Gesundheit heute

Übergewicht und Adipositas bei Kindern

Übergewicht: Zu hohes Körpergewicht im Vergleich zur Körpergröße (über der 90-%-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen; das entspricht einem BMI von ≥ 25). Heute sind in Deutschland bereits 18 % der Schulanfänger zu dick, bis zur Pubertät steigt dieser Anteil auf etwa 28 %. Jungen haben ein höheres Risiko, Übergewicht zu entwickeln.

Adipositas (krankhaftes Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettsucht): Eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes (über der 97-%-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen; das entspricht einem BMI von ≥ 30). Derzeit sind in Deutschland laut Schätzungen etwa 6 % adipös – und haben über kurz oder lang mit gesundheitlichen Problemen zu rechnen.

Symptome und Leitbeschwerden

Zunächst verursacht Übergewicht keine Beschwerden. Kinder gewöhnen sich an die zusätzlichen Pfunde.

Wann zum Kinderarzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • Ihnen Ihr Kind zu „mollig“ erscheint oder über den Normalbereich der entsprechenden Wachstumskurven liegt.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Ihr Kind verhältnismäßig rasch zunimmt und zusätzlich weitere Beschwerden wie Antriebslosigkeit oder Kurzatmigkeit bei Anstrengung bestehen.

Die Erkrankung

Die Entwicklung des Fettkörpers bei Kindern

Kinder starten ihr Leben mit einer Fettmasse von etwa 11 % des Körpergewichts, die sich bis Ende des 1. Jahres auf 25 % erhöht (Babyspeck). Diese Fettzunahme ist genetisch programmiert.

Ebenso programmiert ist die danach folgende Phase der Rückbildung des Fettgewebes, bis ins Alter von etwa 5 ½ Jahren. Am Ende der Kindergartenzeit hat der BMI sein Minimum erreicht – in diesem Alter sollten Kinder schlank sein. Erst mit dem Ende des 6. Lebensjahres steigt die Fettmasse wieder langsam an (sogenannter adiposity rebound) und nimmt dann mit der Pubertät – v. a. bei Mädchen – stark zu.

Ursache

Übergewicht entsteht – auch bei Kindern –, wenn auf Dauer die Energiebilanz positiv ist. Das heißt, das Kind nimmt Tag für Tag im Mittel mehr Energie zu sich, als es verbraucht.

Da reichen kleine Unterschiede: Isst oder trinkt es täglich zusätzliche 100 Kalorien mehr, das sind gerade mal 100 g Joghurt, schlägt sich dieses Zuviel in einem Jahr in zusätzlichen 10 kg Körpergewicht nieder. Aber wodurch entsteht diese positive Energiebilanz?

Risikofaktoren für Übergewicht

Bei den meisten übergewichtigen Kindern kommen wohl verschiedene ungünstige Umstände zusammen, sog. Risikofaktoren. Dazu zählen:

Vererbung. Ein hohes Risiko für Übergewicht haben Kinder, deren Eltern ebenfalls übergewichtig sind. Dabei wirken nicht nur die „Gene“, sondern in der Regel auch soziale Faktoren, die über die Eltern auf das Kind einwirken.

Frühe Prägungen. Zum Teil lässt sich das Übergewicht von Kindern auf frühe Prägungen zurückführen. Schon im Mutterleib werden möglicherweise die ersten Weichen für späteres Übergewicht gestellt:

  • So dürfte die vorgeburtliche Programmierung des Stoffwechsels eine Rolle spielen: Im Mutterleib unterversorgte Kinder stellen ihren Stoffwechsel langfristig auf „Sparbetrieb“ um. Aufgrund dieses sparsamen Kalorienverbrauches sind sie im Mutterleib häufiger übergewichtig.
  • Ebenso erhöht das mütterliche Rauchen während der Schwangerschaft das spätere Adipositas-Risiko deutlich.

