Gesundheit heute
Wochenbettpsychose
Wochenbettpsychose (postpartale Psychose): Zustand schwerer Depression mit allen Merkmalen einer Psychose, die innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Geburt beginnt. Häufig sind die Betroffenen mit psychiatrischen Erkrankungen vorbelastet, insbesondere einer manisch-depressiven Störung. Oft bestand auch vor der Geburt schon eine Depression. Das Selbstmordrisiko und das Schädigungsrisiko für das Kind sind hoch.
Leitbeschwerden
Wie bei der Wochenbettdepression, hinzu kommen:
- Massive Verwirrtheit mit Realitätsverlust und Halluzinationen
- Selbstmordgedanken
- Wahnvorstellungen
- Wahn der Mutter, dem Kind etwas antun zu müssen
- Die Mutter ist rationalen Argumenten nur noch teilweise zugänglich.
Das macht der Arzt
Zur Behandlung ist meist ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik notwendig, wobei versucht wird, Mutter und Kind während der Therapie nicht zu trennen. Grund dafür ist, dass eine gestörte Beziehung zwischen Mutter und Kind oft Ursache oder zumindest Teil der Erkrankung ist und verarbeitet werden muss. Im Einzelfall ist eine Trennung unvermeidlich, um Gefahren für Kind und Mutter abzuwenden.
Die allgemeine Therapie entspricht der einer schweren Depression mit den beiden Säulen Antidepressiva und Psychotherapie. Bei konsequenter Behandlung ist die Prognose beim erstmaligen Auftreten relativ günstig, die Rückfallgefahr bei einer weiteren Geburt jedoch sehr hoch. Vor weiteren Schwangerschaften wird deshalb dringend abgeraten.
Weiterführende Informationen
- A. Rohde: Rund um die Geburt eines Kindes: Depressionen, Ängste und andere psychische Probleme. Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und ihr soziales Umfeld. Kohlhammer, 2004. Ratgeber mit vielen Fallbeispielen aus der Praxis und möglichen Hilfestellungen.
- K. Dalton et al.: Wochenbettdepression. Erkennen – Behandeln – Vorbeugen. Hans Huber, 2003. Ein Buch, das professionelle Hilfe bietet und die Wochenbettdepression auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückführt.
In den ersten vier Lebensmonaten bringen vor allem Säuglingskoliken die neuen Erdenbürger*innen zum Schreien.
Wie viel Schreien ist normal?
Quälende Säuglingskoliken
Viele Eltern kennen die Situation: Das Baby ist satt, frisch gewickelt und gesund – und schreit trotzdem über Stunden. Gerade in den ersten Lebensmonaten können sogenannte Säuglingskoliken Familien an ihre Belastungsgrenzen bringen. Was ist normal und wann muss das Schreien abgeklärt werden?
Schreien ist normal
Schreien ist für Säuglinge in den ersten Lebenswochen typisch, selbst wenn es über Stunden geht. So sind bei einem sechs Wochen alten Baby fast drei Stunden Schreien pro Tag noch im „grünen“ Bereich, sagt Georgia Ortner, Kinderärztin am Universitätsklinikum Düsseldorf.
Eine der häufigsten Gründe für ausgedehntes Schreien sind Säuglingskoliken. Dabei handelt es sich um unerklärliche, anhaltende Schreiattacken bei ansonsten gesunden Babys im ersten Trimenon (also im Alter zwischen zwei Wochen und vier Monaten). Die Schreiphasen treten länger als drei Stunden täglich an mehr als drei Tage pro Woche auf, besonders häufig am Abend und in der Nacht. Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt. Man geht u.a. von einer Mischung aus unausgereiftem Verdauungssystem, Luftschlucken und Überreizung durch Stress aus.
Nur sehr selten steckt eine ernsthafte Erkrankung hinter starkem Schreien. Dennoch gibt es Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten. Dazu gehören Fieber, Erbrechen, auffällige Stühle, Trinkschwäche, Gewichtsverlust oder eine ausbleibende Gewichtszunahme. Auch wenn das Schreien ungewöhnlich schrill wirkt oder über das fünfte Lebensmonat hinaus anhält, sollte immer eine kinderärztliche Untersuchung erfolgen.
Was Eltern tun können
Bei Säuglingskoliken ist für Eltern das Wichtigste ist zu wissen, dass sie nicht schuld sind. Das Schreien ist kein Zeichen dafür, dass sie etwas falsch machen. Oft hilft es schon, sich zu gegenwärtigen, dass diese Phase meist nach wenigen Monaten deutlich nachlässt. Bewährt haben sich einfache Maßnahmen wie
- regelmäßige Tagesabläufe,
- viel Körperkontakt
- das Tragen im Tragetuch und
- sanfte Bauchmassagen.
Hilfreich ist zudem ein Schrei- und Schlafprotokoll. So lassen sich Muster erkennen und Fortschritte besser einschätzen. Wer sich überfordert fühlt, sollte unbedingt Unterstützung annehmen. Kinderärzt*innen, Hebammen, Familienberatungsstellen oder Schreiambulanzen können Eltern entlasten und wertvolle Tipps geben.
Keine Diäten und nicht schütteln!
Manchmal werden auch Medikamente gegen Blähungen empfohlen. Allerdings gibt es für Präparate wie Dimeticon bei Säuglingskoliken keine überzeugenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise. Auch strenge Diäten der stillenden Mutter oder das Weglassen bestimmter Lebensmittel sollten – wenn überhaupt – nur nach ärztlicher Empfehlung erfolgen. Solche Maßnahmen haben meist wenig Nutzen und stressen die Familien zusätzlich.
Anhaltendes Schreien kann Eltern körperlich und seelisch stark belasten. Wer merkt, dass Verzweiflung, Wut oder Erschöpfung überhandnehmen, sollte das Kind sicher ablegen, den Raum kurz verlassen und Unterstützung holen. Ein Baby darf niemals geschüttelt werden. Denn ein Schütteltrauma kann schwerste Hirnschäden verursachen.
Quelle: Ärztezeitung

