Gesundheit heute

Parkinson-Krankheit

Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung, Morbus Parkinson, Paralysis agitans, idiopathisches Parkinson-Syndrom, primäres Parkinson-Syndrom): Degenerative, fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, die mit typischen Folgen wie Zittern in Ruhe ("Schütteln"), Muskelsteife und Bewegungsverlangsamung bzw. -armut einhergeht. Ursache ist ein zentraler Dopaminmangel durch vorzeitigen Untergang von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn.

In Deutschland leben rund 250.000 Erkrankte, vornehmlich Ältere: 1–2 % der über 60-Jährigen und 3 % der über 80-Jährigen sind betroffen. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten in den Frühstadien schreitet die Erkrankung häufig bis zur Invalidität fort. Eine optimale Behandlung kann aber den Krankheitsverlauf und damit Folgeerscheinungen oft verzögern sowie – vor allem bei Krankheitsbeginn im Alter – dazu beitragen, dass die Lebenserwartung fast normal ist.

Symptome und Leitbeschwerden

Zu Beginn oft schwer einzuordnende und meist leichte Beschwerden:

  • Steifigkeitsgefühl der Muskeln
  • Geruchsstörungen (häufig bereits Jahre vor Ausprägung der anderen Beschwerden)
  • Handzittern, das bei gezielter Bewegung aufhört
  • Vornübergebeugte Haltung
  • Schlurfen, kleinschrittiger Gang
  • Veränderungen der Sprache, insbesondere eine leise oder monotone Sprache
  • Veränderungen der Handschrift, vor allem ein Kleinerwerden der Buchstaben bei längerem Schreiben
  • Depressive Verstimmung und Vitalitätsverlust, Schlafstörungen
  • Oft vermehrter Speichelfluss und tränende Augen
  • Möglicherweise Stürze ohne erkennbare Ursache.

Bei fortgeschrittener Erkrankung besteht eine typische Kombination aus:

  • Langsamem Ruhezittern (also ohne, dass eine Bewegung beabsichtigt ist), an den Händen besonders charakteristisch und als Pillendreher-Tremor bezeichnet
  • Erhöhung der Muskelgrundspannung ("steife" Muskeln)
  • Bewegungsarmut (z. B. kaum Mimik, wenig automatisches Mitbewegen der Arme beim Gehen).

Als Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit gelten: Akinese (Bewegungsarmut mit langsamen, schwerfälligen Bewegungen und wenig automatischen Mitbewegungen), Tremor (unbeeinflussbares Zittern, vor allem in Ruhe) und Rigor (Steifigkeit).

2919_GTV_Symptome_Morbus_Parkinson_Akinese_Tremor_Rigor.png|Die drei Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit: Akinese (Bewegungsarmut mit langsamen, schwerfälligen Bewegungen und wenig automatischen Mitbewegungen), Tremor (unbeeinflussbares Zittern, vor allem in Ruhe) und Rigor (Steifigkeit)|[ [GTV 2919]|Symbolische Darstellung der Parkinson-Hauptsymptome Bewegungsarmut, Zittern und Steifigkeit

Wann zum Arzt

In den nächsten 1–2 Wochen, wenn

  • oben genannte Beschwerden wie z. B. Handzittern in Ruhe oder Bewegungsstörungen auftreten.

Sofort den Arzt rufen, wenn

  • ein Parkinson-Kranker verwirrt wirkt, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen hat, die Muskeln so "steif" werden, dass sich der Kranke gar nicht mehr bewegen oder seine Tabletten nicht mehr schlucken kann.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Für das Zustandekommen flüssiger Bewegungen reicht es nicht aus, dass das Großhirn Befehle an die Muskeln sendet, sich zusammenzuziehen. An einem normalen Bewegungsmuster sind viele Strukturen im Gehirn beteiligt, unter anderem auch die mitten im Großhirn gelegenen Basalganglien. Diese Basalganglien wiederum sind von Zellen im Mittelhirn abhängig, die den Botenstoff Dopamin bilden. Da sie dunkel gefärbt sind, werden sie in ihrer Gesamtheit auch als schwarze Substanz (Substantia nigra) bezeichnet.

Bei der Parkinson-Krankheit gehen die Dopamin-bildenden Zellen in der Substantia nigra zugrunde, der Auslöser dafür ist bisher noch nicht bekannt. Der nachfolgende Dopaminmangel bringt das Botenstoffgleichgewicht durcheinander und stört die normale Funktion der Basalganglien, wodurch die typischen Symptome und Bewegungsstörungen des Morbus Parkinson entstehen.

Verlauf

Anfangs sind die Beschwerden uncharakteristisch und werden deshalb oft fehlgedeutet. So äußert sich die typische Muskelsteife, hier Rigor genannt, nicht selten zunächst in hartnäckigen "Muskelverspannungen", die als Bandscheibenbeschwerden interpretiert werden. Oder das oft zunächst leichte einseitige Zittern (Tremor) der Hände wird auf das "Alter an sich" oder vielleicht auf Nervosität zurückgeführt. Auch die allgemeine Bewegungsarmut (Akinese) beginnt schleichend als verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) und fällt daher lange nicht auf. Ein Mangel an Mimik und Gestik wird mitunter als Teilnahmslosigkeit und Schwinden der geistigen Kräfte interpretiert. Das ist jedoch falsch, denn die geistigen Fähigkeiten der Kranken sind in diesem Stadium meist voll erhalten. Recht häufig sind allerdings Depressionen (die dann diagnostisch weiter in die Irre führen).

