Gesundheit heute
Hirnhautentzündung
Hirnhautentzündung (Meningitis): Vor allem durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Hirnhäute, die mit typischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteife einhergeht. Eine Hirnhautentzündung tritt überwiegend im Kleinkind- bis Jugendalter auf; im Erwachsenenalter sind ältere Menschen und Abwehrgeschwächte besonders gefährdet.
Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus, bei bakteriell bedingter Meningitis unverzüglich mit Antibiotika. Aufgrund der gefährlichen Komplikationen wie Hirndruckerhöhung oder Krampfanfällen müssen die Patienten engmaschig überwacht werden.
Die Erkrankung ist lebensgefährlich: ca. 20 % der Betroffenen versterben, wobei der Verlauf stark abhängig ist vom zugrunde liegenden Erreger und der Konstitution des Betroffenen. Ein Drittel der Überlebenden leidet unter Dauerfolgen wie z. B. Schwerhörigkeit.
Symptome und Leitbeschwerden
- Meist hohes Fieber
- Schweres Krankheitsgefühl
- Starke Kopfschmerzen
- Meningismus: Nackensteife und starke Schmerzen beim Versuch, den Kopf nach vorn auf die Brust zu beugen
- Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit
- Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Manchmal vorangegangener Atemwegsinfekt.
Wann zum Arzt
Sofort, wenn
- die oben genannten Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Ursachen und Risikofaktoren
Häufigste Erreger einer Hirnhautentzündung sind Viren (z. B. Coxsackie-, Echo-, Herpes oder Frühsommer-Meningoenzephalitis-(FSME)-Viren) gefolgt von Bakterien (vor allem Meningokokken und Pneumokokken, aber auch Haemophilus influenzae). Als seltenere Auslöser gelten Pilze, Parasiten oder Tuberkuloseerreger.
Meist steht ein scheinbar harmloser Racheninfekt oder eine Lungenentzündung am Anfang des Geschehens. Die Erreger gelangen ins Blut und mit ihm in alle Organe des Körpers. Bei einem kleinen Teil der Erkrankten setzen sich die Erreger aus unbekannten Gründen in den Hirnhäuten fest und führen dort zu einer Entzündung. Bakterien können außerdem bei schweren Entzündungen im Kopfbereich (z. B. des Ohrs) oder über eine nicht erkannte Schädelbasisverletzung direkt zu den Hirnhäuten gelangen. Mitunter bleibt der Infektionsweg auch unklar.
Daneben sind auch nicht-infektiöse Hirnhautentzündungen bekannt, z. B. im Rahmen einer Sarkoidose oder durch metastatisch ausgebreitete Tumorzellen bei Krebserkrankungen.
Formen
Die meisten Hirnhautentzündungen verlaufen akut und bilden sich rasch aus, manche brauchen dagegen Zeit, bis sie sich bemerkbar machen.
- Typisch für bakterielle Hirnhautentzündungen, insbesondere durch Meningokokken, ist die schnelle Entwicklung eines lebensbedrohlichen Krankheitsbilds, oft innerhalb weniger Stunden.
- Virusbedingte Hirnhautentzündungen setzen etwas langsamer ein, oft nach Anzeichen eines "grippalen Infekts" in den vorangegangenen Tagen, und verlaufen oft milder. Bei einigen Viren, etwa Herpesviren, sind allerdings schwere und sogar lebensbedrohliche Verläufe häufig.
- Seltener macht sich eine Hirnhautentzündung durch über Wochen zunehmende Beschwerden bemerkbar. Typisch ist dies aber für die Hirnhautentzündung durch Tuberkulosebakterien oder Borrelien.
Komplikationen
Nicht selten greift die Hirnhautentzündung auch auf das Gehirn über. Die Kombination aus Hirnhaut- und Gehirnentzündung heißt Meningoenzephalitis.
Weitere gefährliche Komplikationen einer Hirnhautentzündung sind
- Hirnödem und Hirndrucksteigerung
- Septische Sinusvenenthrombose
- Hydrozephalus
- Schädigung des Hörapparates mit Taubheit und Schwindel
- Hirnnervenlähmungen
- Epileptische Krampfanfälle
- Hirnabszess, d. h. eine eitrige Gewebeeinschmelzung mit Abkapselung, nur bei bakterieller Hirnhautentzündung
- Meningokokkensepsis durch Übertritt der Keime in das Blut
- Schock und Gerinnungsstörungen, als Maximalvariante droht das Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom (lebensgefährlich, sehr hohe Sterblichkeit!).
