Gesundheit heute
Übergewicht – ein Bilanzproblem
Wie viel Energie in Form von Fett abgelagert wird, ist eine Frage der Bilanz. Wir nehmen Energie in Form von Nahrung zu uns und geben sie durch Arbeit wieder aus. Als Arbeit zählt in diesem Fall jede Form der Bewegung ebenso wie der normale Haushalt des Körpers, z. B. Verdauung und Ruhestoffwechsel. Was unter dem Strich übrig bleibt, kommt aufs Konto – d. h. in die Fettzellen.
Die Balance zwischen Kalorienzufuhr und verbrauch ist sehr fein eingestellt: Um die 10 kg anzusammeln, die der durchschnittliche Erwachsene im mittleren Lebensalter zunimmt, reicht ein Energieüberschuss von 0,4 %!
Energieverbrauch (Energieumsatz). Jeder Mensch braucht Energie, damit sein Körper funktionieren, sich erhalten und bei Kindern wachsen kann. Diese – meist in Kilokalorien (kcal, Kalorien) oder in Kilojoule (kJ) angegebene – Energie stammt ausschließlich aus der aufgenommenen Nahrung.
Zwei Drittel bis drei Viertel des täglichen Energiebedarfs benötigt der Körper allein zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Lebensfunktionen, z. B. der Zellfunktionen oder der Durchblutung (Grundumsatz). Etwa 10 % der Energie werden direkt in Wärme umgewandelt (Thermogenese) – der größte Teil bei der Verdauung. Der Rest der aufgenommenen Energie wird benötigt, um die körperliche Aktivität abzudecken. Dieser Bewegungsumsatz ist der variabelste Posten in unserem Energiehaushalt. Bei den meisten Menschen macht die für Bewegung ausgegebene Energie nicht mehr als 25 % des Energieumsatzes aus; der Anteil kann aber – z. B. bei Leistungssportlern oder körperlich schwer arbeitenden Menschen – bis 50 % gehen. Bei den meisten Menschen spielen Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen und Hausarbeit für den Bewegungsumsatz eine weit größere Rolle als schweißtreibende Anstrengungen wie etwa Sport.
Wie hoch der Grundumsatz eines Menschen ist, hängt vor allem von seiner Muskelmasse ab. Denn Muskeln verbrauchen auch in Ruhe viel Energie und ihre Masse ist – im Gegensatz zu den anderen Organen – von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Frauen haben deshalb einen etwas geringeren Grundumsatz, und auch im Alter brauchen Menschen weniger Energie, da ihre Muskelmasse allmählich schwindet. Zudem wird der Grundumsatz auch von Stoffwechselfaktoren und möglicherweise von der Darmflora beeinflusst.
Der mittlere tägliche Energiebedarf eines etwa 35-jährigen, 70 kg wiegenden Mannes liegt mit 2 400 kcal auch deutlich höher als der einer gleichaltrigen Frau mit 2 000 kcal. Schwangere jedoch benötigen durchschnittlich 300 kcal und Stillende sogar ca. 650 kcal zusätzlich pro Tag. Nehmen wir mehr Energie auf, als wir verbrauchen, lagert der Körper die Energie in Fettzellen ein, in Form von Neutralfetten. Sie bestehen aus Fettsäuren und Glyzerin – die einzelnen Moleküle werden deshalb chemisch auch als Triglyzeride bezeichnet.
Die Fettzellen – sie liegen vor allem in der Unterhaut, aber auch im Bauchraum – füllen sich mit diesem Fett in Form feinster Tröpfchen auf. Der Speckgürtel wächst, die Fettzellen können dabei bis auf das 200-fache ihrer Größe anwachsen. Entgegen früherer Annahmen entstehen leider auch noch bei Erwachsenen neue Fettzellen. Die Fettmasse nimmt bei Erwachsenen in den Industrieländern zwischen 35 und 55 Jahren um durchschnittlich 10 kg zu
Das Fettgewebe als Organ. Die Fettzellen sind aber nicht nur Speicherbehälter – sie unterhalten vielmehr enge Kontakte mit den anderen Organen, vor allem dem Gehirn. Diese Fernwirkung beruht darauf, dass Fettzellen ständig chemische Botenstoffe (Zytokine oder Adipokine) und Hormone bilden. Das Fettgewebe wird deshalb heute von den Medizinern als das größte Hormonorgan des menschlichen Körpers angesehen. Über die abgebildeten Botenstoffe beeinflusst das Fettgewebe vor allem unseren Appetit und unser Essverhalten. Gut gefüllte Fettzellen bilden z. B. das Hormon Leptin, das im Gehirn den Appetit reduziert. Die bei Übergewichtigen gemessenen Leptinspiegel im Blut sind entsprechend hoch. Leider funktioniert die durch Leptin vermittelte Sättigungsbremse aber nur eine Weile. Sind die Leptinspiegel nämlich dauerhaft erhöht, reagiert das Gehirn schwächer – der Appetit bleibt also trotz gut gefüllter Fettspeicher und hoher Leptinspiegel gut. Deshalb blieben Versuche erfolglos, Übergewicht mit Leptin-Spritzen zu behandeln.
