Gesundheit heute

Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis): Akute bakterielle Infektion mit Hustenanfällen, die ihren Namen dem typischen Keuchen verdankt, das am Ende eines Hustenanfalls auftritt.

Keuchhusten ist sehr ansteckend und gehört im Säuglingsalter zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Er kommt vor allem bei Kindern im Kindergarten- und frühen Schulalter vor, zunehmend aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Symptome und Leitbeschwerden

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene:

Bei ihnen fehlen meist "typische" Symptome; möglich sind folgende Beschwerden:

  • Zunächst über 1–2 Wochen "laufende" Nase, uncharakteristischer Husten und leichtes Fieber (katarrhalisches Stadium)
  • Danach schwere Hustenanfälle, die oft auch nachts auftreten und mit Atemnot verbunden sind. Anschließend klingt der Husten über Wochen langsam ab (Rekonvaleszenzstadium)

Babys:

Auch bei Säuglingen sind häufig keine eindeutigen Symptome festzustellen. Fieber ist meist nicht vorhanden. Folgende Beschwerden sind möglich:

  • Uncharakteristischer Husten
  • Möglicherweise Atemstörungen oder Atempausen (Apnoen).

Inkubationszeit. Meist 7–10 Tage und maximal 3 Wochen.

Zeitraum der Ansteckung. Beginnt kurz vor dem Auftreten der ersten Beschwerden und endet 4 Tage nach Beginn der Therapie. Bei Nichtbehandlung besteht die Ansteckungsgefahr 4–5 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

  • die Erkältungssymptome Ihres Kindes nach 1 Woche immer noch nicht abgeklungen sind.
  • der Husten nach einer Woche schlimmer wird.

Heute noch, wenn

  • Beschwerden auftreten, die zu Keuchhusten passen.

Sofort, wenn

  • Sie bei Ihrem Baby Keuchhusten vermuten.
  • Ihr Kind schwere Atemnot hat und/oder blau anläuft.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Bei den meisten Erkältungskrankheiten wird der Husten durch das in den Atemwegen produzierte Sekret verursacht. Beim Keuchhusten dagegen setzen sich die Bakterien in den oberen Atemwegen, in der Luftröhre und in den Bronchien fest, vermehren sich und bilden Gifte. Diese Toxine schädigen die Schleimhäute und Flimmerhärchen sowie das umliegende Gewebe, und lösen entzündliche Vorgänge aus. Zudem reizen sie das Hustenzentrum im Gehirn und sorgen so für die charakteristischen Hustenanfälle.

Die Keuchhustenerreger werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen, z. B. über die Atemluft, beim Husten, Niesen, Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs.

Schon Neugeborene können erkranken, da die Abwehrstoffe gegen den Erreger in der Schwangerschaft nicht von der Mutter auf das Kind übergehen. Ohne diese erworbene Immunität (dem sog. Nestschutz) und ohne Impfung liegt das Ansteckungsrisiko bei 70–80 %. Die Immunität nach einer Keuchhustenerkrankung hält etwa 10 Jahre an. Danach besteht die Gefahr, sich neu zu infizieren. Diese Neuinfektion verläuft aber meist milde oder unbemerkt.

Besonders ansteckend ist der Keuchhusten im Anfangsstadium, in dem die Erkrankung oft wie eine normale Erkältung erscheint. Mehrere andere Infektionskrankheiten haben einen ähnlichen Verlauf wie Keuchhusten, z. B. die durch Parapertussis-Bakterien, Adeno-Viren oder RS-Viren ausgelösten Luftwegeinfekte.

Risikofaktoren

Ein unzureichender oder fehlender Impfschutz stellt ein hohes Ansteckungsrisiko dar, vor allem, wenn in der Familie Erwachsene und weitere Kinder ohne entsprechenden Impfschutz leben.

