Gesundheit heute
Guillain-Barré-Syndrom
(Akutes) Guillain-Barré-Syndrom (GBS, akute inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie AIDP): Rasch einsetzende, vermutlich autoimmun bedingte Entzündung von Nervenwurzeln und Nerven. Typische Beschwerden sind Missempfindungen und Lähmungen, die zunächst die Beine betreffen und sich dann immer weiter Richtung Kopf ausbreiten. Aufgrund der Gefahr einer Atemlähmung werden Patienten mit GBS immer stationär eingewiesen und engmaschig überwacht, die Behandlung erfolgt mit Immunglobulinen oder Plasmapherese.
Die Erkrankung verläuft zwar langwierig und teils lebensbedrohlich, langfristig kommt es aber in über 70 % der Fälle zu einer vollständigen Rückbildung der Symptome.
Symptome und Leitbeschwerden
- Beginn oft mit Rücken- und Gliederschmerzen sowie schmerzhaften Missempfindungen an Händen und Füßen
- Dann innerhalb von Tagen zunehmende Lähmungen, oft von Füßen und Beinen zum Rumpf symmetrisch aufsteigend
- Ausfall der Gesichtsmuskulatur, Schluckbeschwerden (durch Ausfall der Rachen- und Kehlkopfmuskulatur)
- Starkes Schwitzen, Herzklopfen, Herzstolpern, schneller Anstieg oder Abfall des Blutdrucks durch Störungen der autonomen Herz-Kreislauffunktionen
- Verlust der Blasen- und Darmkontinenz
- Manchmal innerhalb von Stunden fortschreitende Lähmung (Landry-Paralyse)
- Manchmal Lähmung der Atemmuskulatur.
Wann zum Arzt
Sofort, wenn
- die oben genannten Symptome auftreten und schnell zunehmen.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Beim Guillain-Barré-Syndrom kommt es zu einer Autoimmunreaktion gegen Nervenwurzeln und Nerven: Die "fehlgeprägten" Abwehrzellen und die von ihnen produzierten Abwehrstoffe im Blut greifen dabei vor allem die Markscheiden der Nervenwurzeln und Nerven an. Durch deren Zerstörung werden die Nervenimpulse nur noch schwach oder gar nicht mehr übertragen. Sind motorische Nerven betroffen, kommt es zu Muskelschwäche und Lähmungen.
Auslöser
Was genau zu einer solchen Autoimmunreaktion führt, ist noch nicht abschließend geklärt. In 2/3 der Fälle geht eine virale oder bakterielle Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes voraus. Vor allem Campylobacter jejuni gilt als Auslöser, vermutet wird auch ein Zusammenhang mit dem Ebstein-Barr-Virus, Zytomegalieviren, Mykoplasma pneumoniae und Zika-Viren.
Neben infektiösen Erregern diskutieren die Ärzte auch andere Ursachen eines GBS. Manchmal tritt es in Zusammenhang mit Operationen und Schwangerschaften auf, wobei der zugrundeliegende Krankheitsmechanismus unklar ist. Nicht bestätigen lässt sich, dass Impfungen der Auslöser sind: Studien ergaben, dass die Rate der am Guillain-Barré-Syndrom-Erkrankten bei geimpften Personen nicht höher ist als bei ungeimpften, die Grippe-Impfung soll das Risiko für das Entstehen eines GBS sogar eher senken als erhöhen.
Klinik und Verlauf
Das Guillain-Barré-Syndrom beginnt oft mit Schmerzen in Beinen und Rücken, die leicht mit "Ischias" verwechselt werden. Auch Muskelschwäche und Lähmungen entwickeln sich zunächst in den Beinen, breiten sich dann aber aus und erreichen den Rumpf, die Arme und sogar den Kopf (aufsteigende Lähmung). Besonders gefürchtet ist beim GBS die Atemlähmung, aber auch die durch Befall des vegetativen Nervensystems drohende Herzrhythmusstörung.
