Gesundheit heute
Kopfläuse
Kopfläuse (Pediculi capitis): Parasitenbefall, von dem überwiegend Kinder im Vor- und Grundschulalter betroffen sind.
Kopfläuse zählen zur häufigsten Erkrankung mit Parasiten im Kindesalter. Fast alle Kinder werden einmal oder mehrmals von Kopfläusen heimgesucht, insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten. Medizinisch sind die Tierchen harmlos, im Gegensatz zu den hierzulande nur in sozialen Brennpunkten (wie Obdachlosenquartieren) vorkommenden Kleiderläusen übertragen Kopfläuse keine Krankheiten.
Symptome und Leitbeschwerden
- Starker Juckreiz sowie rötliche Hautveränderungen am Kopf, v. a. hinter den Ohren, an den Schläfen und am Hinterkopf sowie im Nacken
- Kratzbedingte Entzündungen und offene Stellen der Kopfhaut
- Weißliche, schuppenähnliche Nissen (Läuseeier) an den Haaren, v. a. nahe der Kopfhaut
- Evtl. Geschwollene Lymphknoten.
Wann zum Kinderarzt
Am nächsten Tag, wenn
- eine erste Lausbehandlung auch durch Selbsthilfemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") erfolglos bleibt.
- Ihr Kind unter 3 Jahre alt ist und Kopfläuse hat.
Heute noch, wenn
- Sie nicht sicher sind, ob es sich um Läuse handelt.
- Ihr Kind sehr viele Läuse hat oder die Kopfhaut aufgekratzt und entzündet ist.
- Sie selbst Läuse haben und dazu entweder schwanger sind oder stillen.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung und Übertragung
Kopfläuse sind 1–4 mm groß und überleben nur im menschlichen Kopfhaar. Dort ernähren sie sich ausschließlich vom Blut der Kopfhaut, indem sie ihren Stechrüssel zum Blutsaugen mehrmals täglich in die Kopfhaut einstechen. Durch die Absonderung von Speichel wird die Blutgerinnung verhindert. Die Einstiche verursachen den oft bei Lausbefall auftretenden Juckreiz.
Die Weibchen legen ungefähr einen Monat lang bis zu 10 Eier täglich und kleben diese samt der sie umgebenden Eihülle mithilfe eines wasserunlöslichen Klebstoffs als sogenannte Nisse an das Haar, und zwar etwa 3–4 mm von der Kopfhaut entfernt. Weibchen produzieren im Laufe ihres Lebens zwischen 200 und 300 Eier. Nach 7–10 Tagen schlüpfen die Larven aus; nach weiteren 7–10 Tagen legen diese selbst wieder Eier ab.
Findet die Laus z. B. wegen zu niedriger Temperaturen keine Nahrung mehr, werden nach ca. 2 Tagen keine entwicklungsfähigen Eier mehr produziert; sie trocknet dann nach einigen Tagen aus.
Wenn das Haar wächst, wandern die Nissen mit dem Haar immer weiter von der Kopfhaut weg – das hilft, alte Nissen, die auch bei einer erfolgreichen Läusebehandlung manchmal verbleiben, von frischen Nissen zu unterscheiden: Während letztere immer nahe an der Kopfhaut sitzen, kleben die alten Nissen am Haar weiter außen. Es gilt: Aus Nissen, die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, schlüpfen keine neuen Läuse mehr.
Klinik
Durch das Kratzen entstehen nässende Hautentzündungen, teilweise mit gelblichen Krusten. Zusätzlich schwellen teilweise auch die Lymphknoten hinter den Ohren und im Nacken an.
Risikofaktoren
Kopfläuse werden meist von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt übertragen. Die Tierchen können zwar weder fliegen noch springen, sind aber schnelle Läufer. Stecken also die „lieben Kleinen“ die Köpfe zusammen, und dies tun v. a. Kindergarten- und Grundschulkinder, so wandern die Läuse mühelos und unbemerkt von Kopf zu Kopf.
Seltener ist die indirekte Übertragung z. B. über Mützen, Kapuzen, Kuscheltiere, Nackenstützen oder Kämme.
Kopfläuse haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – auch gewaschene Haare sind für Läuse attraktiv. Dass sich Kinder immer wieder anstecken und die Läuse aus manchen Kindergartengruppen einfach nicht wegzukriegen sind, hat in der Regel damit zu tun, dass sie oft nicht ausreichend behandelt werden.
Komplikationen
Durch das Kratzen entstehen nässende Wunden an der Kopfhaut, die sich leicht entzünden und eine gelbliche Kruste zeigen (Ekzem). Durch die Entzündung schwellen bisweilen auch die Lymphknoten hinter den Ohren und im Nacken an.
