Gesundheit heute

Idiopathische Gesichtslähmung

Idiopathische Gesichtslähmung (idiopathische Fazialisparese): Ursächlich unklare, wahrscheinlich entzündlich bedingte Lähmung der Gesichtsmuskulatur mit überwiegend guten Aussichten für den Betroffenen. In über 80 % verschwindet die Lähmung nach 4–10 Wochen von selbst.

Leitbeschwerden

  • Einseitige Schwäche oder vollständige Lähmung der Gesichtsmuskeln mit Gesichtsasymmetrie beim Versuch, die Stirn zu runzeln oder die Backen fest aufzublasen, sowie unvollständiger Augenschluss
  • Oft Bemerken der Beschwerden am Morgen („verzogenes“ Gesicht beim morgendlichen Blick in den Spiegel) mit Verstärkung in den nächsten Stunden
  • Möglicherweise Lärmempfindlichkeit
  • Möglicherweise Geschmacksstörungen
  • Möglicherweise beeinträchtigte Tränen- oder Speichelsekretion
  • Keine Schmerzen.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn das Gesicht unerwartet asymmetrisch oder eine Gesichtsseite eindeutig gelähmt ist.

Die Erkrankung

Bis heute ist die Ursache der idiopathischen Gesichtslähmung unklar. Am wahrscheinlichsten ist eine Entzündung des Fazialisnervs, möglicherweise ausgelöst durch das Herpes-simplex-Virus, das auch die Lippenbläschen hervorruft.

2916_GTV_Fazialislaehmung.jpg|67-jähriger Mann mit den typischen Zeichen einer rechtsseitigen Fazialislähmung: Er kann trotz größter Anstrengung sein rechtes Auge nicht schließen. |[GTV 2916]|Foto einer idiopathischen Lähmung des Fazialisnervs

Der Gesichtsnerv (Fazialisnerv, Nervus facialis) ist zuständig für die Bewegungen der mimischen Gesichtsmuskulatur. Zudem versorgt er die Speichel- und die Tränendrüsen sowie zwei kleine Muskeln im Mittelohr, die verhindern, dass laute Töne mit voller Wucht zum Innenohr gelangen. Darüber hinaus leitet der Fazialisnerv die Geschmacksempfindungen der Zunge zum Gehirn. Je nachdem, wo genau die (mutmaßliche) Entzündung sitzt, kommt es daher zu weiteren Beschwerden, wobei die Geschmacksstörungen den Betroffenen neben der Gesichtslähmung oft am meisten belasten.

In seltenen Fällen kann hinter einer Gesichtslähmung ein Tumor der Ohrspeicheldrüse stecken.

Das macht der Arzt

Neben der neurologischen Untersuchung sind immer auch eine Abklärung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie Blutuntersuchungen erforderlich, um eine Borrelieninfektion, eine Herpes-Zoster-Infektion oder Tumoren der Ohrspeicheldrüse auszuschließen. Nur wenn sich hier Verdachtsmomente ergeben, sind weitere Untersuchungen nötig.

Empfohlen wird die möglichst frühzeitige Gabe von Kortison in Form von Tabletten für etwa eine Woche, damit die Entzündung schneller abklingt. Ob zusätzlich virushemmende Medikamente helfen, ist fraglich.

Bei unvollständigem Augenschluss droht die Hornhaut auszutrocknen und dadurch Schaden zu nehmen. Dem kann durch das Einträufeln von Augentropfen tagsüber und das Einbringen von Augensalbe sowie das Anlegen eines Fertig-Uhrglasverbands über Nacht vorgebeugt werden.

Bei über 80 % der Betroffenen bildet sich die Lähmung (fast) vollständig zurück, sodass keine störenden Ausfälle zurückbleiben. Bei weniger als 10 % der Erkrankten tritt später eine erneute Lähmung auf, die aber häufig ebenfalls ausheilt.

Selbsthilfe

Sie können die Heilung durch Bewegungsübungen unterstützen, die Sie zweimal täglich vor dem Spiegel ausführen. Die hierzu notwendige Anleitung durch einen Physiotherapeuten verordnet der Arzt.

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Hitze bedroht Gehirn und Nerven

Hitze macht allen zu schaffen. Bei den Menschen müssen sich vor allem Ältere und Personen mit neurologischen Erkrankungen vor hohen Temperaturen schützen.

Hitze bedroht Gehirn und Nerven

Von Schlaganfall bis Delir

Sommerliche Wärme wird von vielen Menschen als angenehm empfunden. Doch anhaltende Hitze und tropische Nächte können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben – insbesondere für das Gehirn.

Schlaganfallrisiko nimmt zu

Besonders besorgniserregend ist der Zusammenhang zwischen Hitze und Schlaganfällen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Studien zeigen, dass hohe Temperaturen und vor allem sehr warme Nächte das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Während Hitzewellen steigt zudem die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall. Fachleute vermuten, dass Flüssigkeitsmangel, Veränderungen der Blutgerinnung und eine stärkere Belastung des Herz-Kreislauf-Systems dabei eine wichtige Rolle spielen.

Neurologische Erkrankungen werden verstärkt

Doch nicht nur das Schlaganfallrisiko nimmt bei Hitze zu. Auch Menschen mit neurologischen Erkrankungen werden durch Hitze besonders gefährdet. Bei Multipler Sklerose können hohe Temperaturen bestehende Beschwerden wie Seh- oder Gefühlsstörungen verstärken. Auch ihre Probleme mit der Bewegung verschlimmern sich unter Hitze häufig. Letzteres gilt gleichermaßen für Menschen, die unter Parkinson leiden.

Für Menschen mit Demenz stellen Hitzewellen ebenfalls eine große Herausforderung dar. Sie verspüren Durst oft weniger deutlich, trinken zu wenig oder erkennen Warnzeichen einer Überhitzung nicht rechtzeitig. Dadurch steigt das Risiko für Verwirrtheitszustände bis hin zu einem Delir, einer akuten und potenziell lebensbedrohlichen Störung der Gehirnfunktion.

Digitale Warnsysteme und Selbsthilfe

Die DGN unterstützt deshalb die Forderung nach besseren Schutzmaßnahmen. Dazu gehören hitzeresiliente Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Rehabilitationszentren mit ausreichenden Kühlmöglichkeiten. Auch digitale Hilfen wie personalisierte Warnsysteme oder spezielle Schlaganfall-Warn-Apps könnten künftig dazu beitragen, gefährdete Menschen frühzeitig zu schützen.

Schon heute können Betroffene und ihre Angehörigen einiges selbst tun, um sich vor den Hitzefolgen zu schützen: 

  • An heißen Tagen sollte ausreichend getrunken werden, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. 
  • Körperliche Anstrengungen gehören möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. 
  • Wohnräume sollten tagsüber abgedunkelt und nachts gelüftet werden. 
  • Besonders wichtig ist es, ältere Angehörige oder Menschen mit neurologischen Erkrankungen regelmäßig zu unterstützen und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Quelle: DGN

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Cavan Images / Stacey Ilyse Photography