Gesundheit heute
Ernährung und Energiebedarf in der Schwangerschaft
Schwangere machen sich oft viele Gedanken darüber, was und wieviel sie essen sollen. Der Körper einer Frau ist aber von Natur aus hervorragend für eine Schwangerschaft eingerichtet und es gibt gar nicht so vieles, das man falsch machen kann. Trotzdem ist es gut zu wissen, was man selbst und das heranwachsende Kind braucht.
Nicht für Zwei essen
Schwanger sein heißt nicht „Essen für Zwei“ – auch wenn sich in der Schwangerschaft der Stoffwechsel verändert. Dabei erhöht sich der Grundumsatz der Schwangeren bis zum Ende der Schwangerschaft um 20 Prozent. Der Grundumsatz ist die Energiemenge, die der Körper pro Tag ohne große Anstrengung verbraucht. Das hört sich nach viel an, entspricht aber nur ungefähr 500 kcal pro Tag. In den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln sind es sogar nur 250 kcal pro Tag. Das notwendige „Mehr“ ist häufig schon mit 1–2 Scheiben belegten Vollkornbroten erreicht. Während der gesamten Schwangerschaft sollte eine normalgewichtige Frau nicht mehr als ungefähr 16 kg zunehmen. Ist eine Frau übergewichtig, sind es sogar besser nur 11,5 kg und bei starker Adipositas nur 5 kg.
In Bezug auf einzelne Nährstoffe gilt:
- Eiweiß (Proteine). Der Eiweißbedarf steigt in der Schwangerschaft – aber nicht so stark, wie viele Schwangere glauben. Schwangere sollten im 2. Schwangerschaftsdrittel etwa 7 Gramm mehr Eiweiß essen und im 3. Schwangerschaftsdrittel etwa 21 Gramm mehr. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sind das dann insgesamt 55 bis 71 Gramm. Zum Vergleich: 100 Gramm rote Linsen enthalten ungefähr 26 Gramm Eiweiß.
- Kalzium. Schwangere sollten genauso wie nicht-schwangere Frauen 1 g Kalzium pro Tag aufnehmen. Viel Kalzium enthalten Milchprodukte wie Joghurt oder grünes Gemüse wie Grünkohl.
- Eisen. In der Schwangerschaft brauchen Frauen rund 27 Milligramm Eisen pro Tag. Viele Frauen haben in der Schwangerschaft einen Eisenmangel und dadurch eine Blutarmut (Eisenmangelanämie). Deshalb wird bei der Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung der Hämoglobinwert gemessen – und damit indirekt der Eisengehalt des Bluts. Viel Eisen enthält Fleisch, aber auch Nüsse wie Pistazien. Ist bereits ein Eisenmangel nachweisbar, reicht eine eisenreiche Ernährung meist nicht aus. In diesem Fall ist es oft sinnvoll, Eisen zusätzlich zuzuführen, zum Beispiel über Tabletten aus der Apotheke.
- Jod. Fehlt Jod in der Schwangerschaft, kann es beim Kind zu Entwicklungsstörungen kommen. Deswegen sollten Schwangere täglich 100 (bis 150) µg Jod als Tablette einnehmen.
- Folsäure. Auch Folsäure sollten Schwangere in der frühen Schwangerschaft zusätzlich einnehmen. Das senkt nachweislich die Gefahr von Neuralrohrdefekten wie einem offenen Rückenmarkskanal (Spina bifida). Empfohlen wird eine Dosis von 0,4 mg (400 µg). Die Einnahme kann nach dem 4. Schwangerschaftsmonat beendet werden.
- Vitamin D. Vitamin D wird hauptsächlich über Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet und nur zu geringen Teilen über die Nahrung aufgenommen. In der Schwangerschaft erhöht ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen. Ein Mangel ist wahrscheinlicher im Winter, bei dunkler Hautfarbe oder wenn sich Frauen wenig oder nur mit bedeckter Haut draußen aufhalten. Am besten besprechen Schwangere mit ihrer Frauenärzt*in, ob eine zusätzliche Einnahme nötig ist.
