Gesundheit heute
Krätze
Krätze (Scabies): Durch weibliche Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) hervorgerufene ansteckende Hautkrankheit. Diagnostisch wegweisend ist der starke, vor allem nächtliche Juckreiz, die Hauterscheinungen variieren je nach Ausmaß von kommaförmigen Papeln bis zu verkrusteten Läsionen. Untermauert wird die Verdachtsdiagnose durch den mikroskopischen Nachweis von Milben, ihren Eiern und Milbenkot in abgeschabten Hautpartikeln.
Zum Abtöten der Krätzmilben kommen Cremes und Lotionen zum Einsatz, in schweren Fällen müssen die Anti-Krätzmittel auch oral eingenommen werden. Um eine erneute Infektion zu vermeiden ist es notwendig, Bettwäsche, Kleidung, Stofftiere und andere körpernahe Textilien und Gegenstände durch Hygienemaßnahmen von Krätzmilben zu befreien.
Symptome und Leitbeschwerden
- Vor allem nächtlicher Juckreiz
- Gewundene, millimeterlange tastbare Milbengänge mit dunklen Pünktchen am Gangende (Milbenhügel)
- Später Papeln, Knötchen, Bläschen und Verkrustungen
- Kratzeffekte.
Wann zum Arzt
Am gleichen Tag, wenn
- oben genannte Beschwerden oder Hautanzeichen auftreten.
Die Erkrankung
Epidemiologie
Die Krätze ist weltweit verbreitet, nach Daten der WHO sind weltweit 300 Millionen Menschen an ihr erkrankt. Wie viele Personen in Deutschland infiziert sind, ist unklar, da die Krätze nur meldepflichtig ist, wenn sie in Einrichtungen wie z. B. Kitas, Gefängnissen oder Pflegeheimen auftritt. Die Datenlage ist laut Robert Koch-Institut daher sehr lückenhaft. Seit einigen Jahren werden jedoch mehr Anti-Krätzemittel verordnet, weshalb Expert*innen von einer Zunahme der Erkrankung ausgehen.
Die Krätze kann Menschen jeden Alters betreffen, durch vermehrte Nähe beim Stillen, Kuscheln und Geschlechtsverkehr werden aber vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Personen zwischen 15 und 45 Jahren von der Krätzmilbe befallen.
Übertragung
Die Übertragung der Krätzmilben erfolgt vor allem direkt durch engen körperlichen Kontakt (auch beim Geschlechtsverkehr), seltener indirekt über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Kleidung, Kissen, Bettwäsche, Kuscheltiere oder Blutdruckmanschetten. Dabei ist Krätze keine Folge mangelhafter Hygiene – sie kommt auch in den besten Familien vor. Bevor die Infektion bemerkt wird, vergehen meist bis zu 8 Wochen. Die ersten Beschwerden zeigen sich erst 3–4 Wochen nach Ansteckung. An Krätze Erkrankte sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergärten nicht besuchen.
Klinik und Lokalisation
Das Milbenweibchen bohrt Gänge in die Hornschicht der Haut. Dort legt es seine Eier ab, aus denen sich binnen 3 Wochen neue Milben entwickeln. Bei genauem Hinsehen sind die bis zu 1 cm langen Milbengänge an den betroffenen Hautstellen als winzige gerötete Linien mit leicht erhöhtem Ende sichtbar, später kommen oft kleine rötliche Knötchen und Bläschen hinzu. Insbesondere bei Kindern bilden sich manchmal auch 1–2 cm große braunrote Knoten, bevorzugt an Rumpf und Genitalien.
Bevorzugt befallen werden Hautbereiche mit sehr dünner Haut, z. B.
- zwischen den Fingern oder den Zehen
- an den Handgelenken, Ellenbeugen
- am inneren Fußrand
- an Brustwarzen und am Penis
- an Kopf, Gesicht, Hand- und Fußsohlen (bei Säuglingen).
Der begleitende quälende Juckreiz entsteht als Reaktion auf den Milbenkot. Er nimmt bei Wärme (z. B. nachts im Bett) zu und verleitet zum Aufkratzen der Haut.