Säuglingsnahrung. Es gibt Hinweise, dass die Fütterung mit Säuglingsmilchnahrungen Übergewicht begünstigt: So ist das Körpergewicht von „Flaschenkindern“ im Vergleich zu gestillten Kindern am Ende des 1. Lebensjahres bis 650 g höher. Das wird dadurch erklärt, dass nicht oder nur teilweise gestillte Kinder im Vergleich zu voll gestillten Kindern 20 % mehr Kalorien zu sich nehmen. Gestillte Kinder haben nicht nur ein insgesamt geringeres Risiko für späteres Übergewicht im Kindesalter, sondern sind auch weniger anfällig für Allergien.

Wie eine US-amerikanische Studie belegt, fördert jedoch nicht jede Säuglingsnahrung das Dicksein. Gewichtsprobleme hängen vielmehr davon ab, ob die Babys Nahrung aus getrockneter Kuhmilch erhalten oder aus Hydrolysaten, d. h. aus zerkleinerten Eiweißen. Hydrolysatmilch bekommen vor allem Säuglinge mit einer Milchzuckerunverträglichkeit gefüttert. Sie eignet sich aber auch für alle anderen Babys, da sie einer übermäßigen Gewichtszunahme und damit Übergewicht vorbeugt. Der Grund: Der Darm verwertet Hydrolysate besser als Kuhmilcheiweiße und sorgt so für ein frühzeitigeres Sättigungsgefühl. Dadurch nahmen in der Studie die Säuglinge, die mit Hydrolysatmilch gefüttert wurden, auch viel langsamer zu als die mit Kuhmilch gefütterten Babys.

Bewegungsmangel. Der zunehmende Bewegungsmangel bei Kindern schlägt sich in Fitnessuntersuchungen deutlich nieder: Konnten 1995 Berliner Schülerinnen mit 11 Jahren durchschnittlich noch 3,10 m weit springen, so waren es 4 Jahre später nur noch 2,78 m. Die Jungen stehen nicht nach: 10-Jährige, die 1970 im Schnitt bei einem 6-Minuten-Sprint noch 1150 m weit kamen, schaffen es heute nicht einmal mehr bis zur 900-m-Marke. Nach neueren Untersuchungen beginnt der Bewegungsmangel schon sehr früh im Kleinkindalter.

Essverhalten. Im Vergleich zu Erwachsenen spielt beim Entstehen von Übergewicht bei Kindern Bewegungsmangel eine größere Rolle als Überernährung, aber diese Aussage ist wissenschaftlich nur schwer zu sichern. Tatsache ist, dass die Portionsgrößen beim kommerziellen Nahrungsangebot stark zugenommen haben und dass über die Hälfte der Kleinkinder regelmäßig zu kaloriendichte und zu süße Kindernahrung (z. B. Fruchtquark oder Schokopudding) konsumiert. Wird vor allem Fastfood außer Haus verzehrt, steigt das Risiko, übergewichtig zu werden, deutlicher an als in einem Haushalt, in dem regelmäßig ausgewogen gegessen wird. Sehr häufig spiegelt diese Esskultur aber die Beziehungskultur in der Familie wider – was den deutlichen Einfluss des sozialen Hintergrundes mit erklärt.

Soziale Ursachen. Bei der Frage, warum sich Kinder heute weniger bewegen, schwingt immer die implizite Schuldfrage mit. Dabei hat Bewegungsmangel oft nichts mit bewussten Entscheidungen zu tun, sondern geht zumindest teilweise auf Änderungen der Lebenswelt zurück. Tatsache ist, dass die Lebenswelt von Kindern heute stärker vereinzelt (weniger Spielpartner in unmittelbarer Nähe), verinselt (Freunde sind nicht zu Fuß zu erreichen) und entstraßlicht ist (die Straße als Spielraum entfällt). Zudem entfallen wichtige Bewegungsroutinen für Kinder (z. B. der Schulweg). Gleichzeitig stehen attraktive, aber bewegungsarme Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen, Handy sowie Computerspiele zur Verfügung.

Adipositas betrifft in erster Linie eine Risikogruppe von Kindern aus sozial benachteiligten Familien sowie Immigrantenfamilien. Studien haben ergeben, dass Jungen und Mädchen aus sozial benachteiligten Familien dreimal so häufig adipös sind wie solche mit hohem Sozialstatus. Interessanterweise hat auch das (Über-)Gewicht älterer Geschwister einen messbaren Einfluss auf das Dickwerden.