Haarausfall. Ein starker Kopflausbefall verursacht in seltenen Fällen, dass die Haare vorübergehend ausfallen.
Diagnosesicherung
Symptome wie Juckreiz an typischen Stellen verweisen bereits auf die Diagnose (sog. Blickdiagnose). Ansonsten sucht die Ärzt*in die Haare in Nähe der Kopfhaut strähnchenweise auf die weißlichen Nissen ab. Am besten geht dies bei hellem Licht mit einer Lupe. Die Läuse sind zwar auch mit bloßem Auge sichtbar, aber deutlich schwerer zu finden, da sie sich sehr schnell bewegen.
Behandlung
Um Kopfläuse loszuwerden, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Mechanische Entfernung mit einem speziellen Läusekamm (siehe „Was Sie als Eltern tun können“)
- Mittel mit Insektengift (siehe unten)
- Mittel auf Silikonbasis (siehe „Ihr Apotheker empfiehlt“)
- Mittel auf pflanzlicher Basis (siehe „Ihr Apotheker empfiehlt“).
Konservative Behandlung
Wird die Ärzt*in fündig, verordnet sie ein Mittel (siehe unten) zur Läuseabtötung. Bei stark gereizter Kopfhaut empfiehlt er möglicherweise eine pflegende Creme zum Einreiben der Kopfhaut, eine Heilsalbe oder auch ein Weidenrindenshampoo. In schweren Fällen hilft eine kortisonhaltige Hautcreme, um die Entzündungsreaktion zurückzudrängen.
Leidet Ihr Kind durch das Jucken und Kratzen stark, verschreibt die Ärzt*in womöglich Antihistaminika für die Nacht. Haben Bakterien zu schweren Hautentzündungen geführt, ist ein Antibiotikum nötig.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt folgende Vorgehensweise für die Bekämpfung von Läusen:
- 1. Tag: Sofortige Behandlung mit einem Arzneimittel (Insektizid). Anschließend Haare mit Haarpflegespülung waschen und mit einem Nissen- oder Läusekamm nass auskämmen.
- 5. Tag: Haare erneut spülen und gründlich nass auskämmen, um nachgeschlüpfte Larven zu entfernen. Dadurch werden auch sehr spät geschlüpfte Larven entfernt.
- 8., 9. oder 10. Tag: Weitere Behandlung mit dem Insektizid, um spät geschlüpfte Larven abzutöten. Anschließend die Haare nass mit einer Pflegespülung waschen und auskämmen.
- 13. und 17. Tag: Kontrolluntersuchung durch gründliches nasses Auskämmen.
Kinder mit Kopfläusen dürfen in vielen Einrichtungen so lange nicht in Kindergarten oder Schule, bis die Ärzt*in oder das Gesundheitsamt bescheinigt haben, dass die Läuse verschwunden sind.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Informieren. Benachrichtigen Sie als Erstes den Kindergarten oder die Schule sowie die Eltern befreundeter Kinder. Denn die Läusebehandlung ist eine Gemeinschaftsangelegenheit. Ziehen einzelne Eltern im Kindergarten nicht mit, gewinnen die Läuse die Oberhand (ist leider in manchen Einrichtungen inzwischen eher die Regel als die Ausnahme).
Entlausen der Umgebung. Da Läuse mind. 1–2 Tage auch ohne Kopfhaut überleben, muss immer auch die Umgebung mitbehandelt werden:
- Die gesamte Wäsche, die das Kind in der letzten Zeit getragen hat, ebenso Handtücher, Bettwäsche und waschbare Stofftiere, werden bei mind. 60 °C in der Waschmaschine gewaschen oder möglichst heiß in den Trockner gegeben. Bei dieser Temperatur überlebt keine Laus.
- Kämme, Bürsten Haarspangen, -reifen und -gummis werden 10 Minuten in mind. 60 °C heißes Seifenwasser gelegt und anschließend gründlich gereinigt.
- Gegenstände, die diese Hitze nicht vertragen, werden in einem dicht verschlossenen Plastiksack 2 Tage tiefgefroren.
- Bei ganz empfindlichen Teilen, die weder Hitze noch Kälte vertragen, werden die Läuse ausgehungert. Den Gegenstand in einen Plastiksack geben, gut verschließen und 4 Wochen bei Zimmertemperatur lagern, ohne ihn zu öffnen.
- Zur Behandlung der Wohnung (z. B. Sofas) reicht gründliches Saugen.
