Gesundheit heute
Übergewicht und Adipositas bei Kindern
Übergewicht: Zu hohes Körpergewicht im Vergleich zur Körpergröße (über der 90-%-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen; das entspricht einem BMI von ≥ 25). Heute sind in Deutschland bereits 18 % der Schulanfänger zu dick, bis zur Pubertät steigt dieser Anteil auf etwa 28 %. Jungen haben ein höheres Risiko, Übergewicht zu entwickeln.
Adipositas (krankhaftes Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettsucht): Eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes (über der 97-%-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen; das entspricht einem BMI von ≥ 30). Derzeit sind in Deutschland laut Schätzungen etwa 6 % adipös – und haben über kurz oder lang mit gesundheitlichen Problemen zu rechnen.
Symptome und Leitbeschwerden
Zunächst verursacht Übergewicht keine Beschwerden. Kinder gewöhnen sich an die zusätzlichen Pfunde.
Wann zum Kinderarzt
In den nächsten Wochen, wenn
- Ihnen Ihr Kind zu „mollig“ erscheint oder über den Normalbereich der entsprechenden Wachstumskurven liegt.
In den nächsten Tagen, wenn
- Ihr Kind verhältnismäßig rasch zunimmt und zusätzlich weitere Beschwerden wie Antriebslosigkeit oder Kurzatmigkeit bei Anstrengung bestehen.
Die Erkrankung
Die Entwicklung des Fettkörpers bei Kindern
Kinder starten ihr Leben mit einer Fettmasse von etwa 11 % des Körpergewichts, die sich bis Ende des 1. Jahres auf 25 % erhöht (Babyspeck). Diese Fettzunahme ist genetisch programmiert.
Ebenso programmiert ist die danach folgende Phase der Rückbildung des Fettgewebes, bis ins Alter von etwa 5 ½ Jahren. Am Ende der Kindergartenzeit hat der BMI sein Minimum erreicht – in diesem Alter sollten Kinder schlank sein. Erst mit dem Ende des 6. Lebensjahres steigt die Fettmasse wieder langsam an (sogenannter adiposity rebound) und nimmt dann mit der Pubertät – v. a. bei Mädchen – stark zu.
Ursache
Übergewicht entsteht – auch bei Kindern –, wenn auf Dauer die Energiebilanz positiv ist. Das heißt, das Kind nimmt Tag für Tag im Mittel mehr Energie zu sich, als es verbraucht.
Da reichen kleine Unterschiede: Isst oder trinkt es täglich zusätzliche 100 Kalorien mehr, das sind gerade mal 100 g Joghurt, schlägt sich dieses Zuviel in einem Jahr in zusätzlichen 10 kg Körpergewicht nieder. Aber wodurch entsteht diese positive Energiebilanz?
Risikofaktoren für Übergewicht
Bei den meisten übergewichtigen Kindern kommen wohl verschiedene ungünstige Umstände zusammen, sog. Risikofaktoren. Dazu zählen:
Vererbung. Ein hohes Risiko für Übergewicht haben Kinder, deren Eltern ebenfalls übergewichtig sind. Dabei wirken nicht nur die „Gene“, sondern in der Regel auch soziale Faktoren, die über die Eltern auf das Kind einwirken.
Frühe Prägungen. Zum Teil lässt sich das Übergewicht von Kindern auf frühe Prägungen zurückführen. Schon im Mutterleib werden möglicherweise die ersten Weichen für späteres Übergewicht gestellt:
- So dürfte die vorgeburtliche Programmierung des Stoffwechsels eine Rolle spielen: Im Mutterleib unterversorgte Kinder stellen ihren Stoffwechsel langfristig auf „Sparbetrieb“ um. Aufgrund dieses sparsamen Kalorienverbrauches sind sie im Mutterleib häufiger übergewichtig.
- Ebenso erhöht das mütterliche Rauchen während der Schwangerschaft das spätere Adipositas-Risiko deutlich.
Säuglingsnahrung. Es gibt Hinweise, dass die Fütterung mit Säuglingsmilchnahrungen Übergewicht begünstigt: So ist das Körpergewicht von „Flaschenkindern“ im Vergleich zu gestillten Kindern am Ende des 1. Lebensjahres bis 650 g höher. Das wird dadurch erklärt, dass nicht oder nur teilweise gestillte Kinder im Vergleich zu voll gestillten Kindern 20 % mehr Kalorien zu sich nehmen. Gestillte Kinder haben nicht nur ein insgesamt geringeres Risiko für späteres Übergewicht im Kindesalter, sondern sind auch weniger anfällig für Allergien.
Wie eine US-amerikanische Studie belegt, fördert jedoch nicht jede Säuglingsnahrung das Dicksein. Gewichtsprobleme hängen vielmehr davon ab, ob die Babys Nahrung aus getrockneter Kuhmilch erhalten oder aus Hydrolysaten, d. h. aus zerkleinerten Eiweißen. Hydrolysatmilch bekommen vor allem Säuglinge mit einer Milchzuckerunverträglichkeit gefüttert. Sie eignet sich aber auch für alle anderen Babys, da sie einer übermäßigen Gewichtszunahme und damit Übergewicht vorbeugt. Der Grund: Der Darm verwertet Hydrolysate besser als Kuhmilcheiweiße und sorgt so für ein frühzeitigeres Sättigungsgefühl. Dadurch nahmen in der Studie die Säuglinge, die mit Hydrolysatmilch gefüttert wurden, auch viel langsamer zu als die mit Kuhmilch gefütterten Babys.