Sonderformen
Scabies crustosa (Krustenkrätze). Diese Variante der Krätze ist hoch ansteckend und trifft vor allem Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist. Die Haut ist massenweise von Milben befallen, es bilden sich Krusten und Borken auf rotem Grund. Weil die Immunreaktion geschwächt ist, empfinden die Betroffenen oft keinen Juckreiz. Patient*innen mit einer Scabies crustosa werden isoliert und sowohl äußerlich als auch innerlich mit Anti-Krätzmitteln behandelt.
Scabies nodosa. Sehr seltene Form der Krätze mit verstärkter Immunreaktion auf den Milbenkot. Typisch sind stark juckende Knötchen, die sich erst lange nach Behandlung zurückbilden. Betroffen sind meist Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen, vor allem am Genital, in der Analregion und in den Achselhöhlen.
Komplikationen
Die durch das Kratzen verletzte Haut neigt zu bakteriellen Infektionen, die sich in eitrigen Pustelausschlägen ( Impetigo) äußern.
Diagnosesicherung
Wegweisend für die Diagnose sind der nächtliche Juckreiz und enger Kontakt zu Betroffenen in der unmittelbaren Umgebung. Um die Krätze von Hauterkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild, z. B. einer Kontaktallergie oder Neurodermitis zu unterscheiden, hat die Ärzt*in folgende Möglichkeiten:
- Untersuchung von Hautmaterial mit dem Lichtmikroskop: Hierzu öffnet sie mit einer Nadel oder einem Skalpell einen Milbengang am blinden Ende (also am Milbenhügel) und schabt den Ganginhalt auf einen Objektträger. Unter dem Mikroskop lassen sich dann meist Milben, Eier und Milbenkot erkennen.
- Untersuchung der Haut mit dem Auflichtmikroskop (Dermatoskopie). Hierbei benutzt die Ärzt*in eine besonders stark beleuchtete Lupe, die er direkt auf die erkrankte Hautstelle aufsetzt. Dabei erkennt sie die Milben oft an ihrer dreieckigen Form.
- Klebebandtest. Nach Aufkleben eines durchsichtigen Klebebandes auf eine verdächtige Hautstelle zieht die Ärzt*in den Klebefilm ruckartig ab und untersucht ihn unter dem Mikroskop auf Milbenkot, Eier und Milben. Der Klebebandtest ist für empfindliche Haut nicht geeignet.
Differenzialdiagnose. Die Krätze kann mit vielen juckenden Hauterkrankungen verwechselt werden, z. B. mit der Neurodermitis, Pilzerkrankungen der Haut, oder dem allergischen Ekzem. Wichtige Differenzialdiagnose für die Krätze, bei der sich Krusten ausgebildet haben, ist die Schuppenflechte.
Behandlung
Die Behandlungsziele bei der Krätze sind das Abtöten der Milben (und damit die Beendigung der Ansteckungsgefahr) und die Linderung des quälenden Juckreizes (und dadurch das Abheilen der Hautläsionen). Um erneute Infektionen zu vermeiden, muss außerdem die Umgebung des Infizierten saniert werden. Maßnahmen, mit denen man Milben aus Kleidung, Bettwäsche, Kuscheltieren und Heimtextilien entfernt, lesen Sie unter "Ihr Apotheker empfiehlt".
Die gewöhnliche Krätze kann zu Hause behandelt werden. Patient*innen mit einer Scabies crustosa weist die Ärzt*in meist in ein Krankenhaus ein, wo sie wegen der hohen Ansteckungsgefahr bis zum Behandlungsende isoliert werden.
Abtöten der Milben
Äußerlich anzuwendende Wirkstoffe. Zur Behandlung der Krätze stehen Salben, Emulsionen oder Gele mit milbenabtötenden Wirkstoffen zur Verfügung. Um die Milben vom Körper zu beseitigen, muss die gesamte Haut vom Hals abwärts behandelt werden. Da Krätze ansteckend ist, gilt dieses Vorgehen für die komplette Familie. Bei Säuglingen und Kleinkindern behandelt man Kopf und Kopfhaut mit, lediglich die Region um Augen, Nase und Mund werden ausgespart. Folgende Wirkstoffe stehen zur Verfügung:
- 5%ige Permethrin-Salbe (z. B. Infectoscab®) tötet die Krätzmilben bereits bei der ersten Behandlung ab. Dieses Insektizid ist trotz seiner stärkeren Wirkung für den Menschen weniger giftig als das früher eingesetzte Hexachlorcyclohexan (= Lindan, z. B. in Jacutin® Gel), bei dem darüber hinaus mehrere Behandlungen nötig sind. Permethrin ist Mittel der 1. Wahl für Patienten aller Altersklassen. Es ist auch Mittel erster Wahl bei Schwangeren und Stillenden, muss jedoch Off-Label angewendet werden, da es wie alle anderen Anti-Krätzmittel für Schwangere und Stillende nicht zugelassen ist.
