Gesundheit heute

Scheidenmykose (Pilzinfektion der Scheide)

Scheidenmykose (Soorkolpitis, Vaginalcandidose, Candidiasis, Vulvovaginitis mycotica, Moniliasis): Infektion der Scheide mit dem Hefepilz Candida albicans. Diese Pilzinfektion ist die häufigste Infektion von Vagina und Vulva; fast jede Frau erkrankt im Lauf ihres Lebens mindestens einmal daran. Mit entsprechender Behandlung verschwinden die Beschwerden schnell und folgenlos; Rückfälle sind aber häufig.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Starker Juckreiz der Scheide und im äußeren Genitalbereich
  • Brennen der Scheide
  • Grauweißer, krümeliger Ausfluss aus der Scheide (wie Hüttenkäse)
  • Rötung und Reizung des äußeren Genitalbereichs
  • Unangenehmer Geruch im Intimbereich
  • Manchmal Bläschen oder Ausschlag
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Leichte Schwellung der Schamlippen
  • Hautrisse am Scheideneingang.

Wann zur Frauenärzt*in

In den nächsten Tagen, wenn

  • grauweißer, krümeliger Ausfluss und starker Juckreiz auftreten.
  • die Haut im Genitalbereich brennt und gerötet ist.
  • die Beschwerden nach mehrtägiger Behandlung nicht verschwinden.
  • die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr immer wieder auftreten.
  • zusätzlich Unterbauchschmerzen und Fieber bestehen.

Heute noch, wenn

  • Schmerzen beim Wasserlassen auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Hefepilze wie Candida albicans gehören zur normalen Flora der Scheide und sind nur krankmachend (pathogen), wenn sie ein Milieu vorfinden, in dem sie sich überproportional vermehren können.

Neben der Scheide sind in der Regel auch die Vulva und manchmal die Harnröhre betroffen. Dadurch kommt neben den charakteristischen Symptomen wie Juckreiz und veränderter Ausfluss oft auch ein vermehrter und schmerzhafter Harndrang hinzu.

Risikofaktoren

  • Döderlein-Bakterien (Laktobazillen, Normalflora), die im Alter weniger Milchsäure produzieren, sodass das Scheidenmilieu dadurch weniger sauer wird und schädliche Bakterien sich leichter vermehren
  • Zerstörung des natürlichen Säureschutzes der Scheidenschleimhaut durch übertriebene Hygienemaßnahmen wie zu häufiges Waschen, Scheidenspülungen oder hautreizende Substanzen in Seifen oder Intimsprays
  • Vermehrtes Pilzwachstum begünstigt durch Fettleibigkeit und Diabetes mellitus
  • Immunschwäche
  • Stress
  • Veränderter Hormonhaushalt beispielsweise in der Schwangerschaft
  • Strahlentherapie bei Krebserkrankungen
  • Langfristige Einnahme der „Pille“
  • Synthetische und eng anliegende Unterwäsche
  • Einnahme von Breitspektrum-Antibiotika (etwa bei innerer Erkrankung), die die natürliche Darm- und Scheidenflora schwächt oder temporär ganz abtötet. Folge ist ein aufgehobener Säureschutz der Scheidenschleimhaut, sodass sich schädliche Bakterien vermehren
  • Veränderte Hormonkonzentration am Ende der Schwangerschaft, die häufig zur Scheidenmykose führt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Diagnosesicherung

Die Diagnose Pilzinfektion vermag die Frauenärzt*in häufig schon aufgrund der Beschwerden und der entzündlich geröteten Scheidenwand zu stellen. Zur Sicherheit nimmt sie einen Abstrich und untersucht ihn unter dem Mikroskop. Bei nicht eindeutigem Ergebnis wird eine Kultur angelegt, d. h. das Sekret wird auf einen speziellen Nährboden ausgestrichen und nach 48 Stunden geprüft, ob Hefepilzkulturen gewachsen sind. Mit der Behandlung wird normalerweise aber sofort begonnen.

Behandlung

Antimykotische Cremes oder Vaginalzäpfchen (mit Clotrimazol, Miconazol oder Nystatin, z. B. Canesten®, Daktar®, Adiclair®) sind einfach anzuwenden und beseitigen den Juckreiz schnell. Wichtig ist, dass die Behandlung ausreichend lange (je nach Präparat 3–7 Tage) und konsequent durchgeführt wird, auch wenn keine Beschwerden mehr bestehen; andernfalls drohen Rückfälle. Reicht die Behandlung mit Creme oder Vaginalzäpfchen nicht aus, verschreibt die Ärzt*in Antimykotika in Tablettenform.

