Gesundheit heute

Windelausschlag

Windelausschlag (Windeldermatitis): Wunder Po oder Wundsein im Windelbereich.

Der Windelausschlag ist v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 9–12 Monaten eine der häufigsten Hauterkrankungen; es gibt praktisch keinen Säugling, der nicht einmal daran leidet. Rechtzeitig bemerkt, löst sich das Problem durch eine intensivierte Hautpflege binnen weniger Tage von selbst.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Flächenhafte Hautrötung, sie beginnt meist um den Anus herum, dehnt sich auf Innenseiten der Oberschenkel und Bauch aus
  • Ausbildung kleiner Knötchen und Schuppungen
  • Offene, nässende, wunde Stellen
  • Schmerzender und juckender Po
  • Starkes Brennen beim Urinieren
  • Nach Ammoniak riechende Windeln
  • Bei zusätzlicher Pilzinfektion Pusteln und Knötchen, die in die Umgebung streuen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie den wunden Po durch verstärkte Pflegemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") nicht "in den Griff" bekommen.
  • sich der Zustand der Haut nicht innerhalb von 3–4 Tagen bessert, die Haut stark blutet oder andere Zeichen einer Pilzinfektion aufweist.
  • sich viele Knötchen bilden, die sich auch auf die bisher gesunde Haut ausbreiten; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Hefepilze.

Heute noch, wenn

  • sich Bläschen bzw. gelbe Krusten oder Fieber entwickeln; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Bakterien.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren

Auch wenn die Windel noch so saugfähig ist: Unter dem Windelpaket ist die zarte Kinderhaut durch die Feuchtigkeit immer stark belastet. Das feuchtwarme Milieu und das Reiben oder Scheuern der Windel reizt die empfindliche Hautoberfläche; sie wird anfälliger gegenüber unwillkommenen Keimen.

Kontakt mit Urin und Stuhl. Urin und Stuhl tun ein Übriges, um die Haut zu reizen. Kein Wunder, dass schon Durchfall oder ein versäumter Windelwechsel ausreichen, damit sich die Haut auch sichtbar entzündet, d. h. wund wird.

Ernährung. Auch wenn Gläschen mit neuer Nahrung beigefüttert werden oder wenn das Kind Fruchtsäfte oder Zitrusfrüchte, geriebenes Obst oder scharfes Essen bekommt, ist die Windeldermatitis häufiger. Ist das Wundsein nach einer Nahrungsumstellung aufgetreten, handelt es sich in aller Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine natürliche Reaktion auf die neue Nahrung, die den Stuhlgang eine zeitlang verändert. Durch intensivierte Po-Pflege gewöhnt sich die Haut bald an die neue Nahrung. Auch saure und scharfe Speisen, die von der stillenden Mutter gegessen werden, begünstigen einen Windelausschlag.

Durchfall. Leiden Babys unter dünnflüssigem Stuhl, ist es schwierig, die Windel immer trocken zu halten. Hinzu kommt, dass der Stuhl aggressiv wirkt.

Mangelhafte Reinigung. Stuhl muss sofort entfernt werden, denn wird der Po nicht vollständig gereinigt, reagiert die Haut mit Entzündungen und evtl. auch allergisch.

Falsche Hautpflegemittel. Eine häufige Reinigung mit basischen Seifen (hoher pH-Wert) begünstigt einen Windelausschlag. Auch auf Salben, Cremes und Öle reagiert die empfindliche Haut allergisch, wenn sie Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Stoffwindeln. Diese sind ungünstig, zum einen saugen sie nur wenig Feuchtigkeit auf, zum anderen finden sich immer Waschmittel- oder Weichspülerrückstände darin.

Inhaltsstoffe der Windel. Eltern vermuten oft, dass ihre Säuglinge auf die Windel als solches allergisch reagieren. Studien zufolge sind die Windelmaterialien oder -inhaltsstoffe allerdings sehr selten Auslöser für den wunden Po.