Diagnosesicherung
Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteife lassen den Arzt meist schnell an eine Hirnhautentzündung denken. Da entzündete Hirnhäute verstärkt schmerzen, sobald man sie unter Zugspannung setzt, kann der Arzt die Verdachtsdiagnose anhand verschiedener körperlicher Untersuchungsverfahren untermauern. Dazu gehören beispielsweise
- Brudzinski-Zeichen: Wird bei dem auf dem Rücken liegenden Patienten der Kopf nach vorne gebeugt (Kinn berührt Brustbein), so werden automatisch die Beine angezogen, um die Schmerzen zu vermeiden
- Kniekusszeichen: Der Patient richtet sich nach vorne auf und kann sein angewinkeltes Knie schmerzbedingt nicht "küssen".
Besteht der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, ist eine stationäre Einweisung meist unumgänglich. Dort sind die wichtigsten Erstmaßnahmen die unverzügliche Entnahme von Blut und Liquor (Hirnflüssigkeit) zur Identifizierung des Erregers sowie die sofortige Gabe von Antibiotika (siehe Behandlung).
Den Liquor gewinnen die Ärzte mithilfe einer Lumbalpunktion. Bei der nachfolgenden Liquoruntersuchung wird die Hirnflüssigkeit auf ihre Zusammensetzung und auf verschiedene Erreger geprüft. Oft ist schon durch die mikroskopische Untersuchung eine Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Hirnhautentzündung möglich, für manche Erreger gibt es auch Schnelltests. Um einen etwaigen Entzündungsherd nachzuweisen, veranlassen die Ärzte meist noch am gleichen Tag eine CT oder eine Kernspintomografie.
Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden hervorrufen können beispielsweise eine schwere Migräne, die Mittelohrentzündung, Gehirntumoren, Hirnblutungen (vor allem die Subarachnoidalblutung bei geplatztem Hirnarterienaneurysma), aber auch Vergiftungen und schwere allgemeine Infektionen wie die echte Grippe (Influenza).
Behandlung
Soforttherapie. Sobald die Ärzte Blut und Liquor entnommen haben, starten sie eine intravenöse Antibiotikatherapie mit einem gegen viele Bakterienarten wirksamen Breitspektrumantibiotikum – aufgrund der drohenden Lebensgefahr auch ohne 100%ige Gewissheit, dass Bakterien die Verursacher sind. Im Zweifelsfall und beim geringsten Verdacht auf eine Herpes-Meningoenzephalitis entscheiden sie sich auch für die zusätzliche intravenöse Gabe eines Virostatikums (z. B. Aciclovir), da die Risiken bei einer – eventuell sogar überflüssigen – Medikamentengabe weit geringer sind als das einer verspäteten Behandlung. Wenige Stunden können bei einer Hirnhautentzündung zwischen Überleben und Tod oder zwischen völliger Ausheilung und Dauerschäden entscheiden.
Erwachsene Patienten bekommen bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung zusätzlich intravenös Kortison, weil Studien ergeben haben, dass dadurch nachfolgende Hörschäden und andere neurologische Folgen seltener auftreten. Außerdem senkt Kortison die Sterblichkeitsrate bei der Pneumokokken-bedingten Hirnhautentzündung.
Therapie nach Erregernachweis. Wenn im Blut oder Liquor ein Erregernachweis gelingt, passen die Ärzte die Therapie daran an. Bei Bakterien wechseln die Ärzte oft vom Breitspektrumantibiotikum auf einen spezifischen antibakteriellen Wirkstoff, der das diagnostizierte Bakterium besser bekämpft. Sind Parasiten, Tuberkelbakterien oder Pilze die Auslöser, wird die Therapie ebenfalls entsprechend angepasst.
