Gesundheit heute
Feststellung der Schwangerschaft
Das Ausbleiben der Regel ist bei den meisten Frauen das erste Zeichen der Schwangerschaft (Gravidität). Es ist allerdings kein sicheres Schwangerschaftszeichen, da die wenigsten Frauen einen exakt regelmäßigen Zyklus haben. Prüfungsstress, Flugreisen oder eine Erkältung reichen bei vielen Frauen aus, um die Regel gehörig aus der Bahn zu bringen.
Häufig bemerken Frauen an sich weitere Frühzeichen einer Schwangerschaft, z. B. ein Ziehen in den Brüsten oder deren Größenzunahme. Aber auch dies sind keine verlässlichen Zeichen.
Zu den sicheren Schwangerschaftszeichen gehören:
- Der Nachweis des Embryos in seiner Fruchtblase im Ultraschall ab der 5. Schwangerschaftswoche (SSW)
- Der Nachweis der kindlichen Herztätigkeit im Ultraschall ab der 7. SSW
- Zu 99 % auch die positive Reaktion eines frei verkäuflichen Schwangerschaftstestes. Dieser misst das von der Plazenta (Mutterkuchen) produzierte Hormon Beta-HCG im Urin der Mutter. Da es jedoch auch HCG-produzierende Tumoren gibt (Blasenmole) ist der HCG-Nachweis kein absolut sicheres Schwangerschaftszeichen.
Schwangerschaftstest. Praktisch und schnell kann jede Frau mit einem Schwangerschaftstest aus der Drogerie oder Apotheke feststellen, ob sie schwanger ist oder nicht. Der Test funktioniert allerdings frühestens am Tag der ausbleibenden Monatsblutung; wer einen unregelmäßigen Zyklus hat, sollte aber 1–3 Tage warten, um den Test nicht wiederholen zu müssen. Der Test weist im Urin das Schwangerschaftshormon Beta-HCG nach. Es empfiehlt sich, den Test morgens nach dem Aufwachen zu machen, da der Urin und das darin enthaltene Beta-HCG dann besonders konzentriert sind. Besteht eine Schwangerschaft, wird dieses Hormon vom Mutterkuchen gebildet. Die Zuverlässigkeit des Urintests ist heute sehr hoch – sie liegt bei rund 99 %.
Wer ganz schnell Gewissheit haben möchte, kann bei der Frauenärzt*in das Blut untersuchen lassen. Im Blut lässt sich bereits elf Tage nach der Befruchtung, also noch vor Ausbleiben der Regelblutung, ein Beta-HCG-Anstieg feststellen.
Sofort zur Frauenärzt*in beim positiven Schwangerschaftstest? Manche Frauen fühlen sich unsicher oder glauben, sich sofort umfassend auf eventuelle Risiken ihrer Schwangerschaft untersuchen lassen zu müssen. Tatsache jedoch ist: Die Frauenärzt*in kann die Schwangerschaft erst zwei oder drei Wochen nach dem Ausbleiben der Regel, dann aber mit dem Ultraschall sehr gut beurteilen, insbesondere gelingt dann der Ausschluss einer Eileiterschwangerschaft sicher.
Die erste frauenärztliche Untersuchung
Mit dem ersten Besuch bei der Frauenärzt*in beginnt die Schwangerschaftsvorsorge. Sie sieht in den ersten vier Monaten alle vier Wochen den Gang zur Frauenärzt*in vor, in den darauf folgenden drei Monaten alle drei Wochen, in den nächsten zwei Monaten alle zwei Wochen und im letzten, zehnten Monat, jede Woche. Die erste Untersuchung umfasst:
- Die Erfragung allgemeiner und gynäkologischer Vorerkrankungen sowie den Verlauf vorausgegangener Schwangerschaften.
- Die Errechnung des voraussichtlichen Geburtstermins nach der Naegele-Regel. Die meisten Frauenärzt*innen benutzen dazu eine kleine Drehscheibe, auf der sie nach Einstellen des Datums der letzten Regelblutung den Geburtstermin ablesen.
- Die Erstberatung zu Ernährung, zu allgemeinen Belastungen und zur Geburt (z. B. Geburtsvorbereitungskurse, Entbindungsabteilungen), gegebenenfalls auch Informationen zu einer genetischen Beratung.
- Laboruntersuchungen: Urinuntersuchung zur Erfassung einer erhöhten Zuckerausscheidung im Urin (Hinweis auf Schwangerschaftsdiabetes) und eines Harnweginfekts; eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors sowie des Hämoglobinwerts zum Ausschluss einer Blutarmut; Antikörperbestimmung im Blut auf Syphilis, Röteln, Hepatitis B und gegebenenfalls auch HIV/AIDS (ein HIV-Test wird nur mit ausdrücklichem Einverständnis der Schwangeren durchgeführt) oder Toxoplasmose (bei begründetem Verdacht).
- Körperliche Untersuchung mit Feststellung des Körpergewichts, Blutdruckmessung (da ein erhöhter Blutdruck Mutter und Kind gefährden kann), vaginaler Untersuchung zur Beurteilung der Lage der Gebärmutter im Becken und zur Kontrolle des Muttermunds einschließlich eines Abstrichs zur Untersuchung auf Chlamydien, Tastuntersuchung der Brust, Untersuchung der Beine auf Wassereinlagerungen und Krampfadern.