Bei einer häufiger auftretenden Pilzinfektion der Scheide (mehr als 4-mal im Jahr) muss die Ärzt*in andere Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus ausschließen, aber auch andere Faktoren, die die Entwicklung einer Pilzinfektion begünstigen, wie Hygiene, Ernährung, Medikamenteneinnahme.

In manchen Fällen wird die bakterielle Fehlbesiedlung auch von Sexualpartner*innen auf die Frau übertragen. Treten bei einem männlichen Partner Beschwerden wie bei einer Harnröhreninfektion oder Prostataentzündung auf, sollte er zur urologischen Praxis gehen – und kann im günstigen Fall das eigene Problem und das der Partnerin lösen.

Behandlung in der Schwangerschaft. Durch die veränderte Hormonkonzentration können bei werdenden Müttern am Ende der Schwangerschaft Hefepilze im Genitalbereich auftreten. Bei einer vaginalen Geburt werden diese Pilze in 80 % der Fälle auf die Haut des Neugeborenen übertragen, um dann über den Mund in den Körper des Kindes zu gelangen. Frühchen unter 1500 g können dadurch an einer Infektion durch Pilze (Candidasepsis) erkranken. Zwar ist eine Pilzprophylaxe in der Schwangerschaft bis jetzt noch nicht routinemäßig vorgesehen, sie wird jedoch empfohlen. Hierfür wird ab der 34. Schwangerschaftswoche eine Pilzkultur angelegt, unabhängig davon, ob Beschwerden auftreten oder nicht. Lassen sich Hefepilze nachweisen, eignen sich für eine lokale Therapie Imidazole wie Fenticonazol, Miconazol, Econazol und Clotrimazol am besten, da sie wirken und sowohl für die werdende Mutter als auch für den Embryo und den Fetus unschädlich sind.

Achtung. Während einer Schwangerschaft dürfen Sie keine oralen Antipilzmittel einnehmen! Droht eine Frühgeburt, müssen Pilzkultur und Behandlung entsprechend früher erfolgen.

Prognose

In den meisten Fällen ist die Pilzinfektion zwar langwierig, aber ungefährlich. Wird die Therapie zu früh beendet oder ist der Geschlechtspartner ebenfalls betroffen, kann die Behandlung erfolglos bleiben.

Bei immungeschwächten Frauen drohen eine Ausbreitung der Scheidenmykose auf den ganzen Körper und ein Befall der inneren Organe.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

  • Nehmen Sie die verschriebenen Mittel ausreichend lange und brechen Sie die Therapie nicht vorzeitig ab.
  • Verwenden Sie zur Intimpflege eine pH-neutrale Waschlotion, möglichst jedoch nur Wasser.
  • Tragen Sie kochfeste, luftdurchlässige Baumwollwäsche.
  • Verzichten Sie möglichst während der Zeit des Pilzbefalls auf Geschlechtsverkehr.
  • Kürzen Sie die Schamhaare etwas.
  • Verzichten Sie auf Oralverkehr während der Infektion.
  • Wechseln Sie nicht ungeschützt zwischen Anal- und Vaginalverkehr, da sich sonst Pilze oder andere Keime aus dem Darm oder Analbereich in der Scheide ansiedeln können.
  • Eine durch die Einnahme von Antibiotika geschädigte Darmflora können Sie z. B. durch probiotische Joghurts wieder aufbauen.

Geeignete Medikamente

Als Therapie empfiehlt sich, die Scheidenflora mit Milchsäurepräparaten (z. B. Eubiolac Verla® Vaginaltabletten) oder Döderlein-Bakterien (z. B. Vagiflor® Vaginalzäpfen) zu verbessern. Als Vaginaltherapeutika bezeichnet man Cremes, Salben, Tabletten und Zäpfchen, die direkt in die Scheide eingebracht werden. Vaginaltabletten und -zäpfchen lösen sich in der Scheide von selbst auf oder schmelzen bei Körpertemperatur. Daher ist es wichtig, sie vor dem Einführen nicht zu lange in der Hand zu halten.