Lassen sich Viren nachweisen, wird das Breitspektrumantibiotikum abgesetzt. Bei einer unkomplizierten viralen Hirnhautentzündung reicht häufig die symptomatische Therapie. Bei nachgewiesenen Herpes- oder Windpockenviren wird ein Virostatikum, z. B. Aciclovir über die Vene gegeben. Zytomegalieviren können, falls erforderlich, mit Ganciclovir und gegebenenfalls als Kombination mit Foscarnet bekämpft werden.
Weitere Therapiemaßnahmen
Patienten mit einer Hirnhautentzündung benötigen meist eine engmaschige Überwachung auf der Intensivstation oder in einer neurologischen Abteilung. Besonderes Augenmerk liegt darauf, ob sich Komplikationen entwickeln.
- Vorbeugend gegen erhöhten Hirndruck hilft die Oberkörperhochlagerung. Manchmal verordnen die Ärzte auch Infusionen mit Mannitol. Dabei handelt es sich um einen Zucker, der durch osmotischen Druck Flüssigkeiten aus dem Gehirngewebe in das Blut zieht, damit diese durch die Niere ausgeschieden werden können. In schweren Fällen legen die Ärzte auch eine Liquordrainage und leiten die Hirnflüssigkeit über einen Schlauch oder eine dünne Nadel nach außen ab.
- Bei Krampfanfällen sind Antikonvulsiva erforderlich.
- Eine Sinusvenenthrombose behandeln die Ärzte durch Hemmung der Blutgerinnung, meist mit Heparininfusionen.
- Gegen Schmerzen und Fieber bekommt der Patient fiebersenkende Mittel und Schmerzmitteln z. B. Ibuprofen oder Paracetamol.
Isolierung und Postexpositionsprophylaxe
Liegt der Hirnhautentzündung eine Infektion mit Meningokokken zugrunde, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, um die Übertragung (als Tröpfchenübertragung) auf Kontaktpersonen zu verhindern.
Isolation. Um Ansteckungen zu vermeiden, wird der Patient die ersten 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie isoliert. Pflegepersonal und Besucher müssen dann bei Kontakt mit dem Erkrankten Atemschutzmasken, Schutzkittel und Handschuhe tragen und die Hände desinfizieren.
Antibiotische Postexpositionprophylaxe. Personen, die im Zeitraum von einer Woche vor bis 24 Stunden nach Beginn einer wirkungsvollen antibiotischen Therapie engen Kontakt mit dem Patienten hatten, wird die vorbeugende Einnahme von Antibiotika empfohlen (z. B. Rifampicin über 2 Tage, Schwangeren stattdessen Ceftriaxon intravenös oder intramuskulär). Als enger Kontakt gilt z. B. das Zusammenleben in einem Haushalt, einem Wohnheim, aber auch benachbartes Sitzen in der Schule oder Pflege.
Postexpositionelle Impfung. Auch die Impfung gegen Meningokokken ist als vorbeugende Maßnahme möglich. In Erwägung ziehen sollten das enge Kontaktpersonen, z. B. Mitglieder aus dem gleichen Haushalt.
Meldepflicht
Patienten, die an einer Hirnhautentzündung durch Meningokokken oder an einer Meningokokkensepsis erkrankt sind, die versterben oder bei denen ein Verdacht auf Erkrankung besteht, muss der Arzt nach Paragraph 6 lfSG namentlich an das Gesundheitsamt melden.
Prognose
Die unkomplizierte virale Hirnhautentzündung verheilt meist spontan ohne weitere Folgen. Eine Hirnhautentzündung durch Herpesviren, die sich auf das Gehirngewebe ausbreitet (Herpesmeningoenzephalitis) hat unter Therapie mit einem Virostatikum eine Sterblichkeit von von 20–30 %.
Die bakterielle Meningitis hat eine Sterblichkeit von bis zu 30 %. Bei jedem dritten Patienten bleiben neurologische Störungen zurück, vor allem Schwerhörigkeit.