Komplikationen

Oft kommt zum wunden Po noch ein weiteres Problem hinzu: Auf der geschädigten Haut siedeln sich leicht die im Darm bei jedem Kind vorkommenden Hefepilze (Candida albicans) an und machen aus dem Wundsein einen Windelsoor. Er ist daran zu erkennen, dass die Hautveränderungen nun nicht mehr scharf begrenzt sind, sondern sich Streuherde (einzelne Knötchen und Pusteln) in der Umgebung finden, etwa auf dem Bauch oder den Oberschenkeln. Oft schuppt sich beim Windelsoor auch die Haut am Rand des Ausschlags.

Bakterielle Infektionen. Sehr viel seltener sind die ernstzunehmenden bakteriellen Infektionen. Eine aufgepfropfte bakterielle Infektion, beispielsweise mit Staphylokokken, ist an den einzeln stehenden, von einem deutlichen roten Hof umrandeten Pusteln, Blasen oder Knötchen zu erkennen. Die Pusteln des Windelsoors sind viel kleiner, zahlreicher und haben keinen so ausgeprägten "zornig roten" Hof.

Fieber. Breiten sich die Bakterien im Körper aus, kommt es zu Fieber. Dabei geht es dem Säugling meist ziemlich schlecht.

Diagnosesicherung

Anhand der Hautveränderungen wird der Kinderarzt einen Windelausschlag erkennen.

Abstrich. Besteht der Verdacht auf einen Befall mit Bakterien oder Pilzen, wird der Arzt evtl. einen Hautabstrich für mikrobiologische Untersuchungen vornehmen.

Behandlung

Bei offenen Stellen der Haut verordnet der Arzt desinfizierende oder gerbstoffhaltige Präparate (z. B. Chlorhexidin® oder Tannosynth®) zum Auftragen oder Aufpinseln, seltener auch als Bäder oder feuchte Umschläge. Solche Präparate trocknen die Haut und beugen einer Infektion vor.

Kortison. In schweren Fällen wird der Kinderarzt für kurze Zeit eine Kortisonsalbe zum Auftragen verschreiben, um die Entzündung einzudämmen. Allerdings sollten Sie Kortison nur auf Anweisung des Arztes und nur für die vereinbarte Behandlungsdauer anwenden.

Antimykotikum. Bei einer zusätzlichen Hautinfektion durch Pilze verordnet der Arzt pilztötende Salben oder Cremes (Antimykotika). In ausgeprägten Fällen – oder wenn gleichzeitig ein Mundsoor besteht – sind Antimykotika zum Schlucken notwendig, damit die Pilze des Darms nicht immer wieder die Windelregion befallen.

Antibiotika. Bei bakteriellen Hautinfektionen sind antibiotische Cremes notwendig. Vor allem kleine Babys müssen manchmal auch Antibiotika einnehmen.

Krankenhausaufnahme. Bei Fieber ist unter Umständen sogar eine intravenöse Antibiotika-Behandlung im Krankenhaus unumgänglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Der Windelausschlag verschwindet meist durch wenige, einfache Maßnahmen:

Licht und Luft an den Po. Nichts geht über frische Luft. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich ein paar Stunden drinnen oder draußen strampeln, denn ein wunder Po heilt besser und schneller, wenn viel Licht und Luft an die Haut gelangt. Aber achten Sie darauf, dass es nicht friert.

Häufiger Windelwechsel. Überprüfen Sie die Windel sooft wie möglich durch Riechen oder Hineinschauen, ob sich Urin oder Stuhl ansammelt. Wenn ja, wechseln Sie sofort die Windel.

Sanftes Reinigen der Haut. Der Baby-Po darf nicht mit aggressiven Seifen gereinigt werden! Wasser oder Baby-Öl sind völlig ausreichend. Geben Sie etwas Wasser oder Öl auf ein Pflegetuch oder eine Stoffwindel und wischen Sie damit den Po sauber. Trocknen Sie ihn danach vorsichtig mit einem weichen Handtuch gut, aber sehr behutsam ab. Wenn auch vorsichtiges Tupfen dem Kind noch sehr wehtut, hilft es, die Haut warm trocken zu föhnen.

