Gesundheit heute
Wo und wie gebären?
„Oh Gott, ich glaube, es geht los!“ Mit diesem Satz läuten Schwangere in Film und Fernsehen für gewöhnlich den Geburtsbeginn ein. 50 Sekunden später erscheinen dann ein frisch geborenes Kind und eine strahlende Mutter auf der Leinwand.
Im wahren Leben dauert die Geburt (meist) länger und ist anstrengender: Beim ersten Kind muss man im Durchschnitt mit 12 Stunden rechnen, ab dem zweiten Kind mit 8 Stunden. Es gibt aber erhebliche Ausreißer – Sturzgeburten mit weniger als einer Stunde kommen bei Mehrgebärenden genauso vor wie Geburten von über 24 Stunden bei Erstgebärenden. Jede sechste Geburt schließlich muss durch eine ungeplante geburtshilfliche Operation beendet werden, also durch Zange, Saugglocke oder Kaiserschnitt.
Demgegenüber stehen die vielen hunderttausend Geburten, die in guter Atmosphäre und ohne Komplikationen verlaufen. Dann werden die ersten Minuten, in denen man das Neugeborene zum ersten Mal in Händen hält, einfach nur als überwältigendes Glück empfunden. Geburten schreiben alle ihre eigenen Geschichten, und es ist kein Wunder, dass Frauen sie im Rückblick oft als „Wendepunkte“ in ihrem Leben wahrnehmen.
Von einer „normalen“ oder physiologischen Geburt spricht der Mediziner übrigens, wenn ein Kind zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 2 500 bis 4 000 g, dem Hinterkopf zuerst und der Nase in Richtung Steißbein der Mutter (vordere Hinterhauptlage) ohne geburtshilfliche Unterstützung auf die Welt kommt.
Kreißsaal oder Geburtshaus?
Verständlich ist die Sehnsucht, alles zu tun, um diesem Glück einer normalen Geburt ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Doch hier tut sich ein Konflikt auf, der gerade in Deutschland mitunter die Züge eines Kulturkampfs angenommen hat:
- Gilt die größte Sorge der Vermeidung von Komplikationen und der Schaffung bestmöglicher Reaktionsmöglichkeiten bei Problemen aller Art …? – Dies ist das Konzept der etablierten krankenhausorientierten Geburtshilfe mit dem Ergebnis des High-Tech-Kreißsaals und der perfektionierten Überwachung von Herz- und Wehenfunktion bei Mutter und Kind.
- … oder soll die Geburt nicht viel mehr zum positiven Erlebnis werden ohne alle schulmedizinischen Insignien wie OP-Lampen, Infusionsständer und ständiges Kommen und Gehen des medizinischen Personals? – Dies ist die Position vieler Hebammen, aber auch alternativmedizinisch denkender Frauen und Männer. Sie fordern, die normale Geburt ambulant in einem Geburtshaus oder als Hausgeburt durchführen zu können.
Die Auseinandersetzung über den richtigen Weg bzw. Ort ist inzwischen mindestens 30 Jahre alt. Sie wurde nicht überall so verbissen geführt wie in Deutschland – in Österreich und der Schweiz etwa stehen durch die geringe Besiedlungsdichte und die oft schwierigen Verkehrsverhältnisse nur wenige Hebammen für Hausgeburten zur Verfügung. Aber inzwischen haben sich auch in Deutschland beide Seiten aufeinander zu bewegt.
Kaum ein Krankenhaussektor hat sich in Deutschland so verändert wie die Kreißsäle: Architektur, Service, aber auch die Einstellung von Hebammen und Ärzten gegenüber ihren „Kundinnen“ haben sich vielerorts radikal gewandelt – und zwar deshalb, weil nur Krankenhäuser, die sich an die Wünsche der Frauen angepasst haben, eine zufriedenstellende Auslastung halten können und dadurch Vorteile in der Konkurrenzsituation mit anderen Kliniken haben.
Viele Hebammen (und Mütter) haben erfahren, dass das früher propagierte Konzept der Hausgeburten in der Praxis auf Grenzen stößt. Geburtskomplikationen und die sich daraus ergebenden Probleme sind, so die Lebenserfahrung, nicht immer beherrsch- und berechenbar, sodass schließlich in aller Eile der Notarztwagen gerufen werden muss – mit dem Risiko, zu spät im Krankenhaus anzukommen. Es gab auch Fälle, dass Kinder die Geburt nicht überlebten, weil die auf eine „natürliche“ Geburt eingestellte Gebärende die Zustimmung zum vorsorglichen Not-Kaiserschnitt verweigert hatte. Auch bleibt die Schmerzbekämpfung bei häuslichen und ambulanten Geburten nicht selten unbefriedigend, weil die PDA als wirksamste Maßnahme zu Hause nicht zur Verfügung steht.
Vieles spricht also dafür, dass sich die Frauenkliniken weiterentwickeln, neue Wege finden, um die Geburt mit und trotz aller Medizintechnik zu einem positiven Erlebnis zu machen.
Einen neuen Weg bieten Beleghebammen: Durch selbstständige Beleghebammen liegt die ganze Geburt in einer Hand. Sie betreuen „ihre Mütter“ von Beginn der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes. Die Stunden vor der Geburt verbringt die Hebamme bei der Schwangeren und ihrem Partner, wenn möglich zu Hause. Sobald es an der Zeit ist, in die Klinik zu gehen, informiert die Beleghebamme die Klinik und kommt gemeinsam mit der werdenden Mutter und deren Begleitperson ins Krankenhaus, um dort die Geburt zu leiten. Die Hebammen sind ähnlich wie Belegärzte an eine Klinik gebunden – das Kind kommt also dort zur Welt.
