Gesundheit heute
Clusterkopfschmerz
Clusterkopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom): Seltene Kopfschmerzerkrankung, charakterisiert durch stechende, fast unerträgliche, halbseitige Kopfschmerzattacken, die mehrmals täglich auftreten können und mit vegetativen Begleiterscheinungen wie Tränenfluss, „laufender“ Nase und Rötung des Auges oder Gesichts verbunden sind. Betroffen sind ca. 0,1 % der Bevölkerung. In Deutschland sind etwa 120.000 Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen in Behandlung. Die Krankheit beginnt überwiegend zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und zeigt meist einen episodischen Verlauf. Männer sind 3-mal häufiger betroffen als Frauen. Behandelt wird im akuten Anfall mit Sauerstoff und schnellwirksamen Schmerzmitteln. Auch zur Vorbeugung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Bei etwa 20–40 % der Betroffenen heilt die Krankheit nach einigen Jahren von selbst. Bei 10–15 % gehen die Schmerzepisoden in einen chronischen Verlauf über.
Symptome und Leitbeschwerden
- Episodisch und häufig nachts auftretende, mehrmals tägliche, extrem starke, streng halbseitige Kopfschmerzattacken
- Gleichzeitig auf der Kopfschmerzseite auftretende vegetative Begleiterscheinungen wie Tränenfluss, „laufende“ Nase und Hornersyndrom (Pupillenverengung, herabhängendes Augenlid, eingesunkener Augapfel), z. T. auch Rötung und/oder Schwitzen von Stirn oder Gesicht und Völlegefühl im Ohr
- Deutlicher Bewegungsdrang während der Schmerzattacken.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn mehrmals hintereinander starke Kopfschmerzen auftreten.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Wie es zum Clusterkopfschmerz kommt, ist bis heute nicht vollständig erforscht. Angenommen wird, dass ein bestimmter Gehirnbereich, der Hypothalamus, an der Entstehung der Schmerzattacken mitwirkt. Im Hypothalamus wird unter anderem der Schlaf-Wach-Rhythmus gesteuert. Da die Schmerzattacken des Clusterkopfschmerzes tages- und jahreszeitlich gehäuft auftreten, liegt es also nahe, dass der Hypothalamus beteiligt ist. Dafür sprechen auch Positronen-Emissions-Tomografie-Untersuchungen (PET), die eine veränderte Aktivität in dieser Gehirnregion nachgewiesen haben.
Hinzu kommen wahrscheinlich auch genetische Faktoren, denn Clusterkopfschmerzen können mehrere Mitglieder einer Familie betreffen.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Teil der Betroffenen gibt Auslöser für die Schmerzattacken an (Trigger). Diese lösen jedoch nur die einzelnen Attacken aus und sind nicht die Ursache der Erkrankung. Trigger sind von Person zu Person unterschiedlich und einige Betroffene reagieren auf keinen der bekannten Auslöser.
Zu den Triggern gehören z. B.
- Alkohol
- Nikotin
- bestimmte Lebensmittel, z. B. Schokolade, Zitrusfrüchte, Tomaten und histaminreiche Nahrung wie bestimmte Käse- und Fischsorten
- Lebensmittelzusatzstoffe wie Glutamat und Nitrate
- bestimmte Medikamente, z. B. Nitroglycerin (ein Herzmedikament) Sildenafil (ein Blutdrucksenker und Potenzmittel)
- Lärm, grelles oder flackerndes Licht, Hitze
- intensive Gerüche, z. B. Lösungsmittel, Klebstoff oder Benzin
- starke körperliche oder emotionale Belastungen
- Abweichungen von den Schlafgewohnheiten, z. B. ein Mittagsschlaf.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Clusterkopfschmerzen treten immer sehr plötzlich auf und sind streng auf eine Seite begrenzt. Die Kopfschmerzen sind extrem heftig und meist hinter dem Auge am stärksten ausgeprägt. Eine Attacke dauert zwischen 15 Minuten und 3 Stunden.