Schlaf. Auch zu wenig Schlaf wird in Verbindung gebracht mit Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Jede zusätzliche Stunde täglicher Schlaf soll den BMI um 0,48 sinken lassen.

Körperliche Ursachen. Sehr selten beruht das Übergewicht bei Kindern auf körperlichen Ursachen wie:

  • Hormonstörungen. Hierzu zählen die Verlangsamung des Stoffwechsels durch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder die Nebennierenrindenüberfunktion, bei der zu viel Kortisol gebildet wird, das die Fetteinlagerung v. a. am Körperstamm fördert.
  • Erblich bedingte Erkrankungen. Vereinzelt führen auch Erkrankungen wie Trisomie 21 oder Prader-Willi-Syndrom und/oder Medikamente wie Neuroleptika, Antidepressiva und Insulin) zu einer Gewichtszunahme.

Diagnosesicherung

Messen und Wiegen. Ob eine Person übergewichtig ist oder nicht, wird auf verschiedene Art und Weise beurteilt. Allerdings ist das bei Kindern schwerer zu bestimmen als bei Erwachsenen. Die einfache Rechnung mit Gewicht und Körpergröße (sogenannter Body-Mass-Index, BMI) wie bei Erwachsenen eignet sich nur bedingt. Da Kinder diverse Entwicklungsphasen durchlaufen, in denen eine körperliche Fülle normal ist (Babyspeck), müssen neben der Körpergröße und dem Gewicht auch das Alter und das Geschlecht berücksichtigt werden. Aus diesem Grund werden häufig spezielle Kurven (Perzentilenkurven) herangezogen, die sowohl Größe und Gewicht, aber zusätzlich auch das Alter des Kindes einbeziehen.

Wie bei Erwachsenen mit Adipositas schließt die Kinderärzt*in zunächst Krankheiten als mögliche Ursachen aus und untersucht das Kind auf bereits vorhandene Schäden.

Untersuchung von Blut, Blutfetten, Blutdruck- und Blutzuckerwerten. Steht die Diagnose „Übergewicht“ oder „Adipositas“ fest, werden regelmäßig Blutdruck und einige Blutwerte nüchtern kontrolliert (Cholesterin, HDL-/LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Glucose und Leberenzym), um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Behandlung

Ab wann einem adipösen Kind eine Therapie anzuraten ist, ist derzeit nicht zu beantworten. Langfristige, d. h. über 3–5 Jahre anhaltende Erfolge, sind bisher nicht sicher nachgewiesen. Ob die Therapie nur nichts nutzt oder vielleicht sogar schadet, ist ebenfalls nicht bekannt – mögliche Nachteile der fast immer scheiternden Gewichtsreduktion auf die emotionale Entwicklung des Kindes sind nicht ausgeschlossen. Die Krankenkassen erstatten die Kosten einer Therapie derzeit nur in extremen Fällen sowie bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Krankheiten.

Therapieziele. Bei Kindern hilft es wenig, eine Diät zu verordnen oder bestimmte Lebensmittel zu streichen. Meist reicht es bei noch wachsenden Kindern aus, das Körpergewicht zu halten, das Bewegungsverhalten und die Ernährung zu verbessern und Komplikationen von Übergewicht und Adipositas vorzubeugen.