Auch ein Ultraschall wird durchgeführt, meist über die Scheide (vaginal). Der Vaginalultraschall ist für die meisten Frauen zwar etwas unangenehmer als der Ultraschall durch die Bauchdecke, ergibt aber wesentlich bessere Bilder. Zudem muss beim Vaginalultraschall die Harnblase nicht gefüllt sein – im Gegensatz zum Ultraschall durch die Bauchdecke, bei dem rund eine Stunde vor der Untersuchung reichlich getrunken werden muss, ohne zur Toilette zu gehen.
Die Befunde der Schwangerschaftsvorsorge werden in den Mutterpass eingetragen. Bei einer Risikoschwangerschaft mit erhöhter Gefahr für Mutter oder Kind werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Die Schwangere sollte auch bei einer gesunden Schwangerschaft keinen Vorsorgetermin verschieben oder ausfallen lassen.
Sieht man vom Ultraschall ab, ist dieses Vorsorgeprogramm seit seiner Einführung durch die Krankenversicherungen in den 1960er Jahren in etwa gleich geblieben. Schwangere und ihre Ärzt*innen erhoffen sich durch all diese Untersuchungen einen Nutzen für Mutter und Kind. Tatsache ist aber auch, dass in Deutschland keine systematischen Untersuchungen zur Brauchbarkeit dieses Systems vorliegen. Daten einzelner Bundesländer zur Gesundheit von Neugeborenen zeigen, dass sich die Zahl der Kindstode während der Schwangerschaft in den letzten 20 Jahren trotz engmaschiger Betreuung nicht messbar verringert hat. Die Müttersterblichkeit halbierte sich zwar im 20. Jahrhundert alle zehn Jahre, doch ohne dass die Einführung der Vorsorgeuntersuchungen diesen Prozess erkennbar beschleunigt hätte. Vergleicht man das hiesige System allerdings mit Ländern, in denen Mütter keine regelmäßigen UNtersuchungen erfahren, zeigt sich sehr wohl ein UNterschied, was Komplikationen und Erkrankungen von Mutter und Kind betrifft.
Sondertext: Berechnung des voraussichtlichen Geburtstermins
Weiterlesen:
- Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft
- Beruf und gesetzliche Regelungen in der Schwangerschaft
- Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist es wichtig, gut darauf zu achten, welche Medikamente man einnimmt.
Kein Autismus durch Paracetamol
Einnahme bei Schwangeren sicher
Immer wieder wird behauptet, dass die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft das Autismusrisiko beim Kind erhöht. Doch das ist nicht der Fall, wie eine aktuelle Metaanalyse erneut unterstreicht.
Falschbehauptungen aus obersten Rängen
Eine von vielen gebetsmühlenartig wiederholten Fake-News ist die Entstehung von Autismus durch das Schmerzmittel Paracetamol. Selbst die US-Regierung war dieser Meinung und beauftragte die entsprechende Behörde, die Warnhinweise des Wirkstoffs zu ändern.
Die europäische Arzneimittelbehörde sieht das anders und hält an ihren Empfehlungen zu Paracetamol fest. Genauso ist es in Deutschland, hier wird der Wirkstoff weiterhin als Schmerz- und fiebersenkendes Mittel auch während der Schwangerschaft empfohlen.
Zwei Studien untermauern Sicherheit
Zu Recht, wie zwei große Studie untermauern. 2024 fand eine schwedische Arbeitsgruppe zwar ein leicht erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten.
Ein Zusammenhang wurde aber in der gleichen Studie ausgeschlossen, als man Geschwisterpaare verglich: Die Mütter hatten bei einem Kind Paracetamol eingenommen, bei dem anderen nicht. Das Risiko für ADHS oder Autismus unterschied sich nicht mehr. Das bedeutet, dass das vorher erhöhte Risiko nicht auf die Einnahme von Paracetamol, sondern auf andere Ursachen wie eine genetische Veranlagung oder familiäre Faktoren zurückzuführen war.
Eine neue große Metaanalyse untermauert diese Ergebnisse. Auch ihr zufolge erhöht die Einnahme von Paracetamol bei werdenden Müttern das Risiko für Autismus, ADHS oder eine geistige Behinderung nicht. Ältere, anderslautende Studienergebnisse führen Expert*innen auf methodische Fehler und Störfaktoren zurück.
NSAR und Opioide sind keine bessere Alternative
Frauenärzt*innen betonen, dass der gelegentliche Einsatz des Medikaments in der Schwangerschaft sicher ist. Keinesfalls sollten sich Schwangere irritieren lassen und Schmerzen und Fieber nicht behandeln. Denn das kann zu Komplikationen wie Fehlgeburten führen. Ebenfalls ungünstig ist, Paracetamol in Eigenregie mit NSAR oder Opioiden zu ersetzen. Denn diese Medikamente bergen je nach Schwangerschaftszeitpunkt größere Risiken und sind keinesfalls eine bessere Alternative. Im Einzelfall ist es sowieso ratsam, bei Schmerzen oder Fieber die behandelnde Ärzt*in zu konsultieren.
Quelle:Ärztezeitung