Bewegungsmangel. Der zunehmende Bewegungsmangel bei Kindern schlägt sich in Fitnessuntersuchungen deutlich nieder: Konnten 1995 Berliner Schülerinnen mit 11 Jahren durchschnittlich noch 3,10 m weit springen, so waren es 4 Jahre später nur noch 2,78 m. Die Jungen stehen nicht nach: 10-Jährige, die 1970 im Schnitt bei einem 6-Minuten-Sprint noch 1150 m weit kamen, schaffen es heute nicht einmal mehr bis zur 900-m-Marke. Nach neueren Untersuchungen beginnt der Bewegungsmangel schon sehr früh im Kleinkindalter.
Essverhalten. Im Vergleich zu Erwachsenen spielt beim Entstehen von Übergewicht bei Kindern Bewegungsmangel eine größere Rolle als Überernährung, aber diese Aussage ist wissenschaftlich nur schwer zu sichern. Tatsache ist, dass die Portionsgrößen beim kommerziellen Nahrungsangebot stark zugenommen haben und dass über die Hälfte der Kleinkinder regelmäßig zu kaloriendichte und zu süße Kindernahrung (z. B. Fruchtquark oder Schokopudding) konsumiert. Wird vor allem Fastfood außer Haus verzehrt, steigt das Risiko, übergewichtig zu werden, deutlicher an als in einem Haushalt, in dem regelmäßig ausgewogen gegessen wird. Sehr häufig spiegelt diese Esskultur aber die Beziehungskultur in der Familie wider – was den deutlichen Einfluss des sozialen Hintergrundes mit erklärt.
Soziale Ursachen. Bei der Frage, warum sich Kinder heute weniger bewegen, schwingt immer die implizite Schuldfrage mit. Dabei hat Bewegungsmangel oft nichts mit bewussten Entscheidungen zu tun, sondern geht zumindest teilweise auf Änderungen der Lebenswelt zurück. Tatsache ist, dass die Lebenswelt von Kindern heute stärker vereinzelt (weniger Spielpartner in unmittelbarer Nähe), verinselt (Freunde sind nicht zu Fuß zu erreichen) und entstraßlicht ist (die Straße als Spielraum entfällt). Zudem entfallen wichtige Bewegungsroutinen für Kinder (z. B. der Schulweg). Gleichzeitig stehen attraktive, aber bewegungsarme Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen, Handy sowie Computerspiele zur Verfügung.
Adipositas betrifft in erster Linie eine Risikogruppe von Kindern aus sozial benachteiligten Familien sowie Immigrantenfamilien. Studien haben ergeben, dass Jungen und Mädchen aus sozial benachteiligten Familien dreimal so häufig adipös sind wie solche mit hohem Sozialstatus. Interessanterweise hat auch das (Über-)Gewicht älterer Geschwister einen messbaren Einfluss auf das Dickwerden.
Schlaf. Auch zu wenig Schlaf wird in Verbindung gebracht mit Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Jede zusätzliche Stunde täglicher Schlaf soll den BMI um 0,48 sinken lassen.
Körperliche Ursachen. Sehr selten beruht das Übergewicht bei Kindern auf körperlichen Ursachen wie:
- Hormonstörungen. Hierzu zählen die Verlangsamung des Stoffwechsels durch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder die Nebennierenrindenüberfunktion, bei der zu viel Kortisol gebildet wird, das die Fetteinlagerung v. a. am Körperstamm fördert.
- Erblich bedingte Erkrankungen. Vereinzelt führen auch Erkrankungen wie Trisomie 21 oder Prader-Willi-Syndrom und/oder Medikamente wie Neuroleptika, Antidepressiva und Insulin) zu einer Gewichtszunahme.
Diagnosesicherung
Messen und Wiegen. Ob eine Person übergewichtig ist oder nicht, wird auf verschiedene Art und Weise beurteilt. Allerdings ist das bei Kindern schwerer zu bestimmen als bei Erwachsenen. Die einfache Rechnung mit Gewicht und Körpergröße (sogenannter Body-Mass-Index, BMI) wie bei Erwachsenen eignet sich nur bedingt. Da Kinder diverse Entwicklungsphasen durchlaufen, in denen eine körperliche Fülle normal ist (Babyspeck), müssen neben der Körpergröße und dem Gewicht auch das Alter und das Geschlecht berücksichtigt werden. Aus diesem Grund werden häufig spezielle Kurven (Perzentilenkurven) herangezogen, die sowohl Größe und Gewicht, aber zusätzlich auch das Alter des Kindes einbeziehen.
Wie bei Erwachsenen mit Adipositas schließt die Kinderärzt*in zunächst Krankheiten als mögliche Ursachen aus und untersucht das Kind auf bereits vorhandene Schäden.