Ungewöhnliche Essensvorlieben
Der „Appetit auf saure Gurken“ in der Schwangerschaft ist legendär: Insgesamt sind Heißhungerattacken nach allem Möglichen nichts Ungewöhnliches und man kann ihnen getrost – und in Maßen – nachgeben. Genauso häufig sind aber auch starke Abneigungen bis hin zu massiver Übelkeit gegenüber einigen Lebensmitteln wie Knoblauch, Zwiebeln oder allgemein ungewohnten Gerüchen.
Diese Abneigung hat einen tiefen entwicklungsgeschichtlichen Grund: Der wachsende Organismus soll bestmöglichen Schutz vor fremden und damit möglicherweise ungesunden oder giftigen Stoffen erhalten. Deshalb werden meistens jahrzehntelang bekannte Nahrungsmittel bevorzugt.
Quellen:
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft—Ratschläge für die ärztliche Praxis.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2022): Schwanger werden? - Aber nicht ohne Folsäure!
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2012): Wie viel Vitamin D brauchen wir?
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2018): Handlungsempfehlungen—Ernährung in der Schwangerschaft.
- Netzwerk Gesund ins Leben (2020): Essen und Trinken in der Schwangerschaft.
In der Schwangerschaft kann sich durch Wassereinlagerung in der Hornhaut die Brechkraft des Auges vorübergehend ändern.
Schwangerschaft verändert die Augen
Trockene Augen, Kurzsichtigkeit
Unscharfes Sehen, trockene Augen oder plötzlich schlecht sitzende Kontaktlinsen: Eine Schwangerschaft kann auch die Augen verändern. Bestimmte Sehstörungen sollten werdende Mütter jernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
Hormone beeinflussen den Tränenfilm
Eine Schwangerschaft verändert den Körper – und kann auch die Augen betreffen. Denn der Anstieg bestimmter Hormone im Blut beeinflusst unter anderem die Hornhaut, den Tränenfilm und den Wasserhaushalt. Östrogene und Progesteron verändern z. B. die Zusammensetzung und die Stabilität des Tränenfilms. Dadurch kommt es zu trockenen, brennenden oder geröteten Augen. Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Problemen in der Schwangerschaft. Studien zufolge klagen 40 bis 70 Prozent der werdenden Mütter darüber. Oft reichen zur Behandlung konservierungsmittelfreie Augentropfen sowie Wärme und eine sanfte Lidmassage aus. Nach der Geburt bessern sich die Beschwerden meist wieder.
Kontaktlinsen werden zum Störfaktor
Kontaktlinsen werden während der Schwangerschaft oft schlechter vertragen. Ursachen sind unter anderem der veränderte Tränenfilm und stärkere Ablagerungen auf der Linsenoberfläche. Schwangere müssen aber nicht generell auf Kontaktlinsen verzichten. Aber die Augenoberfläche kann empfindlicher reagieren. Bei Fremdkörpergefühl, Rötung oder trockenen Augen hilft es meist, die Tragezeit zu verkürzen, Tageslinsen zu verwenden oder vorübergehend eine Brille zu tragen.
Mit der neuen Brille besser warten
In der Schwangerschaft wird in den Geweben mehr Wasser eingelagert. Das gilt auch für die Augen: Dort können Wassereinlagerungen Dicke und Krümmung der Hornhaut verändern. In der Folge verschiebt sich die Brechkraft vorübergehend, häufig in Richtung einer leichten Kurzsichtigkeit. Eine neue Brille oder Kontaktlinsen sollten jedoch möglichst nicht während der Schwangerschaft angepasst werden. Die endgültige Sehstärke lässt sich besser einige Zeit nach der Geburt beziehungsweise nach dem Abstillen beurteilen.
Sehstörungen abklären lassen
Auch geschwollene Lider oder dunklere Haut um die Augen können auftreten. Leichte, beidseitige Schwellungen sind meist harmlos. Plötzliche, einseitige oder schmerzhafte Schwellungen sollten dagegen ärztlich abgeklärt werden. Besonders wichtig sind neue oder ungewohnte Sehstörungen: Bei Flimmern, Doppelbildern, Gesichtsfeldausfällen oder plötzlich verschwommenem Sehen sollten Schwangere rasch eine Ärzt*in aufsuchen. Diese Symptome können unter anderem mit einer Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) zusammenhängen. Bei plötzlich herabhängendem Oberlid ist eine neurologische Abklärung erforderlich.

