Gesundheit heute

Rückenmarkverletzungen und Querschnittlähmung

Querschnittlähmung: Schädigung des Rückenmarks mit in der Regel lebenslangen Lähmungen, Empfindungs- und Blasen-Mastdarm-Störungen. Ursache ist meist eine Verletzung des Rückenmarks, seltener sind z. B. Bandscheibenvorfälle, Rückenmarkentzündungen oder -tumoren ursächlich. Männer sind häufiger als Frauen betroffen, da Sport- und Verkehrsunfälle Hauptursachen sind.

Die akute Therapie der Querschnittlähmung erfordert eine intensivmedizinische Behandlung mit Stabilisierung von Kreislauf und Atmung. Wenn nötig erfolgt eine Operation, z. B. um Wirbelkörper zu stabilisieren. Langfristig sind bei einer Querschnittlähmung intensive Rehabilitationsmaßnahmen unter Ausschöpfung aller Hilfen und Hilfsmittel erforderlich, um den Betroffenen in die Lage zu versetzen, ein möglichst selbstständiges Leben zu führen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Meist beidseitige Lähmungen und Gefühllosigkeit der Beine oder Arme und Beine (je nach Ort der Rückenmarkverletzung)
  • Verlust des Gefühls von Stuhl- und Harndrang.

Wann zum Arzt

Sofort den Arzt rufen, wenn

  • nach einer Verletzung Lähmungen oder Empfindungslosigkeit auftreten.

Hinweis: Besteht am Unfallort der Verdacht auf eine Rückenmarkverletzung, darf die Wirbelsäule am Unfallort und während des anschließenden Transports ins Krankenhaus nicht bewegt werden, damit keine zusätzlichen Schäden entstehen.

Die Erkrankung

Die Bezeichnung Querschnittlähmung ist zwar griffig, aber ungenau. Denn jede Querschnittlähmung ist anders, je nachdem, auf welcher Höhe des Rückenmarks die Verletzung liegt und ob das Rückenmark durch die Verletzung vollständig oder nur teilweise durchtrennt wurde. Zudem sind verschiedene Phasen einer Rückenmarkverletzung durch ein unterschiedliches Beschwerdebild gekennzeichnet.

Para- und Tetraplegie

Motorische Funktionen. Welche Folgen eine Rückenmarkverletzung hat, hängt davon ab, wo das Rückenmark geschädigt wurde: Je höher die Verletzung liegt, desto mehr Leitungsbahnen vom oder zum Gehirn sind betroffen und desto umfangreicher sind die Ausfälle. Bei 60 % der Querschnittgelähmten ist die Armbeweglichkeit erhalten (Paraplegie). Ungefähr 40 % der Querschnittgelähmten haben eine Tetraplegie, d. h. Arme und Beine sind gelähmt.

Neben Armen und Beinen sind auch andere Muskeln von einer Querschnittlähmung betroffen. So zum Beispiel die Muskulatur von Bauch und Rücken sowie die Atemhilfsmuskulatur (Hals-, Brust- und Bauchmuskeln) und die Atemmuskulatur (Zwerchfell). Liegt der Rückenmarkschaden z. B. oberhalb vom 4. Halswirbel, ist das Zwerchfell gelähmt, es droht eine lebensgefährliche Atemlähmung.

Vegetative und sensible Funktionen. Durch Schädigung der sensiblen Nerven empfindet der Betroffene keine Berührung mehr, außerdem werden auch Schmerzen oft nicht weitergeleitet. Dadurch besteht die Gefahr, dass lebensbedrohliche Erkrankungen wie z. B. eine Blinddarmentzündung nicht bemerkt werden. Besondere Bedeutung hat auch die Schädigung der vegetativen Nerven: Typische Folgen der Nervenschädigung sind Störungen der Blasenfunktion, die sich entweder in Urinverhalt (d. h. der Patient kann spontan kein Wasser lassen), in Inkontinenz (der Betroffene kann den Urin nicht halten) oder auch in einer Kombinationen aus beidem äußert. Außerdem verliert der Patient meist die Kontrolle über den Stuhlgang. Je nach Lage der Schädigung können weitere vegetative Funktionen betroffen sein, möglich sind Kreislaufstörungen, Hypotonie und Störungen bei der Temperaturregulation.

Komplette und inkomplette Querschnittlähmung

Bei einer kompletten Querschnittlähmung ist das Rückenmark auf einer Höhe komplett durchtrennt. Bei einer inkompletten Querschnittlähmung ist nur ein Teil des Rückenmarks durchtrennt, sodass noch Restfunktionen bestehen, die für die Rehabilitation genutzt werden können.