Wundschutzpasten, -salbe. Für die Zeit des Wundseins sollten Sie statt der normalen Babycreme besser zinkhaltige Salben wie Desitin® verwenden. Sie schützen die Haut vor allem nachts vor Feuchtigkeit und wirken beispielsweise durch Zink gleichzeitig entzündungshemmend.

Stillen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Stuhl von gestillten Babys u. a. einen niedrigeren pH-Wert hat als der von "Flaschenkindern". Stillen bietet offenbar einen gewissen Schutz vor einem Windelausschlag. Falls Sie also daran denken sollten, Ihr Kind abzustillen: Warten Sie besser noch eine zeitlang mit dem ersten Zufüttern.

Komplementärmedizin

Kamillenbäder. Kamile beschleunigt die Heilung der Haut. Für ein Bad oder Sitzbad mit Kamille gießen Sie 1 l Kamillentee in das Badewasser.

Salben. Zur Basispflege bei Windeldermatitis hat sich Calendula-Heilsalbe bei jedem Windelwechsel bewährt (z. B. Weleda Calendula Babycreme®). In der Apotheke bekommen Sie auch eine Salbe mit Zinkanteil und Pflanzenextrakt. In diesen Salben sind Extrakte z. B. von Calendula, Eichenrinde, Hamamelis oder Kamille enthalten. Babypuder sind ungeeignet, da sie verklumpen und dann die Haut eher aufscheuern als pflegen.

Scharfgarbentee. Die empfindliche Haut kann mit warmem Schafgarbentee gereinigt werden (1 Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen).

Muttermilch. Geben Sie ein paar Tropfen Muttermilch auf die wunde Hautstelle; das soll die Hautreizung lindern.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Beschreibung“, „Symptome und Beschwerden“, „Wann zum Kinderarzt“, „Die Erkrankung“, „Diagnosesicherung“, „Behandlung“ und „Ihre Apotheke empfiehlt“: Dagmar Fernholz
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Was tun, wenn das Kind fiebert?

Temperaturalarm im Kinderzimmer

Wie misst man die Temperatur am besten? Muss man Fieber senken? Und vor allem: Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis? Diese und andere Fragen stellen sich besorgte Eltern häufig – insbesondere, wenn das Kind noch klein ist. Ein gutes Basiswissen zum Thema Fieber und praktische Tipps helfen dabei, ruhig zu bleiben und Fieber bei Babys und Kindern gut zu managen.

Fieber als Zeichen der Abwehr

Der gesunde Körper benötigt gleichmäßige Bedingungen, um optimal zu funktionieren. Das betrifft auch die Körpertemperatur. Bei etwa 37° C arbeiten Stoffwechsel und Organe am effizientesten. Deshalb sorgt ein Regelsystem im Gehirn dafür, dass diese Temperatur gehalten wird. Als normal gelten Körpertemperaturen bis 37,5 °C.

Kommt es allerdings zu Bedrohungen wie z. B. einer Infektion, hebt der Körper seine Temperatur bewusst an – er entwickelt Fieber. Von Fieber spricht man bei Kindern und Jugendlichen bei einer Körpertemperatur ab 38,5° C, bei Babys unter 3 Monaten schon bei einer Temperatur ab 38° C.

In den meisten Fällen ist Fieber eine normale und hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Denn eine gesteigerte Körpertemperatur unterstützt den Organismus dabei auf mehrere Arten: Fieber feuert die eigenen Immunzellen an, mehr Antikörper zu produzieren, sich schneller zu den Erregern zu bewegen und diese effektiver anzugreifen. Zudem leiden die eingedrungenen Krankheitskeime unter der höheren Körpertemperatur. Viele Bakterien und Viren vermehren sich bei 39° C langsamer, was dem Immunsystem mehr Zeit zur Bekämpfung verschafft.

