Gesundheit heute
Akne
Akne (Acne vulgaris): Hauterkrankung, die mit Vergrößerung der Talgdrüsen, vermehrter Talgproduktion und dadurch begünstigten Entzündungen einhergeht. Sie tritt bevorzugt in der Pubertät auf und heilt in der Regel bis zum dritten Lebensjahrzehnt von allein ab.
Die Akne ist eine der häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Fast jeder Mensch hat in seiner Jugend mehr oder weniger stark ausgeprägte Pubertätspickel, denn eine der Ursachen ist ein vorübergehender Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen (Testosteron und andere Androgene) in der Pubertät. Daher verläuft eine Akne bei Jungen meist stärker als bei Mädchen. Neben Hormonen können aber auch Medikamente, Bakterien und Verhornungsstörungen eine Akne auslösen oder begünstigen.
In der Mehrzahl ist die Akne eine vorübergehende Erscheinung und lässt sich mit Hautreinigung und -pflege beherrschen. Schwere Akneformen erfordern jedoch eine medikamentöse Therapie mit externen und/oder internen Aknemitteln (Salben, Lotionen oder Gelen bzw. Tabletten).
Symptome und Leitbeschwerden
- Knötchen, Eiterbläschen und Mitesser auf allgemein fettiger Haut, bevorzugt im Gesicht, an Hals und Dekolleté und am Rücken
- Als Folgephänomen (das sich verselbstständigen kann) zwanghaftes Kratzen, Knibbeln und Drücken an betroffenen Stellen
- Im Verlauf Abszesse oder Narben.
Wann zum Arzt
Demnächst bei
- vermehrtem Auftreten von Mitessern
- Pusteln oder Papeln.
Die Erkrankung
Die Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Bis zu 80 % der Jugendlichen in Deutschland sind von ihr betroffen, Jungen und junge Männer meist stärker als Mädchen. Im späteren Alter trifft es dagegen vor allem das weibliche Geschlecht: In westlichen Industrieländern leiden etwa 40–50 % der Frauen zwischen 30 und 40 Jahren an einer Spätakne (Acne tarda) mit Mitessern, Pusteln und Papeln.
Krankheitsentstehung
Wie und warum sich eine Akne genau entwickelt ist noch nicht vollständig geklärt. Die Experten gehen von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus. Die wichtigsten sind:
Seborrhö (Überproduktion von Hautfetten durch die Talgdrüsen): Bei vermehrter Produktion von Talg durch die in der Lederhaut gelegenen Talgdrüsen kann dieser nicht mehr schnell genug an der Hautoberfläche abfließen und der Talg sammelt sich in den Talgdrüsen an.
Verhornungsstörungen. Bei Aknepatienten sterben die Hornzellen in der Oberhaut schneller ab, was allgemein als Verhornungsstörung bezeichnet wird. Die Hornzellen verkleben miteinander und bilden zusammen mit dem Talg einen Pfropf im Ausführungsgang der Talgdrüse. Der Pfropf, der den Talgabfluss zusätzlich behindert, ist unter dem Namen Mitesser (Komedo) bekannt. Erreicht er die Hautoberfläche, wird er durch den Hautfarbstoff Melanin dunkel getönt; diese Verfärbung ist jedoch keinesfalls ein Hinweis auf mangelhafte Hygiene.