Ihr Apotheker empfiehlt
Prävention
Eine Hirnhautentzündung wird durch zahlreiche Erreger verursacht. Vor manchen kann man sich schützen. Folgende Impfungen werden empfohlen:
- Meningokokkenimpfung.. Die Meningokokkenmeningitis betrifft vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch Laborpersonal, Immungeschwächte oder Reisende sind gefährdet. Gegen die Meningokokkentypen A, B, C, W und Y gibt es Impfstoffe, die je nach Exposition empfohlen werden
- Impfstoff gegen Meningokokken vom Typ C als Standardimpfung für alle Kinder im 2. Lebensjahr
- Impfstoff gegen Meningokokken vom Typ A, C, W135 und Y (ACWY-Impfstoff) sowie gegen Typ B als Indikationsimpfung für Personen mit angeborener Immunschwäche oder Asplenie (ohne Milz)
- ACWY-Impfstoff sowie gegen Typ B als berufsbedingte Impfung für Laborpersonal
- ACWY-Impfstoff als Reiseimpfung bei Reisen in Endemiegebiete
- Postexpositionelle Impfung mit dem ACWY-Impfstoff für Personen, die im selben Haushalt leben wie der Erkrankte
- Pneumokokkenimpfung. Ebenfalls seit 2006 für alle Kinder im ersten Lebensjahr empfohlen ist die Pneumokokkenimpfung. Ältere und abwehrgeschwächte Menschen sowie Träger von Cochlea-Implantaten sind ebenfalls besonders gefährdet. Ihnen wird eine Impfung empfohlen, die alle sechs Jahre aufgefrischt werden muss
- Hib-Impfung. Auch eine Impfung gegen Hämophilus influenza beugt Hirnhautentzündungen vor. Empfohlen wird die sogenannte Hib-Impfung allen Kindern. Die letzte der nötigen vier Impfdosen soll im 14. Lebensmonat verabreicht werden
- FSME-Impfung. Geimpft werden kann auch gegen die in Teilen Deutschlands und Osteuropas auftretende FSME
- MMR-Impfung. Die standardmäßig für Kinder empfohlen Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps schützt ebenfalls vor Hirnhautentzündungen, die durch diese Viren ausgelöst werden.
Weiterführende Informationen
Leitlinie virale Meningoenzephalitis: https://www.dgn.org/leitlinien/3702-ll-030-100-virale-meningoenzephalitis-2018
Leitlinie ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter: https://www.dgn.org/leitlinien/3230-030-089-ambulant-erworbene-bakterielle-eitrige-meningoenzephalitis-im-erwachsenenalter-2015
Mit einem Langzeit-EKG kontrolliert man den Herzrhythmus über 24 Stunden hinweg.
Gut leben mit Vorhofflimmern
Keine Chance dem Schlaganfall!
Vorhofflimmern bedeutet nicht, auf ein aktives Leben verzichten zu müssen. Wer seine Medikamente zuverlässig einnimmt und die nötigen Verhaltensregeln beachtet, kann selbst viel dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.
Was bedeutet Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die insbesondere im Alter auftritt. So sollen in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen darunter leiden. Dabei schlagen die Herzvorhöfe anfallsweise oder dauerhaft ungeordnet und sehr schnell. In der Folge arbeiten sie nicht mehr effektiv mit den Herzkammern zusammen. Das beeinträchtigt den Blutfluss und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle.
Viele Patient*innen bemerken von ihrem Vorhofflimmern zunächst nichts. Die Rhythmusstörung wird dann z. B. während einer Gesundheitsuntersuchung beim Schreiben des EKGs entdeckt. Manchmal wird sie auch erst im Zusammenhang mit einem Schlaganfall diagnostiziert.
Treten Beschwerden auf, berichten die Betroffenen über vorübergehendes Herzrasen oder Herzstolpern und einen unregelmäßigen Puls. Bei manchen verursacht das phasenweise Herzstolpern keine spürbaren Beschwerden. Wenn der unregelmäßige Herzschlag aber die Leistung des Herzens beeinträchtigt, fühlen sich die Patient*innen schnell müde und erschöpft, manche haben Schwindel oder leiden unter Atemnot.
Hinweis: Vorhofflimmern ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Es sollte aber immer ärztlich abgeklärt und behandelt werden, da sich sonst das Risiko für Komplikationen wie einen Schlaganfall erhöht.