Ausgelöst wird das Fieber bei einer Infektion durch den Krankheitserreger selbst. Sind Bakterien, Viren oder Pilze in den Körper eingedrungen, werden aus ihnen Zellbestandteile freigesetzt. Diese Fett-Zucker-Moleküle aktivieren die Immunzellen, bestimmte Botenstoffe zu bilden (Zytokine wie z. B. Interleukin-1 und Interleukin-6). Die Botenstoffe lösen eine Kettenreaktion aus und bewirken schließlich, dass wie an einem Thermostat die Solltemperatur im Gehirn angehoben wird. Zur Erhöhung der Temperatur werden über das Nervensystem Befehle in den Körper geschickt: Die Wärmeproduktion steigt, indem die Muskeln zittern und mehr braunes Fettgewebe verbrannt wird. Gleichzeitig verengen sich die Gefäße und die Haare werden aufgerichtet, damit weniger Wärme nach außen abgegeben wird.

Normalerweise läuft das Fieber in drei Phasen ab. 

  • Der Fieberanstieg beginnt mit Schwäche und Frösteln bis hin zum Schüttelfrost. Der Temperaturanstieg konzentriert sich auf das Innere des Körpers. Die Haut ist blass, Hände und Füße fühlen sich kühl an. 
  • Beim Fieberplateau stellt sich bei einer höheren Körpertemperatur ein Gleichgewicht ein. Hände und Füße werden wieder warm, die Haut ist trocken. 
  • Beim Fieberabfall wird die Wärme nach außen verteilt, das Kind fängt an zu glühen und zu schwitzen.

Hinweis: Die häufigste Ursache für Fieber bei Kindern sind virale Infektionen wie Erkältung, Grippe oder Kinderkrankheiten. Sie sind für mehr als 90% der Fälle verantwortlich. Viel seltener führen bakterielle Infektionen wie z. B. eine Mittelohrentzündung dazu.

Wie misst man Fieber richtig?

Fieber messen ist gar nicht so einfach. Es gibt verschiedene Thermometer und verschiedene Methoden, die unterschiedlich genau messen und je nach Alter des Kindes eingesetzt werden sollten.

Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte man die Temperatur immer mit einem Digitalthermometer im Po messen. Die möglichst flexible Spitze bestreicht man mit Fettsalbe oder Vaseline, um sie etwas gleitfähiger zu machen. Dann legt man das Baby auf den Rücken oder auf die Seite und winkelt die Beinchen an. Mit einer Hand hält man das Baby an Becken und Beinen, mit der anderen führt man vorsichtig das Thermometer in den After ein (1-2 cm bei Säuglingen, 1 cm bei Neugeborenen). Dann wartet man, bis das Piepsignal ertönt, zieht das Thermometer langsam wieder heraus und liest es ab.

Auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Messung mit einem Digitalthermometer im Po am genauesten. Allerdings ist diese Prozedur nicht sonderlich beliebt. Eine Alternative bietet die Messung mit einem Trommelfell- oder Ohrthermometer. Dabei ist einiges zu beachten: Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen, sollte das Kind vorher 15 Minuten nicht auf dem Ohr liegen. Dann geht man folgendermaßen vor: 

  • Die Ohrmuschel vorsichtig nach oben hinten ziehen, um den Gehörgang zu begradigen.
  • Dann die Messspitze vorsichtig in das Ohr schieben, bis sie auf das Trommelfell zeigt (in Richtung gegenüberliegende Schläfe). 
  • Den Knopf drücken, auf den Piepton warten und die Temperatur ablesen.

Die Ohrtemperatur ist im Allgemeinen etwa 0,3-0,5° C niedriger als die im Po (rektal) gemessene Temperatur. Wichtig: Bei Wiederholungsmessungen immer im selben Ohr messen.

Bei älteren Kindern kann man die Temperatur auch mit einem Stirnthermometer oder mit dem Digitalthermometer unter der Zunge messen. Allerdings sind diese Methoden ungenauer. Die Messung der Temperatur unter der Achsel wird überhaupt nicht mehr empfohlen.

Wann muss das Fieberkind in die Arztpraxis?

