Gesundheit heute
Infektionsneigung bei Kindern
Krankhafte Infektionsneigung: Angeborene oder erworbene Schwäche des Immunsystems (Immundefekt).
Weniger als 1 % der Kinder leiden daran. Diese Kinder fallen nicht nur durch sehr häufige Infektionen auf (mehr als 12 Infektionen pro Jahr), sondern v. a. durch besonders langwierige und schwerwiegende Verläufe, z. B. Abszessbildungen an der Haut. Häufig findet die Ärzt*in ungewöhnliche Erreger als Ursache, z. B. Pilze.
Symptome und Leitbeschwerden
- Gehäufte Infektionen aller Art, leichte wie Schnupfen, aber auch schwerere wie Bronchitis oder eitrige Mittelohrentzündungen.
Wann zum Kinderarzt
In den nächsten Tagen, wenn
- Ihr Kleinkind mehr als 12, Ihr Schulkind mehr als 8 Infekte pro Jahr hat, die einzelnen Episoden in der Regel länger als 4 Tage andauern und sie ungewöhnlich schwer erscheinen oder von Komplikationen begleitet werden wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Lungenentzündung (Pneumonie).
- sich Ihr Kind zwischen den Infekten nicht mehr erholt.
- Ihr Kind neben den häufigen Infektionen nicht wie seine Altersgenossen wächst und/oder eher dünn ist.
- die Infektionskrankheiten trotz Antibiotika nicht gut ausheilen.
- Husten vorherrschend ist, da es sich evtl. um eine Allergie oder Asthma handelt.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Auch wenn oft Ernährungsstörungen, Immunschwäche oder Schlimmeres dahinter vermutet wird: Meist steckt hinter einer von Eltern beklagten Infektionsneigung nichts Krankhaftes.
Im Gegenteil: Das Kleinkind kann als ein Wesen mit „natürlicher Infektionsneigung“ beschrieben werden. Denn „ohne Fleiß kein Preis“ ist die Devise des Immunsystems – es kann nur dann leistungsfähig werden, wenn es die wichtigsten Erreger nach und nach „durchmacht“. Dieses Training beginnt gegen Ende des 1. Lebensjahres, wenn der natürliche Schutz durch die mütterlichen Antikörper (Nestschutz) abfällt; Der kindliche Körper muss jetzt eigene Antikörper bilden. Ab jetzt sind bis zum Schulalter etwa 6–8 Infektionen (im 2. Lebensjahr sogar 8–12) pro Jahr normal.
Häufige Infektionen entstehen manchmal auch im Rahmen bestimmter Organkrankheiten. So leiden z. B. Kinder mit einer schweren Refluxkrankheit immer wieder unter Bronchitis und haben auch häufiger Mittelohrentzündungen. Auch Kinder mit schlecht behandeltem Asthma sind häufiger krank, da sie durch die verengten Bronchien daran gehindert werden, ihre Luftwege „sauber zu halten“; aus diesem Grund neigen sie zu immer wiederkehrenden Infektionen der Bronchien. Bei Kindern mit einer Abflussstörung an den Harnwegen (vesikorenaler Reflux) häufen sich Harnwegsinfekte. Hat ein Kind also immer wieder „Probleme an der gleichen Stelle“, ist eine Suche nach eventuell zugrunde liegenden Störungen empfehlenswert.
Risikofaktoren
Nicht gestillte Kinder sowie Kinder rauchender Eltern haben statistisch mehr Infektionen (v. a. Mittelohrentzündungen) als ihre gestillten, nicht mitrauchenden Altersgenossen. Auch Kinder in großen Familien oder Kleinkinder, die Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen, schlagen sich häufiger mit „eingeschleppten“ Infekten herum.
Diagnosesicherung
Leidet Ihr Kind unter wiederholt auftretenden Infektionen eines bestimmten Organsystems, z. B. Nebenhöhlen oder Ohren, untersucht die Ärzt*in das betreffende Organ besonders sorgfältig. Liegt keine ungewöhnliche Infektanfälligkeit vor und zeigt die körperliche Untersuchung keine Auffälligkeiten, wird die Ärzt*in keine weitere Untersuchung durchführen.
Blutuntersuchung. Vermutet die Ärzt*in eine krankhafte Infektionsneigung, so prüft er durch Blutuntersuchungen die wichtigsten Funktionen des Immunsystems und überweist das Kind möglicherweise an eine Spezialist*in.
Ultraschall und Röntgen. Unter Umständen wird ein im Verdacht stehendes Organ (z. B. Bronchien, Lunge, Scheide oder Magen) sonografiert, geröntgt oder durch eine andere bildgebende Methode genauer untersucht, um Fremdkörper (z. B. verschluckte Murmeln) als Ursache gehäufter Infekte auszuschließen.
Weitere Untersuchungsmethoden. Je nachdem, wo die Infektion auftritt, werden Urin, Hirnwasser, Schleim aus der Lunge oder andere Flüssigkeiten auf Krankheitserreger hin getestet.
Ärztliche Behandlung
Vermutet die Ärzt*in eine krankhafte Infektionsneigung, so prüft sie durch Blutuntersuchungen die wichtigsten Funktionen des Immunsystems und überweist das Kind möglicherweise an eine Spezialist*in.