Herzschlag kontrollieren und Blut verdünnen
Ist ein Vorhofflimmern diagnostiziert, wird es in der Regel auch behandelt. Die Therapie verfolgt zwei Ziele: Das Risiko für einen Schlaganfall zu verringern und die Beschwerden durch den gestörten Herzschlag zu beseitigen. Bei der Kontrolle des Herzschlags wird zwischen Frequenz- und Rhythmuskontrolle entschieden:
- Die Frequenzkontrolle wird meist gewählt, wenn nur wenige Beschwerden bestehen oder das Vorhofflimmern schon länger anhält. Dabei bleibt die Rhythmusstörung bestehen, der Puls wird aber mit Medikamenten wie Betablockern verlangsamt. Meist wird eine Ruheherzfrequenz unter 110 Schlägen pro Minute angestrebt.
- Die Rhythmuskontrolle setzt man besonders bei Beschwerden, neu aufgetretenem Vorhofflimmern oder zur Verbesserung der Lebensqualität ein. Sie kann – abhängig vom individuellen Risiko – auch schon früh im Krankheitsverlauf sinnvoll sein. Ihr Ziel ist es, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und zu stabilisieren. Medikamente dafür sind z. B. Flecainid oder Propafenon. Reicht dies nicht aus, kommt eine Katheterablation in Frage. Dabei schiebt die Ärzt*in einen dünnen Schlauch durch die Gefäße bis zum Herz und verödet die Bereiche, die das Vorhofflimmern auslösen.
Ganz besonders wichtig ist es, das hohe Schlaganfallrisiko zu senken. Das gelingt mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen (auch Antikoagulanzien oder „Blutverdünner“ genannt). Da diese Wirkstoffe die Blutungsgefahr erhöhen, müssen der Nutzen (also die Verhinderung von Schlaganfällen) und das Risiko für Blutungen gegeneinander abgewogen werden. Dabei können spezielle Risikorechner helfen.
Ist das Schlaganfallrisiko hoch und eine dauerhafte gerinnungshemmende Therapie nicht möglich, kommt auch der Verschluss des linken Vorhof-Ohrs in Frage. Dort bilden sich die meisten Blutgerinnsel. Damit sie nicht in den Kreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen, kann man das Vorhof-Ohr im Rahmen eines minimal-invasiven Kathetereingriffs mechanisch verschließen.
Vorhofflimmern tritt zudem häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf. Besonders Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Schlafapnoe beeinflussen den Verlauf der Erkrankung. Deshalb gehört es zur Behandlung, diese Risikofaktoren möglichst gut einzustellen. Regelmäßige Blutdruckkontrollen, die konsequente Einnahme verordneter Medikamente und Kontrolltermine in der Arztpraxis tragen wesentlich dazu bei, Komplikationen zu vermeiden.
Hinweis: Gerinnungshemmende Medikamente entfalten ihre Schutzwirkung nur, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Ausgelassene Tabletten können das Schlaganfallrisiko erhöhen. Ganz besonders gilt das für die neueren Wirkstoffe (DOAKs), deren Wirkung schnell nachlässt.
Vorsicht Blutverdünner
Bei gerinnungshemmenden Medikamenten muss im Alltag das erhöhtes Blutungsrisiko beachtet werden. Das bedeutet, dass schon kleine Verletzungen länger bluten können und auch innere Blutungen – etwa nach Stürzen – gefährlicher sein können.
- Blutungen beachten: Betroffene sollten auf Zeichen wie häufiges Nasenbluten, ungewöhnlich starke oder lange Blutungen bei kleinen Verletzungen, Blut im Urin oder Stuhl sowie ungeklärte blaue Flecken achten und diese ärztlich abklären lassen.
- Verhalten im Alltag: Bei Aktivitäten mit erhöhtem Verletzungsrisiko heißt es, besonders vorsichtig zu sein. Auch Stürze sollte man möglichst vermeiden, da unter Blutgerinnungshemmern Blutungen stärker ausfallen und gefährlicher sein können.
- Vorsicht mit grünem Gemüse: Bei gerinnungshemmenden Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar/Warfarin) ist eine gleichmäßige Aufnahme von Vitamin K wichtig – stark schwankende Mengen (z. B. viel Spinat, Grünkohl oder andere grüne Gemüse in sehr unterschiedlichen Mengen) können die Wirkung beeinflussen. Bei neueren Gerinnungshemmern (DOAKs) hat die Ernährung einen weniger ausgeprägten Einfluss.