- 25%iges Benzylbenzoat als Emulsion wird an 3 aufeinander folgenden Tagen auf die Haut aufgetragen und dann am 4. Tag abgewaschen bzw. abgeduscht. Als Emulsion eignet es sich auch zur Behandlung von befallener Kopfhaut. Für Kinder wird 10%ige Emulsion verwendet.
- Crotamiton als 10%ige Lösung, Creme oder Salbe wird an 3–5 Tagen aufgetragen und danach abgewaschen.
Hinweis: Bei Babys und Kleinkindern sollten nach dem Einreiben die Hände verbunden und die Körperhaut vollständig abgedeckt werden, damit der Wirkstoff nicht von der Haut abgeleckt werden kann.
Hinweis: Auch Haustiere (besonders Katzen) sollten unbedingt von behandelter Haut ferngehalten werden. Da sich Hund und Katze beim Menschen mit Krätzmilben anstecken können (und diese dann wieder auf den Menschen übergehen können), sollten sie im Verdachtsfall am besten in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Dort erhalten sie die passende Behandlung.
Innerlich anzuwendende Wirkstoffe. Seit Mai 2016 ist in Deutschland eine systemische Behandlung mit Ivermectin-Tabletten (Scabioral®) möglich. Einzunehmen sind einmalig 200 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Empfohlen wird die systemische Behandlung bei immunsupprimierten Patient*innen und Patient*innen, die auf Permethrin-Salbe nicht ansprechen. Eine weitere Indikation sind großflächige Ekzeme. Zusätzlich eignet sich Ivermectin zur Behandlung von Betroffenen, bei denen eine korrekte Behandlung mit äußerlichen Mitteln nicht zu gewährleisten ist, etwa bei körperlichen und geistigen Behinderungen oder organisatorischen Schwierigkeiten.
Wiederholung der Therapie. In folgenden Fällen ist es empfehlenswert, die lokale oder orale Therapie nach 7 bzw. 14 Tagen zu wiederholen:
- Abwehrgeschwächte Patient*innen
- Ausgedehnte Krätze
- Zeichen einer aktiven Infektion nach 14 Tagen (Papeln, Gänge, mikroskopischer Nachweis)
- Krätze in Gemeinschaftseinrichtungen (um Infektionsketten zu unterbrechen)
- Scabies crustosa.
Behandlung des Juckreizes
Gegen den quälenden Juckreiz, der die Betroffenen vor allem nachts um den Schlaf bringt, verordnet die Ärzt*n juckreizstillende Mittel wie orale Antihistaminika (z. B. Levocetirizin oder Desloratidion) oder niedrig-dosierte Kortison-Salben.
Dauer der Ansteckungsgefahr
Nach abgeschlossener Behandlung mit einem Anti-Krätzemittel zum Einreiben oder 24 Stunden nach Einnahme von Ivermectin gelten Betroffene mit gewöhnlicher Krätze nicht mehr als ansteckend, d. h. Kinder können wieder in die Schule oder Kindertagesstätte gehen.
Patient*innen mit einer Scabies crustosa sind hochansteckend und müssen während ihrer gesamten Behandlungszeit (etwa 2 Wochen) isoliert bleiben.
Sind Personen einer Gemeinschaftseinrichtung an einer Krätze erkrankt, gelten besondere Bestimmungen. So werden Kontaktpersonen und (behandelte) Infizierte über 6 Wochen lang mehrfach nachuntersucht und müssen der Gemeinschaftseinrichtung fernbleiben, bis eine Weiterverbreitung ausgeschlossen ist.