Da Vaginaltherapeutika beim Gehen aus der Scheide herausfließen können, sollten sie am besten abends vor dem Schlafengehen im Liegen eingeführt werden. Die optimale Wirkung entfaltet sich, wenn das Medikament mit einem Applikator vorsichtig in das hintere Scheidengewölbe geschoben wird. Je nach Präparat kann es während der Anwendung zu gefärbtem Ausfluss aus der Scheide kommen. Slipeinlagen ohne Kunststoffbeschichtung schützen in dieser Zeit die Wäsche vor Verfärbungen.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Sind die äußeren Schamlippen stark gerötet, tragen Sie auf diese bei jedem Toilettengang sanft Johanniskrautöl auf. Warme Sitzbäder mit Kamille bringen in einigen Fällen Linderung gegen den Juckreiz und das Brennen.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie, die sich nach der körperlichen, seelischen und geistigen Verfassung der Patientin richtet, insbesondere wenn die Pilzinfektionen häufig auftreten.

Prävention

Zur Prävention gehört vor allem die richtige Hygiene:

  • Vermeiden Sie häufige Schaumbäder, die dem Scheidenmilieu schaden.
  • Reinigen Sie sich nach dem Stuhlgang von vorn nach hinten, sonst können Pilze oder andere Keime aus dem Darm oder Analbereich in die Scheide gelangen.
  • Vorbeugend sollten Sie die Handtücher häufiger wechseln und diese bei mindestens 60 Grad waschen.
  • Achten Sie auch darauf, dass jeder im Haushalt ein eigenes Handtuch benutzt.
  • Verzichten Sie auf kunststoffbeschichtete Slipeinlagen und Binden, die zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau führen, in dem sich die Pilze ansiedeln können.
  • Wechseln Sie verschwitzte Unterwäsche oder nasse Badesachen zügig.

Ansonsten gilt zur Vorbeugung:

  • Verwenden Sie Kondome während der Pilzinfektion.
  • Sexualpartner*innen sollten sich ebenfalls behandeln lassen.
  • Schonen Sie die Haut im Genitalbereich.
  • Meiden Sie Zucker, Süßigkeiten und süßes Obst, das entzieht den Hefepilzen die Nahrung.

Von: Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Symptome und Leitbeschwerden“, „Die Erkrankung“, „Behandlung“, „Prognose“ und „Ihre Apotheke empfiehlt“: Dagmar Fernholz
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Was hilft durch die Wechseljahre?

Gelassenheit und positive Einstellung helfen in allen Lebenslagen.

Was hilft durch die Wechseljahre?

Hormone, Soja, Sport oder Yoga

Die Wechseljahre verlaufen höchst unterschiedlich: Einige Frauen merken kaum etwas davon, andere leiden so stark unter Hitzewallungen und anderen Beschwerden, dass eine Behandlung erforderlich ist. Das Angebot dafür ist breit und reicht von Hormonen über Pflanzenmedizin bis hin zu Akupunktur und Psychotherapie. Lesen Sie hier, was im konkreten Fall hilft.

Prä, Post oder Peri?

Die Wechseljahre (oder auch das Klimakterium) bezeichnen den Übergang von der fruchtbaren in die unfruchtbare Phase im Leben einer Frau. Sie sind geprägt von hormonellen Umstellungen und werden in drei Abschnitte eingeteilt:

  • Irgendwann zwischen 40 und 45 beginnen die Eierstöcke, weniger Hormone zu produzieren. Zuerst sinkt das Gelbkörperhormon (Progesteron), etwas später das Östrogen. Die Regelblutungen werden meist unregelmäßig und die Fruchtbarkeit nimmt ab, die ersten Wechseljahrsbeschwerden treten auf. Diese Phase wird als Prämenopause bezeichnet.
  • Zwischen 49 und 55 Jahren hören die Regelblutungen dann ganz auf: Es kommt zur letzten eierstockgesteuerten Blutung, der sogenannten „Menopause“. Die Monate davor und die ersten 12 Monate nach dieser Blutung ist der Zeitraum der Perimenopause.
  • Danach tritt die Frau in die Postmenopause ein. In dieser Zeit sind die Wechseljahrsbeschwerden oft am stärksten, sie halten je nach Frau bis zu 7 Jahren an. Die Postmenopause dauert etwa 10 bis 15 Jahre, mit 65 Jahren schließt sich dann das Senium an.

Hinweis: Im Allgemeinen werden mit dem Begriff „Wechseljahre“ die Perimenopause und die ersten Jahre der Postmenopause bezeichnet.