Bei stärkerer Ausprägung entwickelt sich die charakteristische Körperhaltung beim Gehen mit kleinschrittigem, vornüber geneigtem Gangbild. Hinzu kommen Start- und Stoppschwierigkeiten von zielgerichteten Bewegungen und eine erhöhte Sturzgefahr. Die bei der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit häufigen vegetativen Beschwerden in Form von vermehrtem Schwitzen, Blutdruckabfall im Stehen, Verstopfung durch verlangsamte Darmtätigkeit sowie Blasenfunktionsstörungen gehen vermutlich darauf zurück, dass mit der Zeit andere Nervenzellen (wenn auch in geringerem Maß) absterben.

Mit zunehmendem Alter und Krankheitsdauer kommt es bei der Parkinson-Krankheit bei einem Teil der Erkrankten zu einer Demenz.

Verschiedene Formen, verschiedene Krankheitsursachen

Auf welche Ursache der Untergang der Dopamin-bildenden Zellen bei der Parkinson-Krankheit zurückgeht, ist nicht geklärt (deshalb auch primäres oder idiopathisches Parkinson-Syndrom). Vermutlich besteht eine erbliche Veranlagung, möglicherweise spielen Umweltgifte eine Rolle.

Abzugrenzen davon ist das (symptomatische) Parkinson-Syndrom (sekundäre Parkinson-Syndrom) mit gleichen Beschwerden, jedoch feststellbaren Ursachen. Es wird ausgelöst durch

  • Medikamente mit sogenannten "antidopaminergen" Medikamentennebenwirkungen. Ein solches medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom entsteht vor allem bei der Therapie mit
    • Neuroleptika
    • Metoclopramid, einem Wirkstoff, der häufig gegen Erbrechen eingenommen wird (z. B. Paspertin®)
    • Lithium zur Behandlung manischer Episoden bei der bipolaren Depression
    • Valproat zur Behandlung einer Epilepsie
    • Flunarizin zur Vorbeugung von Migräneattacken.
  • Durchblutungsstörungen, Gehirnentzündungen (z. B. durch HIV) und Verletzungen im Bereich des Gehirns
  • Vergiftungen, z. B. mit Kohlenmonoxid oder Manganstaub (z. B. bei langjährigen Tätigkeiten im Erzbergbau oder als Elektroschweißer)
  • Angeborene Stoffwechselerkrankungen wie z. B. die Störung des Kupferstoffwechsels (Morbus Wilson).

Notfall: akinetische Krise

Kann sich der Kranke plötzlich nicht mehr bewegen, nicht sprechen und nicht schlucken, liegt eine akinetische Krise vor, die umgehend intensivmedizinisch behandelt werden muss, häufig müssen die Ärzte sogar intubieren, um die Beatmung sicherzustellen. Gegen die Bewegungsstörungen bekommt der Patient Amantadin, Apomorphin und L-Dopa (mehr zu diesen Medikamenten siehe unten). Auslöser sind meist andere Erkrankungen, z. B. eine fieberhafte Infektion oder eine Unterbrechung der Medikamenteneinnahme.

Diagnosesicherung

Die Parkinson-Krankheit ist vor allem eine klinische Diagnose. Zunächst lässt sich der Arzt genau berichten, welche Beschwerden der Patient hat und wie lange diese schon dauern. Er forscht nach vorangegangenen Erkrankungen wie Gehirnentzündungen oder Schlaganfall und überprüft die Medikamente, die der Patient einnimmt.

In der ausführlichen neurologischen Untersuchung prüft der Arzt die drei Hauptkriterien (Akinese, Tremor, Rigor) mithilfe verschiedener Tests. Auch das Gangbild und die Körperhaltung werden genauestens beurteilt. In manchen Fällen kommt der sogenannte Sniffin-Test zum Einsatz: Dabei soll der Patient den Geruch standardisierter Riechstäbchen erkennen (z. B. Kaffee, Ananas oder Zimt). Geruchsstörungen sind häufig schon sehr früh im Krankheitsverlauf vorhanden und können mit anderen Beschwerden auf ein Parkinson-Syndrom hinweisen.

Zum Ausschluss möglicher Differenzialdiagnosen (z. B. eines Normaldruckhydrozephalus veranlasst der Arzt eine CT oder einen Kernspin des Gehirns. Der (indirekte) Nachweis eines Dopaminmangels im Gehirn ist mithilfe der PET oder SPECT möglich; diese sehr aufwendigen und teuren Untersuchungen werden jedoch nur in unklaren Fällen durchgeführt.

Bestätigt wird die Diagnose durch den Beginn einer L-Dopa-Therapie. Bessert sich daraufhin die Symptomatik im Verlauf, ist dies ein zusätzlicher Hinweis auf die Parkinson-Krankheit.