- Zweckmäßig ist es, die Fingernägel des betroffenen Kinds gleich zu Beginn kurz zu schneiden, damit es juckende Hautstellen nicht weiter aufkratzt.
- Jedes Familienmitglied sollte während der Behandlung eine eigenen Bürste oder Kamm benutzen.
- Der Einsatz von Desinfektionsmitteln oder Insektizidsprays wird ausdrücklich nicht empfohlen.
Nachkontrollen. Da kein Kopflausmittel zu 100% zuverlässig wirkt, ist eine Nachkontrolle und Wiederholungsbehandlung unerlässlich. Aber auch um „Behandlungsversager“ und Wiederansteckung möglichst früh zu entdecken, werden die „Häupter der Lieben“ jeden Tag auf Lausbefall untersucht, zumindest solange, bis die Epidemie im Kindergarten oder in der Schule abgeklungen ist.
Geeignete Medikamente
Leider heißt Läusetherapie auch heute noch in aller Regel „chemische" Behandlung – mit all ihren Nachteilen: Immer öfter wird etwa beobachtet, dass Läuse unempfindlich (resistent) gegen das angewendete Mittel werden – auch gegen die heute gängigen Pyrethroide. Und immer stärker kommen auch die möglichen Nebenwirkungen in die Diskussion
- Pyrethrum-Extrakt. Aus bestimmten Chrysanthemenarten wird der Pyrethrum-Extrakt (Goldgeist® forte) hergestellt, der für Läuse ein Muskel- und Nervengift enthält. Eine bekannte Nebenwirkung ist eine meist leichte Hautreizung. Die Lösung wird Strähne für Strähne in die ausgekämmten und trockenen (!) Haare massiert. Das Mittel muss 30–60 Minuten einwirken. Auch größeren Kindern sollte man dabei helfen, da wirklich jedes Haar mit dem öligen Extrakt erreicht werden muss. Weil es die Nissen nicht zuverlässig abtötet, muss die Behandlung nach 8–10 Tagen wiederholt werden, um evtl. noch geschlüpfte Larven zu töten.
- Pyrethroide. Sie sind Verwandte des Pyrethrum-Extrakts. Das in InfectoPedicul® enthaltene Permethrin wird nicht so schnell abgebaut wie der Pyrethrum-Extrakt. Der Wirkstoff bleibt an den Haaren haften und tötet somit 3 Tage lang auch noch ausschlüpfende Larven. Die Behandlung muss nach 8–10 Tagen wiederholt werden.
- Jacutin® N (nur als Spray erhältlich) ist eine Kombination aus den Wirkstoffen Allethrin und Piperonylbutoxid und ähnelt daher den Pyrethroiden. Allerdings ist von Sprays generell abzuraten, da die Inhaltsstoffe evtl. versehentlich eingeatmet werden.
Hinweis: Läusemittel müssen genau nach Beipackzettel verwendet werden. Wendet man sie etwa auf zu nassem Haar an, so werden sie verdünnt und wirken nicht. Aus demselben Grund verbietet sich eine ungleichmäßige Verteilung oder eine zu sparsame Verwendung.
Komplementärmedizin
Im Zeitalter immer häufiger auftretender Resistenzen gegen die klassischen Insektizide sind die komplementärmedizinischen Methoden durchaus eine Überlegung wert – gerade für kleinere Kinder. Das Problem ist, dass ihre Wirksamkeit weit weniger gut bewiesen ist und dass sie zudem oft weitaus intensiver angewendet werden müssen – oft mehrmals am Tag und mehrere Tage hintereinander.
Hinweis: „Alternativ“ bedeutet nicht unbedingt „harmlos“. Von den meisten „alternativen“ Präparaten liegen keine Untersuchungen über eventuelle Nebenwirkungen vor.
- Studien zeigen, dass allein schon das nasse Auskämmen mit Haarpflegespülung und Läusekamm alle 3-4 Tage in über 50 % der Fälle zur effektiven Entlausung führt. Da immer ein paar Läuse in den Haaren verbleiben, empfehlen Fachleute das Auskämmen nicht als alleinige Behandlung, sondern nur ergänzend zur Behandlung mit Insektiziden.
- Präparate aus dem indischen Neembaum bieten einen interessanten Ansatz: Sie hemmen die Bildung des Chitinpanzers der Laus. Da bisher nur einige wenige Studien über die Wirksamkeit und über die Nebenwirkungen dieses natürlichen Insektizids vorliegen, sind neemhaltige Produkte nur als Medizinprodukte in Apotheken erhältlich; diese werden im Gegensatz zu Arzneiprodukten nicht ärztlich verordnet. Zu diesen Mitteln zählen z.B. Niemolind® oder das Neem-Extrakt FT-Shampoo®.