Therapieformen

  • Von den etwa 1.000.000 adipösen Kindern in Deutschland werden derzeit etwa 1,2 % in ambulanten Therapieprogrammen behandelt. Für Kinder unter 6 Jahren stehen derartige Therapieprogramme bisher nicht zur Verfügung.
  • Vor Diäten muss gewarnt werden; sie versagen schon bei den meisten Erwachsenen. Zudem ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder, die ihr Übergewicht immer wieder mit Diäten bekämpfen, häufiger Essstörungen bekommen wie Bulimie oder Magersucht und insgesamt deutlich mehr an Gewicht zunehmen [201].
  • Medikamente und Formeldiäten spielen bisher keine Rolle in der Therapie des kindlichen Übergewichts.
  • Operative Therapie: Dass die Übergewichtschirurgie auch bei Jugendlichen wirksam ist, ist nachgewiesen; allerdings sind Komplikationen nicht auszuschließen. Ein Banding des Magens (Magenband) kommt nur bei älteren Jugendlichen mit schwerer Adipositas infrage und setzt zudem voraus, dass die anderen Behandlungsansätze erfolglos waren. Das Magenband schränkt die Magenfüllkapazität erheblich ein; es tritt schneller ein Sättigungsgefühl auf. Hierzulande kommt als OP-Methode vor allem der Magenbypass, eine Magenverkleinerung, zum Einsatz. Im Vergleich zum Magenband wird hierbei eine höhere Gewichtsreduktion ermöglicht, und eine Nachoperation ist seltener erforderlich.

Prognose

Übergewichtige Kinder bleiben meist auch als Erwachsene übergewichtig. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 75 % aller Kinder, die im Alter von 10–11 Jahren einen BMI > 23 haben, im Erwachsenenalter sogar adipös sind.

Übergewicht und Adipositas haben bei Kindern langfristig die gleichen Folgen wie Adipositas bei Erwachsenen, manche Schäden treten schon im Kindesalter auf. Je früher die Adipositas beginnt, desto schwerwiegender sind die späteren Folgekrankheiten:

Diabetes mellitus. Bei immerhin einem Drittel der adipösen Kinder lassen sich Störungen des Zuckerstoffwechsels nachweisen, 1 % hat bereits einen Typ-2-Diabetes.

Psychosoziale Belastungen. Auch psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten wie Essstörungen (Anorexia nervosa und Bulimie), Depressionen und geringes Selbstwertgefühl sind bei übergewichtigen Kindern häufiger (der ursächliche Zusammenhang ist allerdings wie bei Erwachsenen nicht gesichert).

Störungen im Hormonhaushalt. Die erste Regelblutung tritt wegen der vermehrten Östrogenproduktion im Fettgewebe früher ein, Zyklusstörungen sind häufig. Auch beschleunigt sich das Längenwachstum bei adipösen Kindern oft stark (da es aber früher zum Stillstand kommt, ist die Endgröße in etwa gleich).

Verschleißschäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Am Skelett drohen früh Überlastungserscheinungen, v. a. eine Ablösung der Wachstumsfuge des Oberschenkelkopfs (Wachstumsfuge) sowie eine Wachstumsstörung der Schienbeine mit Bildung von O-Beinen. Zusätzlich leiden Übergewichtige eher unter Rückenschmerzen sowie Senk-, Spreiz- und Plattfüßen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Übergewicht verstärkt kardiovaskuläre Risikofaktoren und erhöht damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Verengungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) im Erwachsenenalter.

Entzündungen. Bei stark Übergewichtigen entwickeln sich zwischen den Hautfalten leicht Entzündungen (nässende Ekzeme).

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Das Risiko für Atemaussetzer im Schlaf (Apnoe) ist bei übergewichtigen Teenagern erhöht.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Vorbild. Maßnahmen gegen Übergewicht sollten möglichst schon vor und während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter erfolgen, spätestens jedoch im Kindergartenalter. Denn Kinder lernen in erster Linie von ihren Eltern und sehen genau, was diese machen! Das heißt: Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen, denn sie bestimmen die Regeln im Alltag, mit denen die Kinder groß werden. Hierzu gehören beispielsweise die ausgewogene Zusammensetzung des Speiseplans, das Einhalten von gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie – in Ruhe und ohne Störung von Handy, PC oder laufendem Fernseher! – , die Häufigkeit und Art von Zwischenmahlzeiten, aber auch ein gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten. Es gilt, einen gesunden Lebensstil attraktiv zu machen und den Kindern einen natürlichen Umgang mit Nahrung sowie ihrem eigenen Körper zu vermitteln. Die Eltern und älteren Geschwister sind dabei ein wichtiges Vorbild.