Differenzialdiagnosen. Bei Parkinson-typischen Beschwerden müssen zunächst alle möglichen sekundären Parkinson-Syndrome erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Andere Erkrankungen, mit denen eine Parkinson-Krankheit verwechselt werden kann, sind Depression, der essenzielle Tremor und der Normaldruckhydrozephalus.

Behandlung

Da die idiopathische Parkinson-Krankheit mit Abstand am häufigsten ist, beziehen wir uns im Folgenden auf diese. Die Therapie des symptomatischen Parkinson-Syndroms hängt vom jeweiligen Auslöser ab, sie beinhaltet beispielsweise das Ersetzen von Medikamenten, die ein Parkinson-Syndrom auslösen können, mit "ungefährlichen" Wirkstoffen.

Pharmakotherapie

Wichtigster Bestandteil der Behandlung sind Medikamente zum Ausgleich des Dopaminmangels, die lebenslang eingenommen werden müssen. Es gibt zahlreiche Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die der Arzt zur Wirkungsverstärkung häufig miteinander kombiniert:

  • L-Dopa (Levodopa) ist die Vorstufe von Dopamin und soll das fehlende Dopamin im Gehirn ersetzen. Es lindert die Beschwerden am besten und ist das Medikament der ersten Wahl bei Patienten über 70 Jahren. Bei Jüngeren wird es möglichst vermieden, da es nach 5–10 Jahren häufig an Wirkung verliert und möglicherweise selbst zu Bewegungsstörungen führt. L-Dopa muss entweder ½–1 Stunde vor oder 1 ½ Stunden nach den Mahlzeiten eingenommen werden, da Eiweiß in der Nahrung seine Aufnahme ins Blut verhindert.
  • Dopaminagonisten unterscheiden sich zwar chemisch vom Dopamin, greifen aber an den gleichen "Andockstationen" im Gehirn an und wirken somit ähnlich. Sie werden in "ergoline" (z. B. Bromocriptin, Cabergolin und Lisurid) und "nicht-ergoline" Dopaminagonisten. (z. B. Ropirinol oder Pramipexol) unterteilt. Da zusätzliche Bewegungsstörungen nach mehrjähriger Behandlung bei ihnen seltener beobachtet wurden als bei L-Dopa und sie möglicherweise den Nervenzelluntergang günstig beeinflussen, sind sie bei Patienten unter 70 Jahren Mittel der Wahl. Leider kommt es unter Einnahme von Dopaminagonisten bei einigen Patienten zu Impulskontrollstörungen. Diese äußern sich durch Ess-Attacken, Zwangshandlungen, gesteigerte Libido oder riskantes Verhalten bis hin zur Spiel- oder Kaufsucht. Daneben führen ergoline Dopaminagonisten häufig zu einer Verdickung der Herzklappen, weshalb nicht-ergolinen der Vorzug gegeben werden soll.
  • COMT-Hemmer werden immer mit Levodopa und DOPA-Decarboxylase-Hemmern kombiniert. Sie sollen die Wirksamkeit von Levodopa verbessern, indem sie gemeinsam mit einem DOPA-Decarboxylase-Hemmer den Abbau von Levodopa reduzieren und so dessen Blutkonzentration erhöhen. Die Zusatzbehandlung mit COMT-Hemmern kommt für Patienten infrage, bei denen die Erkrankung weit fortgeschritten ist und die trotz Behandlung mit Levodopa und DOPA-Decarboxylase-Hemmern immer wiederkehrende Bewegungsstörungen haben. Der 2016 zugelassene COMT-Hemmer Opicapon ist im Gegensatz zu früheren Vertretern seiner Klasse nicht lebertoxisch und muss aufgrund seiner langen Wirkungsdauer nur einmal täglich verabreicht werden.
  • MAO-B-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin steigern ebenfalls die Dopaminverfügbarkeit im Gehirn, indem sie das Dopamin abbauende Enzym MAO-B hemmen. Ob sie darüber hinaus den Zelluntergang verlangsamen können, ist unklar. Sie wirken eher schwach und reichen daher als einziges Medikament nur bei leichtem Beschwerdebild, bei schwereren Formen kombiniert man sie mit L-Dopa. Typische Nebenwirkungen sind ein niedriger Blutdruck, insbesondere beim Aufstehen aus dem Sitzen, Schwindel oder Schlafstörungen.
  • NMDA-Antagonisten wie Amantadin und Budipin sollen das gestörte Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Botenstoffen im Gehirn verbessern. Auch sie werden vor allem im späteren Krankheitsverlauf in der Kombinationsbehandlung eingesetzt und wirken besonders gegen die typischen ungewollten Überbewegungen des Parkinson-Patienten. Wegen der Gefahr von Schlafstörungen ist es ratsam, Amantadin nach etwa 16 Uhr nicht mehr einzunehmen.
  • Anticholinergika sollen ebenfalls das gestörte Botenstoffgleichgewicht wiederherstellen. Sie verbessern die Bewegungsarmut aber nur wenig. Deshalb und aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils (z. B. Blasenstörungen, Gedächtnisstörungen und Mundtrockenheit) gelten sie als Mittel zweiter Wahl und werden bei alten Patienten nicht empfohlen.