- Wechselwirkungen vermeiden: Rezeptfreie pflanzliche Präparate wie z. B. Johanniskraut oder Ginkgo können die Wirkung der Blutverdünner verändern und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Hinweis: Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte immer einen entsprechenden Notfall- oder Antikoagulationsausweis mit sich tragen. So wird im Ernstfall sofort erkannt, dass ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht.
Herzgesunder Lebensstil
Ein herzgesunder Lebensstil kann den Verlauf des Vorhofflimmerns günstig beeinflussen. Empfehlenswert ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch sowie hochwertigen pflanzlichen Ölen. Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel enthalten dagegen oft viel Salz und sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Salz kann den Blutdruck erhöhen – und Bluthochdruck kann das Vorhofflimmern verschlechtern.
Auch das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle. Bei Übergewicht kann bereits eine geringe Gewichtsabnahme dazu beitragen, Beschwerden zu verringern und Vorhofflimmern zu reduzieren.
Beim Alkohol gilt: Weniger ist besser. Schon größere Einzelmengen können Vorhofflimmern auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken. In Studien wurde gezeigt, dass Menschen mit Vorhofflimmern weniger Flimmeranfälle haben, wenn sie weitgehend auf Alkohol verzichten.
Rauchen erhöht das Risiko für Vorhofflimmern. Das liegt daran, dass Nikotin und andere Substanzen im Zigarettenrauch Puls und Blutdruck steigern und die elektrische Stabilität des Herzens verändern. Außerdem schädigt das Rauchen die Blutgefäße direkt und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle – also genau für die Komplikationen, die man beim Vorhofflimmern fürchtet.
Hinweis: Kaffee ist für viele Menschen mit Vorhofflimmern kein Problem. Wer jedoch bemerkt, dass koffeinhaltige Getränke Herzrasen auslösen, sollte den Konsum einschränken.
Bewegung hält das Herz fit
Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Vorhofflimmern. Bewegung stärkt Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck und unterstützt dabei, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen. Viele Betroffene berichten außerdem, dass sie sich belastbarer fühlen und ihre Lebensqualität steigt.
Welche körperliche Aktivität im Einzelfall passend ist, bespricht man am besten mit der behandelnden Ärzt*in. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie zügiges Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Wichtig ist, langsam zu beginnen und die Belastung schrittweise zu steigern.
Wer während der Bewegung starke Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder Herzrasen entwickelt, sollte das Training abbrechen und die Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Hinweis: Auch kleine Bewegungseinheiten im Alltag helfen – etwa Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein täglicher Spaziergang.
Stress reduzieren und ausreichend schlafen
Viele Betroffene berichten, dass Stress oder Schlafmangel das Vorhofflimmern verstärken können. Zwar lässt sich Stress nicht vollständig vermeiden, doch regelmäßige Erholungsphasen können helfen.
Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Yoga oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen wirken sich bei vielen Menschen positiv auf das Wohlbefinden aus. Ebenso wichtig ist ausreichend Schlaf. Wer stark schnarcht oder tagsüber ungewöhnlich müde ist, sollte ärztlich abklären lassen, ob möglicherweise eine Schlafapnoe vorliegt. Eine Schlafapnoe muss behandelt werden, da bekannt ist, dass sie Vorhofflimmern verstärken kann.
Hinweis: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Unregelmäßige Schlafzeiten können das vegetative Nervensystem aktivieren und damit Stress auslösen.
Puls kontrollieren – aber wie?
Um Veränderungen zu erkennen, sollten Patient*innen mit Vorhofflimmern ihren Puls kontrollieren. Und zwar sowohl routinemäßig als auch dann, wenn sie Beschwerden haben. Dabei ist nicht nur die Frequenz, also die Anzahl der Herzschläge pro Minute von Bedeutung. Es soll auch darauf geachtet werden, ob das Herz regelmäßig oder unregelmäßig schlägt. Denn ein unregelmäßiger Puls ist bei Vorhofflimmern ein wichtiger Hinweis und sollte ärztlich abgeklärt werden. Folgende Verfahren eignen sich zur Messung:
- Manuelle Pulskontrolle am Handgelenk: Hierbei legt man Zeige- und Mittelfinger auf die Innenseite des Handgelenks (unter dem Daumen) und fühlt die Pulswelle. Um die Anzahl der Herzschläge pro Minute zu erkennen, zählt man entweder 30 Sekunden mit und multipliziert den Wert mit 2 oder man zählt den Pulsschlag eine komplette Minute lang durch.
