Gesundheit heute
Masern
Masern (Morbilli): Hoch ansteckende Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Masern-Virus (Briarcus morbillorum), die meist im Kindesalter auftritt.
Auch Erwachsene erkranken an Masern, wenn sie bislang noch keine Masern hatten und nicht geimpft sind. Masern, Mumps und Röteln sind durch die für alle Kinder empfohlene Schutzimpfung selten geworden, dennoch wurden in Deutschland 2015 fast 2500 Fälle, und 2017 knapp 930 Masern-Fälle gemeldet. Ursache hierfür ist die in Deutschland beträchtliche Zahl nichtgeimpfter Kinder.
Symptome und Leitbeschwerden
Katarrhalisches, Prodromal- oder Vorstadium (2–3 Tage):
- Hohes Fieber (2–4 Tage)
- Allgemeine Erkältungssymptome mit (trockenem) Husten, Schnupfen, Halsbeschwerden
- Allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Bauchschmerzen und Müdigkeit
- Aufgedunsenes Gesicht
- Geschwollene, tränende Augen, gerötete Augenbindehäute, Lichtempfindlichkeit
- Koplik-Flecken (weiße Flecken an der Wangeninnenseite)
- Himbeerzunge.
Exanthematisches oder Hauptstadium (5–6 Tage):
- Nach kurzem Abfall der Temperatur steigendes Fieber (bis zu 40 °C), nach 1 Woche sinkende Temperatur
- Stärkere Symptome als im Vorstadium
- Geschwollene Lymphknoten
- Typischer Hautausschlag (Masern-Exanthem) zunächst hinter den Ohren, danach im Gesicht, auf dem Oberkörper und den Extremitäten, der dunkelrot bis bräunlich wird
- Anschließend leichte Schuppenbildung.
Inkubationszeit. 8–12 Tage.
Zeitraum der Ansteckung. Bis 5 Tage nach Beginn des Ausschlages.
Wann zum Kinderarzt
Am nächsten Tag, wenn
- Sie bei Ihrem Kind Masern vermuten.
Heute noch, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten oder nach einer Besserung erneut auftreten.
Sofort, wenn
- Ihr Kind einen steifen Nacken hat oder Krämpfe bekommt oder nicht mehr ansprechbar ist, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
- sich die Atmung verändert oder sich die Nasenflügel beim Atmen sichtbar weiten; hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung!
- Ihr Kind an Haut oder Schleimhäuten dunkelrote Flecken bekommt; dabei handelt es sich meist um Hautblutungen.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung und Übertragung
Masern-Viren werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert.
Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Fast 100 % der gesunden, nicht geimpften Personen, die Kontakt zu einem Kranken hatten, infizieren sich und sind nach einer überstandenen Erkrankung lebenslang immun.
Verlauf
Nach der Inkubationszeit zeigt sich die Masern-Erkrankung zunächst durch ein etwa 3 Tage dauerndes Vorstadium mit Fieber bis 39 °C, Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden. Auffällig ist dabei die Rötung der Augenbindehäute, die "verschwollenen" Augen sowie die weißlichen, kalkspritzerartigen Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen (Koplik-Flecken).
Nach einer kurzzeitigen Besserung steigt das Fieber auf bis zu 40 °C. Dem Kind geht es schlecht; die Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an, und es zeigt sich der typische Hautausschlag: hochrote, zunächst ganz kleine erhabene Fleckchen, die rasch größer werden und zusammenfließen. Die Flecken sind teils blutig unterlaufen. Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körperstamm sowie über Arme und Beine aus. Nach 4–7 Tagen verblasst der Ausschlag, und das Fieber sinkt.
Die Phase der Erholung dauert etwa 2 Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten.
Komplikationen
Meistens heilen die Masern problemlos aus. Dennoch sind sie komplikationsträchtig:
- Ungefähr 1 % der betroffenen Kinder bekommt einen Masern-Krupp, eine Kehlkopfentzündung, die aber meist mild verläuft.
- Genauso häufig ist eine Mittelohrentzündung. Sie heilt ebenfalls meist ohne Folgeschäden.
