Gesundheit heute

Brustentzündung im Wochenbett

Brustentzündung im Wochenbett (Mastitis puerperalis): Akute, meist einseitige Entzündung der Brustdrüse im Wochenbett als Folge eines nicht (erfolgreich) behandelten Milchstaus. Die Brustentzündung ist insbesondere bei Erstgebärenden eine der häufigsten Komplikationen im Wochenbett und tritt typischerweise eine Woche nach der Geburt auf.

Milchstau und Brustentzündung sind die Hauptgründe für vorzeitiges Abstillen. Beide kommen durch eine mangelnde Brustentleerung zustande. Die fehlende Brustentleerung betrifft dabei nie die ganze Brust, sondern nur einige Drüsenbezirke, die vom kindlichen Saugen nicht erreicht werden. Die Beschwerden sind die gleichen, wenn auch in unterschiedlicher Stärke.

Leitbeschwerden

  • Schmerzhaft gerötete und überwärmte Brust
  • Schwellung der betroffenen Region
  • Fieber
  • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen
  • Vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle
  • Probleme beim Stillen durch Schmerzen in der Brust.

Wann zum Frauenarzt oder zur Hebamme

Am selben oder nächsten Tag, wenn

  • Sich an der Brust eine beginnende Rötung und Überwärmung zeigt
  • Kühlende Umschläge keine Besserung bringen
  • Hohes Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Die Erkrankung

1020_GTV_Brustentzuendung_Wochenbett.png|Die Brustentzündung im Wochenbett erfasst ganze Bereiche der Brust. Gelingt es nicht, die gestauten Areale zur Entleerung zu bringen, bildet sich rasch ein Abszess (obere Abbildung). Alternativ entzünden sich große Areale der Brust (untere Abbildung und Foto). Die Brust ist dann extrem schmerzhaft. Ziel aller Interventionen ist, dass es nicht so weit kommt und die Gabe von Antibiotika oder eine operative Eröffnung des Abszesses vermieden werden können. |[GTV 1020]|Schemazeichnungen von Brustabszess und Brustentzündung sowie Foto einer entzündeten Brust

Der Brustentzündung im Wochenbett geht meist ein Milchstau voraus. Beide sind also unterschiedliche Stufen eines gestörten Milchabflusses. Wenn Milchgänge nicht ganz entleert werden, platzen sie unter dem hohen Druck, der sich aufbaut. Es kommt zum Einsickern der Milch in das Bindegewebe, wo sie wie ein Fremdkörper wirkt und eine Entzündung mit Rötung, Schmerz und weiterer Schwellung auslöst.

Erst später kommen Bakterien hinzu, die durch kleinste offene Stellen (Rhagaden) in der Brustwarze und im Warzenhof den Weg in die Brustdrüse finden. Meist sind es Staphylokokken, die aus dem Mund- und Rachenraum des Säuglings heraus reichlich Kontakt mit der Brustwarze haben. Selten ist eine Brustentzündung Folge mangelnder Hygiene, wenn z. B. über die Hände der Wöchnerin Keime aus dem Wochenfluss zur Brust gelangen. Begünstigt wird die Vermehrung der Keime durch den Milchstau in der Brust, der entsteht, wenn sich die Menge der produzierten Milch in den ersten Tagen noch nicht an den Bedarf des Säuglings angepasst hat.

Wird die Brustentzündung frühzeitig behandelt, heilt sie in der Regel rasch aus, ohne dass ein Abstillen erforderlich wird. Besteht die Entzündung jedoch unbehandelt über mehrere Tage, kann sie sich abkapseln und zu einem Abszess führen, der operativ geöffnet werden muss.