Spinaler Schock – akute Phase der chronischen Querschnittlähmung

Wird das Rückenmark durch eine Verletzung vollständig durchtrennt, können keine Befehle vom Gehirn über die verletzte Region hinweggeleitet werden. Folge ist ein spinaler Schock – unterhalb der verletzten Stelle "tut sich gar nichts mehr", die Muskeln sind gelähmt und völlig schlaff, die Reflexe vollkommen erloschen. Erst nach 4–6 Wochen entwickelt sich die chronische Querschnittlähmung: Die Grundspannung der Muskeln steigt stark an (Spastik), Reflexe sind jetzt wieder vorhanden und geringe Reize genügen, um überschießende unwillkürliche Bewegungen auszulösen.

Commotio spinalis

Beim Rückenmark kann es durch stumpfe Gewalt zu funktionellen Störungen kommen, ähnlich einer Gehirnerschütterung. Strukturelle Rückenmarkschäden sind nicht nachweisbar. Bei einer solchen Commotio spinalis bilden sich die anfänglichen Ausfälle nach Minuten bis Stunden, längstens aber nach drei Tagen vollständig zurück.

Diagnosesicherung und Behandlung

Bei Verdacht auf eine Rückenmarkverletzung laufen Diagnose und Behandlung fast gleichzeitig ab. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Rückenmarkverletzung, wird der Verletzte baldmöglichst in ein spezielles Querschnittzentrum verlegt, da die Versorgung personell wie apparativ sehr aufwendig ist.

Zuerst steht die Sicherung von Herz-Kreislauf- und Atemfunktion im Vordergrund, denn eine gute Sauerstoffversorgung ist auch bei Rückenmarkverletzungen für das Überleben von Nervenzellen wichtig. Gerade beim spinalen Schock ist der Herzschlag jedoch oft zu langsam und der Blutdruck zu niedrig, was kontrolliert behandelt werden muss. Röntgenaufnahmen, ein CT oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) dienen der Suche nach Wirbelsäulen- und Rückenmarkverletzungen und ermöglichen die Entscheidung, ob eine Operation, z. B. zur Stabilisierung eines Wirbelbruchs, sinnvoll ist.

In der Phase des spinalen Schocks muss der Verletzte oft auf einer Intensivstation betreut werden. Er ist extrem komplikationsgefährdet, da er nicht nur gelähmt ist, sondern auch viele vegetative Funktionen wie etwa die Gefäß- und Temperaturregulation ausfallen. Um einem Wundliegen vorzubeugen, wird der Patient regelmäßig umgelagert, was wegen der knöchernen Wirbelsäulenverletzungen oft nur mit Spezialbetten möglich ist. Die Atmung ist lähmungsbedingt oft beeinträchtigt (bis hin zur Beatmungsnotwendigkeit), es drohen Herzrhythmusstörungen. Durch die Schlaffheit der Muskeln ist die Thrombosegefahr hoch, zudem sind Blase und Darm gelähmt.

Parallel zur intensivmedizinischen Behandlung beginnen die Rehabilitationsbemühungen: Durch Physiotherapie wird Versteifungen und übermäßiger Spastik der Muskulatur vorgebeugt, baldmöglichst werden noch vorhandene Restfähigkeiten trainiert.

Mit zunehmender Stabilisierung seines Zustands lernt der Betroffene in spezialisierten Kliniken und unter Einsatz von Hilfsmitteln, seine Restfunktionen bestmöglich zu nutzen. Möglicherweise ist es sinnvoll, bewegungsfähige Muskeln operativ "umzusetzen", damit sie wichtige ausgefallene Funktionen übernehmen können. Manchmal kann die Hand-, Atem- oder Blasenfunktion durch elektrische Stimulationsgeräte unterstützt werden. Bislang gelingt es aber nicht, das Rückenmark, z. B. durch Wachstumsfaktoren oder Einpflanzen von Stammzellen, zu regenerieren.

Von großer Bedeutung ist die psychische Betreuung der Betroffenen, deren Leben sich schlagartig drastisch verändert hat. Das Personal in den Querschnittzentren kann dank seines medizinischen und technischen Know-hows zwar vieles anstoßen und bewirken. Eine unschätzbare Hilfe für den Betroffenen sind aber seine Angehörigen und Freunde, wenn sie zu ihm halten und ihn unterstützen, ohne ihn zu bevormunden.

Prognose

Eine zuverlässige Abschätzung der Dauerfolgen und Planung der weiteren Rehabilitationsmaßnahmen ist erst nach Abklingen des spinalen Schocks möglich. Generell gilt, dass die Aussichten umso besser sind, je mehr Funktionen nach drei Tagen wieder vorhanden sind.

Die Rehabilitation im Krankenhaus dauert je nach Verletzung etwa 6–10 Monate. War der Patient mit Paraplegie vor dem Unfall gesund und gut trainiert, so sind durch die heute verfügbaren Hilfsmittel seine Aussichten auf ein selbstständiges, wenn auch massiv verändertes Leben recht gut.