- Gefährlicher ist die Lungenentzündung, die oft im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden muss und bei 1 % der an Masern Erkrankten vorkommt. Eine früh einsetzende Lungenentzündung wird meist durch die Masern-Viren selbst hervorgerufen, eine später auftretende hingegen durch Bakterien, die sich auf die geschädigte Schleimhaut setzen.
- 1–2 von 1000 Masern-Kranken entwickeln eine Masern-bedingte Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit Kopfschmerzen, extremer Müdigkeit, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und Nervenausfällen. Sie heilt nur bei etwa 60 % der Patienten vollständig aus. Bei 20–30 % bleiben Dauerschäden am Gehirn zurück; bei 10–20 % verläuft die Masernenzephalitis sogar tödlich (Details zur Gehirnentzündung).
- Sehr selten, aber gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die etwa 6–8 Jahre nach der Masern-Infektion auftritt und tödlich ist. Gefährdet sind vor allem Säuglinge.
Diagnosesicherung
Die charakteristischen Krankheitszeichen wie der Hautausschlag oder die Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut weisen eindeutig auf eine Masern-Erkrankung hin. Dennoch sind Bluttests wichtig, z. B. um Röteln, Ringelröteln oder Scharlach auszuschließen.
Antikörpernachweis. Aus einer Blutprobe werden Antikörper gegen das Masern-Virus im Blut oder Speichel nachgewiesen. Diese sind meist bereits innerhalb der ersten 3 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages messbar.
Erregernachweis. Eine schnellere und zuverlässige Diagnose gewährt der direkte Virusnachweis, die PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion). Aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes, aber auch aus dem Urin, lässt sich die Erbsubstanz von Krankheitserregern nachweisen. Allerdings ist dieses Verfahren selten erforderlich.
Behandlung
Da es keine spezifische antivirale Therapie gibt, die gegen das Masern-Virus wirkt, beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden sowie auf die Früherkennung und Behandlung von Komplikationen.
Bei Masern-Krupp sind in aller Regel Inhalationen mit Kochsalzlösung ausreichend.
Kommt es durch die geschwächte Abwehr zusätzlich zu weiteren Infektionen mit Bakterien, z. B. zur bakteriellen Mittelohr- oder Lungenentzündung, sind evtl. auch Antibiotika notwendig.
Prognose
Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, denn von 10.000 Masern-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verläuft 1 Erkrankung tödlich oder mit schweren Folgeschäden. Gefährdet sind vor allem ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene: Bei mehr als 50 % der Masern-Fälle in Deutschland sind heutzutage Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene betroffen. 2014/2015 gab es in Berlin einen großen Masern-Ausbruch mit mehr als 1300 Betroffenen. Ein Viertel von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden und ein Kind starb an der Erkrankung.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Isolation. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von den anderen Familienmitgliedern getrennt werden.
Bettruhe und Schonung. Grundsätzlich empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Kranke Kinder bleiben vorsorglich am besten so lange zu Hause, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind.
Abdunkelung. Die meisten Masern-Patienten sind lichtempfindlich. Dunkeln Sie deshalb das Zimmer ab. In dieser Zeit sollte das Kind auch nicht fernsehen.
Ablenkung. Lesen Sie Ihrem Kind vor, lassen Sie es Hörspiele oder -bücher hören, um die Zeit zu vertreiben und es abzulenken.
Flüssigkeitszufuhr. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn fiebernde und schwitzende Kinder reichlich trinken.
Inhalation. Bei älteren Kindern helfen regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz gegen den Husten, außerdem bleiben so die Atemwege feucht. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.
Hustensaft. Gegen den Husten hilft beispielsweise ein selbst gemachter Hustensaft aus frischem Thymian und Salbei. Mischen Sie davon je 1 Teelöffel mit ¼ l Wasser sowie je 100 g gehackter Zwiebel und Kandiszucker oder braunem Zucker. Lassen Sie diese Mischung so lange köcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Füllen sie sie dann durch ein Sieb in ein Glasgefäß mit Schraubverschluss. Der Hustensaft hält sich im Kühlschrank etwa 5 Tage. Kleinkinder nehmen davon 3-mal täglich 1 Teelöffel, Kindergartenkinder 3-mal täglich 1 Esslöffel, Schulkinder 3-mal täglich 2 Esslöffel.