Das macht der Frauenarzt

Die Diagnose einer Brustentzündung lässt sich anhand der Beschwerden und des Untersuchungsbefunds stellen, eine Abszessbildung weist die Ärzt*in mit einem Ultraschall nach. Im Frühstadium reichen oft Maßnahmen zur besseren Entleerung der Brust aus. Bei hohem Fieber werden Antibiotika und fiebersenkende Mittel verordnet, Bettruhe ist ebenfalls erforderlich. Im fortgeschrittenen Stadium muss die Milchproduktion durch Medikamente (Prolaktinhemmer, z. B. Bromocriptin®) vermindert werden, eventuell muss die Patientin abstillen.

Selbsthilfe

Eine Brustentzündung kann auch dadurch begünstigt werden, dass das Kind nicht die richtige Trink- bzw. Saugposition findet; d. h. die Trinktechnik des Kindes ist nicht effektiv und es bleibt zuviel Milch in der Brust. Deswegen sollten Sie sich schon beim ersten Anzeichen eines Milchstaus von Ihrer Hebamme oder Stillberaterin beraten lassen, um die für das Kind besten Saugpositionen zu finden.

  • Häufige Brustentleerung alle 2–3 Stunden, auch nachts – am besten durch das Kind. Wenn das „genug“ hat, den Rest der Milch ausstreichen oder ausdrücken. Das Abpumpen mit einer Milchpumpe ist eine veraltete Methode, weil sie starke Saugreize auf die Brust ausübt, was die Milchproduktion steigert. Das Ausstreichen der Brust ist deshalb besser – auch wenn es mehr Geduld erfordert.
  • Kühlung der Brüste z. B. durch Quarkwickel oder Eisbeutel. Aber Vorsicht! Wird zu stark gekühlt, etwa mit Eis, führt dies zu einem Anstieg der Durchblutung an der geeisten Stelle und zu einem ungewollten Effekt: In das schon „überfüllte“ Gebiet fließt noch mehr Blut.
  • Hochbinden der Brüste mit einem festen BH über 24 Stunden täglich
  • Pfefferminz-, Hibiskus- oder Salbeitee trinken (mind. 2 Tassen pro Tag), um die Milchproduktion zu reduzieren
  • Eine sorgfältige Hygiene beim Stillen ist ebenfalls wichtig. Achten Sie vor allem darauf, dass es zu keinem Kontakt zwischen Brust und Wochenfluss kommt.
  • Wischen Sie Milchreste auf der Brustwarze nach dem Stillen nicht ab, sondern lassen Sie sie antrocknen.

Wichtigste Vorbeugemaßnahme ist, nach jedem Stillen nach „Knoten“ in der Brust zu tasten, wo sich noch Milch befindet, und diese durch Ausstreichen (unter der Dusche oder über dem Waschbecken) zu entleeren.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Bei rissigen, rauen Brustwarzen werden in der Phytotherapie pflegende Einreibungen mit Johanniskrautöl und Salben mit Ringelblumen- oder Eichenrindenextrakt eingesetzt. Da Johanniskrautöl die Lichtempfindlichkeit steigert, sollten Sie die behandelte Haut nicht der Sonne aussetzen. Bei bekannter Korbblütlerallergie dürfen ringelblumenhaltige Arzneien nicht angewendet werden.

Homöopathie. Neben individuell abgestimmten Akutmitteln empfiehlt die Homöopathie Arnika sowie Komplexmittel (z. B. Naranotox® plus), die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen.

Weiterführende Informationen

  • www.bdl-stillen.de – Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen e. V., Laatzen: Bundesweite Kontaktliste der Beraterinnen, aktuelle Informationen zum Stillen sowie die Widerlegung mancher Stillmythen.
  • Bundesinstitut für Öffentliche Grundheit (BiÖG), vormals BZgA (Hrsg.): Stillen und Muttermilchernährung. Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen (2001). Unter https://shop.bioeg.de/pdf/628.pdf kostenlose, sehr ausführliche Broschüre zum Herunterladen.
  • H. Lothrop: Das Stillbuch. Kösel, 2016. In Deutschland 1980 erstmals erschienener und inzwischen zigfach überarbeiteter Klassiker mit vielen praktischen Hilfestellungen.