In den meisten Fällen ist Fieber bei Kindern ein Zeichen für eine harmlose virale Infektion. Wenn es dem Kind gut geht, es ausreichend trinkt und keine Anzeichen für eine ernste Erkrankung vorliegen, muss es in der Regel nicht zur Ärzt*in. Treten jedoch Warnzeichen auf, muss die Kinder- oder Hausärzt*in eingeschaltet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind 

  • benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder überaus schläfrig ist,
  • schrill schreit oder starke Schmerzen hat,
  • Krämpfe entwickelt,
  • sehr schnell atmet oder sogar Luftnot entwickelt,
  • bei Berührung empfindlich ist,
  • ausgetrocknet ist oder seit über 12 Stunden keinen Urin mehr ausgeschieden hat 
  • einen Hautausschlag hat, der unter Druck mit einem Glas nicht verschwindet (dann handelt es sich um Hauteinblutungen) oder 
  • schwer krank wirkt.

Schon eines dieser Warnzeichen ist Grund genug, das Fieber ärztlich abklären zu lassen. Auch bei Kindern unter 3 Monaten, die 38° C aufweisen (im Po gemessen), sollte man eine Ärzt*in aufsuchen. Gleiches gilt, wenn man sehr unsicher oder besorgt ist.

Manche Kinder entwickeln beim Fiebern Fieberkrämpfe. Sie hören meist nach wenigen Minuten von selbst auf und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Kommt es zum ersten Mal dazu, sollte das Kind in eine Notfallambulanz oder in die Kinderarztpraxis gebracht werden, um eine ernste Erkrankung auszuschließen. Ebenfalls den Notdienst rufen sollte man bei Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern, bei denen das Kind blau wird oder eine Bewusstseinsstörung auftritt.

Hinweis: Zögern Sie bei Warnzeichen nicht, ärztliche Hilfe zu suchen. Außerhalb von Praxisöffnungszeiten erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wendet man sich an den Rettungsdienst (112) oder bringt das Kind ins nächste Kinderkrankenhaus.

Was tun bei Fieber?

Liegen keine Warnsymptome (siehe oben) vor, kann das fiebernde Kind gut zu Hause betreut werden. Auch wenn es besorgten Eltern manchmal schwerfällt: Das Wichtigste ist, sich nicht aufzuregen und dem kranken Kind Sicherheit zu vermitteln.

Je nach Fieberphase kann man dem Kind helfen, damit es sich möglichst wohlfühlt.

  • Wenn es beim Fieberanstieg fröstelt oder friert, deckt man es zu. Manchmal ist dem Kind schon in dieser Phase zu warm, dann reicht eine leichte Decke.
  • Sind in der Plateauphase Hände und Füße wieder erwärmt, darf man körperwarme Wadenwickel machen. Sie dürfen nicht kühlen, da der Organismus sonst erneut zu einem Temperaturanstieg angeregt wird.
  • Beim Fieberabfall fängt das Kind an zu „glühen“ und es entspannt sich meist. Ist ihm zu warm oder es schwitzt, reicht eine leichte Decke. Allerdings sollte es nicht gekühlt werden. Deshalb muss man auch verschwitzte Wäsche wechseln.

Es ist wichtig darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Denn Fieber kann den Flüssigkeitsbedarf um bis zu 20 % steigern. Je nach Alter sind 1 Liter bis 1,5 L Flüssigkeit erforderlich. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Wenn das Kind nicht so recht trinken mag, kann man die Flüssigkeit mit einem Löffel oder einer kleinen Spritze zuführen. Wird das Trinken verweigert, ist dies eines der Gründe, Rücksprache mit einer Ärzt*in zu halten.

Ausreichend Ruhe und Schlaf fördern die Genesung und stärken das Immunsystem. Einem unruhigen Kind helfen Kuscheln oder Vorlesen, um das Einschlafen zu erleichtern. Fiebernde Kinder müssen allerdings nicht zwingend schlafen. Geht es ihnen gut, ist auch ruhiges Spielen oder Lesen erlaubt. In jedem Fall müssen fiebernde Kinder gut beobachtet werden, um mögliche Warnzeichen für eine Verschlechterung des Zustands zu erkennen.