Akzeptieren. Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist die Wahrnehmung der Eltern: Während die Gesellschaft kindliches Übergewicht immer stärker zum Thema macht, scheinen die Eltern in einer Art Wahrnehmungsfalle zu sitzen und nehmen das Übergewicht bei ihren Kindern nicht wahr. So unterschätzen nur 10 % der Mütter in Studien ihr eigenes Gewicht – dagegen unterschätzen fast 30 % das ihrer Kinder [219].

Lebensstil. Soll sich am Gewicht Ihres Kindes etwas ändern, müssen alle in der Familie an dem Prozess teilnehmen, das heißt, Ihr Kind muss nicht allein seinen Lebensstil ändern. Schließlich profitieren alle von der gesünderen Lebensweise.

Bewegung. Helfen Sie Ihrem Kind, sich regelmäßig und viel zu bewegen. Viele Randbedingungen haben Sie dabei in der Hand:

  • Hat Ihr Kind ein Fahrrad in geeigneter Größe? Wenn nicht, überlegen Sie, eines anzuschaffen. Falls der Preis ein Problem ist: Fast überall gibt es preiswerte gebrauchte Kinderäder.
  • Könnte Ihr Kind mit dem Fahrrad in die Schule und in die Jugendgruppe fahren – nimmt aber lieber den Bus? Dann erklären Sie, dass bei gutem Wetter das Fahrrad "dran" ist, aber wenn es regnet oder friert, Sie weiterhin den Bus bezahlen.
  • Wie verbringen Sie den Urlaub? Urlaube mit eingebauter Bewegung, egal ob in den Bergen, mit den Rädern oder auf dem Bauernhof sind gut – die Flugreise mit Badeurlaub eher ungünstig.
  • Bieten Sie Aktivitäten und kleine Abenteuer: für Kindergartenkinder etwa im Winter das Schneemannbauen, im Frühjahr das Blumenpflücken, im Sommer das Radeln zum Freibad und im Herbst das Sammeln bunter Blätter. Bei größeren Kindern ist das „wilde“ Zelten in unbekannter Umgebung immer ein Volltreffer.
  • Mit Aktivität und Abenteuer lassen sich auch Kindergeburtstage gestalten: Statt gemeinsamer Mediennutzung etwa sind Schnitzeljagden bis zum Ende der 3. oder 4. Klasse immer ein Hit – und gewährleisten zufriedene Kindergesichter.

Weiterführende Informationen

  • https://adipositas-gesellschaft.de/aga/ – Eine Übersicht über die derzeitigen ambulanten Therapieprogramme gibt die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Universität Witten-Herdecke.
  • www.bzga-essstoerungen.de– Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln): Mit BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche.
  • www.adipositas-gesellschaft.de (Rubrik Leitlinien) – Website der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V., Hamburg: Hier finden Sie die Leitlinie zur Vorbeugung und Behandlung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Weiterlesen:

Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen

Ursachen von Übergewicht

Übergewicht - ein Bilanzproblem

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Beschreibung“, „Symptome und Beschwerden“, „Wann zum Kinderarzt“, „Die Erkrankung“, „Diagnosesicherung“, „Behandlung“, „Prognose“ und „Ihre Apotheke empfiehlt“: Dagmar Fernholz
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Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.

Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Haut schützen, Auslöser meiden

Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.

Gestörte Hautbarriere

Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.

Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.

Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.

Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.

Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.

Die Hautbarriere stärken

Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.

Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.

Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.

Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.

Richtig baden und waschen

Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.

Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.

Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.

Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.

Den Juckreiz kontrollieren

Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.

Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.

Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.

Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.

Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.

Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.

Auslöser im Blick behalten

Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.

  • Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
  • Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
  • Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
  • Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.

Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.

Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen

Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:

Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.

Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.

Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.

Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.

Keine Angst vor Kortison!

Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.

Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad: 

  • Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet. 
  • An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein. 
  • Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.

Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.

Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.

Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.

Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.

Psychische Belastung ernst nehmen

Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.

Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie 

  • die Erkrankung altersgerecht erklären 
  • das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen 
  • für Verständnis im Umfeld sorgen.

Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..

Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Dinko Kyuchukov / Alamy / Alamy Stock Photos