Gesundheit heute

Weißfleckenkrankheit

Weißfleckenkrankheit (Vitiligo): Bildung von weißen pigmentfreien Flecken auf der Haut (eventuell auch auf der Schleimhaut), meistens zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr beginnend. Ursache ist der Untergang von Pigmentzellen (Melanozyten), vermutlich hervorgerufen durch Autoimmunreaktionen. Die gutartige, jedoch nicht heilbare Hautkrankheit tritt familiär gehäuft auf.

Leitbeschwerden

  • Anfangs scharf begrenzte linsen- bis münzgroße, weiße Hautflecken, die sich mit der Zeit vergrößern und zusammenwachsen. So entstehen unregelmäßig begrenzte größere, weiße Hautbereiche („scheckiges Aussehen“)
  • Eventuell auch Entfärbung der an den entfärbten Hautbereichen wachsenden Haare.

Wann zum Arzt

Wenn die Hautveränderungen kosmetisch stören.

Die Erkrankung

Im Gegensatz zum Albinismus, bei dem der Pigmentmangel bereits angeboren ist, tritt die Weißfleckenkrankheit erst später in Erscheinung. Nicht selten liegen gleichzeitig weitere Autoimmunkrankheiten vor, z. B. kreisrunder Haarausfall, Diabetes, Nebennierenrinden-Unterfunktion oder Schilddrüsenerkrankung wie eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Durch den fehlenden Pigmentschutz sind die entfärbten Hautstellen sehr lichtempfindlich und sonnenbrandgefährdet. Auch das Hautkrebsrisiko ist erhöht. Je nach Ausmaß kann die Weißfleckenkrankheit kosmetisch sehr störend sein und einen hohen Leidensdruck beim Betroffenen erzeugen.

Die Vitiligo kann an allen Körperstellen auftreten. Besonders häufig betroffen sind Hände, Füße und Leistengegend sowie sonnenexponierte Körperstellen wie Gesicht oder Hals. Befinden sich an der betroffenen Körperstelle Haare, werden auch diese meist weiß. 

2837_GTV_Weissfleckenkrankheit.jpg|Weißfleckenkrankheit in der Nahaufnahme (links oben), im Gesicht eines 26-jährigen Mannes (rechts) sowie an der Hand einer 55-jährigen Frau (links unten). |[GTV 2837]|Beispielfotos von Weißfleckenkrankheit

Bei der häufigen, generalisierten Form (90 %) treten auf beiden Körperseiten großflächige Flecken auf. Die Flecken vergrößern sich zunehmend. Schließlich können bis zu 80 % der Körperoberfläche depigmentiert sein. Bei der seltenen, lokalen Form der Vitiligo (10 %) kommt es nur vereinzelt zu weißen Flecken, die sich in der Regel auch nicht weiter ausbreiten.

Das macht der Arzt

Die Diagnose stellt der Hautarzt anhand der entfärbten Hautflecken. Um sicherzugehen, kann er das Blut auf Autoantikörper untersuchen und eventuell eine Hautprobe entnehmen. Die Weißfleckenkrankheit ist nicht heilbar und die Behandlungserfolge sind leider häufig unbefriedigend.

Zu einer stellenweisen Verbesserung der Hautpigmentierung führen oft Bestrahlungen mit UVB-Licht, UVA-Licht (Puva-Therapie) oder UVB-Laser. Sie sollen die Bildung von Melanin anregen. Laserbehandlungen eignen sich nur bei einer lokalisierten Vitiligo. Bei einer großflächigen Depigmentierung gilt eine Bestrahlung mit einer Wellenlänge von 311 Nanometer als besonders effektiv. Diese Wellenlänge verursacht keinen Sonnenbrand, hemmt jedoch bestimmte Abwehrzellen, die bei der Vitiligo möglicherweise überaktiv sind. Bestrahlt wird in der Regel zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von 10-12 Wochen.

Gute Erfolge zeigen auch Salben mit den immunsuppressiven Wirkstoffen Tacrolimus in Protopic® oder Pimecrolimusin Elidel®. Sie ersetzen zunehmend die bislang üblichen Kortisonsalben, die bei der erforderlichen Behandlungsdauer von 6 bis 8 Monaten meist zu erheblichen Hautschäden führen. Bestrahlung und Salben werden auch in Kombination angewendet, da Studien darauf hinweisen, dass die Salben die Ergebnisse der Bestrahlung verbessern. An Problemzonen wie Mundwinkeln oder Augenlidern hilft Vitix®-Gel. Es enthält antioxidative Enzyme aus Melonenfruchtextrakt. Sie sollen die Wirkung der Lichttherapie verbessern sowie die körpereigene Melaninproduktion ankurbeln.