Bakterienkolonisation. Unter einem Mitesser siedeln sich häufig Bakterien (Propionibakterien) an, die zu eitrigen Entzündungen führen; rote schmerzhafte Knötchen und eitrige Bläschen sind die sichtbaren Folgen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die oben geschilderten Vorgänge in der Haut werden durch verschiedene Ursachen ausgelöst oder aufrechterhalten:
- Hormonelle Einflüsse: Männliche Hormone stimulieren die Talgproduktion, Östrogene hemmen sie. Akne ist deshalb typisch für die Pubertät, für Zeiten, in denen die Hormone schwanken (vor der Menstruation, nach dem Absetzen der Pille, in der Schwangerschaft) und für Erkrankungen, bei denen männliche Hormone im Überschuss vorhanden sind (z. B. beim Hirsutismus)
- Genetische Veranlagung, z. B. erhöhte Werte des Wachstumsfaktors IGF-1
- Medikamente wie z. B. Kortison, Verhütungsmittel, DHEA-S (Steroidakne), Anabolika (Dopingmittel, Sportlerakne), Lithium, Vitamin-B-Präparate (Acne medicamentosa)
- Sonnenschutzmittel und UV-Strahlung (Mallorca-Akne)
- Chemikalien wie Schmieröl oder Chlor (Ölakne bzw. Chlorakne)
- Neugeborenenakne durch Hormone der Mutter
- Psychische Faktoren
- Rauchen
- Falsche Hautpflege mit sog. komedogenen (Mitesser-fördernden) Produkten wie Kakaobutter, Lanolin, Kokosnussöl
- Ob die Ernährung eine Rolle spielt ist umstritten.
Klinik
Je nach Schweregrad unterscheidet der Arzt verschiedene Akneformen:
- Die Acne comedonica ist gekennzeichnet durch zahlreiche, überwiegend geschlossene Mitesser (Komedonen).
- Bei der Acne papulopustulosa entstehen aus den Mitessern durch bakterielle Besiedelung Knötchen und teils eitrige Bläschen, vereinzelt bleiben Narben zurück.
- Die Acne conglobata zeichnet sich durch eine sehr starke Seborrhö (Talgproduktion) aus und tritt überwiegend bei Männern auf. V. a. an Rücken und Nacken entstehen große Mitesser sowie eitrig einschmelzende Knoten, die erhebliche Narben hinterlassen.
Verlauf
Bei den meisten Jugendlichen verläuft die Erkrankung mild. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen leidet unter Akneformen, die eine ärztliche Behandlung erfordern.
Diagnosesicherung
Die typische Akne ist für den Hautarzt eine Blickdiagnose. Um den Verlauf und einen Therapieerfolg besser beurteilen zu können, bestimmt und dokumentiert er den Schweregrad der Akne, z. B. anhand der Anzahl der Pusteln in einem definierten Hautbereich. Zum Einordnen der ursächlichen Faktoren befragt er den Betroffenen nach dem Zeitpunkt des Auftretens, seiner Ernährung, Kosmetikprodukten und der Einnahme von Medikamenten. Bei Frauen achtet der Arzt zudem auf den Behaarungstyp und andere, vermännlichende Anzeichen (Zyklusstörungen, tiefe Stimme).
Bei unklaren oder schweren Verläufen setzt der Arzt auch Laboruntersuchungen ein. Bestimmt werden dann z. B. Kortison, Blutbild, Entzündungswerte, Blutzucker und Insulin. Bei Frauen mit Unregelmäßigkeiten der Regel (Zyklusstörungen) oder anderen Hinweisen auf Hormonstörungen bestimmt der Arzt die Blutkonzentration von Hormonen wie freies und Gesamttestosteron, FSH und LH sowie DHEA und DHEA-S.
In manchen Fällen entnimmt der Arzt auch einen Abstrich von Mitessern oder Pusteln, um Bakterien im Labor nachweisen zu lassen.
Differenzialdiagnosen. Haarbalgentzündung (Follikulitis) und Schweißdrüsenabszesse können ähnliche Hauterscheinungen hervorrufen.
Behandlung
Überblick
Bei leichten Verlaufsformen empfiehlt der Arzt eine sorgfältige Hautreinigung und -pflege, vorzugsweise mit speziellen Aknepräparaten, die in jeder Drogerie erhältlich sind. Eine schwerer ausgeprägte Akne sollte medikamentös behandelt werden, nicht nur aus kosmetischen Gründen, sondern auch um Narben zu vermeiden.
