Gesundheit heute
Klinisch-neurologische Untersuchungen in der Neurologie
Die klinisch-neurologische Untersuchung ist erster und oft entscheidender Bestandteil der Diagnostik. Sie kann sehr aufwendig sein, und jeder Untersucher entwickelt seine eigene Reihenfolge, um nichts zu vergessen. Die verschiedenen Untersuchungsbereiche können dabei je nach Verdachtsdiagnose ganz kurz ausfallen oder sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.
Bewusstsein und Sprache. Die Untersuchung von Bewusstsein und Sprache erfolgt meist während der Anamneseerhebung. Ist der Patient wach, schläfrig oder nicht ansprechbar? Weiß er, wo er sich befindet und weshalb? Kann er seine Beschwerden selbst darstellen, bereitet ihm das Finden einzelner Wörter Mühe, spricht er nur in Floskeln oder gar nicht? Ist seine Sprache angestrengt oder mühelos, deutlich oder verwaschen? Weitergehende Untersuchungen, etwa eine genaue Einschätzung des Bewusstseins mithilfe der Glasgow-Koma-Skala oder spezielle Sprachtests, folgen bei entsprechendem Verdacht.
Bewegung und Koordination. Zur Bewegungsprüfung lässt der Arzt den Patienten meist einige Male durch den Raum laufen, auch im „Gänsefüßchenschritt“, rückwärts und mit geschlossenen Augen. Beidseitiges Händeschütteln und das Anheben-Lassen der Beine im Liegen gegen Widerstand decken Seitenunterschiede der Muskelkraft und damit leichte Lähmungen auf. Stehen und Auf-der-Stelle-Gehen mit geschlossenen Augen, das Berühren der Nasenspitze mit dem Zeigefinger oder im Liegen das Berühren des Knies mit der Ferse des anderen Fußes (beides ebenfalls mit geschlossenen Augen) sind einfache, aber aussagekräftige Koordinationstests. Im Rahmen der Bewegungs- und Koordinationsprüfungen achtet der Untersucher auch auf den Muskeltonus (die Muskelgrundspannung), also darauf, ob die Muskeln zu „steif“ oder zu „schlaff“ sind, sowie auf sichtbar geschrumpfte Muskulatur.
Hirnnerven. Einige Hirnnerven werden routinemäßig getestet, etwa der Gesichts- oder Fazialisnerv durch Stirnrunzeln, Augenschließen, Backen-Aufblasen und Pfeifen. Andere Hirnnervenfunktionen hingegen, etwa der Geruchssinn, werden im praktischen Alltag nur bei Verdachtsmomenten untersucht.
Empfinden (Sensibilität). Auch die Fähigkeit, verschiedene Reize aufzunehmen und zu erkennen, wird im Rahmen der neurologischen Untersuchung geprüft. Getestet wird das Berührungsempfinden (leichtes Berühren der Haut, Zahlen-Schreiben auf die Haut), das Schmerzempfinden (z. B. durch Kneifen), das Temperaturempfinden (etwa indem Röhrchen mit kaltem und warmem Wasser an die Haut gehalten werden) und der Tiefensinn, etwa durch Aufsetzen einer angeschlagenen Stimmgabel auf Knochen. Ganz wesentlich ist es, genau auszutesten, welcher Körperbereich von der Störung betroffen ist, da dies Rückschlüsse auf den Schädigungsort erlaubt.
Reflexprüfung. Wohl bekanntester Bestandteil der neurologischen körperlichen Untersuchung ist die Reflexprüfung und dabei die Prüfung der Eigenreflexe: Ein Muskel wird durch Schlag auf seine Sehne mit einem kleinen Hämmerchen gedehnt. Als Reaktion folgt eine kurze Muskelzuckung. Wie lebhaft die Eigenreflexe sind (wie stark es also zuckt), ist individuell sehr unterschiedlich.
Bei Fremdreflexen sind der Ort der Reizung und der Ort der Reaktion verschieden. Diagnostisch bedeutsam ist z. B. der Babinski-Reflex: Streckt sich die Großzehe auf festes Streichen über den seitlichen Fußsohlenrand nach oben, so ist dies ein Hinweis auf eine Schädigung von Bewegungsbahnen im zentralen Nervensystem.
Tanzen fördert Beweglichkeit und Koordination und ist deshalb für Menschen mit Morbus Parkinson besonders gesund.
Mit Bewegung gegen Parkinson
Gehen, Tanzen, Gewichte stemmen
Ohne Medikamente geht es nicht beim Morbus Parkinson. Die Erkrankten profitieren aber auch von nicht-medikamentösen Maßnahmen. So können sportliche Aktivitäten, aber auch Verfahren zum Stressabbau die Beschwerden häufig lindern.
Dopaminmangel muss ausgeglichen werden
Beim Morbus Parkinson sterben im Gehirn die Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin bilden. Durch den Dopaminmangel kommt es zu Bewegungsstörungen, die im Verlauf der Krankheit schubweise zunehmen. Typisch sind das Zittern (Tremor), Gehstörungen und die Muskelsteife, das sogenannte Einfrieren. Basis der Therapie ist die Einnahme von Medikamenten, um den Dopaminhaushalt zu stabilisieren. Daneben gibt es aber noch einige Maßnahmen, die zusätzlich helfen.
Tanzen besonders effektiv
Körperliche Aktivität verbessert bei Menschen mit Parkinson nachgewiesenermaßen die Motorik. Einer aktuellen Analyse zufolge soll Tanzen besonders effektiv sein. Zwei- bis dreimal die Woche eineinhalb Stunden das Tanzbein zu schwingen bringt Koordination und Bewegung auf Vordermann. Auch flottes Gehen ist hilfreich, hierbei werden ebenfalls drei Einheiten pro Woche empfohlen.
Gut für die Muskeln ist Krafttraining. Studien zufolge reduziert es die Muskelsteife und hilft so gegen das Einfrieren. Tai-Chi und QiGong wiederum sind effektiv, wenn die Betroffenen unter Müdigkeit, Erschöpfung oder Stimmungstiefs leiden.
In der Gruppe oder zu Hause trainieren
Besonders von Vorteil ist es, wenn in Gruppen trainiert wird. Denn mit anderen zusammen ist man motivierter und schafft es eher, den inneren Schweinehund zu überwinden. Wer dazu keine Gelegenheit hat, kann aber auch zu Hause aktiv werden. Motivierend wirken dabei Telesport, Gaming, virtuelle Realität oder Bewegungsapps.
Eine besonders beliebte Variante des Gleichgewichtstrainings ist das Exergaming. Dabei handelt es sich um Spiele, die den Spieler aktiv dazu bringen, sich zu bewegen (z.B. tanzen, springen, boxen, laufen), um im Spiel weiterzukommen. Genutzt werden dabei Bewegungssensoren, Gamepads, VR Brillen oder andere spezielle Geräte wie Spinning Bikes oder Balance Boards.
Stressabbau nicht vergessen
Neben aktivierenden Maßnahmen ist aber auch Entspannung hilfreich. Denn Stress ist Gift für Parkinsonkranke: Er verstärkt vor allem die motorischen Beschwerden. Umgekehrt kann Stressabbau den bei der Erkrankung typischen Tremor bessern. Und nicht zuletzt mindern achtsamkeitsbasierte Übungen, Yoga und Meditation bei vielen Betroffenen die häufig vorhandenen Ängste und Depressionen.
Quelle: Ärztezeitung