Prognose
Oft dauert es nach der Therapie noch mehrere Tage oder sogar Wochen, bis die Hautveränderungen und der Juckreiz abklingen. Dies ist kein Hinweis auf eine unzureichende Wirkung, sondern auf eine allergische Reaktion, die von dem verbleibenden Kot sowie den abgetöteten oder geschädigten Milben ausgelöst wird.
Ihr Apotheker empfiehlt
Sanierung der Umgebung
- Beziehen Sie nach der Behandlung die Betten neu und wechseln Sie die Kleidung.
- Waschen Sie Kleider, Handtücher, Bettwäsche, Pantoffeln und Stofftiere mindestens 10 Minuten bei 60 °C. Falls eine solche Wäsche nicht möglich ist, können Sie auch ein Heißdampfgerät benutzen.
- Alternativ frieren Sie Textilien (auch Kuscheltiere und andere „körpernahe“ Gegenstände) für 2 Stunden bei −25 °C ein, um die Milben abzutöten. Herkömmliche Tiefkühltruhen kühlen jedoch häufig nur auf −18 °C, ob diese Temperatur zum Abtöten der Krätzmilben ausreicht ist ungewiss, es liegen dazu keine Daten vor.
- Sie können Kuscheltiere, Pantoffeln und andere Textilien auch in einen Plastiksack stecken und diesen 72 Stunden lang bei 21 °C konstanter Temperatur lagern.
- Saugen Sie Möbel wie Sofas, Sessel oder Betten sowie Fußbodenbeläge sorgfältig mit dem Staubsauger ab. Außerhalb des menschlichen Körpers überleben die Milben bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchte höchstens 2–4 Tage, bei kühlerer und feuchter Luft (z. B. in Kellern) auch bis zu 14 Tagen.
- Bei Skabies crustosa müssen Sie auch die Matratze der Patient*in dekontaminieren. Das gelingt z. B., indem Sie die Matratze 7 Tage unbenutzt bei einer Raumtemperatur von mindestens 21 °C lagern.
Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Als wirksam hat sich die äußerliche Anwendung von 5%igem Teebaumöl erwiesen. In Versuchen verendeten Krätzmilben innerhalb von wenigen Stunden nach Einreibungen mit Teebaumöl.
Hydrotherapie. Unterstützend zur medikamentösen Behandlung können Bäder mit Hopfen, Baldrian, Rosmarin oder Melisse genommen werden. Auch ansteigende Arm- und Fußbäder (z. B. angereichert mit ätherischen Ölen aus Kampfer, Nelken oder Lavendel), oder Ölbäder sind empfehlenswert.
Weiterführende Informationen
RKI-Ratgeber zur Krätze unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html
Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG):§ 34 unter https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__34.html
Bei ausreichend Sonnenschutz hat die Haut auch in vielen Jahren noch gut lachen.
Wolken, Sonnenhut oder Creme
Was schützt am besten vor der Sonne?
Dass zu viel Sonne Hautkrebs verursacht, ist inzwischen wohl jedermann bekannt. Zu sommerlichen Sonnenfreuden — egal ob im Schwimmbad, beim Wandern oder beim Sonnenbad auf dem Balkon — gehört deshalb immer ein ausreichender Sonnenschutz. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie Sie die Intensität von UV-Strahlen besser beurteilen können, welche Textilien schützen, was Sie in puncto Lichtschutzfaktor beachten müssen und was vom Sonnenschutz von innen zu halten ist.
Sonnenlicht und Haut
Sonnenstrahlen haben es in sich: Etwa die Hälfte des Strahlenbündels ist sichtbares Licht, 44% davon sind Wärme und ungefähr 4% bestehen aus ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen). Schädliches Potenzial für die menschliche Haut haben vor allem das langwellige UV-A-Licht und das kurzwelliges UV-B-Licht , diskutiert wird zudem der Einfluss von Infrarotstrahlung und hochenergetischem Licht im Bereich von 400 bis 780 nm.
Dringen UV-Strahlen in die Zellkerne der Hautzellen vor, lösen sie dort spezifische Veränderungen (Mutationen) an der Erbsubstanz, der DNA, aus. Die langfristigen Folgen dieser Erbgutveränderungen sind eine beschleunigte Hautalterung sowie die Bildung von Krebsvorstufen (Präkanzerosen) und Hautkrebs (Malignes Melanom, Basaliom).
