Gesundheit heute

Hinterhauptslage und Vorderhauptslage

Die häufigste und „normale“ Geburtslage ist die vordere Hinterhauptlage: Dabei wird das Kind mit dem Hinterkopf zuerst und der Nase in Richtung Darmausgang der Mutter geboren – das Kind beugt sozusagen den Kopf nach unten. Dabei kann das Kind entweder mit dem Rücken nach links (erste vordere Hinterhauptlage) oder nach rechts (zweite vordere Hinterhauptlage) liegen. In dieser Position hat der Kopf des Kindes den kleinsten Durchmesser.

1012_ASM_Lage_Kind_Uterus.png|Entscheidend für den weiteren Geburtsverlauf ist die Lage des Kindes im Uterus. Glücklicherweise treten die zwingend zum Kaiserschnitt führenden Quer- und Schräglagen recht selten auf, und auch die zwar prinzipiell geburtsfähige, aber komplikationsträchtige Steißlage findet sich nur in 3 % der Fälle. Die Querlage ist eine geburtsunmögliche Lage: Wenn die Fruchtblase platzt und Wehen einsetzen, schieben sich Nabelschnur oder ein Arm nach unten in den Geburtskanal (Nabelschnur- bzw. Armvorfall). Der Armvorfall ist eine geburtsunmögliche Position, und nicht umsonst bezeichnete man ihn früher als „Arm des Todes“ – in der Regel verstarben nämlich beide, Mutter und Kind. Heute kann ein Kaiserschnitt beide retten. Gleiches gilt für die seltenere Schräglage, falls diese sich nicht doch noch zu Beginn der Geburt in eine Kopf- oder Steißlage wandelt. |[ASM 1012]|Schematischer Überblick über die möglichen Lagevarianten eines Kindes in der Gebärmutter

In 1 % der Fälle liegt der kindliche Kopf in der Kreuzbeinhöhle (hintere Hinterhauptlage, auch Sternengucker genannt). Dadurch ist die Rotation („Einstellung“) und das Tiefertreten des kindlichen Kopfes in den Geburtskanal erschwert, so dass eine natürliche Geburt zwar möglich ist, aber oft die Unterstützung durch Saugglocke oder Zange gebraucht wird (oder, um dies zu vermeiden, per Kaiserschnitt entbunden wird).

Ist der Kopf weder gebeugt noch überstreckt (Vorderhauptlage), verzögert sich wegen der größeren Durchtrittsebene der Geburtsablauf deutlich – eine natürliche Geburt ist aber trotzdem möglich, oft allerdings nur mit Unterstützung durch Zange oder Saugglocke (oder, auch hier, vorsorglich per Kaiserschnitt).

Ist der Kopf hingegen überstreckt (Gesichts- bzw. Deflexionslage), d. h. die Stirn oder das Gesicht liegt nach vorne, klappt eine normale Geburt nicht, denn der Kopfumfang ist zu groß, um durch den Geburtskanal zu treten – dann muss das Kind per Kaiserschnitt geholt werden.

Von: Dr. med. Katja Flieger, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).
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Stillen: Am besten 12 Monate lang

Laut aktueller Still-Leitlinie wird empfohlen, Kinder ein Jahr lang zu stillen.

Stillen: Am besten 12 Monate lang

Gut für Mutter und Kind

Stillen ist gut für Mutter und Kind. Eine neue Leitlinie fasst die wichtigsten Empfehlungen rund ums Stillen zusammen.

Erste Leitlinie fürs Stillen

Die meisten Mütter wollen ihr Baby stillen. Dabei ist allerdings nicht immer klar, wie lange dies geschehen sollte – und wann der beste Zeitpunkt ist, mit Beikost anzufangen. Jetzt gibt es erstmals eine Leitlinie zum Thema Stillen, gemeinsam verfasst von Frauenärzt*innen, Kinder- und Jugendärzt*innen, Hebammen und anderen Fachgruppen.

Die beiden zentralen Empfehlungen lauten:

  • Reifgeborene Kinder sollen bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden. Ausschließlich bedeutet, dass weder Beikost noch Flüssigkeiten gegeben werden, beim überwiegenden Stillen darf das Kind keine Beikost erhalten, aber zusätzlich Tee oder Wasser bekommen. 
  • Die Gesamtstilldauer sollte mindestens zwölf Monate betragen.

Die Expert*innen begründen ihre Empfehlungen u. a. mit den positiven gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind.

Seltener Osteoporose und Brustkrebs

Mütter, die stillen, leiden später seltener an Osteoporose oder Brustkrebs. Der schützende Effekt ist umso größer, umso länger gestillt wird, betonen die Leitlinienautor*innen. Bei den Kindern wurde ein positiver Zusammenhang vom Stillen mit Schutz vor Infekten wie Mittelohrentzündung, Asthma, Neurodermitis und Entwicklungsstörungen wie ADHS gefunden. Insbesondere in Bezug auf das ADHS betonen die Forschenden, dass die Quellen keinen monokausalen Zusammenhang belegen können. Stillen sei eine Grundlage, zu der dann weitere Faktoren hinzukämen, heißt es.

Die Leitlinie soll auch nicht dazu verwendet werden, Mütter unter Druck zu setzen. Sie dient der Beratung und soll bei der Entscheidung für oder gegen das Stillen helfen. Es gilt, für jede Mutter und jedes Kind individuell zu schauen, ob und wie lange das Stillen empfehlenswert ist.

Manche wollen früher Beikost

Gegen eine Pauschalempfehlung spricht zudem, dass in manchen Punkten der Leitlinie keine komplette Einigkeit zwischen den verschiedenen Fachgruppen herrschte. So betonen die Kinder- und Jugendärzt*innen, dass die starre Empfehlung, erst ab dem siebten Monat Beikost anzubieten, der individuellen Entwicklung der Säuglinge nicht gerecht wird. Manche Kinder seien dafür schon im fünften Monat bereit – und das sollte man ihnen dann auch nicht vorenthalten.

Quelle: Ärzteblatt, Leitlinie Stillen

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / VASILIS VERVERIDIS / Alamy / Alamy Stock Photos