Beschwerden weisen den Weg

Neben unregelmäßigen Blutungen sind vor allem vasomotorische Beschwerden typisch für die Wechseljahre. Darunter versteht man Hitzewallungen mit plötzlicher vermehrter Hautrötung, starkem Wärmegefühl und Schweißausbrüchen. Diese Beschwerden können sehr belastend sein: Manche Frauen fühlen sich durch die plötzlich auftretenden, von außen sichtbaren Hitzewellen vor allem im Berufsleben eingeschränkt. Andere leiden unter so starken nächtlichen Schweißausbrüchen, dass mehrmals nachts die Bettwäsche gewechselt werden muss.

Weitere typische Beschwerden sind:

  • vorübergehendes Herzklopfen, Beklemmungsgefühl
  • Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Reizbarkeit
  • Libidoverlust
  • urogenitale Probleme wie Scheidentrockenheit, Blasenschwäche oder vermehrte Harnwegsinfekte
  • vorübergehender vermehrter Haarausfall, vermehrter Haarwuchs im Gesicht (durch relativen Überschuss des männlichen Sexualhormons Testosteron)
  • langfristig Osteoporose, Rücken- und Gelenkschmerzen.

Bei Frauen über 45 wird die Menopause anhand der genannten Beschwerden diagnostiziert. Die Bestimmung der Hormonspiegel ist meist überflüssig und aufgrund der häufigen Schwankungen wenig aussagekräftig. Werden Hormone bestimmt, sind niedrige Spiegel von Östrogen und Progesteron, normale Testosteronspiegel und erhöhte FSH- oder LH-Werte typisch.

Bei jüngeren Frauen mit klimakterischen Beschwerden ist die Messung der Hormonspiegel erforderlich, um ein verfrühtes Erlöschen der Eierstockfunktion zu erkennen. Zu den sogenannten „vorzeitigen Wechseljahren“ kommt es zum Beispiel anlagebedingt, bei Autoimmunerkrankungen, durch Strahlen- oder Chemotherapie oder nach Entfernung der Eierstöcke (zum Beispiel wegen Eierstockkrebs oder Endometriose).

Hinweis: Auch starkes Rauchen führt dazu, dass die Wechseljahre früher beginnen. Ursache ist die allgemeine Gefäßschädigung, die auch zu einer schlechteren Durchblutung der Eierstöcke führt.

Was tun gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche?

Bei einem Drittel der Frauen sind die Beschwerden während der Wechseljahre so stark, dass eine Behandlung nötig ist. Dafür werden die verschiedensten Präparate und Verfahren empfohlen, deren therapeutischer Nutzen sich stark unterscheidet. Am effektivsten wirken Östrogene. Allein oder in Kombination mit Gestagenen reduzieren sie die Häufigkeit der Hitzewallungen um 75%.

Inzwischen weiß man jedoch, dass die früher so häufig und teils auch unkritisch eingesetzte Hormonersatztherapie (HRT) viele Gefahren hat. Je nachdem, welche Hormone und in welcher Art und Dauer sie verabreicht werden, erhöht sich bei Einnahme das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs, Brustkrebs, Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie Gallenblasenerkrankungen. Aus diesem Grund wird die HRT nur bei Frauen mit erheblichen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen (sowie bei jüngeren Frauen, deren Eierstockfunktion aus oben genannten Gründen frühzeitig erloschen ist), und nur wenn alle andere Therapieoptionen ausgeschöpft sind. Dabei ist immer kritisch zu hinterfragen, ob der damit einhergehende Nutzen die doch erheblichen Risiken aufwiegt.

Die HRT ist zudem eine höchst individuelle Angelegenheit: Hormonpräparat, Dosis, Dauer und Art der Verabreichung müssen für jede Patientin maßgeschneidert ausgewählt werden, oft sind in den ersten Monaten auch Anpassungen notwendig. Dabei ist die Hormontherapie keine Dauertherapie, sondern aufgrund der genannten Risiken so früh wie möglich wieder abzusetzen.

Hinweis: Die orale Hormongabe ist kontraindiziert bei hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Brustkrebs. Ferner wird sie nicht empfohlen bei starkem Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Rauchen, da diese Faktoren ebenfalls das Brustkrebsrisiko erhöhen.

Hormontherapie — das sollte man wissen

Monotherapie oder Kombinationstherapie? Östrogene regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an. Dadurch steigt das Risiko, einen Gebärmutterschleimhautkrebs zu entwickeln. Um dieses Risiko zu verringern, verordnet man Östrogene in Kombination mit Gestagen (Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie). Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, können auch ausschließlich Östrogene einnehmen (Östrogen-Monotherapie).

