Gesundheit heute
Dammriss
Dammriss (Dammruptur, Perinealriss): Einreißen des Damms während der Geburt. Ursache ist die Überdehnung des Damms durch den kindlichen Kopf bzw. dadurch, dass der Kopf sehr schnell nach unten gepresst wird und starken Druck auf den Damm ausübt. Der Dammriss ist die häufigste mütterliche Geburtsverletzung. Es werden drei Schweregrade unterschieden:
Um dem Dammriss vorzubeugen, setzen die Hebamme oder der Arzt beim Durchtreten des Kopfs einen speziellen Handgriff, den Dammschutz, ein: Dabei umfasst die rechte Hand den mütterlichen Damm, während die linke durch leichten Druck die Geschwindigkeit des durchtretenden, hochsteigenden Kopfs des Kindes reguliert.
Reicht dies nicht, und droht trotzdem ein Dammriss, so wird ein Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt: Dabei wird von der Scheide aus der Damm etwas eingeschnitten und unmittelbar nach der Geburt unter örtlicher Betäubung wieder genäht. Kritiker wenden allerdings ein, dass nicht jeder gefährdete Damm tatsächlich reißt, aber jeder Dammschnitt ebenfalls eine Verletzung des Beckenbodens darstellt, der heilen muss und öfter noch lange Zeit nach der Geburt Beschwerden bereitet. Aufgrund dieser Kritik werden Dammschnitte deshalb inzwischen seltener durchgeführt.
In Deutschland bekommen Neugeborene in den ersten Lebenswochen drei Mal Vitamin K in den Mund verabreicht.
Vitamin-K-Prophylaxe für Babys
Verzicht bedeutet Gefahr
Die Vitamin-K-Gabe nach der Geburt schützt Babys vor Gehirnblutungen. Wie wichtig diese Prophylaxe ist, unterstreicht eine schwedische Untersuchung.
Babys haben zu wenig Vitamin K
Vitamin K ist nötig für die Blutgerinnung. Ein Mangel kann Blutungen begünstigen, darunter auch schwere Blutungen im Gehirn. Aufgenommen wird das Vitamin vor allem durch grünes Gemüse, Eigelb, Käse oder Leber. Bei normaler Mischkost kommt es selten zu einem Vitaminmangel.
Bei Neugeborenen sieht das anders aus. Das Vitamin geht in der Schwangerschaft begrenzt vom mütterlichen Blut ins Blut des Kindes über. Deshalb haben Babys bei der Geburt nur wenig Reserven. Zudem enthält auch die Muttermilch nur geringe Mengen an Vitamin K. Deshalb gibt es seit Jahrzehnten die Vitamin-K-Prophylaxe: In Deutschland bekommen Neugeborene drei Mal im Verlauf der ersten Lebenswochen das Vitamin als Tropfen verabreicht, in anderen Ländern wird es intramuskulär gespritzt.
Gefahr für Hirnblutungen drei Mal höher
Welche Auswirkungen eine nicht durchgeführte Prophylaxe hat, wurde in Schweden untersucht. Darin analysierten Forschende die Daten von mehr als zwei Millionen Kindern. Der Anteil der Babys, die keine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten hatten, stieg von 1,32 Prozent im Jahr 2003 auf 1,5 Prozent im Jahr 2021 an.
Das spiegelte sich in der Zahl der Blutungen in den ersten sechs Lebensmonaten: 2003 waren 0,22 Prozent der Kinder davon betroffen, 2021 0,53 Prozent. Die Forschenden errechneten: Ohne die Vitamin-K-Gabe steigerte sich das generelle Risiko für Blutungen um 50%, die Gefahr für Gehirnblutungen verdreifachte sich sogar.
Eltern besser aufklären
Warum die Kinder keine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten hatten, war aus den Daten nicht zu erkennen. Da es dafür kaum medizinische Gründe gibt, liegt die wahrscheinlichste Ursache in der Weigerung der Eltern, schreiben die Forschenden. Deshalb sei Aufklärung wichtig. Eltern, die die Vitamin-K-Prophylaxe ablehnen, sollten die gefährlichen Folgen kennen.