Untersuchung von Blut, Blutfetten, Blutdruck- und Blutzuckerwerten. Steht die Diagnose „Übergewicht“ oder „Adipositas“ fest, werden regelmäßig Blutdruck und einige Blutwerte nüchtern kontrolliert (Cholesterin, HDL-/LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Glucose und Leberenzym), um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen.
Behandlung
Ab wann einem adipösen Kind eine Therapie anzuraten ist, ist derzeit nicht zu beantworten. Langfristige, d. h. über 3–5 Jahre anhaltende Erfolge, sind bisher nicht sicher nachgewiesen. Ob die Therapie nur nichts nutzt oder vielleicht sogar schadet, ist ebenfalls nicht bekannt – mögliche Nachteile der fast immer scheiternden Gewichtsreduktion auf die emotionale Entwicklung des Kindes sind nicht ausgeschlossen. Die Krankenkassen erstatten die Kosten einer Therapie derzeit nur in extremen Fällen sowie bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Krankheiten.
Therapieziele. Bei Kindern hilft es wenig, eine Diät zu verordnen oder bestimmte Lebensmittel zu streichen. Meist reicht es bei noch wachsenden Kindern aus, das Körpergewicht zu halten, das Bewegungsverhalten und die Ernährung zu verbessern und Komplikationen von Übergewicht und Adipositas vorzubeugen.
Therapieformen
- Von den etwa 1.000.000 adipösen Kindern in Deutschland werden derzeit etwa 1,2 % in ambulanten Therapieprogrammen behandelt. Für Kinder unter 6 Jahren stehen derartige Therapieprogramme bisher nicht zur Verfügung.
- Vor Diäten muss gewarnt werden; sie versagen schon bei den meisten Erwachsenen. Zudem ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder, die ihr Übergewicht immer wieder mit Diäten bekämpfen, häufiger Essstörungen bekommen wie Bulimie oder Magersucht und insgesamt deutlich mehr an Gewicht zunehmen
[201] . - Medikamente und Formeldiäten spielen bisher keine Rolle in der Therapie des kindlichen Übergewichts.
- Operative Therapie: Dass die Übergewichtschirurgie auch bei Jugendlichen wirksam ist, ist nachgewiesen; allerdings sind Komplikationen nicht auszuschließen. Ein Banding des Magens (Magenband) kommt nur bei älteren Jugendlichen mit schwerer Adipositas infrage und setzt zudem voraus, dass die anderen Behandlungsansätze erfolglos waren. Das Magenband schränkt die Magenfüllkapazität erheblich ein; es tritt schneller ein Sättigungsgefühl auf. Hierzulande kommt als OP-Methode vor allem der Magenbypass, eine Magenverkleinerung, zum Einsatz. Im Vergleich zum Magenband wird hierbei eine höhere Gewichtsreduktion ermöglicht, und eine Nachoperation ist seltener erforderlich.
Prognose
Übergewichtige Kinder bleiben meist auch als Erwachsene übergewichtig. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 75 % aller Kinder, die im Alter von 10–11 Jahren einen BMI > 23 haben, im Erwachsenenalter sogar adipös sind.
Übergewicht und Adipositas haben bei Kindern langfristig die gleichen Folgen wie Adipositas bei Erwachsenen, manche Schäden treten schon im Kindesalter auf. Je früher die Adipositas beginnt, desto schwerwiegender sind die späteren Folgekrankheiten:
Diabetes mellitus. Bei immerhin einem Drittel der adipösen Kinder lassen sich Störungen des Zuckerstoffwechsels nachweisen, 1 % hat bereits einen Typ-2-Diabetes.
Psychosoziale Belastungen. Auch psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten wie Essstörungen (Anorexia nervosa und Bulimie), Depressionen und geringes Selbstwertgefühl sind bei übergewichtigen Kindern häufiger (der ursächliche Zusammenhang ist allerdings wie bei Erwachsenen nicht gesichert).
Störungen im Hormonhaushalt. Die erste Regelblutung tritt wegen der vermehrten Östrogenproduktion im Fettgewebe früher ein, Zyklusstörungen sind häufig. Auch beschleunigt sich das Längenwachstum bei adipösen Kindern oft stark (da es aber früher zum Stillstand kommt, ist die Endgröße in etwa gleich).
Verschleißschäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Am Skelett drohen früh Überlastungserscheinungen, v. a. eine Ablösung der Wachstumsfuge des Oberschenkelkopfs (Wachstumsfuge) sowie eine Wachstumsstörung der Schienbeine mit Bildung von O-Beinen. Zusätzlich leiden Übergewichtige eher unter Rückenschmerzen sowie Senk-, Spreiz- und Plattfüßen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Übergewicht verstärkt kardiovaskuläre Risikofaktoren und erhöht damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Verengungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) im Erwachsenenalter.
Entzündungen. Bei stark Übergewichtigen entwickeln sich zwischen den Hautfalten leicht Entzündungen (nässende Ekzeme).
Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Das Risiko für Atemaussetzer im Schlaf (Apnoe) ist bei übergewichtigen Teenagern erhöht.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Vorbild. Maßnahmen gegen Übergewicht sollten möglichst schon vor und während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter erfolgen, spätestens jedoch im Kindergartenalter. Denn Kinder lernen in erster Linie von ihren Eltern und sehen genau, was diese machen! Das heißt: Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen, denn sie bestimmen die Regeln im Alltag, mit denen die Kinder groß werden. Hierzu gehören beispielsweise die ausgewogene Zusammensetzung des Speiseplans, das Einhalten von gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie – in Ruhe und ohne Störung von Handy, PC oder laufendem Fernseher! – , die Häufigkeit und Art von Zwischenmahlzeiten, aber auch ein gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten. Es gilt, einen gesunden Lebensstil attraktiv zu machen und den Kindern einen natürlichen Umgang mit Nahrung sowie ihrem eigenen Körper zu vermitteln. Die Eltern und älteren Geschwister sind dabei ein wichtiges Vorbild.
Akzeptieren. Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist die Wahrnehmung der Eltern: Während die Gesellschaft kindliches Übergewicht immer stärker zum Thema macht, scheinen die Eltern in einer Art Wahrnehmungsfalle zu sitzen und nehmen das Übergewicht bei ihren Kindern nicht wahr. So unterschätzen nur 10 % der Mütter in Studien ihr eigenes Gewicht – dagegen unterschätzen fast 30 % das ihrer Kinder
Lebensstil. Soll sich am Gewicht Ihres Kindes etwas ändern, müssen alle in der Familie an dem Prozess teilnehmen, das heißt, Ihr Kind muss nicht allein seinen Lebensstil ändern. Schließlich profitieren alle von der gesünderen Lebensweise.
Bewegung. Helfen Sie Ihrem Kind, sich regelmäßig und viel zu bewegen. Viele Randbedingungen haben Sie dabei in der Hand:
- Hat Ihr Kind ein Fahrrad in geeigneter Größe? Wenn nicht, überlegen Sie, eines anzuschaffen. Falls der Preis ein Problem ist: Fast überall gibt es preiswerte gebrauchte Kinderäder.
- Könnte Ihr Kind mit dem Fahrrad in die Schule und in die Jugendgruppe fahren – nimmt aber lieber den Bus? Dann erklären Sie, dass bei gutem Wetter das Fahrrad "dran" ist, aber wenn es regnet oder friert, Sie weiterhin den Bus bezahlen.
- Wie verbringen Sie den Urlaub? Urlaube mit eingebauter Bewegung, egal ob in den Bergen, mit den Rädern oder auf dem Bauernhof sind gut – die Flugreise mit Badeurlaub eher ungünstig.
- Bieten Sie Aktivitäten und kleine Abenteuer: für Kindergartenkinder etwa im Winter das Schneemannbauen, im Frühjahr das Blumenpflücken, im Sommer das Radeln zum Freibad und im Herbst das Sammeln bunter Blätter. Bei größeren Kindern ist das „wilde“ Zelten in unbekannter Umgebung immer ein Volltreffer.
- Mit Aktivität und Abenteuer lassen sich auch Kindergeburtstage gestalten: Statt gemeinsamer Mediennutzung etwa sind Schnitzeljagden bis zum Ende der 3. oder 4. Klasse immer ein „Hit“ – und gewährleisten zufriedene Kindergesichter.
Weiterführende Informationen
- https://adipositas-gesellschaft.de/aga/ – Eine Übersicht über die derzeitigen ambulanten Therapieprogramme gibt die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Universität Witten-Herdecke.
- www.bzga-essstoerungen.de– Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln): Mit BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche.
- www.adipositas-gesellschaft.de (Rubrik Leitlinien) – Website der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V., Hamburg: Hier finden Sie die Leitlinie zur Vorbeugung und Behandlung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter.
Weiterlesen:
Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen
Ursachen von Übergewicht
Übergewicht - ein Bilanzproblem
Eine der für Säuglinge empfohlenen Impfungen ist die gegen Rotaviren. Sie wird als Schluckimpfung verabreicht.
Diese Impfungen müssen sein
Kindergesundheit im Blick
Impfen ist wichtig: Es schützt Säuglinge und Kleinkinder vor schweren Erkrankungen und deren lebenslangen Folgen. Inzwischen werden für Kinder und Jugendliche 13 Impfungen empfohlen. Nicht alle erhalten sie – denn manche Eltern lassen sich durch falsche Behauptungen von Impfgegner*innen verunsichern. Doch die Impfungen sind nachgewiesen sicher und höchst effektiv – sowohl für das geimpfte Kind als auch für die Allgemeinheit. Eltern sollten deshalb diese Chance nutzen.
Schon über 150 Millionen Leben gerettet
Impfungen und Impfstoffe gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Durch sie wurden allein in den letzten 50 Jahren 154 Millionen Leben gerettet und die globale Lebenserwartung deutlich gesteigert. Die erste Impfung war die Ende des 18. Jahrhunderts eingeführte Pockenimpfung. Im 19. Jahrhundert kamen Impfstoffe gegen Tetanus und Milzbrand dazu, und inzwischen schützen Impfstoffe gegen mehr als 30 schwere oder folgenreiche Infektionen.