Die medikamentöse Therapie wird unterteilt in eine externe Behandlung mit Cremes, Lösungen und Gelen und eine interne Therapie mit der Einnahme von Antibiotika, Hormonen und/oder Isotretinoin. Häufig werden dabei verschiedene Aknemittel kombiniert.
Externe Therapeutika
Retinoide. Lokal angewendete Retinoide (auch Vitamin-A-Säure genannt) wie Isotretinoin, Tretinoin und Adapalen gehören zu den Mitteln der ersten Wahl bei der behandlungsbedürftigen Akne. Die als Cremes, Lösungen oder Gele zur Verfügung stehenden Präparate werden zunächst einmal täglich aufgetragen (Mundwinkel und Lider aussparen!), bei guter Verträglichkeit auch 2 Mal. Es dauert allerdings einige Wochen, bevor diese Präparate die erwünschte Wirkung zeigen. Nach Beginn der Behandlung scheint die Akne zunächst "aufzublühen" – die Haut rötet sich, spannt und brennt. Oft tauchen auch vorübergehend verstärkt Eiterbläschen auf. Diese Erstverschlimmerung ist normal und kein Zeichen für eine Unverträglichkeit. Nach etwa 3 Monaten kann beurteilt werden, ob die Therapie erfolgreich ist. Ein Rückgang der Papeln und Pusteln um 50 % wird als gutes, um > 75 % als sehr gutes Ansprechen bewertet. In Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren dürfen lokal aufzutragende Retinoide nicht angewendet werden (siehe Hinweis unten).
Benzoylperoxid. Häufig verordnet der Arzt auch Benzoylperoxid (BPO) in Form von Gelen oder Cremes (z. B. Cordes® BPO Creme). Die Behandlung mit BPO sollte die Beschwerden innerhalb von acht Wochen verbessern. BPO ist auch zur Langzeitanwendung geeignet, da Resistenzen ausbleiben. Beim Auftragen sind die Augen, Nasenlöcher und die Lippen auszusparen, da BPO die Schleimhäute reizt. Augenbrauen, Kopfhaare, Barthaare und Textilien können beim Kontakt mit BPO ausbleichen.
Azelainsäure. Dieses Präparat steht als Creme oder Gel zur Verfügung (z. B. Skinoren®). Es führt zwar in den ersten Behandlungswochen vorübergehend zu Reizung und Schuppung der Haut, wird aber insgesamt bei empfindlicher Haut oft besser vertragen als andere lokale Aknemittel. Azelainsäure kann in der Schwangerschaft verabreicht werden.
Lokale Antibiotika. Reichen BPO oder Azelainsäure nicht aus, kombiniert sie der Arzt bei entzündlicher Akne oft mit lokalen Antibiotika in Creme- oder Salbenform. Typische Präparate dafür sind Tetrazykline, Erythromycin (z. B. Aknemycin®Salbe), Clindamycin (z. B. Basocin®Akne Lösung) und Nadifloxacin (z. B. Nadixa®-Creme). Lokale Antibiotika werden jedoch aufgrund der Gefahr der Resistenzentwicklung nur kurzfristig eingesetzt.
Fruchtsäuren. Sie sind in Waschgelen und Peelings eingearbeitet und reinigen die Haut intensiv, indem sie die Hornschüppchen lösen und die Anzahl der Mitesser vermindern. Reagiert die Haut auf die Fruchtsäure gereizt, empfiehlt es sich, das Präparat zunächst nur jeden zweiten Tag anzuwenden. Präparate zur Eigenanwendung haben einen bis zu 10%igen Säuregehalt, der Hautarzt arbeitet mit bis zu 70%igen Fruchtsäurepräparaten.
Interne Therapie
In schweren Fällen empfiehlt der Arzt eine interne Therapie mit Antibiotika, Hormonen oder Retinoiden.