In geringen Maßen kann sich die Haut selbst vor der schädlichen Strahlung schützen. So ist der Kontakt mit UV-Strahlen Auslöser dafür, dass sich den oberen Hautschichten Zellen vermehren und eine Lichtschwiele entsteht - die Haut wird also dicker und unempfindlicher. Dringen die UV-Strahlen in tiefere Hautschichten ein, bildet sich dort vermehrt das Pigment Melanin. Das dunkle Melanin legt sich wie ein Schutzschild über den Zellkern und fängt UV-Strahlung ab. In der Folge erreichen weniger schädigende UV-Strahlen das Erbgut der Hautzellen, als Nebeneffekt wird die Haut gebräunt.
Diese natürlichen Schutzmechanismen sind die Grundlage für die „Eigenschutzzeit“. Abhängig von Hauttyp und Intensität der UV-Strahlung gibt sie an, wie lange man sich ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen in der Sonne aufhalten kann (in der Regel zwischen 5 Minuten beim hellsten Hauttyp und 60 Minuten beim Hauttyp 5). Wie man sieht, ist der Eigenschutz bei heller Haut sehr schnell überfordert. Um länger die Sonne genießen zu können, benötigen vor allem hellhäutige Menschen einen ausreichenden Lichtschutz.
Hinweis: Hautkrebs entsteht durch Veranlagung, aber auch durch äußere Ursachen, die sich beeinflussen lassen. Als bedeutsamster Risikofaktor gilt das UV-Licht, daneben erhöht aber auch das Rauchen das Hautkrebsrisiko.
Lichtschutz muss sein
Strenggenommen ist Sonnenschutz ganz einfach: So soll starke Sonneneinstrahlung, wann immer möglich, gemieden werden. Zum Glück für Outdoorfreunde und Sonnenanbeter gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, sich vor den Schädigungen durch UV-Licht zu schützen. In einer Rangfolge nach Nutzen geordnet sind dies:
- Sonnenexposition und UV-Strahlung beurteilen und sich danach verhalten
- textilen Lichtschutz tragen
- Sonnenschutzpräparate verwenden.
Hinweis: Viele Menschen setzten sich lange ungeschützt der Sonne aus, weil sie glauben, so einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Dabei genügen schon täglich 10 Minuten Sonne auf der Haut, um die Vitamin-D-Bildung anzukurbeln. Das restliche Sonnenbad sollte zum Schutz vor Hautkrebs mit ausreichend Lichtschutz verbracht werden.
Strahlengefahr einschätzen
Bei der Entscheidung welcher und wie viel Lichtschutz erforderlich ist, helfen zur Beurteilung der UV-Intensität schon ein paar einfache Tipps:
- Um die Mittagszeit ist die UV-Strahlung am intensivsten, da sie senkrecht vom Himmel kommt und ihre Wegstrecke durch die strahlenabsorbierende Atmosphäre bis zur Erdoberfläche am kürzesten ist.
- Wolken schützen nicht vor UV-Strahlung, ein Großteil des UV-Lichts passiert die Wolkenschicht.
- Für Aufenthalte im Gebirge gilt: Pro 1000 Höhenmeter nimmt die Energie der UV-Strahlen um 15 bis 20% zu.
- Ein Sonnenschirm allein reicht häufig nicht, da die UV-Strahlen nicht nur von oben kommen. So reflektiert Schnee etwa 100% der Strahlung, weißer Sand 80% und bewegtes Wasser etwa 50% der Strahlung.
- Wasser schützt nicht vor UV-Strahlen: Etwa 50% der UV-B-Strahlen und 75% der UV-A-Strahlen dringen bis zu 1 m tief ins Wasser ein.
