Gesundheit heute
Myome der Gebärmutter
Myom (Uterusmyom, Leiomyom): Gutartige Geschwulst der Gebärmuttermuskulatur. Je nach Sitz unterscheidet man Myome, die sich in Richtung Gebärmutterhöhle vorwölben (submuköse Myome), in der Gebärmutterwand gelegene Myome (intramurale Myome) und Myome, die in Richtung Bauchraum hervorstehen (subseröse Myome). Myome können sehr groß und in Extremfällen bis zu mehreren Kilogramm schwer werden. Mit den Wechseljahren verschwinden die Myome von selbst wieder.
Uterus myomatosus: Meist zahlreiche gutartige Muskelgeschwulste der Gebärmutter (Uterus) mit unterschiedlicher Ausprägung in Größe, Anzahl, Form und Lokalisation. Der Uterus myomatosus ist der häufigste gutartige Tumor bei Frauen: Vermutlich sind 30 % der Frauen über 30 Jahre betroffen, doch drei Viertel der Frauen merken davon nichts. Nur falls starke Beschwerden auftreten, erfordern sie hormonelle oder chirurgische Therapiemaßnahmen.
Symptome und Leitbeschwerden
Beschwerden während der Menstruation:
- Verlängerte und ungewohnt schmerzhafte Blutung (mehr als 5 Tage)
- Zwischenblutungen, insbesondere kurz vor den Wechseljahren
- Blutungen mit wehenartigen Schmerzen, da die Gebärmutter auf den Fremdkörper reagiert
- Abgang von Blutkoageln (Klumpen geronnenen Bluts)
- Verschlimmerung der Beschwerden von Monat zu Monat
- Ungewollter Schwangerschaftsabbruch (Abort)
- Sterilität, Infertilität.
Beschwerden aufgrund des Blutverlusts:
- Müdigkeit und Leistungsabfall
- Infektneigung, vor allem durch Pilze
- Blutarmut (Anämie), die einhergeht mit Müdigkeit und Blässe.
Beschwerden benachbarter Organe:
- Rückenschmerzen
- Druck- und Fremdkörpergefühl im Unterleib
- Verstopfung sowie Beschwerden beim Stuhlgang, hervorgerufen durch den Druck auf den Darm
- Beschwerden beim Geschlechtsverkehr
- Akutes Abdomen: Durch die Drehung eines (gestielten) Myoms um die eigene Achse werden dort verlaufende Blutgefäße abgeschnürt und die Blutzufuhr unterbrochen. Es entwickelt sich ein Symptomenkomplex, der sich durch starke Schmerzen im Bauchraum (Abdomen) und eine mögliche Lebensbedrohlichkeit auszeichnet
- Blasenbeschwerden mit vermehrtem Harndrang bis hin zu ungewolltem Urinverlust (Harninkontinenz).
Wann zum Frauenarzt
In den nächsten Wochen, wenn
- die genannten Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Ursachen und Risikofaktoren
Uterusmyome entstehen und wachsen unter dem Einfluss von Östrogen, Progesteron und anderen Hormonen wie Insulin. Aus diesem Grund gibt es Myome nur im gebärfähigen Alter. Nach den Wechseljahren (Klimakterium) tritt oft ein Wachstumsstillstand ein oder eine spontane Rückbildung, allerdings verschwinden Myome in den Wechseljahren nicht. Da sie jedoch nicht bluten, sind sie selten therapiebedürftig.
Risikofaktoren:
- Vererbung
- 9fach erhöhtes Risiko bei Frauen mit afrikanischer, afrokaribischer und afroamerikanische Abstammung.
Klinik
Die Beschwerden variieren je nach Größe, Lokalisation und Zahl der Myome. Die vielfältigen Beschwerden lassen sich vor allem „mechanisch“ durch die Vergrößerung und Raumforderung der monatlich wachsenden Gebärmutter infolge der Myome erklären.