Antibiotika. Reicht bei einer entzündlichen Akne die lokale Therapie nicht aus oder ist die Haut großflächig befallen, kommen Antibiotika in Tabletten- oder Kapselform zum Zuge (systemische Antibiotikatherapie). Die Wirkstoffe erreichen über die Blutbahn die aknebefallene Haut und bekämpfen dort effektiv die (mit)verursachenden Bakterien. Häufig verordnete Präparate sind Minocyclin (z. B. Skid®), Doxycyclin, Tetracyclin oder Erythromycin. Aufgrund der möglichen Entwicklung einer Resistenz verordnet der Arzt die Präparate nur vorübergehend.
Hormontherapie. Eine interne Hormontherapie erwägt der Arzt bei Frauen mit schwerer Akne. Verwendet werden z. B. Östrogene oder Antiandrogene wie Cyproteronacetat (zum Beispiel auch als Pille wie Diane 35®). Die Behandlung führt bei weiblichen Patienten häufig zu einer deutlichen Verringerung der Talgproduktion. Eine Besserung der Akne tritt 2–3 Monate nach Therapiebeginn ein, insgesamt dauert die Behandlung mindestens ein Jahr. Die Hormontherapie ist nebenwirkungsreich, vor allem bei Raucherinnen oder Patientinnen mit Übergewicht oder Arteriosklerose drohen Thrombosen und Embolien. Nach Absetzen der Hormone erfolgt oft ein Rückfall mit erneuter, überschießender Bildung von Pusteln und Papeln.
Isotretinoin. Äußerst wirksam ist der Abkömmling des Vitamin A Isotretinoin (z. B. in Isoderm® Kapseln), das wegen seiner Nebenwirkungen aber schweren Verlaufsformen vorbehalten bleibt. Isotretinoin wird sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet. Als Hauptwirkung normalisieren sich Menge und Zusammensetzung des Talgs. Die Heilungsrate ist hoch, in über 60 % treten jedoch Rückfälle auf.
Hinweis. Die am meisten gefürchtete Nebenwirkung von Retinoiden wie Isotretinoin ist die Schädigung von Ungeborenen. Deshalb dürfen Mädchen und Frauen bis 3 Monate nach Therapieende nicht schwanger werden. Weitere Nebenwirkungen umfassen trockene Haut, insbesondere der Lippen, Schälung der Haut, Schleimhautentzündungen, gehäuftes Nasenbluten und Augenbindehautentzündungen. Wird Isotretinoin als Tablette eingenommen, sind Leberschäden möglich, weshalb eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte erforderlich ist. Ferner drohen Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen.
Prognose
In etwa 90 % der Fälle bildet sich die Akne nach der Pubertät zurück. Bei den restlichen Betroffenen können die Beschwerden bis ins 5. Lebensjahrzehnt bestehen.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
- Je früher und konsequenter eine Akne behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine narbenfreie Abheilung. Suchen Sie deshalb frühzeitig den Hautarzt auf, um die passende Therapie einzuleiten.
- Die Behandlung der Akne braucht Zeit und Geduld! Akne ist kein Zeichen mangelnder Körperhygiene. Die meisten Betroffenen neigen eher dazu, sich zu viel zu waschen und Seife einzusetzen – was die Haut tendenziell verschlechtert, weil der Säureschutzmantel darunter leidet. Wichtig ist eine gründliche und sorgfältige Hautpflege, die speziell auf fettige Haut abgestimmt sein sollte.
- Auf keinen Fall dürfen Sie Pickel ausdrücken, weil sie sich dann häufig entzünden und möglicherweise lebenslange Narben zurücklassen.
- Wenn Sie sich schminken wollen, verwenden Sie ölfreie und antiseptische Produkte aus der Apotheke, die speziell für die Aknehaut entwickelt worden sind.
- Wohldosiertes Sonnenlicht kann die Akne günstig beeinflussen, besonders in Kombination mit Salz bei einem Urlaub am Meer. Vermeiden Sie jedoch ausgedehnte Sonnenbäder, da diese oft zur vermehrten Bildung von Mitessern führen.