Die Ergebnisse der Impfmedizin können sich sehen lassen. So gelten die Pocken inzwischen als ausgerottet, und die Kinderlähmung steht mit jährlich etwa 100 Fällen weltweit kurz davor. Diphtherie und Keuchhusten sind in industrialisierten Ländern fast verschwunden, und neueste Impfungen wie gegen HPV können sogar die Entwicklung von Krebs verhindern.
Impfungen dienen vor allem dem Schutz von Kindern. Ihr Immunsystem ist noch unreif, was sie anfälliger für ansteckende Krankheiten macht. Das bedeutet aber nicht nur, dass sie leichter infiziert werden. Kommt es zu einer Infektion, verläuft die Erkrankung bei ihnen oft besonders schwer. So können Masern, Keuchhusten und Rotavirus-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern bleibende Schäden zurücklassen oder sogar tödlich sein. Diese Kinderkrankheiten sind also keinesfalls harmlos – auch wenn ihr Name das vielleicht nahelegt.
Mit rechtzeitigen Impfungen lassen sich viele gefährlichen Erkrankungen ganz verhindern oder zumindest schwere Verläufe abmildern. Denn Impfungen trainieren das Immunsystem, ohne die Krankheit auszulösen: Indem man harmlose Anteile eines Erregers verabreicht, lernen die Immunzellen, mit der Infektion umzugehen. Es werden dann nicht nur spezifische Antikörper zur Abwehr gegen den Erreger entwickelt. Das Immunsystem bildet auch sogenannte Gedächtniszellen, die sich die Abwehr merken. Kommt es nach der Impfung zum Kontakt mit dem echten Erreger, erkennen sie diesen schneller und können innerhalb kürzester Zeit die passenden Antikörper produzieren.
Impfungen nützen nicht nur dem geimpften Kind. Sie wirken auch indirekt schützend auf die gesamte Gemeinschaft – das nennt man Herdenschutz. Das liegt daran, dass geimpfte Kinder die Weitergabe von kursierenden Erregern vermindern. Sind über 95% gegen eine Erkrankung geimpft, bricht die Übertragungskette ab. Dadurch werden Ausbrüche eingedämmt und die Krankheitslast in Kitas und Schulen deutlich verringert.
Doch nicht nur andere Kinder profitieren von der Impfung. Durch die verringerte Weitergabe von Erregern schützt man auch Erwachsene vor einer Infektion. Besonders wichtig ist dies für diejenigen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. So z. B. alte Menschen, chronisch Kranke oder solche, die immununterdrückende Medikamente einnehmen.
Hinweis: Allein die Masernimpfung ist hocheffektiv, wie die WHO berechnet hat. Bis 2024 hat sie rund 58 Millionen Leben gerettet – und zwar vor allem das von Kindern.
Nur Impfen schützt
Damit Impfungen schützen können, gibt es nur eins: Impfen. Denn die Erreger sind (bis auf die Pocken) nicht verschwunden. Überall dort, wo sich Menschen aufhalten, sind auch Viren und Bakterien zu finden. Darunter tummeln sich nicht nur harmlose Erkältungsviren, sondern potenziell auch all die Erreger, die Kindern gefährlich werden können.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expert*innenteam, das die Wirkung und die Sicherheit von Impfungen wissenschaftlich prüft und Empfehlungen dazu herausgibt. Jedes Jahr wird ein Impfkalender veröffentlicht, indem diese Empfehlungen aktualisiert werden. Darin finden sich die Zeitpläne, wann Kinder, Jugendliche und Erwachsene gegen welche Erkrankung geimpft werden sollten.
Die meisten Eltern lassen ihre Kinder gemäß der STIKO-Empfehlungen impfen. Noch liegen die Impfquoten auf recht hohem Niveau. So sind über 90% der Säuglinge und Kleinkinder gegen Diphtherie, Polio und Tetanus geimpft. Allerdings werden inzwischen immer häufiger die nötigen Auffrischimpfungen unterlassen. Auch bei Impfungen, die erst für Jugendliche empfohlen werden, ist noch viel Luft nach oben. Die gegen Krebs schützende HPV-Impfung haben bei den 15-Jährigen 55% der Mädchen und 36% der Jungen erhalten.
Hinweis: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in Deutschland alle von der STIKO empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche als Kassenleistung. Voraussetzung ist, dass diese in die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgenommen wurden.
Warum Eltern sich sorgen
Manche Eltern sorgen sich jedoch, dass eine Impfung ihrem Kind schaden könnte. Sie fürchten schwere Nebenwirkungen wie z. B. akute Herzmuskelentzündungen oder Langzeitfolgen. Solche Ängste werden von einigen Randgruppen geschürt, vor allem geschieht dies in sozialen Medien. So wurde die Masernimpfung angeschuldigt, Autismus auszulösen, der HPV-Impfung sagten Impfgegner*innen nach, sie führe zur Unfruchtbarkeit. Beides ist wissenschaftlich widerlegt und wird trotzdem immer wieder verbreitet. Auch die Impfdebatte um Corona hat die Skepsis bei einigen Menschen verstärkt. Deshalb ist es wichtig, sich unabhängige, neutrale Informationen zu besorgen. Gute Adressen dafür sind die STIKO und natürlich die Haus- oder Kinderärzt*in.