Tablette oder Scheidenzäpfchen? Das hängt davon ab, welche Beschwerden behandelt werden sollen. Um Hitzewallungen und Schweißausbrüche einzudämmen, ist die Verabreichung der Hormone „von innen“, also systemisch über den Blutweg, erforderlich. In das Blut gelangen die Wirkstoffe nach Einnahme von Tabletten oder durch Aufnahme über die Haut, zum Beispiel mit Hilfe eines transdermalen Pflasters oder eines Sprays. Genitale Beschwerden wie Scheidentrockenheit oder Juckreiz an der Vulva lassen sich dagegen besser lokal mit einer Creme, einer Salbe oder Scheidenzäpfchen lindern. Bei solch einer lokalen Therapie treten meist nur sehr geringe Mengen Östrogen ins Blut über.

Welches Östrogen? Als Östrogene werden meist Estradiol oder Estriol verordnet. Estradiol gibt es als Tabletten, Pflaster, Spray, Creme und Scheidenzäpfchen. Estriol ist schwächer wirksam und steht nur zur lokalen Therapie als Creme, Vaginaltabletten oder Scheidenzäpfchen zur Verfügung. Tibolon (zum Beispiel Liviella®) ist ein oral einzunehmendes synthetisches Steroidhormon, das östrogenähnlich wirkt. Es ist zwar etwas weniger effektiv gegen Hitzewallungen, soll aber auch weniger stark auf die Gebärmutterschleimhaut wirken. Dieser ursprüngliche Vorteil wird inzwischen angezweifelt. Dies und das erhöhte Risiko für Schlaganfälle und Brustkrebs hat dazu geführt, dass Tibolon nur noch in Ausnahmefällen verordnet wird.

Welches Gestagen? Die meisten Gestagene liegen in Tablettenform vor. Nur der Wirkstoff Norethisteronacetat ist als transdermales Pflaster erhältlich (zum Beispiel Estragest TTS®). Aktuell gehen die Expert*innen davon aus, dass der Gestagenanteil einer kombinierten Hormontherapie für die Erhöhung des Brustkrebsrisikos verantwortlich ist. Dabei scheint natürliches Progesteron weniger riskant zu sein als synthetisch hergestellte Gestagene.

Kontinuierlich oder zyklisch? Ob die Hormone dauerhaft oder in Zyklen eingenommen werden hängt von der Patientin ab. Folgende Einnahmeschemata sind möglich:

  • Zyklische Kombinationstherapie: Tag 0 bis 6 Östrogen, Tag 7 bis 20 Oströgen-Gestagen-Kombination, Tag 21 bis 28 Pause ohne Hormoneinnahme. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.
  • Zyklische Kombinationstherapie über 28 Tage: Tag 0 bis 14 Östrogen, Tag 15 bis 28 Östrogen-Gestagen-Kombination, keine Hormonpause. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.
  • Kontinuierliche Kombinationstherapie: dauerhafte Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombination ohne Hormonpause. Geeignet für Frauen in der Postmenopause, meist nach einer zyklischen Kombinationstherapie.
  • Östrogen-Monotherapie: Dauerhafte Einnahme von Östrogenen, nur geeignet für Frauen ohne Gebärmutter.

Tipp: Wenn eine Hormontherapie erforderlich ist, ziehen es die meisten Frauen vor, so schnell wie möglich keine Blutungen mehr zu haben. Das klappt am besten mit der kontinuierlichen Kombinationstherapie: Hier bildet sich die Gebärmutterschleimhaut nach etwa 6 Monaten so weit zurück, dass es nicht mehr zu Blutungen kommt.

Was können Pflanzen?

Viele Frauen möchten ihren Hitzewallungen lieber pflanzlich entgegentreten. Aus der Pflanzenwelt gilt vor allem die Traubensilberkerze (Cimicifuga, zum Beispiel in Klymadynon®Filmtabletten oder Femikliman® Filmtabletten) als Waffe gegen Hitzewallungen. Ihre Sicherheit und Wirkung ist in vielen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich, ebenso wie die daraus abgeleiteten Empfehlungen. Die Gesellschaft für Phytotherapie sieht den Nutzen der Traubensilberze als erwiesen an, andere Experten sehen einen „möglichen Nutzen“. Allgemein gilt die Auffassung, dass ein Versuch damit nicht schaden kann. Aus Sicherheitsgründen sollen jedoch immer registrierte Arzneimittel verwendet werden.