Die Behandlung beginnt, sobald sich der Betroffene in seinen Aktivitäten eingeschränkt fühlt. Für einige Medikamente wird zwar diskutiert, ob sie den Nervenzelluntergang verzögern können und somit eine frühere Einnahme sinnvoll wäre, dies wird jedoch wegen der fehlenden Belege und der Nebenwirkungen der Medikamente derzeit nicht empfohlen. Die Medikamente dürfen nie abrupt abgesetzt werden, da dann eine rapide Verschlechterung der Beweglichkeit droht. Besonders häufige Nebenwirkungen sind Halluzinationen und andere psychotische Symptome. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unerlässlich.

Nicht selten kommt es nach Jahren zum Wirkungsverlust der Medikamente. Die Beweglichkeit wird kurz vor der nächsten Einnahme schlechter (End-of-Dose-Phänomen), wechselt stark innerhalb von Sekunden bis Minuten, als ob ein Schalter umgelegt würde (On-off-Phänomen), oder es kommt während der Spitzenkonzentration im Blut zu unkontrollierten "Überbewegungen". Häufig kann eine Medikamentenumstellung helfen, z. B. eine langsamer wirkende Retardtablette oder das Hinzufügen eines anderen Medikaments.

Tiefe Hirnstimulation und Stammzellen

Erzielen Medikamente keinen ausreichenden Erfolg oder können sie wegen zu starker Nebenwirkungen nicht "ausgereizt" werden, kommt für einen Teil der Patienten ein Hirnschrittmacher (genauer gesagt eine tiefe Hirnstimulation) in Betracht. Dabei werden dünne Elektroden in die gestörten Stellen im Gehirn eingepflanzt und mit einem Impulsgeber am Brustkorb verbunden (ähnlich wie beim Herzschrittmacher). Dieser sendet, von außen programmiert, elektrische Reize an die beeinträchtigten Zellen. Die Entscheidung, ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, und die Behandlung selbst sind nur an spezialisierten Zentren möglich.

Stammzellentherapie. Alle Versuche, die untergegangenen Zellen im Gehirn zu ersetzen, sind bislang gescheitert. Hinzu kommen ethische Probleme, denn solche Zellen können bisher nicht im Labor gezüchtet werden, sondern stammen von Embryonen. Inzwischen laufen Versuche, die Parkinsonkrankheit durch das Einpflanzen von Stammzellen aus dem Blut oder der Haut erwachsener Individuen aufzuhalten, was im Tierversuch schon funktioniert hat.

Physiotherapie und Ergotherapie

2920_ASM_Hilfsmittel_Parkinson.png|Zur Physio- oder Ergotherapie gehört auch das Üben mit Hilfsmitteln. Die richtige Wahl erfordert Erfahrung, denn nicht jedes Hilfsmittel ist für jeden Patienten geeignet. |[ASM 2920]|Verschiedene Hilfsmittel für Parkinson-Erkrankte

Unverzichtbarer Teil der Behandlung ist die Physiotherapie. Studien weisen darauf hin, dass ein früher Beginn der Physiotherapie die Dosierung der benötigten Medikamente reduziert. Darüber hinaus fördern sie die Beweglichkeit, beugen vor allem im fortgeschrittenen Stadium Folgeerkrankungen (z. B. Gelenkversteifungen) vor und tragen wesentlich dazu bei, die Selbstständigkeit des Betroffenen möglichst lange zu erhalten. Die Übungen müssen täglich durchgeführt werden, der Physiotherapeut stellt ein auf die Probleme und Fähigkeiten des Betroffenen abgestimmtes Heimübungsprogramm zusammen. Außerdem vermittelt der Physiotherapeut "Tricks" zur Überwindung spezieller Bewegungsprobleme. Beispielsweise kann der Betroffene mithilfe externer Stimuli und Zeitgeber lernen, plötzliche Bewegungsblockaden (Freezing) zu überwinden.

Bei der Bewältigung konkreter Alltagsprobleme hilft die Ergotherapie. Bei (deutlichen) Veränderungen der Sprache kann der Logopäde (Sprachtherapeut) helfen. Massagen sind bei schmerzhaften Muskelverspannungen angebracht. Auch ein regelmäßiges Ausdauertraining, z. B. durch Schwimmen, Wandern und/oder auf dem Ergometer, ist sinnvoll.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Nach der Diagnose "Parkinson-Krankheit" ist ein hohes Maß an Eigeninitiative, Mitarbeit und Verantwortungsbewusstsein seitens des Patienten notwendig, um das Voranschreiten der Krankheit möglichst lange hinauszuzögern. Eine Schlüsselrolle kommt der Regelmäßigkeit zu – dies gilt für die Einnahme der Medikamente wie für die täglichen Bewegungsübungen, die wesentlich für den Erhalt der Beweglichkeit sind. Welche für Sie besonders wichtig sind und wie Sie sie am besten durchführen, sagt Ihnen Ihr Physiotherapeut. Nur Übungen, bei denen neurophysiologisch richtig trainiert wird, haben den gewünschten Effekt.