Verlauf

Der Krankheitsverlauf lässt sich in 3 Stadien einteilen:

Stadium catarrhale (Erkältungsphase, Dauer 1–2 Wochen): In dieser Anfangsphase zeigt das Kind leichte Erkältungssymptome wie Husten und Heiserkeit, Schnupfen, manchmal eine leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Entzündung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis). Das Kind ist hochansteckend.

Stadium convulsivum (Anfallsphase, Dauer 4–6 Wochen: In der 2. Phase ist das Fieber meist abgeklungen. Das Kind hat (vor allem nachts) stakkatoartige heftige trockene Hustenanfälle, die häufig mit dem typischen keuchenden Einziehen der Luft enden. Dabei streckt es die Zunge vor, das Gesicht läuft rot bis blau an, und es droht dabei fast zu ersticken. Diese Attacken treten innerhalb von 24 Stunden bis zu 50-mal auf. Am Ende einer Hustenattacke würgt das Kind glasigen Schleim heraus; manchmal muss es sich auch erbrechen. Es folgt eine längere Pause ohne Husten. Meist hat das Kind keinen bis wenig Appetit und schläft schlecht oder gar nicht. Mögliche Begleiterscheinungen der Hustenattacken sind Muskelkater, Bauch- und Kopfschmerzen, Nasenbluten, Zungenbandgeschwüre, aber auch geplatzte Äderchen in der Bindehaut des Auges (Petechien) oder (im Extremfall) Leisten- sowie Rippenbrüche.

Stadium decrementi (Erholungsphase, Dauer 1–2 Wochen): Im 3. Krankheitsstadium werden die Hustenattacken schwächer und seltener und klingen schließlich ab. Bis zur Ausheilung vergehen bis zu 3 Monate.

Auch danach besteht die Gefahr, dass ein ähnlicher Reizhusten, bedingt durch kalte Luft, körperliche Anstrengung oder Zigarettenrauch, wieder auftritt; dies ist jedoch kein Rückfall der Keuchhustenerkrankung, sondern Folge der geschädigten Bronchialschleimhäute.

Komplikationen

Häufigste Komplikationen des Keuchhustens sind eine Mittelohrentzüung (Otitis media) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie), vor allem im 1. Lebensjahr. Als Spätfolgen des Keuchhustens sind allergische Erkrankungen oder Asthma bekannt.

Von schweren und komplizierten Verlaufsformen sind vor allem Neugeborene und Säuglinge betroffen. Sie haben oft keine typischen Hustenattacken, sondern piepsen nur. Da sie sich zum Abhusten nicht von selbst aufsetzen können, drohen Erstickungsanfälle und lebensbedrohliche Atemaussetzer (Apnoe-Anfälle). Als seltene Folge des Sauerstoffmangels durch die Apnoe-Anfälle oder durch die Gifte des Keuchhustenbakteriums droht eine dauerhafte Schädigung des Gehirns mit Lähmungen, Seh-, Hör- oder geistigen Behinderungen.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Hustenanfälle, ausgelöst durch den Druck mit dem Spatel auf die Zunge, weisen eindeutig auf eine Keuchhustenerkrankung hin. Der Arzt wird zusätzlich nach einem fehlenden oder nicht ausreichenden Impfschutz sowie nach dem Kontakt zu Erkrankten fragen.

Wenn bei älteren Kindern und Jugendlichen die klassischen Symptome wie Atemaussetzer oder keuchende Atmung fehlen, sind weitere Untersuchungen nötig.

Aber auch wenn Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern vorhanden sind, sollte eine Labordiagnostik zur Sicherung herangezogen werden, um andere infektiöse Erkrankungen auszuschließen.

Kulturnachweis. Die Bakterienkultur aus dem Abstrich aus dem hinteren Nasen-Rachen-Raum, möglichst im Anfangsstadium oder zu Beginn der 2. Krankheitsphase, weist das Bakterium direkt nach. Die Anzüchtung in der Bakterienkultur gelingt aber nur in der Hälfte der Fälle, da die Keuchhustenbakterien sehr empfindlich auf kühle und trockene Umgebung reagieren, zudem dauert sie 3–5 Tage und hat deshalb für die Entscheidung über die Ersttherapie keine Bedeutung.