Isoflavone wie Genistein, Daidzein und Glycitein sind Pflanzeninhaltsstoffe, deren chemische Struktur denen des Östrogens ähnelt und die deshalb auch Phytoöstrogene genannt werden. Sie sollen von den Wechseljahrsbeschwerden am ehesten die Hitzewallungen günstig beeinflussen, wobei auch hier die Ergebnisse nicht konsistent sind. Dosiert wird bei Isoflavonen mit 30 bis 80 mg täglich, es gibt sie zum Beispiel als Soja-Extrakt oder Rotklee-Extrakt.

Auch Johanniskraut soll gegen Hitzewallungen wirken. Hier wird eine Dosierung von 300 mg am Tag empfohlen. Manchen Expert*innen sehen Johanniskraut als beste Möglichkeit zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen nach Brustkrebs, Alternative ist in dieser Situation auch Gabapentin.

Mit Psychopharmaka gegen die Hitze?

Es gibt verschiedene Psychopharmaka, die gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche helfen sollen. Bisherige Studienergebnisse sind allerdings widersprüchlich. Für Frauen, die weder Hormone noch Phytoöstrogene einnehmen dürfen, sind Präparate wie das Antiepileptikum Gabapentin, das blutdrucksenkende Clonidin oder bestimmte Antidepressiva (SSRI, NSRI) eine Behandlungsoption.

Beschwerden untenrum angehen

Neben den vasomotorischen Beschwerden belasten viele Frauen vor allem die Probleme im urogenitalen Bereich. Denn auch die die Schleimhäute von Harnwegen und Scheide besitzen Rezeptoren für Östrogene und Gestagene. Sinken die Hormonspiegel, degenerieren die Schleimhäute, sie werden dünner und trockener. Dadurch kommt es zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und/oder Wasserlassen, zu Juckreiz, vermehrten Infekten und Blasenschwäche. Die systemische Hormontherapie richtet hier meist wenig aus, besser wird vor Ort, also direkt an den Schleimhäuten angesetzt. Behandlungsoptionen sind:

  • Gleitgele oder Befeuchtungsgele. Sie erleichtern den Geschlechtsverkehr und helfen bei Juckreiz und Trockenheit.

  • Lokale Hormontherapie in niedriger bis ultraniedriger Dosierung. Dafür gibt es Cremes, Gele, Vaginaltabletten, Ovula, Pessare und Vaginalringe. Empfohlen werden dafür vor allem Estrio-haltige Präparate (zum Beispiel OeKolp® forte Vaginalzäpfchen, Estriol Wolff® Vaginalcreme oder Ovestin 1 mg Tabletten).
  • Laserbehandlung. Dabei wird die Scheide durch einen Vaginallaser von innen mit Laserimpulsen behandelt. Dies soll die Scheidenwände dicker und elastischer machen sowie die Feuchtigkeit verbessern. 3 Behandlungen werden empfohlen, aussagekräftige Vergleichsstudien und Langzeitergebnisse stehen noch aus.

Tipp: Zusätzlich hilfreich bei Blasenschwäche sind Beckenbodentraining sowie die Gewichtsreduktion bei Übergewicht.

Was kann man sonst noch tun?

Neben Hormonen und Pflanzentherapeutika werden viele weitere Maßnahmen oder Präparate gegen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen. Nur wenige sind aber wirklich hilfreich. Effektiv nach heutigem Wissenstand sind psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Therapieverfahren. Dabei lernen die Frauen, Faktoren zu vermeiden, die die Hitzewallungen begünstigen (wie z. B. Stress, ungünstige Schlafgewohnheiten oder übertriebene Sorgen). Auch Akupunktur soll nützlich sein, ihr Effekt ist allerdings geringer als der einer Hormontherapie.

Ob Maßnahmen wie Ausdauersport und Tiefenentspannung hilfreich gegen Hitzewallungen sind, ist nach aktueller Studienlage ungewiss. Keinen Effekt hat offenbar die Einnahme chinesischer Kräuter, Gleiches soll Studien zufolge auch auf Vitamin E, Dihydroepiandrosteron und Melatonin zutreffen.

Hinweis: Auch wenn Bewegung, Yoga und Entspannung die Hitzewallungen nicht direkt eindämmen, lohnt sich ihr Einsatz. Viele Frauen in den Wechseljahren berichten, dass es ihnen damit insgesamt besser geht.

Quellen: Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen; Sieglinde Plasonig, DAZ 2020, Nr. 34, Seite 40

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: ShotPrime Studio/Shutterstock.com