Wer Genaueres zur aktuellen Strahlungsintensität wissen möchte, zieht den UV-Index (UV-I) zu Rate. Hierbei handelt es sich um einen wissenschaftlichen Wert, der Auskunft über die sonnenbrandwirksame Bestrahlungsstärke gibt. Dieser Wert wird mit Hilfe von Sonnenstand, Bewölkung, Ozonschicht und Höhenmeter berechnet und wie die Wetterdaten regelmäßig aktualisiert. Er umfasst eine Skala von 1 bis 11+. Jedem Skalenabschnitt sind bestimmte Vorkehrungsmaßnahmen zugeordnet. Beispielsweise erfordern UVI-Werte von 1–2 keinen UV-Schutz, ab einem UVI-Wert von 3 werden T-Shirt, Sonnenschutzmittel und Kopfbedeckung erforderlich und bei UVI-Werten über 8 ist es besser, mittags nicht nach draußen zu gehen. In Deutschland beträgt der UVI beispielsweise in den Monaten Mai bis August mittags um 13:00 Uhr etwa 5 bis 8, nähert sich damit also der hohen gesundheitlichen Gefährdung. Morgens um 10 Uhr und nachmittags um 16 Uhr beträgt er dagegen nur die Hälfte.
Hinweis: Der UV-Index wird regelmäßig vom Deutschen Wetterdienst veröffentlicht und ist online unter www.uv-index.de zu finden.
Lichtschutz einfach anziehen
In der hautärztlichen Lichtschutz-Hitparade rangieren Kleidungsstücke und Hüte noch vor den Sonnencremes an dritter Stelle. Das liegt daran, dass mit geeigneten Textilien ein deutlich stärkerer Sonnenschutz erzielt werden kann. Der Lichtschutz durch T-Shirt & Co. hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Je dichter der Stoff gewebt und je dunkler er ist, desto besser ist der UV-Schutz. Dazu kommt noch der Zustand des Gewebes: Ein helles Baumwoll-T-Shirt lässt etwa 10 bis 20% der UV-Strahlen durch. Ist es nass (z. B. nach dem Aufenthalt im Wasser), erhöht sich die Durchlässigkeit um 50% und mehr.
Der UV-Schutz wird bei Textilien mit verschiedenen Normen gekennzeichnet, in Deutschland gibt es die Prüfmethode UV-Standard-801. Dabei wird die UV-Durchlässigkeit des Stoffs unter ungünstigsten Trage- bzw. Nutzungsbedingungen geprüft, z. B. bei Dehnung, Feuchtigkeit oder gealtertem Gewebe. Der danach ermittelte Schutzfaktor heißt UPF (Ultraviolett Protection Factor) und reicht von 10 bis 80. Er gibt an, um wieviel länger sich der Nutzer mit der UV-Schutzbekleidung in der Sonne aufhalten kann. Inzwischen gibt es zahlreiche Hersteller, die UV-Schutzkleidung für die verschiedensten Bereiche von Sport und Freizeit bis hin zu Arbeit anbieten.
Hinweis: Noch wird die UV-Schutzwirkung nicht generell auf Kleidungsstücken angegeben. Einen Hinweis ibt das Halten des Kleidungsstücks gegen die Sonne: Je weniger Licht der Stoff durchlässt, desto größer ist der UV-Schutz.
Sonnencreme — worauf muss man achten?
Sonnenöle, -milch und -cremes werden seit Jahrzehnten als Schutz vor UV-Strahlung eingesetzt. Ihr Maß ist der Lichtschutzfaktor (LSF). Multipliziert mit der Eigenschutzzeit gibt er an, wie viele Minuten man nach dem Auftragen vor einem Sonnenbrand geschützt ist. Der niedrigste LSF ist 6, der höchste 50+.
Ein Rechenbeispiel: Menschen mit Hauttyp 1 (sehr helle Haut, hellblonde Haare, blaue Augen, werden nicht braun in der Sonne) können ohne Lichtschutz etwa 5 Minuten in der Sonne bleiben. Mit einer Creme LSF 30 verlängert sich diese Zeit auf ca. 150 Minuten, also 2,5 Stunden. Nachcremen verlängert die Schutzzeit nicht, sorgt aber dafür, dass durch Schwitzen oder Abrieb auf das Badehandtuch verloren gegangene Creme ersetzt und der Lichtschutz aufrechterhalten wird.
Der LSF macht allerdings nur eine Aussage über den Schutz vor UV-B-Strahlen. Ob ein UV-A-Schutzfaktor (genannt UV-A-PF) vorliegt, lässt sich an einem auf der Packung aufgedruckten Symbol erkennen. Dieses kreisförmige Siegel sagt aus, dass der UV-A-PF mindestens ein Drittel des LSF beträgt. Ein Präparat mit LSF 30 muss also einen UV-A-PF von mindestens 10 aufweisen.