Erregernachweis. Eine moderne und auch zuverlässige Diagnose gewährt der Nachweis von Erbgut aus den Keuchhustenbakterien über die Polymerase-Kettenreaktion (PCR, Polymerase Chain Reaction) aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes. Die Erbsubstanz von Krankheitserregern lässt sich innerhalb von 1 Tag sicher nachweisen.

Blutbild. Ergänzend entnimmt der Arzt Blut. Typische Veränderungen zeigt v. a. das Differenzialblutbild mit einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen.

Behandlung

Die Therapie der Wahl besteht aus Antibiotika wie Erythromycin (40–50 mg/kg KG), Azithromycin (10–12 mg/kg KG) oder Clarithromycin (15–20 mg/kg KG), die über 14 Tage eingenommen werden. Allerdings kann dadurch die Dauer des Hustens nur im Anfangsstadium abgekürzt werden. Beginnt die antibiotische Behandlung erst im späteren Stadium (Stadium convulsivum), helfen Antibiotika kaum noch, da sie die hustenauslösenden Giftstoffe nicht abbauen. Immerhin wird aber die Ansteckungsfähigkeit bekämpft, sodass eine antibiotische Behandlung für Menschen in der Umgebung vorbeugend wirkt. Kinder dürfen 4 Tage nach Beginn der antibiotischen Behandlung wieder in den Kindergarten oder in die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gehen.

Kinder mit schwerer Symptomatik werden in das Krankenhaus eingewiesen, um sie wegen der drohenden Atempausen über einen Monitor zu überwachen. V. a. Säuglinge sollen in einem Krankenhaus überwacht werden, um auf Komplikationen schnell zu reagieren, immerhin sterben bis zu 2 % der betroffenen Säuglinge durch Ersticken.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf werden ergänzend auch Kortikosteroide oder das sympathische Nervensystem stimulierende Medikamente (Sympathomimetika) wie Salbutamol gegeben, um die Symptome zu erleichtern. Der Nutzen dieser ergänzenden Medikamente ist aber noch nicht gesichert.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Isolierung. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von Geschwistern, aber auch von älteren Menschen getrennt werden.

Zuwendung. Während der Hustenattacken sollte das Kind beruhigt werden. Auch frische Luft ist hilfreich. Spaziergänge und ruhiges Spielen lenken ab.

Ruhe. Das kranke Kind darf sich körperlich nicht anstrengen, da dadurch oft ein erneuter Hustenanfall ausgelöst wird.

Aufrecht hinsetzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während der Hustenanfälle aufrecht und mit leicht vorgebeugtem Kind sitzt! Dadurch funktioniert das Abhusten leichter.

Inhalation. Bei älteren Kindern lindern regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz die Beschwerden. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Luftfeuchtigkeit. Günstig wirkt sich eine Luftfeuchtigkeit von 40 % aus, die man durch bereitstehende Wasserbehälter, Luftbefeuchter oder das Verkochen von Wasser erreicht.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder reichlich trinken, um den trockenen Husten zu lindern.

Zitronen-Brust-Wickel. Ein warmer Brustwickel mit Zitronensaft wird am besten vor dem Schlafengehen aufgelegt. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Thymian. Auch Thymian soll Beschwerden lindern, sowohl als Brustwickel, Badezusatz, aber auch zusammen mit anderen Kräutern als Tee. Für den Thymiantee zum Lindern der Hustenanfälle mischen Sie je 30 g Thymiankraut, Sonnentaukraut und gequetschte Anisfrüchte. Übergießen Sie 1 Teelöffel dieser Mischung mit heißem Wasser und lassen den Tee 20 Minuten ziehen.