Neben Leptin sind viele andere Botenstoffe an der Appetitsteuerung beteiligt. So wird z. B. der Botenstoff Ghrelin immer dann von der Schleimhaut des Magens ausgeschüttet, wenn der Pegelstand in den Fettzellen sinkt. Im Gehirn stimuliert Ghrelin das Appetitzentrum: Wir bekommen Hunger und Appetit. Wie viel Ghrelin ausgeschüttet wird, hat leider nichts mit dem Füllstand der Fettzellen zu tun, entscheidend ist nur, dass der Pegel abfällt – egal von welchem Ausgangsstand!
Das Fettgewebe bildet aber auch noch andere Hormone. So wandelt es z. B. die in der Nebenniere ständig in kleinen Mengen (auch bei Frauen) gebildeten männlichen Geschlechtshormone (Androgene) teilweise zu Östrogen um. Da Östrogene bei Kindern wachstumsfördernd und bei Mädchen zudem pubertätsauslösend wirken, wachsen übergewichtige Kinder schneller und kommen früher in die Pubertät. Nach den Wechseljahren der Frau, in denen die Östrogenproduktion der Eierstöcke nachlässt, kann sich das im Fettgewebe gebildete Östrogen durchaus positiv auswirken; gewichtige Frauen haben dann weniger Beschwerden und insbesondere ein geringeres Osteoporoserisiko als schlanke.
Ziegenmilch-basierte Flaschennahrung könnte für Babys hinsichtlich einer Neurodermitis günstiger sein als Kuhmilch.
Ziegenmilch gegen Neurodermitis?
Babys vor atopischer Dermatitis schützen
Ziegenmilch statt Kuhmilch – könnte das Babys Haut vor Neurodermitis schützen? Eine Studie liefert Hinweise auf einen möglichen vorbeugenden Effekt. Für Kinder mit bereits bestehender Erkrankung gilt das allerdings nicht.
2100 Säuglinge getestet
Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter: Etwa jedes fünfte Kind ist betroffen. Die entzündliche Hauterkrankung entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung, einer gestörten Hautbarriere und verschiedener Umweltfaktoren. Auch die Art der Flaschennahrung könnte eine Rolle spielen.
Um dies zu klären, haben Forschende eine Studie gestartet. Mehr als 2100 gesunde, reif geborene Säuglinge aus Spanien und Polen erhielten entweder Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegen-Vollmilch oder eine kuhmilchbasierte Nahrung.
Bis zum Ende des ersten Lebensjahres untersuchte das Studienteam die Kinder bei drei festgelegten Terminen nach wissenschaftlichen Kriterien. Ob Ziegen- oder Kuhmilchnahrung: Rund 12 von 100 Kindern entwickelten eine Neurodermitis. Einen Unterschied zwischen den Gruppen gab es dabei nicht.
Bei ärztlicher Diagnose war ein Effekt nachweisbar
Das Ergebnis ist allerdings nicht ganz so eindeutig, wie es zunächst klingt. Unter bestimmten Umständen war die Rate bei den Ziegenmilch-Kindern doch niedriger - wenn erfasst wurde, ob im ersten Lebensjahr eine Ärzt*in eine Neurodermitis diagnostiziert hatte. Dann war dasRisiko für eine Neurodermitis um etwa ein Drittel geringer. Bei Babys mit einem Elternteil, der selbst Neurodermitis hatte, fiel der Unterschied noch deutlicher aus.
Milde Formen werden leicht übersehen
Doch warum unterscheiden sich die Ergebnisse? Ein Grund dafür könnte sein, dass die Diagnose bei Babys nicht immer einfach ist. Juckreiz, ein wichtiges Diagnosekriterium, lässt sich bei Säuglingen nur schwer beurteilen. Dadurch könnten mildere oder frühe Formen der Neurodermitis in der Studie teilweise übersehen worden sein. Zudem untersuchte das Studienteam die Kinder zu drei vorgegebenen Zeitpunkten. Eine ärztliche Diagnose konnte dagegen jederzeit im ersten Lebensjahr gestellt worden sein. Dadurch können unterschiedliche Fälle erfasst werden.
Kein Grund, bei Neurodermitis die Nahrung zu wechseln
Für Eltern ist vor allem eines wichtig: Die Studie liefert einen Hinweis auf einen möglichen vorbeugenden Effekt von Ziegenmilchnahrung – sie beweist ihn aber nicht eindeutig. Um dies zu untermauern, sind weitere Untersuchungen nötig. Besorgte Eltern können ihre Säuglinge aber durchaus mit Ziegen- statt kuhmilchbasierte Flaschennahrung füttern – insbesondere, wenn sie selbst mit Neurodermitis belastet sind.
Hat ein Baby jedoch bereits Neurodermitis, gibt die Studie keinen Anlass, deshalb von Kuhmilch- auf Ziegenmilchnahrung umzustellen, betonen die Forschenden.
Quellen: ptaheute, Clinical Nutrition