Doch ob LSF oder UV-A-PF, ein Lichtschutz kann nur wirken, wenn er richtig aufgetragen wird — und genau hier befindet sich die Achillesferse der Sonnencremes. Um ausreichend zu wirken, sind etwa 2 mg pro cm2 Haut aufzutragen. Ein 1,80 m großer, 80 kg schwerer Mann mit einer Körperoberfläche von 2 m2 braucht dementsprechend etwa 40 g Sonnenschutzmittel pro Anwendung. Das bedeutet, dass bei korrekter Verwendung ein Gebinde mit normaler Größe von 100 bis 200 ml nach 3 bis 5 Anwendungen leer ist. Feldversuche haben aber gezeigt, dass meist viel zu wenig Creme aufgetragen wird, um einen Schutz zu erzielen.
Tipp: Nicht nur die Menge der Sonnencreme zählt. Viele Sonnenfreunde schmieren zwar Brust und Rücken eifrig ein, vergessen aber die „Sonnenterrassen“ ihres Körpers. Denken Sie deshalb beim Eincremen immer auch an Kopfhaut (bei Glatzenträgern), Stirn, Ohren, Nasenrücken, Schultern und Fußrücken.
Sonnenschutz unter der Umwelt-Lupe
In Zeiten des Umweltschutzes haben Sonnencremes jedoch ein Manko. Experten schätzen, dass jährlich tausende Tonnen Sonnenschutzmittel in den Weltmeeren landen. Doch viele chemische UV-Filter sind biologisch nicht abbaubar und schädigen die Natur, vor allem die Meere und ihre Bewohner. Manche Experten plädieren deshalb dafür, Sonnenschutzmittel mit physikalischen UV-Filtern wie beispielsweise Zinkoxid oder Titanoxid zu verwenden (Beispiele für solche mineralischen Sonnencremes sind die Sensitiv Sonnencreme von Lavera, die Edelweiss Sonnenmilch von Weleda oder die Mineralische Sonnenmilch von Avène). Diese Wirkstoffe sind biologisch abbaubar und sollen z. B. den Korallen nicht schaden. Allerdings landen durch Sonnencremes mit Titanoxid vermehrt Aluminium, Siliciumdioxid und Phosphor in den Küstengewässern, wie spanische Wissenschaftler herausgefunden haben. Welche Auswirkungen das auf das maritime Ökosystem hat ist allerdings noch unbekannt.
Aktuell diskutieren Experten auch über die Auswirkungen chemischer UV-Filter auf den menschlichen Organismus. Vor allem die Frage, in wieweit die Wirkstoffe über die Haut in den Blutkreislauf gelangen, interessiert die Verbraucher. In der Europäischen Union müssen UV-Filter jedoch intensiv untersucht und geprüft werden. Laut Bundesamt für Risikobewertung „sind nach derzeitigem Wissenstand gesundheitliche Beeinträchtigungen bei den auf dem europäischen Markt erhältlichen Sonnenschutzmitteln nicht zu erwarten“.
Hinweis: Um seine Korallenriffe zu schützen, hat der pazifische Inselstaat Palau seit 1.1.2020 Produkte mit Oxybenzon oder Octinoxat verboten. Weitere Inselstaaten wollen diesem Vorbild folgen, in Hawaii tritt ein entsprechendes Gesetz ab 1. Januar 2021 in Kraft.
Sonnenschutz zum Schlucken?
Wie schön wäre es, wenn Verhüllen oder Einschmieren gar nicht nötig wären und man den Sonnenschutz einfach schlucken könnte. Immerhin wurde schon eine ganze Reihe von Substanzen auf einen möglichen Lichtschutzeffekt von innen geprüft. Durchgefallen sind die Kandidaten Selen, Vitamin E und Lykopin. Bei Beta-Carotin ist die Sache nicht so einfach. In einigen Studien konnte ein gewisser Schutzeffekt nachgewiesen werden, allerdings nur bei sehr hohen Dosierungen. Da die normale Versorgung der Bundesbürger mit Beta-Carotin aber ohnehin schon sehr hoch ist, wird eine weitere Einnahme nicht empfohlen.
Quellen: Renz Mang u.a., hautnah dermatologie, www.uv-index.de, www.euromelanoma.de