  • Achten Sie verstärkt auf die scheinbar unbedeutenden, alltäglichen Bewegungsabläufe. Vielleicht gelingt es Ihnen, durch bewusstes Steuern bestimmte Bewegungen zu verbessern, z. B. indem Sie versuchen, beim Gehen aktiv die Arme mitzubewegen, möglichst große Schritte zu machen oder schlurfende Schritte zu vermeiden.
  • Auch Sprechprobleme können durch Training positiv beeinflusst werden. Spezielle Übungen lernen Sie bei einem Sprachtherapeuten.
  • Durch tägliche Schreibübungen verhindern Sie, dass Ihre Schrift immer kleiner wird.
  • Mithilfe von Atemübungen lernen Sie, tiefer ein- und auszuatmen.
  • Scheuen Sie sich nicht, auf technische Hilfsmittel zurückzugreifen. Eine Gehhilfe aus dem Sanitätshaus bietet Ihnen im Zweifelsfall Sicherheit und Komfort. Ein Walkman oder ein Metronom kann Sie darin unterstützen, im Takt zu laufen und somit Bewegungsblockaden vorzubeugen.
  • Wenn Ihnen ein Stimmungstief oder Stimmungsschwankungen zu schaffen machen, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Eine Depression kann gut mit Medikamenten behandelt werden, vielleicht entschließen Sie sich auch zu einer Psychotherapie.
  • Und auch dies gehört zum "Selbstmanagement": Gönnen Sie sich regelmäßig kleine Freuden und pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte. Und vor allem: Wenn Sie Unterstützung brauchen, zögern Sie nicht, darum zu bitten und sie anzunehmen.

Hilfe durch Angehörige

Beim Selbstmanagement unterstützen. Am besten unterstützen Sie den Kranken, indem Sie sich zum Partner seines Selbstmanagements machen. Führen Sie mit ihm seine täglichen Bewegungs-, Sprech-, Schreib- und Gehübungen durch, setzen Sie sich dafür ein, dass die angemessenen Hilfsmittel erworben werden und ermutigen Sie ihn, seinen gewohnten Tätigkeiten nachzugehen.

Den Kranken mit einbeziehen. Auch bei der gemeinsamen Bewältigung des Alltags gilt: Nehmen Sie dem Betroffenen nur so viel ab wie unbedingt nötig. Übertragen Sie ihm Aufgaben und fragen Sie ihn nach seiner Meinung, wenn es um kleinere und größere Entscheidungen geht. Teilen Sie mit ihm Ihre Sorgen und Nöte. Auch wenn der Kranke vielleicht nicht mehr in der Lage ist, durch Mimik oder Gestik seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, so wird er Ihnen dennoch folgen und gute Ratschläge geben können.

Essen erleichtern. Spezielle Essbestecke erleichtern die Nahrungsaufnahme. Leidet der Betroffene an Schluckstörungen mit häufigem Verschlucken, kann breiige Kost ausprobiert werden.

Bewegungen führen. Versuchen Sie Bewegungsabläufe, zu denen der Patient momentan nicht in der Lage ist, selbst zu führen. Auf diese Weise bleibt er aktiv beteiligt und die eigenständige Bewegung kann sich wieder anbahnen. Dabei gilt es allerdings, sich in Geduld zu üben. Akzeptieren Sie, dass der Kranke nun ein anderes Tempo hat und setzen Sie ihn nicht unter Zeitdruck.

Wesensveränderungen beobachten. Eventuell auftretende Halluzinationen und Wahnvorstellungen sind Nebenwirkungen der Medikamente. Teilen Sie jedoch unbedingt dem behandelnden Arzt mit, wenn Sie solche Erscheinungen beobachten. Ein Frühzeichen für Halluzinationen können sehr lebhafte Träume sein. Nur in Spätstadien entwickeln einige Parkinson-Kranke die Symptome einer ›A: 13k01|Demenz

Komplementärmedizin

Alexander-Technik. Die ›A:33h46|Alexander-Technik hilft, Störungen im Bewegungsablauf von Parkinson-Patienten zu reduzieren. Der Betroffene lernt, Haltungsschwächen bis hin zu minimalen Verspannungen besser wahrzunehmen und bestimmte Bewegungen durch eine bewusste Korrektur zu verbessern. Hierfür sollten die Übungseinheiten regelmäßig durchgeführt werden. Gelernt wird die Alexander-Technik meist in Einzelstunden bei einem qualifizierten Trainer und kann dann ohne Anleitung zu Hause durchgeführt werden.

Ayurvedische Medizin. Die ›A:33h17|Ayurvedische Medizin stützt sich auf positive Erfahrungsberichte bei der Behandlung mit ayurvedischen Pflanzenmitteln, die entsprechend der ayurvedischen Lehre individuell ausgewählt werden. Da hoch konzentrierte Pflanzenextrakte ebenso wie synthetisch hergestellte Arzneimittel Nebenwirkungen haben können, sollten Nutzen und Risiko vor der Anwendung sorgfältig abgewogen werden.