Ein häufig gehörtes Argument gegen Impfungen ist, dass Impfungen das Immunsystem der Kinder überlasten. Doch das kindliche Immunsystem ist unglaublich leistungsstark, es verarbeitet täglich tausende Antigene aus der Umwelt und der Nahrung. Die Standard-Sechsfachimpfung für Säuglinge nutzt nur etwa 0,1% dieser Immunkapazität. Impfungen stören auch die sonstige Abwehr nicht: Dass frisch geimpfte Kinder gleichzeitig nicht mehr Infektionen bekommen, haben zahlreiche Studien nachgewiesen.
Auch die Nebenwirkungen werden von Impfgegner*innen ins Feld geführt. Leichte Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen oder leichtes Fieber zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Sie können bei allen von der STIKO empfohlenen Impfungen auftreten und sind in der Regel unbedenklich und nur von kurzer Dauer. Schwere Nebenwirkungen sind dagegen überaus selten. Forschende haben berechnet, dass es bei einer von 1 Million verabreichten Impfdosen zu einer Anaphylaxie (einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion) kommt. Viel gefährlicher als Impfungen sind die entsprechenden Krankheiten: Masern führen in 30% der Fälle zu schweren Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung. Und von 100-200 Polio-Infizierten behalten etwa ein bis zwei eine Lähmung der Beine zurück.
Hinweis: Impfstoffe werden nicht nur vor ihrer Zulassung umfassend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Sicherheit von den entsprechenden Behörden geprüft. Auch nach Einführung der Impfung werden sie weiter kontrolliert und jahrzehntelang Daten gesammelt und analysiert, um etwaige Langzeitprobleme zu erkennen.
Die einzelnen Impfungen im Kindesalter – das sollte man wissen
Welche Impfungen die STIKO im Einzelnen empfiehlt, richtet sich nach dem Lebensalter. Zur von der STIKO empfohlenen Grundimmunisierung gehören Impfungen gegen folgende Infektionen:
- Rotavirus-Infektion
- Tetanus
- Diphtherie
- Poliomyelitis
- Keuchhusten (Pertussis)
- Hämophilus-influenza-Infektion (Hib)
- Hepatitis B
- Pneumokokkeninfektion
- Meningokokkeninfektion
Im Alter von sechs Wochen geht es mit der Impfung gegen Rotaviren los, ab Woche acht kommen bis zu acht weitere Impfungen hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich um Impfungen, die in drei Dosen verabreicht werden, z. B. im zweiten, im vierten und im elften (bis zwölften) Lebensmonat. Sie alle können an einem Tag gegeben werden. Als Sechsfach-Impfung in einer Spritze gibt es z. B. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio (Kinderlähmung), Hib und Hepatitis B. Die Impfstoffe gegen Meningokokken B und Pneumokokken werden einzeln geimpft. Je nach Impfstoff sind weitere Auffrischimpfungen im sechsten Lebensjahr und im Alter von 9 bis 16 Jahren nötig.
- Rotaviren-Infektion. Rotaviren treten gehäuft zwischen Februar und April auf. Fast alle Säuglinge und Kleinkinder stecken sich damit an, insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren. Pro Jahr erkranken etwa 40-60 000 Kinder daran. Die Erkrankung löst wässrigen Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen aus. Vor allem Säuglinge können viel Flüssigkeit und Mineralien verlieren und austrocknen, es kann sogar zu Todesfällen kommen. Bei der Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung, die je nach Präparat aus 2 bis 3 Dosen besteht. Die erste Dosis soll mit sechs Wochen verabreicht werden. Als Nebenwirkung ist die Darminvagination bekannt, bei der sich ein Teil des Darms in einen anderen hineinschiebt. Das natürliche Invaginationsrisiko bei Säuglingen beträgt 60 bis 100 auf 100 000 Kinder pro Jahr. Nach der ersten Dosis der Rotaviren-Impfung steigt das Risiko minimal an, und zwar auf 1 bis 5 zusätzliche Fälle pro 100 000 geimpften Säuglingen. Der Nutzen der Impfung überwiegt damit das Risiko erheblich, weshalb die Impfung auch von der STIKO empfohlen wird.
- Diphtherie wird durch Bakterien übertragen und führt zu Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Heiserkeit. Früher sind viele Kinder an der Diphtherie erstickt, weltweit sterben heute etwa 5 bis 10% der Erkrankten an Herz- und Nierenschäden. In Deutschland kommt die Diphtherie kaum noch vor. In anderen Ländern ist die Erkrankung noch verbreitet, bei unvollständigem Impfschutz kann sie deshalb auch in Deutschland wieder Fuß fassen. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, meist mit dem sogenannten Sechsfachimpfstoff.