- Ein anderer Ansatz besteht im Besprühen der Haare mit (nicht giftigem) Dimeticon, einer öligen Lösung, die auf dem Kunststoff Silikon basiert. Dieser hierzulande z. B. unter den Handelsnamen NYDA®L oder Etopril® verfügbare Entschäumer (oft bei Babykoliken gegen Blähungen verordnet) macht Läusen die Atmung unmöglich, indem er ihre Atemöffnung verschließt [B13]. Allerdings sind silikonhaltige Mittel leicht entflammbar. Deshalb sollten behandelte Kinder während der gesamten Anwendung bis zum Ausspülen keinesfalls in die Nähe offener Flammen oder eines Haarföns kommen.
- Auch manche ätherische Öle, z. B. Lavendel- oder Teebaumöl, besitzen eine gewisse Anti-Laus-Wirkung, die unseres Erachtens aber nicht zuverlässig ist. Zum Teil sollen diese Öle sogar die Kopfhaut schädigen.
- Produkte auf der Basis von Soja- oder Kokosöl (z. B. Aesculo Gel L® oder Mosquito Läuseshampoo®) sollen die Läuse ersticken, indem sie sie mit einem Ölfilm überziehen.
- Vielversprechend ist die in England entwickelte Methode des "bug busting", eine Behandlung mit Haar-Conditioner und einem besonders feinen Läusekamm: Der Kopf wird an 4 Tagen innerhalb von 2 Wochen mit gewöhnlicher Haarspülung eingerieben und dann mit einem sehr feinen Läusekamm ausgekämmt. In England ist hierzu ein spezielles Kit mit verschiedenen Nissenkämmen verfügbar, hierzulande muss improvisiert werden.
- Eine möglicherweise revolutionäre Behandlung stellt ein in den USA entwickelter spezieller Haarfön mit einem auf das Gebläse aufgesetzten Kamm dar. Diese „Läuseföne“ sind noch nicht ausreichend getestet, um zuverlässige Aussage über ihre Wirksamkeit zu machen. Wichtig: Ein regulärer Haarfön oder eine Trockenhaube sind zur Behandlung von Läusen nicht geeignet (ebenso wie Läuse auch nicht in der Sauna verenden).
- Die Wirksamkeit von elektrischen Kämmen wurde bisher nicht bewiesen, es besteht außerdem die Gefahr, dass sie die Kopfhaut schädigen.
- Eine lähmende Wirkung auf die Läuse soll auch Essigwasser haben, das aus einem Teil Haushaltsessig und zwei Teilen warmem Wasser gemischt wird. Das Wasser soll 10 Minuten auf dem Haar einwirken, danach werden die Haare nass mit dem Läusekamm ausgekämmt. Der Kamm wird anschließend in heißem Essigwasser gereinigt.
- Essiglösungen sollen auch helfen, die Nissen leichter zu lösen. Dazu werden die Haare vorher in einer Essigmischung gespült, die aus einem handelsüblichen 5%igen Haushaltsessig 1:1 mit Wasser verdünnt wird.
- Als weiteres wirksames Hausmittel gilt Olivenöl, das angewärmt großzügig auf Haar und Kopfhaut gebracht wird. Über das eingeölte Haar werden eine Duschhaube sowie ein Handtuch gewickelt. Die Packung wirkt dann über Nacht. Anschließend wird das Haar mit dem Läusekamm ausgekämmt und mit einem herkömmlichen Shampoo gewaschen.
Prävention
Einen generellen Schutz – gerade für Kinder – gibt es nicht. Auch normales Haarewaschen nützt leider nicht gegen Läuse. Manche Eltern haben aber gute Erfahrungen mit einem Weidenrindenshampoo gemacht, das die Haare vor Lausbefall schützen soll. Von der früher oft empfohlenen Kurzhaarfrisur oder sogar Glatze nimmt man mittlerweile Abstand, da diese Radikalkur gerade für Kinder eine große Belastung dargestellt.
Die beste Prävention besteht darin, nachfolgende Fehler zu vermeiden – dann überleben weder Eier noch Larven oder Läuse:
- Zu kurze Einwirkzeiten der Kopflausmittel
- Zu sparsames Ausbringen des Mittels
- Eine ungleichmäßige Verteilung des Mittels
- Eine zu starke Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar
- Keine Wiederholungsbehandlung
- Eine zu frühe oder zu späte Wiederholungsbehandlung.
Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