Von: Dr. med. Katja Flieger, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
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Wie viel Schreien ist normal?

In den ersten vier Lebensmonaten bringen vor allem Säuglingskoliken die neuen Erdenbürger*innen zum Schreien.

Wie viel Schreien ist normal?

Quälende Säuglingskoliken

Viele Eltern kennen die Situation: Das Baby ist satt, frisch gewickelt und gesund – und schreit trotzdem über Stunden. Gerade in den ersten Lebensmonaten können sogenannte Säuglingskoliken Familien an ihre Belastungsgrenzen bringen. Was ist normal und wann muss das Schreien abgeklärt werden?

Schreien ist normal

Schreien ist für Säuglinge in den ersten Lebenswochen typisch, selbst wenn es über Stunden geht. So sind bei einem sechs Wochen alten Baby fast drei Stunden Schreien pro Tag noch im „grünen“ Bereich, sagt Georgia Ortner, Kinderärztin am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Eine der häufigsten Gründe für ausgedehntes Schreien sind Säuglingskoliken. Dabei handelt es sich um unerklärliche, anhaltende Schreiattacken bei ansonsten gesunden Babys im ersten Trimenon (also im Alter zwischen zwei Wochen und vier Monaten). Die Schreiphasen treten länger als drei Stunden täglich an mehr als drei Tage pro Woche auf, besonders häufig am Abend und in der Nacht. Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt. Man geht u.a. von einer Mischung aus unausgereiftem Verdauungssystem, Luftschlucken und Überreizung durch Stress aus.

Nur sehr selten steckt eine ernsthafte Erkrankung hinter starkem Schreien. Dennoch gibt es Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten. Dazu gehören Fieber, Erbrechen, auffällige Stühle, Trinkschwäche, Gewichtsverlust oder eine ausbleibende Gewichtszunahme. Auch wenn das Schreien ungewöhnlich schrill wirkt oder über das fünfte Lebensmonat hinaus anhält, sollte immer eine kinderärztliche Untersuchung erfolgen.

Was Eltern tun können

Bei Säuglingskoliken ist für Eltern das Wichtigste ist zu wissen, dass sie nicht schuld sind. Das Schreien ist kein Zeichen dafür, dass sie etwas falsch machen. Oft hilft es schon, sich zu gegenwärtigen, dass diese Phase meist nach wenigen Monaten deutlich nachlässt. Bewährt haben sich einfache Maßnahmen wie 

  • regelmäßige Tagesabläufe, 
  • viel Körperkontakt
  • das Tragen im Tragetuch und 
  • sanfte Bauchmassagen.

Hilfreich ist zudem ein Schrei- und Schlafprotokoll. So lassen sich Muster erkennen und Fortschritte besser einschätzen. Wer sich überfordert fühlt, sollte unbedingt Unterstützung annehmen. Kinderärzt*innen, Hebammen, Familienberatungsstellen oder Schreiambulanzen können Eltern entlasten und wertvolle Tipps geben.

Keine Diäten und nicht schütteln!

Manchmal werden auch Medikamente gegen Blähungen empfohlen. Allerdings gibt es für Präparate wie Dimeticon bei Säuglingskoliken keine überzeugenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise. Auch strenge Diäten der stillenden Mutter oder das Weglassen bestimmter Lebensmittel sollten – wenn überhaupt – nur nach ärztlicher Empfehlung erfolgen. Solche Maßnahmen haben meist wenig Nutzen und stressen die Familien zusätzlich.

Anhaltendes Schreien kann Eltern körperlich und seelisch stark belasten. Wer merkt, dass Verzweiflung, Wut oder Erschöpfung überhandnehmen, sollte das Kind sicher ablegen, den Raum kurz verlassen und Unterstützung holen. Ein Baby darf niemals geschüttelt werden. Denn ein Schütteltrauma kann schwerste Hirnschäden verursachen.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Photononstop / Catherine Delahaye