Gesundheit heute

Scharlach

Scharlach (Scarlatina): eine unter Kindergarten- und Grundschulkindern häufige Sonderform der Streptokokken-Angina (Eitrige Mandelentzündung) durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die Blut auflösen können (sog. ß-Hämolyse).

Sie zeigt sich v. a. durch eine Hals- und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag. Diese Streptokokken-A-Infektion gehört weltweit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Infektionskrankheiten, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. Hierzulande verläuft die Erkrankung in aller Regel gutartig, selten treten Spätfolgen durch eine Reaktion des Immunsystems auf.

Symptome und Leitbeschwerden

Scharlach unterscheidet sich weder im Verlauf noch den Leitbeschwerden und Komplikationen von der "normalen" Mandelentzündung (Streptokokken-Angina). Zusätzlich zu den bei der eitrigen Mandelentzündung typischen Halsbeschwerden und dem allgemeinen Krankheitsgefühl treten beim Scharlach jedoch Haut- und Schleimhauterscheinungen sowie weitere Beschwerden auf:

  • Plötzlich schnell steigendes Fieber (um die 40 °C)
  • Hochroter Rachen und hochrotes Zäpfchen, eitrige Beläge auf den Mandeln und geschwollene Halslymphknoten
  • Zunächst gelb-weißlicher Belag auf der Zunge, ab dem 3. bis 4. Tag auffällig rote Zunge mit vielen kleinen Erhebungen (Himbeerzunge)
  • Süßlicher, übler Mundgeruch
  • Sandpapierartiger, dicht stehender und kleinfleckiger Hautausschlag ab dem 2. bis 3. Tag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und breitet sich über den gesamten Körper aus
  • Gerötetes Gesicht und v. a. Wangen, um den Mund herum blasse Haut.

Inkubationszeit. Normalerweise 1–3 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Tag vor Krankheitsausbruch bis zu 24 Stunden nach dem Beginn der Antibiotikatherapie; ohne Behandlung bis zu 3 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind innerhalb weniger Stunden hohes Fieber und Halsschmerzen bekommt.
  • es Ihrem Kind auch am 3. Tag der Antibiotikagabe nicht besser geht.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind zunehmend teilnahmslos wird.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung

Anders als bei einer "normalen" Angina wird Scharlach durch Streptokokken-Bakterien der Gruppe A hervorgerufen, die meist über den Nasen-Rachen-Raum eindringen.

Im Gegensatz zu anderen Streptokokken-Typen produzieren diese Toxine (= Giftstoffe), die den typischen Hautausschlag hervorrufen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, indem sie beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert werden. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Kranken beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Ebenso ist die Infektion durch verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich.

Verlauf

Durch die vom Streptokokken-Bakterium produzierten Toxine leidet das Kind plötzlich an Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Erbrechen und oft hohem Fieber. Später zeigt es die typischen Haut- und Schleimhautveränderungen mit einem feuerroten Rachen, fleckig gefärbter Mundschleimhaut, fleckig gefärbten Mandeln und weißem Belag auf der Zunge. Dieser wird nach 3–4 Tagen abgestoßen.

Zwischen dem 2. und 4. Tag beginnt der feinfleckige Ausschlag zunächst in der Leistengegend und an den Innenseiten der Oberschenkel und breitet sich dann über den gesamten Körper aus, nur das Mund-Kinn-Dreieck bleibt ausgespart. Der nicht juckende Ausschlag unterscheidet sich deutlich von den Ausschlägen bei Masern oder Röteln. Unter dem Druck eines Holzspatels verblasst er zeitweise. Nach 1–3 Wochen schält sich die Haut, v. a. an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Bei anderen Kindern verläuft die Krankheit milder, z. T. ohne die typischen Symptome.

Komplikationen

Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen. Dennoch ist neben der stark eitrigen Mandelentzündung auch eine eitrige Mittelohrentzündung (Otitis media) möglich, die ohne Behandlung der Grunderkrankung zu Schwerhörigkeit führt. Sowohl Mandel- als auch Mittelohrentzündung werden mit Antibiotika erfolgreich behandelt.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Breiten sich die Streptokokken über die Mandelregion hinaus aus, entzünden sich die Nasennebenhöhlen. Diese relativ häufige Komplikation lässt sich durch Antibiotika meist problemlos behandeln.