Geeignete Medikamente

Hustenmittel vermindern den Husten nicht. Sehr zähe Schleimbildung wird durch schleimlösende Medikamente leicht abgemildert.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Aufgrund der Gefährlichkeit der Erkrankung wird in der Akutphase von Homöopathika abgeraten.

Prävention

Impfung, Kind. Eine gut verträgliche Impfung ist Teil der Regel-Kinderimpfungen mit Kombinationsimpfstoffen, die gleichzeitig gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Kinderlähmung, aber auch gegen Haemophilus influenza Typ b (HiB) und Asthma immunisieren. Eine bereits durchgestandene Keuchhusteninfektion bedeutet keine lebenslange Immunität. Da der Impfschutz nur 5–10 Jahre anhält, sind Auffrischungsimpfungen notwendig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt folgende Impfempfehlungen gegen Keuchhusten, aufgeteilt nach Lebensalter:

  • 2, 3 und 4 Monate: 1.–3. Impfung
  • 11–14 Monate: 4. Impfung zur vollständigen Grundimmunisierung
  • 5–6 Jahre: 1. Auffrischungsimpfung mit einem Impfstoff gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten (sog. Tdap-Kombinationsimpfstoff)
  • 9–17 Jahre: 2. Auffrischungsimpfung

Ältere Kinder, die keine Grundimmunisierung besitzen und auch noch keinen Keuchhusten durchgemacht haben, erhalten einen Kombinationsimpfstoff gegen Keuchhusten, Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Kinderlähmung (Polio). Grund für die Kombinationsimpfung ist auch, dass es derzeit für diese älteren Kinder noch keinen zugelassenen Mono-Impfstoff gibt.

Impfung, Umfeld. Die STIKO empfiehlt, dass bereits vor der Geburt eines Kindes auch die Geschwister, Großeltern oder andere zum familiären Umfeld zählende Personen wie Tagesmutter (wieder) geimpft werden.

V. a. Frauen im gebärfähigen Alter sollten sich grundsätzlich gegen Keuchhusten impfen lassen oder die Impfung auffrischen, sofern die letzte Impfung mehr als 10 Jahre her ist.

Ein vielversprechender Ansatz in Großbritannien ist, alle Schwangeren zwischen der 28. und 38. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten zu impfen – die über die Plazenta auf das Kind übertragenen Antikörper schützen offenbar so effektiv, dass die Keuchhustenfälle um über drei Viertel zurückgehen.

Informieren Sie vor dem Arztbesuch das Praxispersonal über den Verdacht auf Keuchhusten, damit dort Maßnahmen zum Schutz anderer vor einer Ansteckung getroffenen werden.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Beschreibung“, „Symptome und Beschwerden“, „Wann zum Kinderarzt“, „Die Erkrankung“, „Diagnosesicherung“, „Behandlung“ und „Ihre Apotheke empfiehlt“: Dagmar Fernholz
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Was tun, wenn das Kind fiebert?

Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten.

Was tun, wenn das Kind fiebert?

Temperaturalarm im Kinderzimmer

Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.

Fieber als Zeichen der Abwehr

Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.

Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.

In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.

Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.

Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab. 

  • Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an. 
  • Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken. 
  • Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.

Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.

Wie misst man Fieber richtig?

Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.

Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.

Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor: 

  • Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
  • Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe). 
  • Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.

Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.

Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.

Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?

In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind 

  • benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
  • schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
  • Krämpfe entwickelt,
  • sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
  • bei Berührung empfindlich ist,
  • ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat 
  • einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder 
  • schwer krank wirkt.

Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.

Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.

Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.

Was tun bei Fieber?

Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.

Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.

  • Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
  • Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
  • Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.

Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.

Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.

Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.

Sind Medikamente bei Fieber nötig?

Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.

Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.

Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.

Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.

Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.

Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.

Erholung muss sein!

Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.

Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.

Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.

Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Anastasiya Amraeva