Tipp: Für die Anwendung von Wadenwickeln gibt es Videos im Netz, z. B. unter www.feverapp.de/videos/#c760.

Sind Medikamente bei Fieber nötig?

Früher versuchte man in der Regel, Fieber zu senken. Heute weiß man dagegen, wie wichtig die erhöhte Körpertemperatur zur Abwehr von Erregern ist. Fieber zu senken verkürzt die Krankheitsdauer nicht. Im Gegenteil: Es kann den Heilungsprozess sogar stören. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine hohe Temperatur zu senken – der Körper regelt dies von selbst.

Kinderärzt*innen empfehlen fieber- und schmerzsenkende Medikamente deshalb nur, wenn das Kind Schmerzen hat. In Frage kommen dafür insbesondere Ibuprofen (für Kinder ab 3 Monaten) oder Paracetamol. Diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie nur so lange verabreicht werden, bis es dem Kind besser geht. Auch die Dosierung ist wichtig und muss dem Körpergewicht angepasst werden. Auf keinen Fall darf die jeweilige maximale Tagesdosis überschritten werden. Die Dosisempfehlungen entnimmt man dem entsprechenden Beipackzettel. Rat dazu gibt es auch in der Apotheke oder bei der Kinderärzt*in.

Wenn das Kind trotz der Medikamente weiter Schmerzen hat, darf man nicht einfach das Präparat wechseln. Besser ist es, zuvor Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten. Das gilt natürlich auch, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder eines oder mehrere der oben genannten Warnzeichen auftreten.

Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben, hat man früher manchmal fiebersenkende Mittel zur Vorbeugung empfohlen. Davon wird heute abgeraten. Denn diese Medikamente sind nicht in der Lage, Fieberkrämpfe zu verhindern. Stattdessen verordnet die Kinderärzt*in krampflösendes Diazepam, das die Eltern dem Kind bei einem erneuten Fieberkrampf in den Po verabreichen.

Antibiotika sind beim fiebernden Kind nur nötig, wenn eine schwere bakterielle Infektion vorliegt. Ansonsten überwiegen die Nachteile, z. B. Nebenwirkungen, aber auch Antibiotikaresistenzen. Ob bei Fieber ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die behandelnde Ärzt*in deshalb im Einzelfall.

Hinweis: Fieber nach Impfungen zeigt, dass sich der Körper mit dem Impfstoff wie gewünscht auseinandersetzt und Antikörper bildet. Fiebersenkende Mittel werden nur dann empfohlen, wenn das Kind nach der Impfung zusätzlich zum Fieber Schmerzen oder starkes Unwohlsein entwickelt.

Erholung muss sein!

Ist das Fieber abgeklungen, beginnt die Erholungsphase für das Kind. Auch diese Phase ist wichtig, da der Körper Gewebe repariert und sich das Immunsystem regeneriert. Oft ist das Kind noch blass und geschwächt, manche werden quengelig. Der Schlafbedarf ist meist hoch und der Appetit noch vermindert. Diese Phase dauert je nach Stärke der Infektion etwa 2 bis 5 Tage.

Essen sollten die Kinder dann besser leichte Kost. Dazu gehören Suppen und vitaminreiches Obst. Wie in den Fieberphasen muss darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend trinkt.

Bevor es wieder in den Kindergarten oder in die Schule geht, sollte das Kind mindestens einen Tag fieberfrei und fit sein. Damit auch Berufstätige ihre Kinder in Ruhe zuhause betreuen können, gibt für gesetzlich krankenversicherte Eltern spezielle Regelungen wie Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Im Jahr 2026 können Versicherte je Kind unter 12 Jahren bis zu 15 Arbeitstage zuhause bleiben und Kinderkrankengeld beantragen, Alleinerziehende bis zu 30 Tage. Beantragt wird das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse.

Tipp: Ausführliche Infos zum Kinderkrankengeld gibt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Quelle:S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

Von: Dr. med. Sonja Kempinski