Bei einer Tetraplegie bleibt der Patient pflegebedürftig und ist möglicherweise auf künstliche Beatmung angewiesen. Durch die hohe Komplikationsgefahr ist die Lebenserwartung dieser Patienten nach wie vor vermindert.

Ihr Apotheker empfiehlt

Eine Querschnittlähmung ist für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen ein extremer Einschnitt in das normale Leben. Nach Beherrschung der akuten Situation bewirkt die Aussicht auf ein Leben mit einer Para- oder gar Tetraplegie meist Angst, Mutlosigkeit und Verzweiflung. Heute werden die Betroffenen schon in der Klinik und während der Rehabilitation massiv unterstützt, und es gibt eine Reihe von Anlaufstellen, die Hilfe und Informationen bieten. Suchen Sie als Betroffener und als Angehöriger aktiv Hilfe, Unterstützung und vor allem immer wieder das Gespräch. Entscheiden Sie sich für Neuorganisation statt Resignation.

Eine besonders informative Anlaufstelle ist die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V. (Link unten). Hier bekommt man Kontakt zu Betroffenen und sogenannten Stützpunkten und Hilfe, sich mit der neuen Lebenssituation auseinanderzusetzen. Diese reicht von Informationen zu Ansprüchen, baulichen Veränderungen und Hilfsmittelversorgung über alltägliche Tipps zum Lebensmanagement im Rollstuhl bis hin zu finanziellen Einzelhilfen bei nachgewiesener Bedürftigkeit.

Weiterführende Informationen

  • Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V.: www.fgq.de
  • Die deutschsprachige Gesellschaft für Paraplegie (DMGP) bietet auf ihrer Internetseite u. a. medizinische Leitlinien und hilfreiche Empfehlungen: www.dmgp.de
  • Kostenlose sozialrechtliche Beratung und viele Informationen bietet der Bundesverband Rehabilitation BDH: www.bdh-reha.de/de.
  • Interessante wissenschaftliche Informationen zur Querschnittslähmung, Termine und Berichte von interessanten Events findet man auf der Seite www.wingsforlife.com.

Von: Dr. med. Nicole Menche in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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K2 gegen Wadenkrämpfe

Frauen sind von nächtlichen Wadenkrämpfen häufiger betroffen als Männer.

K2 gegen Wadenkrämpfe

Anzahl und Intensität reduziert

Nächtliche Wadenkrämpfe sind schmerzhaft und können die Nachtruhe erheblich stören. Womöglich lassen sich die Beschwerden mit Vitamin K2 lindern.

Täglich 180 Mikrogramm Vitamin K2

Gegen nächtliche Wadenkrämpfe gibt es bisher noch keine Therapie, die sowohl effektiv als auch verträglich ist. So konnte für die gern empfohlenen Magnesiumpräparate in Studien noch keine Wirksamkeit belegt werden. Chinin dämmt Wadenkrämpfe zwar ein, kann dabei allerdings Nebenwirkungen wie Tinnitus, Schwindel oder sogar Blutbildveränderungen auslösen. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Betroffene: Einer chinesischen Studie zufolge soll Vitamin K2 nächtliche Wadenkrämpfe lindern.

Knapp 200 Menschen in einem Alter von über 65 Jahren hatten an der Untersuchung teilgenommen. Die Hälfte nahm gegen ihre nächtlichen Wadenkrämpfe über acht Wochen hinweg täglich eine Kapsel mit 180 Mikrogramm Vitamin K2. Die übrigen bekamen gleich aussehende Kapseln mit Placebo.

Deutlich seltener Krämpfe

Im Durchschnitt hatten die Teilnehmenden 2,6 (Vitamin-K-Gruppe) bzw. 2,7 nächtliche Wadenkrämpfe pro Woche. Unter der Einnahme von Vitamin K2 reduzierte sich die Anzahl der Krämpfe auf 0,96 pro Woche. In der Placebogruppe stieg die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Krampfanfälle sogar auf 3,6/Woche leicht an.

Doch nicht nur die Häufigkeit der Wadenkrämpfe wurde durch Vitamin K2 verringert. Auch ihre Intensität und ihre jeweilige Dauer gingen unter Vitamin K2 stärker zurück als unter Placebo. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen nicht aufgetreten.

Vor Einnahme Rücksprache halten

Vitamin K2 ist eine Form von Vitamin K und unterstützt den Knochenaufbau und die Blutgerinnung. Natürlich kommt es vor allem in tierischen Produkten wie Eiern und Fleisch vor. Es gibt Vitamin K2 aber auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tropfen, Tabletten oder Kapseln.

Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten jedoch vor der Einnahme mit ihrer Ärzt*in Rücksprache halten. Das gilt insbesondere für Patient*innen, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen – denn Vitamin K2 kann deren Wirkung hemmen.

Quelle: Ärzteblatt

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Zoonar GmbH / Alamy / Alamy Stock Photos