Gesundheit heute

Dammriss

Dammriss (Dammruptur, Perinealriss): Einreißen des Damms während der Geburt. Ursache ist die Überdehnung des Damms durch den kindlichen Kopf bzw. dadurch, dass der Kopf sehr schnell nach unten gepresst wird und starken Druck auf den Damm ausübt. Der Dammriss ist die häufigste mütterliche Geburtsverletzung. Es werden drei Schweregrade unterschieden:

1016_GTV_Dammrisse.png|Dammriss ist nicht gleich Dammriss: Entscheidend ist, ob tiefer liegende Muskel- und Bindegewebsschichten mit eingerissen werden. Entsprechend unterscheidet der Arzt drei verschiedene Grade des Dammrisses. |[GTV 1016]|Schemazeichnung der 3 Schweregrade eines Dammrisses im Vergleich

Um dem Dammriss vorzubeugen, setzen die Hebamme oder der Arzt beim Durchtreten des Kopfs einen speziellen Handgriff, den Dammschutz, ein: Dabei umfasst die rechte Hand den mütterlichen Damm, während die linke durch leichten Druck die Geschwindigkeit des durchtretenden, hochsteigenden Kopfs des Kindes reguliert.

Reicht dies nicht, und droht trotzdem ein Dammriss, so wird ein Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt: Dabei wird von der Scheide aus der Damm etwas eingeschnitten und unmittelbar nach der Geburt unter örtlicher Betäubung wieder genäht. Kritiker wenden allerdings ein, dass nicht jeder gefährdete Damm tatsächlich reißt, aber jeder Dammschnitt ebenfalls eine Verletzung des Beckenbodens darstellt, der heilen muss und öfter noch lange Zeit nach der Geburt Beschwerden bereitet. Aufgrund dieser Kritik werden Dammschnitte deshalb inzwischen seltener durchgeführt.

Von: Dr. med. Katja Flieger, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
Zurück
Wie viel Schreien ist normal?

In den ersten vier Lebensmonaten bringen vor allem Säuglingskoliken die neuen Erdenbürger*innen zum Schreien.

Wie viel Schreien ist normal?

Quälende Säuglingskoliken

Viele Eltern kennen die Situation: Das Baby ist satt, frisch gewickelt und gesund – und schreit trotzdem über Stunden. Gerade in den ersten Lebensmonaten können sogenannte Säuglingskoliken Familien an ihre Belastungsgrenzen bringen. Was ist normal und wann muss das Schreien abgeklärt werden?

Schreien ist normal

Schreien ist für Säuglinge in den ersten Lebenswochen typisch, selbst wenn es über Stunden geht. So sind bei einem sechs Wochen alten Baby fast drei Stunden Schreien pro Tag noch im „grünen“ Bereich, sagt Georgia Ortner, Kinderärztin am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Eine der häufigsten Gründe für ausgedehntes Schreien sind Säuglingskoliken. Dabei handelt es sich um unerklärliche, anhaltende Schreiattacken bei ansonsten gesunden Babys im ersten Trimenon (also im Alter zwischen zwei Wochen und vier Monaten). Die Schreiphasen treten länger als drei Stunden täglich an mehr als drei Tage pro Woche auf, besonders häufig am Abend und in der Nacht. Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt. Man geht u.a. von einer Mischung aus unausgereiftem Verdauungssystem, Luftschlucken und Überreizung durch Stress aus.

Nur sehr selten steckt eine ernsthafte Erkrankung hinter starkem Schreien. Dennoch gibt es Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten. Dazu gehören Fieber, Erbrechen, auffällige Stühle, Trinkschwäche, Gewichtsverlust oder eine ausbleibende Gewichtszunahme. Auch wenn das Schreien ungewöhnlich schrill wirkt oder über das fünfte Lebensmonat hinaus anhält, sollte immer eine kinderärztliche Untersuchung erfolgen.

Was Eltern tun können

Bei Säuglingskoliken ist für Eltern das Wichtigste ist zu wissen, dass sie nicht schuld sind. Das Schreien ist kein Zeichen dafür, dass sie etwas falsch machen. Oft hilft es schon, sich zu gegenwärtigen, dass diese Phase meist nach wenigen Monaten deutlich nachlässt. Bewährt haben sich einfache Maßnahmen wie 

  • regelmäßige Tagesabläufe, 
  • viel Körperkontakt
  • das Tragen im Tragetuch und 
  • sanfte Bauchmassagen.

Hilfreich ist zudem ein Schrei- und Schlafprotokoll. So lassen sich Muster erkennen und Fortschritte besser einschätzen. Wer sich überfordert fühlt, sollte unbedingt Unterstützung annehmen. Kinderärzt*innen, Hebammen, Familienberatungsstellen oder Schreiambulanzen können Eltern entlasten und wertvolle Tipps geben.

Keine Diäten und nicht schütteln!

Manchmal werden auch Medikamente gegen Blähungen empfohlen. Allerdings gibt es für Präparate wie Dimeticon bei Säuglingskoliken keine überzeugenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise. Auch strenge Diäten der stillenden Mutter oder das Weglassen bestimmter Lebensmittel sollten – wenn überhaupt – nur nach ärztlicher Empfehlung erfolgen. Solche Maßnahmen haben meist wenig Nutzen und stressen die Familien zusätzlich.

Anhaltendes Schreien kann Eltern körperlich und seelisch stark belasten. Wer merkt, dass Verzweiflung, Wut oder Erschöpfung überhandnehmen, sollte das Kind sicher ablegen, den Raum kurz verlassen und Unterstützung holen. Ein Baby darf niemals geschüttelt werden. Denn ein Schütteltrauma kann schwerste Hirnschäden verursachen.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Photononstop / Catherine Delahaye