- Während der Anwendung mancher Aknesalben (z. B. mit den Wirkstoffen Vitamin-A-Säure oder Benzoylperoxid) oder Fruchtsäurepeelings sowie der Einnahme von Tetracyclin oder Minocyclin besteht unter Sonneneinstrahlung die Gefahr fototoxischer Reaktionen, die schweren Sonnenbränden ähneln.
- Inwieweit die Ernährung einen Einfluss auf den Akneverlauf hat, ist umstritten. Wissenschaftlich ließ sich bislang keinerlei Zusammenhang beweisen. Wenn Sie allerdings an sich selbst eine Verschlimmerung der Akne nach Einnahme bestimmter Nahrungsmittel beobachten, sollten Sie diese mit Vorsicht genießen.
- Die Einnahme von Lactoferrin, Vitamin E und Zink kann Studien zufolge eine leichte bis mittelschwere Akne bessern.
Komplementärmedizin
Hydrotherapie. Kamillen- und Salbei-Gesichtsdampfbäder weichen die Haut auf, sodass nachfolgende Therapien wie z. B. das Abtupfen mit Calendula-Extrakt besser wirken können. Bei großflächiger Akne empfehlen sich Quark-Kompressen sowie Heilerde-Auflagen (Heilerde mit 1 l Wasser anrühren, einen halben Zentimeter dick auf die betroffene Hautpartie aufbringen, nach etwa einer halben Stunde wieder entfernen). Abheilend wirken Schwefelbäder mit Sole.
Lichttherapie. Licht, Luft und Sonne unterstützen den Heilungsprozess, eine Bestrahlung mit Blaulicht oder Orangelicht vermindert den Talgfluss. Die Bestrahlung sollte immer durch einen Dermatologen durchgeführt werden – die Wellenlängen, die in Sonnenstudios zum Einsatz kommen, können erkrankte Haut schädigen.
Pflanzenheilkunde. Äußerlich sind tägliche Waschungen mit Tee aus Kamille, Thymian, Salbei, Rosmarin oder Ackerschachtelhalm – auch als Gesichtsdampfbad – zu empfehlen, ebenso wie Hametum® oder Calendula-Extrakt zum Auftupfen sowie Kompressen mit Weizenkleieextrakt (z. B. Silvapin®). Zur inneren Anwendung eignen sich alle Tees, die den Stoffwechsel fördern, so z. B. Tee aus Löwenzahn, Brennnessel und Schachtelhalm.
Akupunktur. Neben der Akupunktur, die zur Aknebehandlung mit teils guten Erfolgen eingesetzt wird, bietet sich zusätzlich die Bestrahlung mit einem Softlaser an.
Psychotherapie. Je nach Ausprägung kann Akne psychisch sehr belastend sein, reaktive depressive Verstimmungen und sozialer Rückzug sind mitunter die Folge. Helfen können hier im Einzelfall eine Gesprächstherapie sowie soziales Verhaltenstraining.
Weiterführende Informationen
- www.aknetherapie.de – Private Internetseite von Betroffenen mit guten Pro- und Kontra-Diskussionen über die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten bei Akne.
Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.
Das hilft Kindern mit Neurodermitis
Haut schützen, Auslöser meiden
Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.
Gestörte Hautbarriere
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.
Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.
Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.
Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.
Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.
Die Hautbarriere stärken
Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.
Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.
Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.
Richtig baden und waschen
Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.
Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.
Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.
Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.
Den Juckreiz kontrollieren
Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.
Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.
Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.
Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.
Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.
Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.
Auslöser im Blick behalten
Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.
- Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
- Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
- Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
- Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.
Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.
Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen
Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:
Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.
Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.
Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.
Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.
Keine Angst vor Kortison!
Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.
Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad:
- Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet.
- An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein.
- Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.
Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.
Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.
Psychische Belastung ernst nehmen
Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.
Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie
- die Erkrankung altersgerecht erklären
- das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen
- für Verständnis im Umfeld sorgen.
Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..
Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

