motivieren und auch ermuntern, am Schulleben weiterhin teilzunehmen.
Prognose
Um helfen zu können, muss für jedes Kind eine Bestandsaufnahme gemacht werden, die zeigt, wo es im "System Lernen" hakt. Werden diese "Haken" nicht beseitigt, droht ein Teufelskreis: Der Spaß und die Leistungen in der Schule werden geringer. Durch die negativen Erfahrungen in der Schule entsteht ein mangelndes Selbstwertgefühl und als Folge treten Verhaltensprobleme auf, die den Spaß und die Leistung in der Schule noch weiter verringern. Durch früh einsetzende Förderung lassen sich Schulprobleme besser meistern, die Lese-Rechtschreibe-Schwäche und Rechenstörung wachsen sich jedoch nicht ganz aus, sondern begleiten das Kind häufig auch noch in seinem Berufsleben.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Der Rückhalt in der Familie ist für Ihr Kind besonders wichtig, denn Sie stellen als Eltern die engsten Bezugspersonen dar.
Aufklärung. Erklären Sie Ihrem Kind den Grund für seine Schwierigkeiten beim Schreiben und Rechnen und nehmen Sie ihm das Gefühl des Versagens, damit es lernt, mit dem Problem auch selbstbewusst(er) umzugehen. Machen Sie deutlich, dass diese Beeinträchtigung nichts mit seiner Intelligenz und seinen Begabungen zu tun hat.
Entlastung. Nehmen Sie den Druck raus, vermeiden Sie Gewissensbisse, überfordern Sie Ihr Kind nicht und lassen Sie das Thema nicht zum Hauptthema in der Familie werden.
Fördern. Vorschulkinder lassen sich mit gezielten Sprach-Spiel-Programmen wirksam in ihrer Sprachentwicklung fördern. Erstaunlicherweise haben sich dabei manche altmodischen "Fördermaßnahmen" auch im Lichte moderner Forschung als zweckmäßig erwiesen: Singen, Klatschen und Reimen machen den Kindern z. B. die Gliederung der Sprache in Silben bewusst. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf die genaue Aussprache und schulen so die phonologische Bewusstheit (d. h. die Fähigkeit, den Klang der Wörter und die einzelnen Laute wahrzunehmen).
Als Eltern verbessern Sie die Bedingungen für das Lernen, indem Sie bei den Hausaufgaben Folgendes beachten:
- Die Hausaufgaben von Anfang an fest in den Tagesablauf integrieren.
- Die Aufgaben zwar nach einer kleinen Erholungspause, aber bald nach der Heimkehr oder dem Mittagessen machen lassen. Das bei vielen Erwachsenen vorhandene Tief zwischen 13 und 15 Uhr ist bei Kindern oft weit weniger ausgeprägt.
- Die Aufgaben sollten an einem ruhigen (möglichst stets gleichen) Ort ohne Ablenkung erledigt werden.
- Lassen Sie Ihr Kind die Hausaufgaben selbstständig erledigen und auch als eigene Angelegenheit verstehen. Das schließt eine Kontrolle natürlich nicht aus.
Weiterführende Informationen
- www.schulpsychologie.de – Umfangreiche Website zu allen Themen rund um das Thema Schulschwierigkeiten. Empfehlenswert.
- www.legasthenie.net – Website des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e. V., Hannover: Mit zahlreichen Tipps und Links.
- P. Küspert: Hören, lauschen, lernen. Vandenhöck & Ruprecht, 2006. Hilfen für LRS-Kinder im Vorschulalter.
- C. Reuter-Liehr: Lautgetreue Lese-Rechtschreib-Förderung. Verlag Dieter Winkler, 2006. Hilfen für LRS-Kinder im Lesealter.
- G. Schulte-Körne: Das Marburger Rechtschreibtraining. Verlag Dieter Winkler, 2007. Hilfen für LRS-Kinder im Schulalter.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