Zitronen-Brust-Wickel. Auch warme Brustwickel mit Zitronensaft vor dem Schlafengehen lindern den Hustenreiz. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.
Zitronen-Hals-Wickel. Klagt Ihr Kind über Halsschmerzen, schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½–1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, verwenden Sie für den Wickel Quark.
Kühle Waschungen. Bei stark juckendem Hautausschlag empfehlen sich kühle Waschungen, die gleichzeitig gut gegen Fieber wirken.
Komplementärmedizin
Homöopathie. Aufgrund der Gefahr schwerer Komplikationen bei Masern wird in der Akutphase der Infektion von homöopathischen Behandlungsversuchen abgeraten.
Prävention
Isolierung. Infizierte Kinder dürfen solange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, -hort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.
Gesundheitsämter können ungeimpfte Kinder vom Unterricht ausschließen, wenn an einer Schule Masern auftreten, um so eine Übertragung der Masern innerhalb der Einrichtung zu vermeiden.
Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Masern ist die zweimalige Schutzimpfung, die eine lebenslange Immunität gewährt. Bedauerlicherweise lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen. Die Folge sind deutliche Impflücken, sodass es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen mit Todesfällen in Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen kommt.
Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, normalerweise - also zu Beginn des 2. Lebensjahres - folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Erst- und Zweitimpfung bieten einen Schutz vor Ansteckung von 99–100 %.
Diskussion um Nebenwirkungen der Masernimpfung. Die MMR- und die MMRV-Impfung sind beide normalerweise gut verträglich und deutlich weniger riskant als die Masern-Erkrankung.
Es kursieren allerdings Vorwürfe v. a. gegen den MMR-Impfstoff, der unter anderem Autismus verursachen soll. Impfkritiker berufen sich dabei auf einen Artikel des britischen Arztes Andrew Wakefield, der 1998 einen möglichen Zusammenhang behauptete und damit bis heute Eltern verunsichert. Dieser Artikel hatte aber grobe Fehler und wurde deshalb 2010 widerrufen, dem Autor Andrew Wakefield wurde sogar seine ärztliche Zulassung aberkannt.
Auch hat sich der von Impfgegnern als Masern-Impfschaden herangezogene Anstieg von Autismus-Fällen als Folge durch neuere und sensiblere Diagnosekriterien, durch eine verbesserte diagnostische Praxis sowie durch ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für die Autismus-Erkrankung aufklären lassen.
Dennoch treten bei der Masern-Impfung vereinzelt Nebenwirkungen auf:
- Bei 10 % der geimpften Kinder kommt es vor allem in der 2. Woche nach der Impfung zu sogenannten "Impfmasern". Diese verlaufen wie ein leichter Masern-Infekt mit mäßigem Fieber, flüchtigem Hautausschlag und Erkältungssymptomen. Impfmasern verlaufen milde, sind nicht ansteckend und heilen von allein aus.
- Bei 5 % der Geimpften kommt es in den ersten 3 Tagen durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer schmerzhaften Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie Magen-Darm-Beschwerden, eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Mattigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich, seltener auch Gelenkschmerzen.
Was tun, wenn das Kind fiebert?
Temperaturalarm im Kinderzimmer
Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.
Fieber als Zeichen der Abwehr
Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.
Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.
In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.
Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.
Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab.
- Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an.
- Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken.
- Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.
Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.
Wie misst man Fieber richtig?
Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor:
- Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
- Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe).
- Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.
Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.
Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.
Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?
In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind
- benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
- schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
- Krämpfe entwickelt,
- sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
- bei Berührung empfindlich ist,
- ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat
- einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder
- schwer krank wirkt.
Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.
Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.
Was tun bei Fieber?
Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.
Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.
- Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
- Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
- Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.
Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.
Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.
Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.
Sind Medikamente bei Fieber nötig?
Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.
Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.
Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.
Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.
Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.
Erholung muss sein!
Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.
Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.
Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.
Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