Komplikationen
In seltenen Fällen entartet das Myom zu einem Uterussarkom oder Myosarkom, das zwar in der Gebärmutter lokalisiert, aber ansonsten nicht mit dem Gebärmutterkrebs verwandt ist. Wenn es nicht frühzeitig operativ entfernt wird, ist es fast immer tödlich.
Ein großes oder mehrere kleine Myome können verhindern, dass eine Schwangerschaft eintritt. Bei Frauen, die trotz Myom schwanger werden, besteht ein leicht erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt.
Diagnosesicherung
Die Diagnose sichern vor allem der Vaginal- und Bauchultraschall. Anschließend erfolgt die bimanuelle Tastuntersuchung, dabei führt die Frauenärzt*in zunächst die Finger in die Scheide ein und überprüft das Gewebe oder das Vorliegen von Verhärtungen. Die zweite Hand iiegt auf der Bauchdecke, sodass sie die Gebärmutter von außen vorsichtig abtasten kann.
Ein Bluttest klärt, ob eine Blutarmut (Anämie) und ein Eisenmangel vorliegen. Wenn notwendig, wird ergänzend eine Gebärmutterspiegelung, eine Bauchspiegelung oder ein Kernspin durchgeführt, um Myome räumlich exakt zu lokalisieren.
Behandlung
So vielschichtig wie die Beschwerden, so vielseitig sind auch die Therapiemöglichkeiten.
Abwartende Behandlung
Kleine Myome erfordern keine Behandlung, solange die Beschwerden gering sind. Die Myome sollten allerdings regelmäßig per Ultraschall kontrolliert werden, um ein überschießendes Größenwachstum und eine eventuelle Entartung frühzeitig zu erkennen.
Pharmakotherapie
Nicht steroidale Entzündungshemmer. Hierzu zählen entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Naproxen.
Pille. Myome lassen sich generell mit der „Pille“ hormonell „ruhigstellen“. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn sowieso eine Verhütung gewünscht ist und keine Ausschlusskriterien vorliegen. Wird die „Pille“ allerdings abgesetzt, verschlimmern sich die Beschwerden rasch wieder.
GnRH-Analoga. GnRH-Analoga (z. B. Enantone-Gyn®) wirken auf das Gehirn, das daraufhin kein GnRH mehr ausschüttet. Damit werden die Eierstöcke ruhiggestellt, es kommt sozusagen zu künstlichen Wechseljahren. GnRH-Analoga werden einmal im Monat in den Oberarm injiziert. Ihre Effektivität ist hoch: Sie stoppen nicht nur das Myomwachstum, sondern bringen die Myome sogar zum Schrumpfen. GnRH-Analoga führen jedoch zu den typischen Beschwerden der einsetzenden Wechseljahre wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen bis hin zu Depressionen. Eine längere Behandlung mit GnRH-Analoga wirkt sich ungünstig auf die Knochendichte aus, es besteht die Gefahr von Osteoporose. Deswegen ist diese Therapie nur eine Lösung im Falle von Beschwerden „in Sichtweite“ der Wechseljahre.
Etlichen Patientinnen bleibt letztlich die operative Entfernung der Myome nicht erspart. Um diese risikoarm durchführen zu können, kommen die GnRH-Analoga oft für die Monate vor der Operation zum Einsatz. Zum einen bilden sich damit die Myome zurück, zum anderen verliert die Patientin während der Menstruation weniger Blut.
Ulipristalacetat. Als Alternative zu den GnRH-Analoga gibt es seit 2012 den Wirkstoff Ulipristalacetat unter dem Namen ellaOne®. Er ist außer als „Pille danach“ auch zur präoperativen Behandlung von Gebärmutter-Myomen zugelassen, die für eine Operation vorgesehen sind. Darüber hinaus dient Ulipristalacetat der Intervall-Therapie mittlerer bis starker Symptome. Ob sich Myome nach der Behandlung mit Ulipristalacetat schonender entfernen lassen als ohne Behandlung, ist noch unklar. Ebenso fehlen Studiendaten über die Verträglichkeit von Ulipristalacetat bei Langzeitanwendung.