Die psychische Belastung für die Betroffenen ist enorm: Sie erleben die fortschreitenden Lähmungen bei vollem Bewusstsein. Schwer Erkrankte sind praktisch bewegungsunfähig, müssen künstlich ernährt und beatmet werden und benötigen sogar (zeitweise) einen Herzschrittmacher.
Das Krankheitsgeschehen hat einen höchst variablen Verlauf. Selten entwickelt es sich innerhalb von Stunden, meist aber innerhalb von Tagen bis höchstens vier Wochen. Es kann jederzeit stillstehen, aber auch den gesamten Körper erfassen. Die Symptome erreichen nach 2–4 Wochen ihren Höchststand und bilden sich dann langsam – in umgekehrter Reihenfolge wie ihr Auftreten – von selbst wieder zurück.
Diagnosesicherung
Bei Verdacht auf Guillain-Barré-Syndrom muss der Betroffene zügig ins Krankenhaus, wo die Ärzte neben der engmaschigen Überwachung auch die Diagnostik einleiten.
Manchmal lassen sich im Blut Erreger wie z. B. Campylobacter jejuni nachweisen. Meist veranlasst der Arzt auch eine Lumbalpunktion. In der gewonnenen Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) spricht eine Erhöhung des Eiweiß bei ansonsten normaler Zellzahl für ein GBS. In frühen Phasen kann der Liquor allerdings auch noch ganz unauffällig sein.
Die Funktion der Nerven und mögliche Organfolgen überprüft der Neurologe mit verschiedenen Untersuchungen:
- Elektroneurografie. Mit diesem Verfahren lässt sich die Nervenleitfähigkeit testen, die aufgrund der beschädigten Myelinscheiden herabgesetzt ist.
- Elektromyogramm. Hier testet der Arzt die elektrische Muskelaktivität, sie spiegelt z. B. eine Denervierung durch geschädigte Nerven wider.
- EKG. Das EKG ist wichtig, um drohende Herzrhythmusstörungen zu erkennen.
- Lungenfunktionsprüfung. Vor allem die Messung der Vitalkapazität dient zur engmaschigen Kontrolle der Atemmuskulatur.
- Differenzialdiagnosen. Mit Lähmungen gehen viele Erkrankungen einher, typische Beispiele sind der Bandscheibenvorfall, Poliomyelitis, Neuroborreliose, Querschnittsmyelitis, Gehirnentzündungen und Vergiftungen, z. B. Botulismus.
Behandlung
Zur Kontrolle der Vitalfunktionen wie Puls und Blutdruck wird der Patient in der Klinik meist an einen Monitor angeschlossen. Tauchen dabei ernstzunehmende Herzrhythmusstörungen auf, implantieren die Ärzte vorübergehend einen Herzschrittmacher.
Um eine sich entwickelnde Atemlähmung nicht zu übersehen, überprüft man in regelmäßigen Abständen die Lungenfunktion und die Blutgase. Sinkt der Sauerstoffdruck im Blut unter 70 mmHg oder steigt der Kohlendioxidgehalt auf über 45 mmHg an, intubieren die Ärzte den Patienten und leiten eine assistierte Beatmung ein.
Als medikamentöse Therapien steht die Gabe von Immunglobulinen und die Plasmapherese zur Verfügung. Beide Verfahren sind als gleichwertig anzusehen, eine Kombination bringt jedoch keinen zusätzlichen Effekt.
- Die hochdosierten Immunglobuline sollen die fehlgeschaltete Immunreaktion eindämmen. Sie werden über 5 Tage hinweg täglich über eine Vene infundiert. Mögliche Nebenwirkungen sind Unverträglichkeitsreaktionen und Kopfschmerzen.
- Bei der Plasmapherese (Plasmaaustausch) leitet man das Blut wie bei einer Dialyse durch eine Maschine, in der die flüssigen Bestandteile (also das Plasma) inklusive Antikörpern entfernt und mit einer Eiweißlösung ersetzt werden. Bei leichtem GBS (Gehfähigkeit ist noch erhalten) empfehlen die Ärzte 2 Plasmapheresen, bei schwereren Formen bis zu 5 Plasmapheresen im Abstand von jeweils 2 Tagen. Zu den unerwünschten Wirkungen gehören Missempfindungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen und Muskelkrämpfe.