Homöopathie. Die Homöopathie bietet z. B. Aranea diadema und Conium in niedrigen Potenzen (D4 bis D12) bei Zittern und Muskelzuckungen an, für spastische Muskelkontraktionen steht Kresol D6 oder D12 zur Verfügung, für eine starre Gliederhaltung, erhöhten Speichelfluss und ein maskenartiges Gesicht kommt Manganum D4 oder D6 infrage. Der Erfolg ist individuell zu beurteilen, die Wirksamkeit wurde bisher nicht nachgewiesen.

Weiterführende Informationen

  • www.parkinson-vereinigung.de – Deutsche Parkinson-Vereinigung e. V. Bundesverband, Neuss: Internetseite der größten deutschen Parkinson-Fachgesellschaft, sehr informativ.
  • www.kompetenznetz-parkinson.de – Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betriebene Internetseite: Mit ausführlichen und gut erklärten Informationen zu Symptomen und Diagnostik der Parkinson-Syndrome.
  • M. J. Fox: Comeback. Lübbe, 2004. Der amerikanische Schauspieler Michael J. Fox berichtet über sein Leben vor und nach der Diagnose Parkinson.

Von: Dr. med. Nicole Menche in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Gut leben mit Vorhofflimmern

Mit einem Langzeit-EKG kontrolliert man den Herzrhythmus über 24 Stunden hinweg.

Gut leben mit Vorhofflimmern

Keine Chance dem Schlaganfall!

Vorhofflimmern bedeutet nicht, auf ein aktives Leben verzichten zu müssen. Wer seine Medikamente zuverlässig einnimmt und die nötigen Verhaltensregeln beachtet, kann selbst viel dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.

Was bedeutet Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die insbesondere im Alter auftritt. So sollen in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen darunter leiden. Dabei schlagen die Herzvorhöfe anfallsweise oder dauerhaft ungeordnet und sehr schnell. In der Folge arbeiten sie nicht mehr effektiv mit den Herzkammern zusammen. Das beeinträchtigt den Blutfluss und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle.

Viele Patient*innen bemerken von ihrem Vorhofflimmern zunächst nichts. Die Rhythmusstörung wird dann z. B. während einer Gesundheitsuntersuchung beim Schreiben des EKGs entdeckt. Manchmal wird sie auch erst im Zusammenhang mit einem Schlaganfall diagnostiziert.

Treten Beschwerden auf, berichten die Betroffenen über vorübergehendes Herzrasen oder Herzstolpern und einen unregelmäßigen Puls. Bei manchen verursacht das phasenweise Herzstolpern keine spürbaren Beschwerden. Wenn der unregelmäßige Herzschlag aber die Leistung des Herzens beeinträchtigt, fühlen sich die Patient*innen schnell müde und erschöpft, manche haben Schwindel oder leiden unter Atemnot.

Hinweis: Vorhofflimmern ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Es sollte aber immer ärztlich abgeklärt und behandelt werden, da sich sonst das Risiko für Komplikationen wie einen Schlaganfall erhöht.

Herzschlag kontrollieren und Blut verdünnen

Ist ein Vorhofflimmern diagnostiziert, wird es in der Regel auch behandelt. Die Therapie verfolgt zwei Ziele: Das Risiko für einen Schlaganfall zu verringern und die Beschwerden durch den gestörten Herzschlag zu beseitigen. Bei der Kontrolle des Herzschlags wird zwischen Frequenz- und Rhythmuskontrolle entschieden:

  • Die Frequenzkontrolle wird meist gewählt, wenn nur wenige Beschwerden bestehen oder das Vorhofflimmern schon länger anhält. Dabei bleibt die Rhythmusstörung bestehen, der Puls wird aber mit Medikamenten wie Betablockern verlangsamt. Meist wird eine Ruheherzfrequenz unter 110 Schlägen pro Minute angestrebt. 
  • Die Rhythmuskontrolle setzt man besonders bei Beschwerden, neu aufgetretenem Vorhofflimmern oder zur Verbesserung der Lebensqualität ein. Sie kann – abhängig vom individuellen Risiko – auch schon früh im Krankheitsverlauf sinnvoll sein. Ihr Ziel ist es, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und zu stabilisieren. Medikamente dafür sind z. B. Flecainid oder Propafenon. Reicht dies nicht aus, kommt eine Katheterablation in Frage. Dabei schiebt die Ärzt*in einen dünnen Schlauch durch die Gefäße bis zum Herz und verödet die Bereiche, die das Vorhofflimmern auslösen.

Ganz besonders wichtig ist es, das hohe Schlaganfallrisiko zu senken. Das gelingt mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen (auch Antikoagulanzien oder „Blutverdünner“ genannt). Da diese Wirkstoffe die Blutungsgefahr erhöhen, müssen der Nutzen (also die Verhinderung von Schlaganfällen) und das Risiko für Blutungen gegeneinander abgewogen werden. Dabei können spezielle Risikorechner helfen.

Ist das Schlaganfallrisiko hoch und eine dauerhafte gerinnungshemmende Therapie nicht möglich, kommt auch der Verschluss des linken Vorhof-Ohrs in Frage. Dort bilden sich die meisten Blutgerinnsel. Damit sie nicht in den Kreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen, kann man das Vorhof-Ohr im Rahmen eines minimal-invasiven Kathetereingriffs mechanisch verschließen.