- Tetanus. Tetanusbakterien finden sich in Gartenerde, Straßenstaub oder im Sandkasten, Kinder sind damit also ständig konfrontiert. Über kleinste Verletzungen können sie in den Körper eindringen und Wundstarrkrampf hervorrufen. Selbst wenn die Erkrankung behandelt wird, sterben etwa 10 bis 20 % der betroffenen an Atemnot oder Herzversagen. Aufgrund der Impfung (in der Regel im Sechsfachimpfstoff) ist Wundstarrkrampf in Deutschland sehr selten.
- Keuchhusten (Pertussis). Die Keuchhustenerkrankung wird durch Bakterien übertragen und kann vor allem bei Säuglingen gefährlich Atemstillstände auslösen. In seltenen Fällen schädigen Sauerstoffmangel und Krampfanfälle das Gehirn, es drohen u. a. Lähmungen, Seh- und Hörstörungen. Geimpft wird im Rahmen der Sechsfach-Impfung.
- Kinderlähmung (Poliomyelitis). Polioviren sind überaus ansteckend, sie verbreiten sich über Husten und Niesen und über den Stuhl (Schmierinfektion). Bei den allermeisten Infizierten verläuft die Erkrankung unbemerkt. 4 bis 8% entwickeln jedoch grippeähnliche Symptome, bei bis zu 1 % von ihnen kommt es zu Lähmungen, die lebenslang anhalten können. Polio ist in Deutschland selten, kann aber durch Reisende ins Land gebracht werden. Umso wichtiger ist ein guter Impfschutz. Geimpft wird im Rahmen der Grundimmunisierung, bei Säuglingen meist mit der Sechsfach-Impfung.
- Hämophilus influenzae Typ B (Hib). Hib-Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen und infizieren vor allem den Nasenrachenraum inklusive Mittelohr und Nebenhöhlen. Bei schweren Verläufen kann der Kehldeckel anschwellen und zu Atemnot führen, auch Hirnhautentzündungen sind möglich. Säuglinge und Kleinkinder können innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich erkranken. Die STIKO empfiehlt die Hib-Impfung ab einem Alter von 2 Monaten, sie ist in entsprechenden Sechsfach-Impfstoffen enthalten.
- Hepatitis B. Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus gefährden die Leber. Die Viren werden über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, insbesondere beim Geschlechtsverkehr. Die STIKO rät zu einer frühen Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Dadurch werden Jugendliche rechtzeitig vor Beginn ihrer sexuellen Aktivität vor der Erkrankung geschützt. Die Hepatitis-B-Impfung kann gemeinsam im Sechsfach-Impfstoff verabreicht werden.
- Pneumokokken. Pneumokokken sind Bakterien, die durch Husten und Niesen übertragen werden und schwere Infektionen in Mittelohr, Lunge, und Nasennebenhöhlen verursachen. Auch Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündungen gehen auf ihr Konto. Die Infektion variiert stark. Es gibt Keimträger*innen, die völlig krankheitsfrei sind, bei anderen kommt es zu schweren Verläufen, von denen jede zehnte tödlich endet. Die Pneumokokkenimpfung wird zu den gleichen Zeitpunkten verabreicht wie die anderen Grundimmunisierungen, allerdings in einer separaten Spritze.
- Meningokokken B. Von diesen Bakterien, die zu Hirnhautentzündung und Blutvergiftung führen können, gibt es verschiedene Typen. Sie alle werden durch Tröpfchen übertragen. Eine von zwölf Erkrankungen mit Meningokokken Typ B verläuft tödlich. Bei den Überlebenden sind Langzeitfolgen wie Hörverlust oder Nierenschäden möglich. Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung. Ebenso wie die Pneumokokkenimpfung erfolgt sie in einer separaten Spritze.
Masern, Mumps, Röteln und Windpocken
Auch Masern, Mumps und Röteln sind alles andere als harmlos, weshalb Kinder dagegen geimpft werden sollten. Im Gegensatz zu Impfstoffen der Grundimmunisierung handelt es sich um Lebendimpfstoffe. Sie enthalten abgeschwächte Erreger, die sich nur leicht vermehren und keine volle Krankheit auslösen. Milde Beschwerden wie leichter Ausschlag, erhöhte Temperatur, Gelenkbeschwerden oder leichte Durchfälle treten bei 2 bis 10 % der Geimpften auf und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Lebendimpfstoffe sollen erst ab dem 11. Monat geimpft werden, da das kindliche Immunsystem erst ab diesem Zeitpunkt reif dafür ist. Meist werden Masern, Mumps und Röteln zusammen in einem Kombiimpfstoff (MMR-Impfung) geimpft. Die richtigen Zeitpunkte dafür sind das Alter von 11 sowie von 15 Monaten.