Operative Therapieverfahren
Myom-Operation. Der Umfang der Operation hängt entscheidend von Größe, Lokalisation und Zahl der Myome ab. Wenig belastend sind die minimal-invasiven Verfahren. Bevorzugt kommt die Ausschälung (Myomenukleation) zur Anwendung. Dabei versucht die Ärzt*in, die Myome mit GnRH-Analoga zu verkleinern, um sie anschließend mit einer Bauchspiegelung leichter aus der Gebärmutterwand herausschälen und die Gebärmutter dadurch erhalten zu können. Der Nachteil dieser Methode ist allerdings die Rückfallgefahr.
Gebärmutterentfernung. Bei sehr großen, ungünstig gelegenen oder besonders zahlreich vorhandenen Myomen empfiehlt die Ärzt*in – vor allem, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist – die Gebärmutterentfernung (Totaloperation, Hysterektomie). Sie erfolgt entweder vaginal (von der Scheide aus, wenig invasiv) oder abdominal (vom Bauch aus, größerer Eingriff, aber bessere Übersicht für die Operierenden). Die Gebärmutterentfernung ist dann gerechtfertigt, wenn die Gebärmutter insgesamt stark vergrößert ist oder andere krankhafte Veränderungen die Folge sind (z. B. Gebärmuttersenkung, Harn- oder Stuhlinkontinenz). Eine operative Therapie hat den Vorteil, dass die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone im Gegensatz zur Therapie mit GnRH-Analoga nicht beeinträchtigt wird.
Die Komplikationsrate bei der Gebärmutterentfernung ist erstaunlicherweise kleiner als bei der Ausschälung, die in der Regel große Wundflächen hinterlässt. Aus diesem Grund ziehen vor allem ältere Frauen manchmal die Gebärmutterentfernung vor.
Embolisation. Bei der Embolisation verödet (embolisiert) die Ärzt*in mit einem Katheter, den sie über die Leistenbeuge in ein Beckengefäß vorschiebt, ein zur Gebärmutter führendes Blutgefäß. Durch die gedrosselte Blutzufuhr kommt es in der Folgezeit zu einer Schrumpfung des Myoms und Abschwächung der Monatsblutung. Dieses Verfahren ist technisch aufwendig und mit einer erheblichen Strahlenbelastung wegen der notwendigen Durchleuchtungskontrollen verbunden. Deshalb wird die Embolisation derzeit nur von wenigen Kliniken angeboten. Zudem sind nicht alle Myome für eine Embolisation geeignet.
Ultraschalltherapie. Hierbei wird das Myom unter Magnetresonanztomografie-Aufnahmen (MRT) durch gebündelte Ultraschallwellen überhitzt oder zum Schrumpfen gebracht. Diese Behandlung eignet sich nur für kleine Myome mit einem Durchmesser unter 8 cm. Sie wird derzeit nur in wenigen Kliniken eingesetzt, da es noch zu wenig Erfahrungen damit gibt.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolluntersuchung zu Ihrer Frauenärzt*in. Es gibt leider keine Tees, Entspannungsverfahren, Gymnastiktechniken oder Ernährungsempfehlungen, die Myome zur Rückbildung bringen. Allenfalls kann die Wahrnehmung der Beschwerden positiv beeinflusst werden. Aufgrund des Voranschreitens der Beschwerden von Monat zu Monat ist dies aber meist keine Lösung. Trotzdem ist Schwarzsehen nicht angesagt: Heutzutage bedeutet die Therapie von Myomen – anders als noch vor 30 Jahren – keinesfalls immer die Gebärmutterentfernung, vor der viele Frauen Angst haben.
Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Eine Behandlungsalternative bei kleinen Myomen sind Präparate mit Heilpflanzen wie Mönchspfeffer (z. B. Agnolyt®, Femicur®), deren Wirkstoffe den Östrogenspiegel senken. Teezubereitungen aus Schafgarbe (Achillea millefolium) können Blutungsstärke und -dauer regulieren sowie krampfartige Schmerzen lindern. Sie sind z. B. eine gute Lösung, wenn eine Schwangerschaft besteht. Nicht hormonelle, „natürliche“ Medikamente oder Therapiemethoden werden von vielen Frauen anfangs gewünscht oder sogar verlangt. Die frauenärztliche Praxis zeigt aber, dass die Patientinnen allenfalls vorübergehend eine positive Wirkung berichten, wie z. B. eine Reduktion der Blutungsstärke oder -dauer. Fast alle Patientinnen wenden sich deshalb früher oder später mit den gleichen Menstruationsbeschwerden/-störungen erneut an die Frauenärzt*in.
In puncto Schwangerschaftsunterbrechung sollten alle Frauen selbst über ihren Körper entscheiden können.
Brustkrebs-Risiko wird nicht erhöht
Ob Fehlgeburt oder Abtreibung
Abtreibung führt zu Brustkrebs! Diese Parole wird seit Jahren immer wieder ins Feld geführt, um schwangere Frauen von einem Abbruch abzuhalten. Dass das nicht stimmt, wird durch eine finnische Studie erneut untermauert.
In politischen Kampagnen verbreitet
Abtreibungsgegner setzen Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft beenden möchten, mit vielen Behauptungen unter Druck. Eine davon ist die Hypothese, dass Schwangerschaftsabbrüche das Risiko für späteren Brustkrebs fördern. Vor allem in den USA wurde diese „abortion-breast cancer hypothesis“ (Abtreibung-Krebs-Hypothese) über Medien und politische Kampagnen verbreitet.
Daten von 31000 krebskranken Frauen analysiert
Schon früh sprachen sich führende Krebsforschende gegen diese Annahme aus. Zudem entkräfteten auch einige Studien die Hypothese. Allerdings waren diese Untersuchungen häufig klein oder beruhten auf Selbstauskünften, was die Ergebnisse angreifbar machte. Jetzt hat eine finnische Arbeitsgruppe eine methodisch bessere Studie zu diesem Thema auf die Beine gestellt. Analysiert wurden Registerdaten von gut 31000 Frauen, die nach 1955 in Finnland geboren und zwischen 1972 und 2022 an Brustkrebs erkrankt waren.
Weder Fehlgeburten noch Abtreibungen verantwortlich
Es stellte sich heraus, dass weder gewollte Schwangerschaftsabbrüche noch Fehlgeburten in Zusammenhang mit einer späteren Brustkrebserkrankung standen. Das Risiko war bei Frauen mit einem Abbruch nicht erhöht. Interessant war auch das Ergebnis in der Subgruppe der Frauen, die in der Menopause waren und einen Abbruch oder eine Fehlgeburt erlebt hatten. Bei diesen war das Krebsrisiko sogar etwas niedriger. Auch die Anzahl der Fehlgeburten oder Abbrüche sowie das Alter der Mütter änderten nichts an dem Ergebnis.
Ergebnisse nehmen die Angst
Diese Studie widerlegt die Abtreibungs-Krebs-Hypothese erneut, schreibt das finnische Team. Ein frühzeitiger Schwangerschaftsabbruch, egal ob gewollt oder ungewollt als Fehlgeburt, hat keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Das ist nicht nur wichtig für Schwangere, die sich für oder gegen ihr Kind entscheiden müssen. Es nimmt auch denjenigen Frauen die Angst vor Brustkrebs, die mehrere Fehlgeburten erlitten haben.
Quellen: ptaheute, Acta Obstetrica et Gynecologica Scandinavia