Rheumatisches Fieber. Die Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – eine im Prinzip sinnvolle Reaktion. Da die Streptokokken jedoch bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf körpereigenen Zellen befinden, richten sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper und führen nach 2–4 Wochen zum heute seltenen rheumatischen Fieber. Als Folge droht eine Herzbeteiligung, die sich schleichend (über Monate bis Jahre) zu teils schweren Herzklappenschäden entwickelt. Auch eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist als Folge des rheumatischen Fiebers möglich. Bei entsprechendem Verdacht untersucht der Arzt die Nieren- und Herzfunktion, sobald die Scharlach-Erkrankung abgeklungen ist. Eine Urinuntersuchung zeigt eine eventuell entstandene Nierenentzündung.

Blutvergiftung. Dringen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, verursachen sie den sogenannten Wundscharlach, wodurch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) droht. Sie beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall, Haut- und Schleimhautblutungen, Bewusstseinstrübung, schwerer Herzschädigung und einem Schock. Diese Komplikation ist sehr selten, endet in 30 % der Fälle jedoch tödlich. Hier sind eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung überlebensnotwendig.

Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess). Eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) in der Mandelregion kommt heutzutage selten vor. Dennoch: Schlägt die Therapie nicht an, klagt das Kind über starke Halsschmerzen und hat Probleme beim Öffnen des Mundes, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In diesem Fall muss das Kind in ein Krankenhaus, um dort intravenös Antibiotika zu bekommen. Unter Umständen muss der Abszess chirurgisch geöffnet werden.

Lungenentzündung (Pneumonie). Eine Lungenentzündung kommt heute nur noch selten als Folge einer Scharlacherkrankung vor.

Neuropsychiatrische Erkrankungen. Diskutiert wird, ob beispielsweise das Tourette-Syndrom eine Folge der Streptokokken-Infektion ist.

Diagnosesicherung

Inspektion. Oft sind Hautausschlag und Rachenentzündung so charakteristisch, dass der Arzt keine ergänzenden Untersuchungen durchführt (sog. Blickdiagnose).

Abstrich. Bei leichten oder untypischen Verläufen sowie bei Unsicherheit wird ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Ein anschließender Schnelltest zeigt innerhalb weniger Minuten, ob Streptokokken die Ursache der Erkrankung sind.

Ärztliche Behandlung

Um Folgekomplikationen zu vermeiden und die Schwere der Erkrankung zu mildern, muss Scharlach behandelt werden. Beim klassischen Scharlachverlauf ist eine Antibiotikabehandlung mit Penicillin (z. B. Ampicillin) indiziert, um die Bakterien abzutöten. Die Behandlung dauert immer 10 Tage. Alternativ kommt das breiter wirkende Cefuroxim oder Loracarbef über 5 Tage in Betracht. Auch wenn sich das Kind nach wenigen Tagen schon wieder wohler fühlt, muss es zur Vorbeugung der Streptokokken-Spätfolgen das Antibiotikum über den ganzen Zeitraum einnehmen. Besteht eine Allergie gegen Penicillin, werden andere Antibiotika verschrieben. Bei sehr leichten Verlaufsformen sollte die Antibiotikabehandlung abgewogen werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Bettruhe und Schonung. Solange das Kind Fieber hat, empfiehlt sich Bettruhe. Nach Abklingen des Fiebers sollte sich das Kind noch ein paar Tage schonen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder bei Fieber viel trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Empfehlenswert sind stattdessen Suppen, Brühe, Grießbrei, Pudding oder auch Getränke.

Kühle Halswickel. Ein kühler Halswickel mit Zitrone oder Quark empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen, einem "feurigen" Gefühl im Hals, bei akuten Schluckbeschwerden oder geschwollenen Lymphknoten. Für den Zitronenwickel schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½ bis 1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, nimmt man stattdessen einen Quarkwickel. Dafür streicht man 150–250 g Magerquark auf die Mitte eines Küchenhandtuchs, faltet die Tuchseiten darüber und legt den Wickel dann möglichst faltenfrei um den Hals. Mit einem Außentuch abdecken. Der Quark kann entweder zimmerwarm oder gekühlt (dann eher dünn aufstreichen) angewendet werden. Lassen Sie den Quarkwickel 2–3 Stunden wirken und entfernen Sie ihn, bevor der Quark trocken ist. Falls Sie weder Quark noch Zitronen vorrätig haben, hilft auch ein Wickel mit kühlem Wasser. Tauchen Sie dazu ein mehrfach in Längsrichtung zusammengefaltetes Leinentuch in kaltes (etwa 18 °C) Wasser, wringen es aus und legen es glatt gestrichen um den Hals, der vom Unterkiefer bis zu den Ohren bedeckt sein soll. Mit einem Handtuch umwickeln. Nach etwa 20–30 Minuten – spätestens aber, wenn der Wickel sich erwärmt hat – wird der Wickel abgenommen und durch ein trockenes Seiden- oder Baumwollhalstuch ersetzt.