Gleichzeitig kommt es auf derselben Seite zu Begleitsymptomen wie Tränenfluss, „laufender“ Nase und Hornersyndrom mit Pupillenverengung, herabhängendem Augenlid und eingesunkenem Augapfel. Bei einigen Betroffenen rötet sich und schwitzt die Stirn oder das Gesicht auf der betroffenen Seite. Auch ein Völlegefühl im Ohr ist möglich.
Typisch für den Clusterkopfschmerz ist außerdem ein ausgeprägter Bewegungsdrang während der Attacke. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat zwischen den Attacken einseitig betonte und stetig vorhandene "Restschmerzen". Auch migräneartige Beschwerden wie eine Aura (Sehstörungen, Empfindungs- und Sprachstörungen), Übelkeit, Lärm- und Lichtscheu sind möglich.
Bei etwa 80–85 % der Betroffenen liegt ein episodischer Clusterkopfschmerz vor. Zwischen mehreren Wochen oder Monaten mit gehäuften Attacken (Cluster) liegen schmerzfreie Phasen, die Monate oder sogar Jahre dauern können. Treten die Attacken über mehr als ein Jahr ohne oder mit nur kurzen beschwerdefreien Intervallen auf, handelt es sich um einen chronischen Clusterkopfschmerz.
Die Schmerzattacken treten oft immer zur selben Zeit am Tag auf, meist wenige Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden. Typisch ist ein Beginn der Clusterepisoden im Frühjahr und Herbst.
Diagnosesicherung
Die Diagnose wird zwar in erster Linie aufgrund des Beschwerdebildes und der neurologischen Untersuchung gestellt, zur Sicherheit wird aber eine CT und eine MRT-Untersuchung durchgeführt. So lassen sich andere Erkrankungen ausschließen.
Differenzialdiagnosen. Meist lassen sich beim Clusterkopfschmerz im CT und MRT keine Auffälligkeiten finden. Beginnen die Kopfschmerzen erst im hohen Lebensalter, liegen aber nicht selten andere Ursachen für die Beschwerden vor. Hierzu gehören vor allem Gehirntumoren, eine Karotisdissektion, ein Schlaganfall oder eine Entzündung.
Behandlung
Die medizinische Behandlung des Clusterkopfschmerzes ist in zwei Bereiche unterteilt:
Soforttherapie. Mittel Nr. 1 zur Verkürzung der Attacken ist das Einatmen von Sauerstoff über eine spezielle Gesichtsmaske. Dies führt über eine Gefäßverengung innerhalb von 15 bis 20 Minuten zur Symptomlinderung. Auch das Einbringen von Lidocain-Lösung in das Nasenloch der betroffenen Seite hilft einem Teil der Betroffenen. Lidocain ist ein Mittel zur örtlichen Betäubung. Sind diese nebenwirkungsfreien Maßnahmen nicht ausreichend wirksam, werden Triptane als Nasenspray oder zum Selbstspritzen verordnet. Die Wirkung von Tabletten setzt zu spät ein.
Anfallsprophylaxe. Der Kalziumantagonist Verapamil ist das Medikament der Wahl zur Prophylaxe bei länger dauernden Phasen des episodischen sowie bei chronischem Clusterkopfschmerz. Bei Langzeitanwendung ist allerdings ein Wirkungsverlust möglich. Wegen seiner Wirkungen auf Herz und Gefäße sind Kontrollen von Blutdruck und EKG nötig. Auch Lithium und Topiramat werden eingesetzt. Kortison dient wegen der Nebenwirkungen bei Dauereinnahme nur kurzzeitig zur Überbrückung, bis andere Medikamente greifen.
Bessern sich die Schmerzen durch keines der Medikamente, stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl. Hierbei werden z. B. Elektroden oder Schrittmacher in verschiedene Gehirnbereiche implantiert und so verschiedene Nervenbahnen oder der Hypothalamus stimuliert. Dadurch wird die Schmerzleitung und -wahrnehmung beeinflusst. Diese Verfahren erzielen jedoch nicht immer eine dauerhafte Besserung und es besteht das Risiko einer Nervenverletzung. Daher muss die Entscheidung zur Operation sorgfältig abgewogen werden.