Prognose
Gelingt es, die kritische Zeit zu überbrücken, sind die Aussichten gut: 70 % der Patienten genesen vollständig. Die Rückbildung kann allerdings Monate dauern, oft ist ein langer Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik unvermeidlich.
Etwa 2–3 % der Patienten versterben an den Komplikationen der Krankheit, z. B. an Atemlähmung oder Herzrhythmusstörungen.
Weiterführende Informationen
- www.gbsinfo.de – Deutsche GBS Initiative e. V., Mönchengladbach: Informative Internetseite mit medizinischen Informationen, Erfahrungsberichten, weiterführenden Links und Adressen. Die Deutsche GBS Initiative e. V. besteht bundesweit aus mehreren Landesverbänden, Regionalverbänden und Ortsverbänden.
- www.gbs-shg.de – Bundesverband Deutsche GBS-Vereinigung e. V., Sinsheim: Zwar eher wenig medizinische Informationen, aber bundesweit organisierte Selbsthilfegruppe.
Frauen sind von nächtlichen Wadenkrämpfen häufiger betroffen als Männer.
K2 gegen Wadenkrämpfe
Anzahl und Intensität reduziert
Nächtliche Wadenkrämpfe sind schmerzhaft und können die Nachtruhe erheblich stören. Womöglich lassen sich die Beschwerden mit Vitamin K2 lindern.
Täglich 180 Mikrogramm Vitamin K2
Gegen nächtliche Wadenkrämpfe gibt es bisher noch keine Therapie, die sowohl effektiv als auch verträglich ist. So konnte für die gern empfohlenen Magnesiumpräparate in Studien noch keine Wirksamkeit belegt werden. Chinin dämmt Wadenkrämpfe zwar ein, kann dabei allerdings Nebenwirkungen wie Tinnitus, Schwindel oder sogar Blutbildveränderungen auslösen. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Betroffene: Einer chinesischen Studie zufolge soll Vitamin K2 nächtliche Wadenkrämpfe lindern.
Knapp 200 Menschen in einem Alter von über 65 Jahren hatten an der Untersuchung teilgenommen. Die Hälfte nahm gegen ihre nächtlichen Wadenkrämpfe über acht Wochen hinweg täglich eine Kapsel mit 180 Mikrogramm Vitamin K2. Die übrigen bekamen gleich aussehende Kapseln mit Placebo.
Deutlich seltener Krämpfe
Im Durchschnitt hatten die Teilnehmenden 2,6 (Vitamin-K-Gruppe) bzw. 2,7 nächtliche Wadenkrämpfe pro Woche. Unter der Einnahme von Vitamin K2 reduzierte sich die Anzahl der Krämpfe auf 0,96 pro Woche. In der Placebogruppe stieg die durchschnittliche Zahl der wöchentlichen Krampfanfälle sogar auf 3,6/Woche leicht an.
Doch nicht nur die Häufigkeit der Wadenkrämpfe wurde durch Vitamin K2 verringert. Auch ihre Intensität und ihre jeweilige Dauer gingen unter Vitamin K2 stärker zurück als unter Placebo. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen nicht aufgetreten.
Vor Einnahme Rücksprache halten
Vitamin K2 ist eine Form von Vitamin K und unterstützt den Knochenaufbau und die Blutgerinnung. Natürlich kommt es vor allem in tierischen Produkten wie Eiern und Fleisch vor. Es gibt Vitamin K2 aber auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tropfen, Tabletten oder Kapseln.
Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten jedoch vor der Einnahme mit ihrer Ärzt*in Rücksprache halten. Das gilt insbesondere für Patient*innen, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen – denn Vitamin K2 kann deren Wirkung hemmen.
Quelle: Ärzteblatt