Wahlrechte konsequent nutzen
Solche Angebote sind noch lange nicht überall verfügbar. Auch die Strukturen im Krankenhaus bieten immer noch viel Anlass zu Kritik. Umso wichtiger ist es, das bestehende Wahlrecht konsequent zu nutzen und dorthin zu gehen, wo die Atmosphäre, aber auch die Dienstpläne und die Kommunikation stimmen.
Viele Kliniken bieten inzwischen Führungen an, um den werdenden Eltern einen Eindruck zu vermitteln und Entscheidungshilfen zu bieten. Wichtiger als solche „Shows“ sind aber die Antworten auf kritische Rückfragen und Gespräche mit Frauen, die an der entsprechenden Einrichtung schon entbunden haben.
Um herauszufinden, ob die Wunschklinik, die beispielsweise in der Nähe des Wohnorts liegen könnte oder die durch eine besonders gut gelegene Fahrstrecke zu erreichen ist, solche Führungen oder Informationsveranstaltungen anbietet, hat man die Möglichkeit, sich telefonisch mit der Pforte des jeweiligen Hauses kurz abzusprechen oder auf der Website der Klinik zu recherchieren. Üblicherweise lassen sich darüber sämtliche Sonderveranstaltungen, die ein Haus bietet, schnell und unproblematisch in Erfahrung bringen. Dort lässt sich beispielsweise auch herausfinden, ob es ein Stillcafé oder andere für Mütter interessante Initiativen wie Babyschwimmen oder Babygymnastik gibt.
Weiterführende Informationen
- www.hebammensuche.de – Bundesweites Hebammen- und Geburtshausverzeichnis.
Ziegenmilch-basierte Flaschennahrung könnte für Babys hinsichtlich einer Neurodermitis günstiger sein als Kuhmilch.
Ziegenmilch gegen Neurodermitis?
Babys vor atopischer Dermatitis schützen
Ziegenmilch statt Kuhmilch – könnte das Babys Haut vor Neurodermitis schützen? Eine Studie liefert Hinweise auf einen möglichen vorbeugenden Effekt. Für Kinder mit bereits bestehender Erkrankung gilt das allerdings nicht.
2100 Säuglinge getestet
Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter: Etwa jedes fünfte Kind ist betroffen. Die entzündliche Hauterkrankung entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung, einer gestörten Hautbarriere und verschiedener Umweltfaktoren. Auch die Art der Flaschennahrung könnte eine Rolle spielen.
Um dies zu klären, haben Forschende eine Studie gestartet. Mehr als 2100 gesunde, reif geborene Säuglinge aus Spanien und Polen erhielten entweder Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegen-Vollmilch oder eine kuhmilchbasierte Nahrung.
Bis zum Ende des ersten Lebensjahres untersuchte das Studienteam die Kinder bei drei festgelegten Terminen nach wissenschaftlichen Kriterien. Ob Ziegen- oder Kuhmilchnahrung: Rund 12 von 100 Kindern entwickelten eine Neurodermitis. Einen Unterschied zwischen den Gruppen gab es dabei nicht.
Bei ärztlicher Diagnose war ein Effekt nachweisbar
Das Ergebnis ist allerdings nicht ganz so eindeutig, wie es zunächst klingt. Unter bestimmten Umständen war die Rate bei den Ziegenmilch-Kindern doch niedriger - wenn erfasst wurde, ob im ersten Lebensjahr eine Ärzt*in eine Neurodermitis diagnostiziert hatte. Dann war dasRisiko für eine Neurodermitis um etwa ein Drittel geringer. Bei Babys mit einem Elternteil, der selbst Neurodermitis hatte, fiel der Unterschied noch deutlicher aus.
Milde Formen werden leicht übersehen
Doch warum unterscheiden sich die Ergebnisse? Ein Grund dafür könnte sein, dass die Diagnose bei Babys nicht immer einfach ist. Juckreiz, ein wichtiges Diagnosekriterium, lässt sich bei Säuglingen nur schwer beurteilen. Dadurch könnten mildere oder frühe Formen der Neurodermitis in der Studie teilweise übersehen worden sein. Zudem untersuchte das Studienteam die Kinder zu drei vorgegebenen Zeitpunkten. Eine ärztliche Diagnose konnte dagegen jederzeit im ersten Lebensjahr gestellt worden sein. Dadurch können unterschiedliche Fälle erfasst werden.
Kein Grund, bei Neurodermitis die Nahrung zu wechseln
Für Eltern ist vor allem eines wichtig: Die Studie liefert einen Hinweis auf einen möglichen vorbeugenden Effekt von Ziegenmilchnahrung – sie beweist ihn aber nicht eindeutig. Um dies zu untermauern, sind weitere Untersuchungen nötig. Besorgte Eltern können ihre Säuglinge aber durchaus mit Ziegen- statt kuhmilchbasierte Flaschennahrung füttern – insbesondere, wenn sie selbst mit Neurodermitis belastet sind.
Hat ein Baby jedoch bereits Neurodermitis, gibt die Studie keinen Anlass, deshalb von Kuhmilch- auf Ziegenmilchnahrung umzustellen, betonen die Forschenden.
Quellen: ptaheute, Clinical Nutrition