Geforscht wirkt aktuell an einem neuen Wirkstoff: einem Antikörper, der die Wirkung eines Botenstoffes blockiert und dadurch vermutlich die Schmerzübertragung an Nervenwurzeln hemmt.
Prognose
Bei etwa 20–40 % der Betroffenen heilt die Krankheit nach einigen Jahren von selbst.
Bei 10–15 % gehen die Schmerzepisoden in einen chronischen Verlauf über. Bei diesen Patient*innen kann die Erkrankung Depressionen und Angststörungen begünstigen.
Die Schmerzattacken sind so stark, dass einige Betroffene sogar einen Suizid erwägen. Deshalb ist eine schnelle und ausreichend wirksame Behandlung wichtig. In den meisten Fällen gelingt dies mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Selbstmedikation. Die Einnahme von den üblichen freiverkäuflichen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Acetylsalicylsäure ist unwirksam. Fälschlicherweise haben Betroffene oft das Gefühl, diese oder andere Mittel hätten geholfen. Dies liegt aber daran, dass die Clusterattacke ohnehin zeitlich begrenzt ist. Das Ende der Schmerzen wird dann falsch auf die Medikamenteneinnahme zurückgeführt. Zudem kann die häufige Einnahme dieser Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen auslösen. Deshalb ist es wichtig, sich bei wiederholt auftretenden Kopfschmerzen in einer Arztpraxis vorzustellen.
Kopfschmerztagebuch. Clusterkopfschmerzen können durch bestimmte Stoffe ausgelöst werden. Deshalb ist es zweckmäßig, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um die Anfallsauslöser (Trigger) zu ermitteln und zukünftig zu meiden.
Schwerbehindertenausweis. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Clusterkopfschmerz-Patient*innen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Wenden Sie sich hierzu an das Versorgungsamt.
Selbsthilfegruppen. Jede Schmerzattacke schränkt das berufliche und private Leben ein und beeinträchtigt die Lebensqualität. Suchen Sie sich Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe. Diese bietet nicht nur Rat, wie man mit den Beschwerden besser umgehen kann. Vielen Patient*innen hilft es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, weil diese die Einschränkungen und Belastungen am besten verstehen können.
Komplementärmedizin
Für nicht-schulmedizinische Heilmethoden gibt es keine oder nur kleine und wenig aussagekräftige Studien. Betroffene berichten aber mitunter von positiven Wirkungen. Zum Beispiel kann eine Ernährungsumstellung auf eine histaminarme Kost hilfreich sein, insbesondere wenn bestimmte Lebensmittel als Trigger nachweisbar sind. Die Einnahme von Magnesium und Vitamin-B-Präparaten kann möglicherweise die Häufigkeit und Schwere der Attacken reduzieren. Einige Betroffene berichten, dass ihnen das Trinken von Energydrinks als Sofortmaßnahme während der Attacke hilft.
Weiterführende Informationen
Internetseite des Clusterkopfschmerz-Selbsthilfeverbands Deutschland e. V. (CSG, Waldfeucht): Unter den Rubriken Downloads und Broschüren finden Sie hilfreiche Faltblätter, einen Clusterkopfschmerz-Kalender und Ratgeber zum Herunterladen, z. B.: Clusterkopfschmerz – 100 Fragen 100 Antworten von H. Müller
Quellen:
- AWMF (2015) Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. S1-Leitlinie von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Reg. Nr. 030 - 036, Langfassung. Abrufbar unter https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-036
- Pschyrembel (2025) Cluster-Kopfschmerz. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 11.02.2025 unter https://www.pschyrembel.de/Cluster-Kopfschmerz/K052X/doc/
- Amboss (2025) Cluster-Kopfschmerz. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 11.02.2025 unter https://next.amboss.com/de/article/Ri0lrf?q=Cluster-Kopfschmerz
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