Vorhofflimmern tritt zudem häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf. Besonders Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Schlafapnoe beeinflussen den Verlauf der Erkrankung. Deshalb gehört es zur Behandlung, diese Risikofaktoren möglichst gut einzustellen. Regelmäßige Blutdruckkontrollen, die konsequente Einnahme verordneter Medikamente und Kontrolltermine in der Arztpraxis tragen wesentlich dazu bei, Komplikationen zu vermeiden.

Hinweis: Gerinnungshemmende Medikamente entfalten ihre Schutzwirkung nur, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Ausgelassene Tabletten können das Schlaganfallrisiko erhöhen. Ganz besonders gilt das für die neueren Wirkstoffe (DOAKs), deren Wirkung schnell nachlässt.

Vorsicht Blutverdünner

Bei gerinnungshemmenden Medikamenten muss im Alltag das erhöhtes Blutungsrisiko beachtet werden. Das bedeutet, dass schon kleine Verletzungen länger bluten können und auch innere Blutungen – etwa nach Stürzen – gefährlicher sein können. 

  • Blutungen beachten: Betroffene sollten auf Zeichen wie häufiges Nasenbluten, ungewöhnlich starke oder lange Blutungen bei kleinen Verletzungen, Blut im Urin oder Stuhl sowie ungeklärte blaue Flecken achten und diese ärztlich abklären lassen. 
  • Verhalten im Alltag: Bei Aktivitäten mit erhöhtem Verletzungsrisiko heißt es, besonders vorsichtig zu sein. Auch Stürze sollte man möglichst vermeiden, da unter Blutgerinnungshemmern Blutungen stärker ausfallen und gefährlicher sein können. 
  • Vorsicht mit grünem Gemüse: Bei gerinnungshemmenden Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar/Warfarin) ist eine gleichmäßige Aufnahme von Vitamin K wichtig – stark schwankende Mengen (z. B. viel Spinat, Grünkohl oder andere grüne Gemüse in sehr unterschiedlichen Mengen) können die Wirkung beeinflussen. Bei neueren Gerinnungshemmern (DOAKs) hat die Ernährung einen weniger ausgeprägten Einfluss.
  • Wechselwirkungen vermeiden: Rezeptfreie pflanzliche Präparate wie z. B. Johanniskraut oder Ginkgo können die Wirkung der Blutverdünner verändern und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

Hinweis: Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte immer einen entsprechenden Notfall- oder Antikoagulationsausweis mit sich tragen. So wird im Ernstfall sofort erkannt, dass ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht.

Herzgesunder Lebensstil

Ein herzgesunder Lebensstil kann den Verlauf des Vorhofflimmerns günstig beeinflussen. Empfehlenswert ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch sowie hochwertigen pflanzlichen Ölen. Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel enthalten dagegen oft viel Salz und sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Salz kann den Blutdruck erhöhen – und Bluthochdruck kann das Vorhofflimmern verschlechtern.

Auch das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle. Bei Übergewicht kann bereits eine geringe Gewichtsabnahme dazu beitragen, Beschwerden zu verringern und Vorhofflimmern zu reduzieren.

Beim Alkohol gilt: Weniger ist besser. Schon größere Einzelmengen können Vorhofflimmern auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken. In Studien wurde gezeigt, dass Menschen mit Vorhofflimmern weniger Flimmeranfälle haben, wenn sie weitgehend auf Alkohol verzichten.

Rauchen erhöht das Risiko für Vorhofflimmern. Das liegt daran, dass Nikotin und andere Substanzen im Zigarettenrauch Puls und Blutdruck steigern und die elektrische Stabilität des Herzens verändern. Außerdem schädigt das Rauchen die Blutgefäße direkt und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle – also genau für die Komplikationen, die man beim Vorhofflimmern fürchtet.

Hinweis: Kaffee ist für viele Menschen mit Vorhofflimmern kein Problem. Wer jedoch bemerkt, dass koffeinhaltige Getränke Herzrasen auslösen, sollte den Konsum einschränken.

Bewegung hält das Herz fit

Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Vorhofflimmern. Bewegung stärkt Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck und unterstützt dabei, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen. Viele Betroffene berichten außerdem, dass sie sich belastbarer fühlen und ihre Lebensqualität steigt.

Welche körperliche Aktivität im Einzelfall passend ist, bespricht man am besten mit der behandelnden Ärzt*in. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie zügiges Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Wichtig ist, langsam zu beginnen und die Belastung schrittweise zu steigern.

Wer während der Bewegung starke Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder Herzrasen entwickelt, sollte das Training abbrechen und die Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Hinweis: Auch kleine Bewegungseinheiten im Alltag helfen – etwa Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein täglicher Spaziergang.

Stress reduzieren und ausreichend schlafen

Viele Betroffene berichten, dass Stress oder Schlafmangel das Vorhofflimmern verstärken können. Zwar lässt sich Stress nicht vollständig vermeiden, doch regelmäßige Erholungsphasen können helfen.

Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Yoga oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen wirken sich bei vielen Menschen positiv auf das Wohlbefinden aus. Ebenso wichtig ist ausreichend Schlaf. Wer stark schnarcht oder tagsüber ungewöhnlich müde ist, sollte ärztlich abklären lassen, ob möglicherweise eine Schlafapnoe vorliegt. Eine Schlafapnoe muss behandelt werden, da bekannt ist, dass sie Vorhofflimmern verstärken kann.