- Geräte zur Selbstkontrolle: Gut zu messen ist der Puls mit einem Blutdruckmessgerät mit Pulsanzeige. Auch Fitnesstracker oder Smartwatches können den Puls messen. Das ist besonders bequem, allerdings können bei Bewegungen Messfehler entstehen. Manche Smartwatches zeichnen auch ein EKG auf. Damit können sie Hinweise auf Vorhofflimmern liefern, ersetzen aber nicht die ärztliche Diagnostik.
Hinweis: Die regelmäßige Pulskontrolle sollte möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen (z. B. in Ruhe und zur gleichen Tageszeit) erfolgen, um vergleichbare Werte zu erhalten.
Was tun beim Herzstolpern?
Bei Vorhofflimmern ist es besonders wichtig, auch in belastenden Situationen möglichst ruhig zu bleiben – denn Angst und Stress können die Beschwerden verstärken. Viele Episoden lassen sich besser bewältigen, wenn man sich bewusst macht, dass sie zwar unangenehm, aber in der Regel nicht unmittelbar gefährlich sind.
Hilfreich ist es, auf den eigenen Körper zu achten und Veränderungen wahrzunehmen, ohne jede kleine Unregelmäßigkeit sofort als Verschlechterung zu deuten oder in Panik zu geraten. So kann ein bewusster und gelassener Umgang mit der Erkrankung dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.
Bei einigen Beschwerden ist es nötig, die Ärzt*in aufzusuchen. Sofort in die Praxis oder den Notruf tätigen sollte man bei
- plötzlichem Brustschmerz oder starkem Druckgefühl in der Brust
- Atemnot in Ruhe oder deutlich zunehmende Luftnot
- Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder einem hängenden Mundwinkel (Verdacht auf Schlaganfall)
- plötzlichem Kollaps, starker Benommenheit oder Bewusstlosigkeit
- anhaltend sehr schnellem Herzschlag mit starkem Krankheitsgefühl, Schwindel oder Kreislaufproblemen
- starken Beschwerden nach einem Sturz, insbesondere unter Blutverdünnung
Manche Symptome sind zwar keine Zeichen eines Notfalls, sollten aber trotzdem in den nächsten Tagen abgeklärt werden. Dies gilt z. B., wenn
- Herzstolpern bzw. Herzrasen neu oder verstärkt auftritt,
- die Leistungsfähigkeit sinkt oder es vermehrt zu Müdigkeit und Luftnot bei Belastung kommt,
- das Herz phasenweise immer wieder unregelmäßig schlägt,
- verstärkt Blutergüsse oder Nasenbluten auftreten oder Blut im Stuhl auffällt.
Gut vorbereitet in die Arztpraxis
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören zur Behandlung des Vorhofflimmerns dazu. Sie helfen dabei, Medikamente anzupassen und den Krankheitsverlauf zu beurteilen. Eine aktuelle Medikamentenliste und gegebenenfalls selbst gemessene Blutdruck- oder Pulswerte erleichtern das Gespräch.
Vor dem Termin kann es hilfreich sein, sich Notizen zu machen:
- Welche Beschwerden sind seit dem letzten Termin aufgetreten?
- Wie häufig treten Herzrasen oder Herzstolpern auf?
- Gab es Nebenwirkungen der Medikamente?
- Welche Fragen möchten Sie stellen?
Hinweis: Es empfiehlt sich, seine Beschwerden zu beobachten und in einem Symptomtagebuch zu notieren. Dadurch kann man Veränderungen frühzeitig erkennen und der behandelnden Ärzt*in wichtige Informationen liefern.
Quellen: Deutsche Herzstiftung, S-3-Leitlinie Vorhofflimmern