Eine wirksame, aber aufwendige Behandlungsmethode ist die Verpflanzung von körpereigenem Hautgewebe oder von Pigmentzellen, die nach Entnahme aus gesunden Hautarealen im Labor vermehrt und anschließend mittels einer Haftsalbe auf die (zuvor mit Laser behandelten) erkrankten Hautstellen aufgetragen werden. Die Methode eignet sich nur für kleinere Areale. Sind mehr als 60 % der Hautfläche von Vitiligo befallen, bietet sich als letzte Möglichkeit die dauerhafte Entfärbung der restlichen Hautareale durch Bleichen an. Als Bleichverfahren bieten sich die Kryotherapie (Kältetherapie), ein chemisches Peeling oder ein chemisches Bleichmittel an. Genereller Nachteil des Bleichen ist, dass damit noch mehr körpereigener Pigmentschutz verloren geht.

Selbstbehandlung

Durch Selbstbräuner, handelsübliches oder medizinisches Make-up (Camouflage) kann man die weißen Hautflecken an die natürliche Hautfarbe angleichen. Die Anwendung sollte man sich anfangs von einer Kosmetikerin zeigen lassen. Medizinisches Camouflage-Make-up schützt gleichzeitig vor UB-Strahlung.

Eine etwas gleichmäßigere Hauttönung kann man auch durch die Einnahme von Kapseln mit Betakarotin (z. B. in Carotaben® Kapseln) erzielen, da sich die gelblich-bräunliche Substanz in die Hornschicht der Haut einlagert. Sowohl Selbstbräuner als auch Betakarotin schützen jedoch nicht vor UV-Strahlung. Man sollte immer auf einen guten Sonnenschutz (LSF 50+) achten, da die entfärbten Hautbereiche eine erhöhte Sonnenbrandneigung und Hautkrebsgefahr aufweisen und extreme Sonneneinstrahlung den Krankheitsverlauf verschlechtern kann. Damit der Kontrast zwischen der weißen Flecken und der übrigen Haut nicht noch stärker wird, sollten auch die pigmentierten Hautstellen mit einem starken Sonnenschutzmittel eingecremt werden.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Berthold Gehrke, Dr. Ute Koch in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Zoster-Impfung schützt das Gehirn

Wer im Alter gesund und fit sein möchte, sollte sich auch gegen Zoster impfen lassen.

Zoster-Impfung schützt das Gehirn

Jede fünfte Demenz vermeidbar?

Die Zosterimpfung schützt offenbar nicht nur vor der schmerzhaften Gürtelrose. Neue Studien zeigen, dass sie auch vor Demenz bewahren kann.

Zosterimpfung für alle ab 60 Jahren empfohlen

Die Impfung gegen Herpes zoster wird in Deutschland allen Personen über 60 Jahren und Über-50-Jährigen mit Immunschwäche oder bestimmten chronischen Erkrankungen empfohlen. Der Totimpfstoff, der zweimal verimpft wird, verringert nicht nur das Risiko, dass eine Gürtelrose auftritt. Kommt es trotz Impfung zu dazu, entwickeln sich seltener schwere Komplikationen wie z. B. die postherpetische Neuralgie.

20 % weniger Demenzkranke

Doch offenbar kann die Zosterimpfung noch mehr. Zwei neuen Studien zufolge schützt sie auch vor Demenz. In der ersten Studie verglich man Menschen über 50 Jahren, die entweder eine Pneumokokken- oder eine Zosterimpfung erhalten hatten. Beeinflussende Faktoren wie Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen wurden in der Analyse berücksichtigt. Das Ergebnis: In der Zoster-Gruppe litten drei Jahre später deutlich weniger Personen an Demenz als in der Pneumokokken-Gruppe. Bei der Lebendimpfung (die heute in Deutschland nicht mehr empfohlen wird) waren es 14 % weniger, beim Totimpfstoff etwa 24 %.

Ein ähnliches Ergebnis brachte eine britische Studie an 80-Jährigen zutage. Darin war die Demenzrate unter den Zoster-Geimpften um etwa 20% niedriger als bei den Senior*innen, die keine Zosterimpfung erhalten hatten.

Verklumpung von Eiweißen verringert

Eine Zosterimpfung kann offenbar jede fünfte Demenzerkrankung verhindern. Dabei scheint der Totimpfstoff effektiver zu sein als der Lebendimpfstoff. Vermutlich schützt die Impfung, indem sie die schädliche Wirkung des Varicella-Zoster-Virus im Gehirn abmildert, hieß es auf der Internationalen Konferenz der Alzheimer-Association in Philadelphia. Das Virus soll z.B. die Verklumpung bestimmter Eiweiße im Gehirn vorantreiben. Außerdem scheint es kleine Vesikel zu produzieren, die sowohl die Gefäße schädigen als auch das Immunsystem dämpfen.

Quelle: SpringerMedizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Oneinchpunch