Hinweis: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Unregelmäßige Schlafzeiten können das vegetative Nervensystem aktivieren und damit Stress auslösen.

Puls kontrollieren – aber wie?

Um Veränderungen zu erkennen, sollten Patient*innen mit Vorhofflimmern ihren Puls kontrollieren. Und zwar sowohl routinemäßig als auch dann, wenn sie Beschwerden haben. Dabei ist nicht nur die Frequenz, also die Anzahl der Herzschläge pro Minute von Bedeutung. Es soll auch darauf geachtet werden, ob das Herz regelmäßig oder unregelmäßig schlägt. Denn ein unregelmäßiger Puls ist bei Vorhofflimmern ein wichtiger Hinweis und sollte ärztlich abgeklärt werden. Folgende Verfahren eignen sich zur Messung: 

  • Manuelle Pulskontrolle am Handgelenk: Hierbei legt man Zeige- und Mittelfinger auf die Innenseite des Handgelenks (unter dem Daumen) und fühlt die Pulswelle. Um die Anzahl der Herzschläge pro Minute zu erkennen, zählt man entweder 30 Sekunden mit und multipliziert den Wert mit 2 oder man zählt den Pulsschlag eine komplette Minute lang durch. 
  • Geräte zur Selbstkontrolle: Gut zu messen ist der Puls mit einem Blutdruckmessgerät mit Pulsanzeige. Auch Fitnesstracker oder Smartwatches können den Puls messen. Das ist besonders bequem, allerdings können bei Bewegungen Messfehler entstehen. Manche Smartwatches zeichnen auch ein EKG auf. Damit können sie Hinweise auf Vorhofflimmern liefern, ersetzen aber nicht die ärztliche Diagnostik.

Hinweis: Die regelmäßige Pulskontrolle sollte möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen (z. B. in Ruhe und zur gleichen Tageszeit) erfolgen, um vergleichbare Werte zu erhalten.

Was tun beim Herzstolpern?

Bei Vorhofflimmern ist es besonders wichtig, auch in belastenden Situationen möglichst ruhig zu bleiben – denn Angst und Stress können die Beschwerden verstärken. Viele Episoden lassen sich besser bewältigen, wenn man sich bewusst macht, dass sie zwar unangenehm, aber in der Regel nicht unmittelbar gefährlich sind.

Hilfreich ist es, auf den eigenen Körper zu achten und Veränderungen wahrzunehmen, ohne jede kleine Unregelmäßigkeit sofort als Verschlechterung zu deuten oder in Panik zu geraten. So kann ein bewusster und gelassener Umgang mit der Erkrankung dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.

Bei einigen Beschwerden ist es nötig, die Ärzt*in aufzusuchen. Sofort in die Praxis oder den Notruf tätigen sollte man bei 

  • plötzlichem Brustschmerz oder starkem Druckgefühl in der Brust 
  • Atemnot in Ruhe oder deutlich zunehmende Luftnot 
  • Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder einem hängenden Mundwinkel (Verdacht auf Schlaganfall)
  • plötzlichem Kollaps, starker Benommenheit oder Bewusstlosigkeit 
  • anhaltend sehr schnellem Herzschlag mit starkem Krankheitsgefühl, Schwindel oder Kreislaufproblemen
  • starken Beschwerden nach einem Sturz, insbesondere unter Blutverdünnung

Manche Symptome sind zwar keine Zeichen eines Notfalls, sollten aber trotzdem in den nächsten Tagen abgeklärt werden. Dies gilt z. B., wenn 

  • Herzstolpern bzw. Herzrasen neu oder verstärkt auftritt, 
  • die Leistungsfähigkeit sinkt oder es vermehrt zu Müdigkeit und Luftnot bei Belastung kommt, 
  • das Herz phasenweise immer wieder unregelmäßig schlägt, 
  • verstärkt Blutergüsse oder Nasenbluten auftreten oder Blut im Stuhl auffällt.

Gut vorbereitet in die Arztpraxis

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören zur Behandlung des Vorhofflimmerns dazu. Sie helfen dabei, Medikamente anzupassen und den Krankheitsverlauf zu beurteilen. Eine aktuelle Medikamentenliste und gegebenenfalls selbst gemessene Blutdruck- oder Pulswerte erleichtern das Gespräch.

Vor dem Termin kann es hilfreich sein, sich Notizen zu machen:

  • Welche Beschwerden sind seit dem letzten Termin aufgetreten? 
  • Wie häufig treten Herzrasen oder Herzstolpern auf?
  • Gab es Nebenwirkungen der Medikamente? 
  • Welche Fragen möchten Sie stellen?

Hinweis: Es empfiehlt sich, seine Beschwerden zu beobachten und in einem Symptomtagebuch zu notieren. Dadurch kann man Veränderungen frühzeitig erkennen und der behandelnden Ärzt*in wichtige Informationen liefern.

Quellen: Deutsche Herzstiftung, S-3-Leitlinie Vorhofflimmern

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Albrecht Weisser