Warme Wickel. Ein warmer Kartoffel- oder Zwiebelwickel wird zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Legen Sie für den Kartoffelwickel ein bis zwei ungeschälte heiße Pellkartoffeln in ein längs gefaltetes Küchentuch und zerdrücken diese. So warm wie möglich um den Hals legen (vorher Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen) und mit einem Handtuch umwickeln. 2–3 Stunden (bzw. so lange, bis der Wickel abgekühlt ist) liegen lassen. Für den Zwiebelwickel benötigen Sie zwei bis drei fein geschnittene Zwiebeln, die Sie auf ein gefaltetes Küchentuch geben. Eine Pfanne halbvoll mit Wasser füllen und erhitzen, mit einem Deckel abdecken und die "Zwiebelpackung" darauf beidseitig erwärmen. Auch hier gilt: So warm wie möglich um den Hals legen, aber vorher die Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen. Lassen Sie den Wickel so lange aufliegen, bis er abgekühlt ist.

Geeignete Medikamente

Zur Linderung von Schmerzen und Fieber dienen Ibuprofen oder Paracetamol. Die passende Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin

Homöopathie. Klassisches Mittel der Homöopathie bei Scharlach ist je nach Zustand des Kindes Belladonna D4, 5-mal täglich 5 Tropfen; dieses Mittel sollte jedoch nie die Antibiotikatherapie ersetzen.

Prävention

Eine Impfung gegen Scharlach gibt es zurzeit nicht. Zwar gab es in der Vergangenheit Impfstoffe, deren Entwicklung jedoch nicht weiter verfolgt wurde, da die Scharlacherreger gut auf eine Antibiotikatherapie ansprechen.

Auch wenn die Ansteckungsgefahr mäßig ist: Nur ca. 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an. Dennoch sind allgemeingültige Maßnahmen wie bei anderen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sinnvoll: regelmäßiges Händewaschen und möglichst kein enger Kontakt mit Erkrankten, die noch ansteckend sind. Das heißt, dass Scharlach-Kinder von anderen ferngehalten werden. Auch noch gesunde Geschwister sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten erst dann wieder besuchen, wenn es der Arzt erlaubt.

Anders als bei vielen anderen Kinderkrankheiten bedeutet eine überstandene Scharlacherkrankung nicht, dass das Kind ein Leben lang gegen die Streptokokken-Bakterien immun ist. Erkrankt es mehr als zwei- bis dreimal in einer "Saison" oder kurz hintereinander, so besteht der Verdacht, dass es sich immer wieder an einer Person in seiner Umgebung ansteckt, die selbst nicht erkrankt ist, den Erreger jedoch im Rachenraum beherbergt. Kann dieser Träger eindeutig ermittelt werden, wird der Arzt einen Rachenabstrich nehmen und ihm 5 Tage Penicillin verordnen.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Beschreibung“, „Symptome und Beschwerden“, „Wann zum Kinderarzt“, „Die Erkrankung“, „Ihre Apotheke empfiehlt“, „Ärztliche Behandlung“ und „Prävention“: Dagmar Fernholz
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Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.

Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Haut schützen, Auslöser meiden

Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.

Gestörte Hautbarriere

Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.

Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.

Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.

Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.

Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.

Die Hautbarriere stärken

Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.

Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.

Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.

Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.

Richtig baden und waschen

Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.

Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.

Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.

Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.

Den Juckreiz kontrollieren

Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.

Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.

Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.

Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.

Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.

Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.

Auslöser im Blick behalten

Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.

  • Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
  • Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
  • Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
  • Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.

Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.

Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen

Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:

Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.

Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.

Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.

Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.

Keine Angst vor Kortison!

Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.

Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad: 

  • Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet. 
  • An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein. 
  • Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.

Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.

Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.

Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.

Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.

Psychische Belastung ernst nehmen

Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.

Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie 

  • die Erkrankung altersgerecht erklären 
  • das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen 
  • für Verständnis im Umfeld sorgen.

Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..

Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Dinko Kyuchukov / Alamy / Alamy Stock Photos