Leiden Säuglinge oder Kleinkinder an Fieber unbekannter Herkunft oder akuten Ateminfektionen, sind in den meisten Fällen Viren verantwortlich. Da bakterielle Infektionen in dieser Altersgruppe jedoch oft schwer verlaufen, wird bei unbekanntem Erreger häufig dennoch eine vorsorgliche Antibiotikabehandlung eingeleitet. Seit Neuestem erlauben Schnelltests einen bakteriellen Erregerausschluss: Sie ermitteln, ob eine Erhöhung bestimmter Entzündungsmarker wie CRP vorliegt. Ein normales CRP spricht gegen eine bakterielle Infektion, auf eine vorsorgliche Antibiotikatherapie kann somit tendenziell verzichtet werden.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Die meisten Kinder mit „Infektneigung“ sind gesund, d. h. ihr Immunsystem funktioniert völlig normal. Im späten Kindergartenalter klingen die häufigen Infekte von selbst ab. Alles, was Eltern hier tun können, ist, den Kindern einen gesunden Rahmen zu bieten: gesunde Ernährung, genügend Auslauf und Schlaf und die sonstigen Freuden des Lebens. Zigarettenrauchen muss den Kindern zuliebe eingestellt werden.
Abhärtungsmethoden wie Kneipp-Güsse oder Wechselduschen wirken unterstützend, Spielen im Freien, auch bei Regen, ist genauso gut.
Prävention
Ansteckungen lassen sich oft nicht verhindern, allerdings schützt Händewaschen vor der einen oder anderen Ansteckung. Auch folgende pflanzliche Mittel haben sich bewährt:
Quendel. Aus dieser bei uns wild wachsenden Thymianart lässt sich ein Tee herstellen. Dafür wird 1 Teelöffel des getrockneten Krautes mit 1 Tasse kochendem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen lassen.
Sauerkraut. Die im rohen Sauerkraut oder auch im Sauerkrautsaft enthaltenen Laktobazillen regulieren die Darmflora und unterstützen so das Immunsystem. Eine regelmäßige „Sauerkrautkur“ sollte beispielsweise regelmäßig zu Winterbeginn (einmal am Tag) eingeleitet werden - allerdings noch nicht bei Babys!
Weizengras. Dieses altbewährte Heil- und Nahrungsmittel wirkt ebenfalls immunstimulierend: Säen Sie dazu Weizenkörner in Blumentöpfe aus. Sobald die daraus wachsenden Sprossen etwa 10 cm hoch sind, schneidet man ein kleines Büschel ab und kaut ihn gründlich durch (der faserige Rest wird ausgespuckt). Auch hier gilt: Nicht bei Babys einsetzen!
Ziegenmilch-basierte Flaschennahrung könnte für Babys hinsichtlich einer Neurodermitis günstiger sein als Kuhmilch.
Ziegenmilch gegen Neurodermitis?
Babys vor atopischer Dermatitis schützen
Ziegenmilch statt Kuhmilch – könnte das Babys Haut vor Neurodermitis schützen? Eine Studie liefert Hinweise auf einen möglichen vorbeugenden Effekt. Für Kinder mit bereits bestehender Erkrankung gilt das allerdings nicht.
2100 Säuglinge getestet
Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter: Etwa jedes fünfte Kind ist betroffen. Die entzündliche Hauterkrankung entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung, einer gestörten Hautbarriere und verschiedener Umweltfaktoren. Auch die Art der Flaschennahrung könnte eine Rolle spielen.
Um dies zu klären, haben Forschende eine Studie gestartet. Mehr als 2100 gesunde, reif geborene Säuglinge aus Spanien und Polen erhielten entweder Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegen-Vollmilch oder eine kuhmilchbasierte Nahrung.
Bis zum Ende des ersten Lebensjahres untersuchte das Studienteam die Kinder bei drei festgelegten Terminen nach wissenschaftlichen Kriterien. Ob Ziegen- oder Kuhmilchnahrung: Rund 12 von 100 Kindern entwickelten eine Neurodermitis. Einen Unterschied zwischen den Gruppen gab es dabei nicht.
Bei ärztlicher Diagnose war ein Effekt nachweisbar
Das Ergebnis ist allerdings nicht ganz so eindeutig, wie es zunächst klingt. Unter bestimmten Umständen war die Rate bei den Ziegenmilch-Kindern doch niedriger - wenn erfasst wurde, ob im ersten Lebensjahr eine Ärzt*in eine Neurodermitis diagnostiziert hatte. Dann war dasRisiko für eine Neurodermitis um etwa ein Drittel geringer. Bei Babys mit einem Elternteil, der selbst Neurodermitis hatte, fiel der Unterschied noch deutlicher aus.
Milde Formen werden leicht übersehen
Doch warum unterscheiden sich die Ergebnisse? Ein Grund dafür könnte sein, dass die Diagnose bei Babys nicht immer einfach ist. Juckreiz, ein wichtiges Diagnosekriterium, lässt sich bei Säuglingen nur schwer beurteilen. Dadurch könnten mildere oder frühe Formen der Neurodermitis in der Studie teilweise übersehen worden sein. Zudem untersuchte das Studienteam die Kinder zu drei vorgegebenen Zeitpunkten. Eine ärztliche Diagnose konnte dagegen jederzeit im ersten Lebensjahr gestellt worden sein. Dadurch können unterschiedliche Fälle erfasst werden.
Kein Grund, bei Neurodermitis die Nahrung zu wechseln
Für Eltern ist vor allem eines wichtig: Die Studie liefert einen Hinweis auf einen möglichen vorbeugenden Effekt von Ziegenmilchnahrung – sie beweist ihn aber nicht eindeutig. Um dies zu untermauern, sind weitere Untersuchungen nötig. Besorgte Eltern können ihre Säuglinge aber durchaus mit Ziegen- statt kuhmilchbasierte Flaschennahrung füttern – insbesondere, wenn sie selbst mit Neurodermitis belastet sind.
Hat ein Baby jedoch bereits Neurodermitis, gibt die Studie keinen Anlass, deshalb von Kuhmilch- auf Ziegenmilchnahrung umzustellen, betonen die Forschenden.
Quellen: ptaheute, Clinical Nutrition