- Masern. Masernviren sind extrem ansteckend, sie rufen grippeähnliche Symptome und Hautausschlag hervor. Eine von 1000 Erkrankten entwickelt eine Gehirnentzündung, die in bis zu 20% tödlich verläuft. Bei einem Drittel der Betroffenen mit Gehirnentzündung bleiben Schäden zurück. Bei 30 bis 60 von 100 000 erkrankten Kindern unter 5 Jahren kommt es zu einer schwerwiegenden Spätfolge, der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis. Dabei handelt es sich um einen schleichenden Zerfall des Gehirns bis zum Tod. Um diese schweren Folgen zu verhindern, wird gegen Masern geimpft. Gemäß Masernschutzgesetz müssen alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten eine Impfung oder eine Masernimmunität nachweisen. Da ein Lebendimpfstoff verwendet wird, kann es zu milden Symptomen kommen (siehe oben). Die Wahrscheinlichkeit für eine Gehirnentzündung ist entgegen der Propaganda von Impfgegner*innen verschwindend gering, sie beträgt weniger als 1 Fall pro 1 Million Geimpften (im Vergleich 1:1000 bei Masernerkrankung).
- Mumps. Mumpsviren werden durch Tröpfchen oder Speichel übertragen und lösen bei zwei Drittel der Infizierten Fieber, Kopf- und Ohrenschmerzen aus. Oft schwellen beide Ohrspeicheldrüsen an. In einem von 100 Erkrankungsfällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen, ältere an Mumps erkrankte Jungen entwickeln öfter eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung. Auch Entzündungen der Hörnerven können auftreten und zu bleibenden Hörschäden führen. Gegen Mumps wird wie gegen Masern zweimal geimpft, meist mit dem MMR-Kombiimpfstoff.
- Röteln. Rötelnviren werden ebenfalls durch Tröpfchen übertragen und lösen eine erkältungsähnliche Erkrankung mit Hautausschlag und Fieber aus. Komplikationen sind selten, sie treffen die Atemwege, das Mittelohr, die Hirnhäute und das Herz. Besonders gefährlich sind Röteln, wenn sich eine ungeschützte Schwangere ansteckt. Dann droht dem Kind die Röteln-Embryopathie mit schweren Fehlbildungen an Ohr, Auge, Herz und Gehirn. Zum eigenen Schutz, aber auch um die Verbreitung zu verringern, sollten Kinder im Alter von 11 und 15 Monaten gegen Röteln geimpft werden.
Hinweis. Eine weitere Impfung ab 11 bis 12 Monate ist die gegen Windpocken (zwei Impfungen). Die bisher empfohlene Impfung gegen Meningokokken C entfällt, stattdessen soll im Jugendalter ein zweites Mal gegen Meningokokken geimpft werden.
Impfungen für Kinder ab 9 Jahren
Seit 2007 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen. HPV werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und können Krebs verursachen, vor allem am Gebärmutterhals, aber auch am After, am Penis und im Rachen. Besonders gefährlich sind HPV 16 und 18. Gegen eine Ansteckung mit diesen beiden (je nach Präparat auch weiteren) Typen schützt die HPV-Impfung. Geimpft wird im Zeitraum zwischen 9 und 14 Jahren. Für den besten Schutz ist es wichtig, dass die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Seit ihrer Einführung hat sich gezeigt, dass die Impfung sicher und effektiv ist. In Schweden ist das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen um 90% gesunken.
Seit 2025 sollen laut STIKO 12- bis 14-Jährige eine weitere Impfung erhalten: die Meningokokkenimpfung gegen die Typen A, C, W und Y, die sogenannte MenACWY-Impfung. Die STIKO verfolgt dadurch zwei Strategien. Jugendliche sind die Altersgruppe, deren Rachenbereich am stärksten mit Meningokokken besiedelt ist (wobei die meisten Träger keine Symptome zeigen). Durch Partys, Schule und Gruppenaktivitäten werden die Bakterien leicht verbreitet. Die Impfung schützt nicht nur die Jugendlichen selbst vor einer schweren Erkrankung. Sie reduziert auch die Anzahl an Übertragenden und senkt dadurch die Infektionsrate insgesamt.
Hinweis: Im Jugendalter ist es wichtig, auch an die Auffrischimpfung der Grundimmunisierung zu denken. Dazu gehören die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Poliomyelitis (DTP-M-Impfung). Ein guter Termin dafür ist die U11 oder die J1. Die DTP-M-Auffrischung kann beim gleichen Termin wie die MMR-Impfung verabreicht werden, sie stören sich gegenseitig nicht.
Wie sieht es mit Grippe und Corona aus?
Eine Impfung gegen Corona oder die Influenza (Grippe) wird von der STIKO für Kinder derzeit (2025) nicht standardmäßig empfohlen. Möglich sind beide Impfungen ab dem Alter von sechs Monaten. Ratsam ist die Grippeimpfung bei chronisch kranken Kindern, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Das sind z. B. Kinder mit
- chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma
- Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen
- Diabetes
- neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder
- angeborenen bzw. erworbenen Immuninfekten oder einer HIV-Infektion.
Kinder mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und Abwehrschwäche sollten zudem gegen Coronaviren geimpft werden. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die in Pflegeeinrichtungen betreut werden – denn dort haben sie ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren. Die Basisimmunität gegen Coronaviren ist bei drei Kontakten mit dem Virus oder seinen Bestandteilen (Impfung) erreicht.
Quellen: STIKO, DKFZ, Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit

