Gesundheit heute
Gürtelrose
Gürtelrose (Herpes zoster): Vom Windpockenvirus ausgelöste hochschmerzhafte Erkrankung mit bläschenförmigem Hautausschlag. Sie breitet sich gürtelförmig im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven meist am Rumpf aus und beschränkt sich in aller Regel auf eine Körperhälfte. Die Mehrheit der Gürtelrose-Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Besonders anfällig sind Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem und schweren Grunderkrankungen.
Eine Gürtelrose heilt meist innerhalb von 2–3 Wochen ab, führt jedoch gelegentlich zu chronischen, Monate bis Jahre anhaltenden Schmerzzuständen (Post-Zoster-Neuralgie).
Behandelt wird die Gürtelrose mit lokalen Gerbstoffen, Schmerzmitteln und virushemmenden Medikamenten. Gegen die Gürtelrose und die Post-Zoster-Neuralgie lässt sich mit einer Impfung vorbeugen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Anfangs allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und leichtem Fieber
- Nach 2–3 Tagen Knötchen auf geröteter Haut, die sich später zu Bläschen (mit wässriger oder blutiger Flüssigkeit gefüllt) umwandeln und eventuell aufplatzen
- Typischerweise gürtelförmige Ausbreitung, streng auf eine Körperseite begrenzt
- Brennender Schmerz oder Schmerzen bei Berührung im betroffenen Gebiet
- Selten motorische Ausfälle (z. B. Gesichtslähmung beim Zoster oticus, siehe unten).
Wann zum Arzt
Am gleichen Tag, wenn
- Hautveränderungen auftreten, die zu einer Gürtelrose passen.
Sofort, wenn
- die Beschwerden in Augennähe auftreten oder von Lähmungserscheinungen begleitet sind.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Bei der Gürtelrose handelt es sich um eine Zweiterkrankung mit dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger der Windpocken. Nach überstandener Windpockenerkrankung zieht sich das Virus in Teile des Nervensystems (Nervenwurzeln) zurück und verfällt dort in eine Art Schlaf. Im Rahmen einer Abwehrschwäche sowie außergewöhnlicher psychischer oder körperlicher Belastungen kann es geschehen, dass die im Körper befindlichen Viren "aufwachen": Die reaktivierten Erreger wandern über die Nervenbahnen zurück zur Haut und lösen dort die typischen Beschwerden aus. Auch nach einer erfolgreichen Windpockenimpfung sind Fälle von Gürtelrose bekannt geworden.
Klinik
Die Erkrankung tritt bevorzugt gürtelförmig an einer Seite des Körperstamms auf. Gelegentlich ist auch die Gesichtshaut befallen, insbesondere im Bereich des oberen Trigeminusnervs, d. h. im Gebiet von Auge, Nase, Stirn und behaarter Kopfhaut.
Gelegentlich geht eine Gürtelrose ohne die typischen Hautveränderungen einher. Diese schwer zu diagnostizierende Sonderform trägt die Bezeichnung Zoster sine herpete.
Ansteckungsgefahr
Da sich im Sekret der Bläschen Windpockenerreger befinden, ist ein Patient mit Gürtelrose ansteckend – und zwar so lange, bis das letzte Bläschen verkrustet ist (etwa 5–7 Tage nach Auftreten der ersten Hauterscheinungen). Wer noch keinen Kontakt mit dem Windpockenvirus hatte, kann durch Kontakt mit einem solchen "ansteckenden" Gürtelrose-Patienten die Windpocken bekommen – aber nicht, wie man meinen könnte, die Gürtelrose. Nicht ansteckend ist die Gürtelrose für Menschen, die bereits eine Windpockeninfektion durchgemacht haben – sie tragen die Erreger ja ohnehin schon in sich.
Risikofaktoren
Besonders anfällig sind Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, z. B. infolge einer schweren Grippe, HIV-Infektion oder Krebserkrankung. Letztere erkranken doppelt bis achtmal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Erkrankungsrisiko.
Komplikationen
Gefährlich ist eine Beteiligung der Augen (Zoster ophthalmicus), da sie manchmal zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung führt. Bei einer Gürtelrose im Bereich des Ohrs (Zoster oticus) kann es zu (meist) vorübergehender Gesichtslähmung, Hörverlust oder Störungen des Geschmacksinns kommen. Ebenso wie bei anderen viralen Infektionen ist eine Beteiligung von Gehirn und Hirnhäuten möglich (Zoster-Meningoenzephalitis).
Vor allem bei Patienten mit geschwächter Abwehr droht die Gefahr, dass sich auf die Gürtelrose eine bakterielle Infektion aufpropft.
Sehr selten breitet sich das Windpockenvirus über die Blutbahn auf den gesamten Körper einschließlich der inneren Organe aus. Diese lebensbedrohliche Komplikation heißt Zoster generalisatus und betrifft vornehmlich hochbetagte und/oder abwehrgeschwächte Patienten.
Post-Zoster-Neuralgie. Wochen bis Monate nach Abheilen der Gürtelrose treten manchmal an der gleichen Stelle schwerste, attackenartige Nervenschmerzen auf, die als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet werden. Je älter ein Gürtelrose-Patient ist, desto höher ist das Risiko für das Auftreten dieser ungefährlichen, aber quälenden Komplikation, die oft über viele Monate bis Jahre anhält. Eine frühzeitige Behandlung mit geeigneten Medikamenten lässt das Risiko sinken: Als weitere Krankheitsfolge bleiben nach Abheilen der Hautveränderungen häufig überpigmentierte (stärker gebräunte) oder depigmentierte (entfärbte) Hautpartien zurück, gelegentlich auch Narben.
Diagnosesicherung
In der Regel genügt dem Arzt das klinische Bild mit den typischen Hauterscheinungen und den damit verbundenen Schmerzen, um die Diagnose Gürtelrose zu stellen. Im Zweifel lässt er den Erreger im Sekret der Bläschen oder – bei Verdacht auf eine Mitbeteiligung des Gehirns – im Liquor nachweisen. Auch Antigene des Erregers und vom Körper gegen ihn gebildete Antikörper, lassen sich im Blut bestimmen.
Differenzialdiagnosen. Ähnliche Hauterscheinungen zeigen das Erysipel und der Herpes simplex.
Behandlung
Wer bei sich erste Anzeichen einer möglichen Gürtelrose feststellt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen. Um eine lange Wartezeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Sprechstundenhilfe über den Verdacht zu informieren. Denn je früher die Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Beschwerden und Komplikationen in den Griff bekommen.
Zentrale Säulen der Behandlung sind die Virushemmung und die Schmerztherapie:
- Virushemmung. Mittel der Wahl sind Virostatika wie Famciclovir (z. B. in Famvir® 250mg Filmtabletten) oder Brivudin (z. B. in Zostex® Tabletten). Oft lassen die Schmerzen schon binnen weniger Stunden nach und die Hautveränderungen gehen zurück. Für eine optimale Wirkung ist es jedoch erforderlich, die Präparate mindestens 1 Woche lang einzunehmen. Bei schweren Verläufen verabreicht der Arzt die Virostatika intravenös, z. B. Aciclovir alle 8 Stunden über etwa 1 Woche.
- Schmerztherapie. Je nach Ausprägung der Schmerzen verordnet der Arzt zusätzlich Ibuprofen oder Paracetamol, Opioide oder evtl. auch das Antidepressivum Amitriptylin.
Mit Lotionen, Puder und Tinkturen lässt sich zusätzlich die Abheilung fördern und einer Infektion der Bläschen vorbeugen. Welche Wirkstoffe dazu geeignet sind, finden Sie unter "Ihr Apotheker empfiehlt".
Therapie Post-Zoster-Neuralgie
Entwickelt sich trotz frühzeitiger Therapie eine Post-Zoster-Neuralgie, erfordern die starken Schmerzen eine differenzierte, oft kombinierte Behandlung, eventuell durch einen Schmerztherapeuten. Neben NSAR-Schmerzmitteln kommen dabei Opoide, Morphinderivate, Antidepressiva und Antiepileptika zum Einsatz.
Die schmerzlindernde Wirkung einer TENS-Therapie ist in Einzelfällen dokumentiert, aber noch nicht wissenschaftlich gesichert.
In manchen Fällen helfen auch physikalische Therapieverfahren oder eine Psychotherapie.
Prognose
In den meisten Fällen heilt eine Gürtelrose folgenlos ab. Etwa 10 % der Patienten entwickeln jedoch eine Post-Zoster-Neuralgie und bei 30 % der Post-Zoster-Patienten schlägt die Schmerztherapie nicht an.
Wenn es bei einer Gürtelrose zu Komplikationen kommt, ist die Prognose schlechter. Beim Zoster generalisatus sind tödliche Verläufe möglich, bei einer Beteiligung des Gehirns bleiben oft Hirnschäden zurück. Beim Zoster ophthalmicus und Zoster oticus drohen Erblindung bzw. Hörverlust.
Prävention
Die Zweifachimpfung mit einem Herpes-Zoster-Totimpfstoff (z. B. Shingrix®) kann vor Gürtelrose und Post-Zoster-Neuralgie schützen. Der Impfstoff wird im Abstand von 2–6 Monaten intramuskulär verabreicht und ist zugelassen für Menschen ab 50 Jahren. Die STIKO empfiehlt die Impfung generell für Menschen über 60 Jahren und für Risikopatienten über 50, die z. B. eine schwere Grunderkrankung oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Für diese Personengruppen übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Impfung.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
- Kalte Umschläge oder Kompressen mildern häufig die Beschwerden.
- Entzündungshemmend und fördernd für die Abheilung der Haut wirken synthetische Gerbstoffe als Lotion (z. B. Tannosynt®Lotio).
- Schmerzlindernd wirken sowohl bei einer akuten Gürtelrose als auch bei einer Post-Zoster-Neuralgie Puder und Cremes mit lokalen Betäubungsmitteln (z. B. Benzocain in Anaesthesin® oder Polidocanol in Eucerin® Akutspray oder Anaesthosulf®).
- Um die Krankheit schneller zu überwinden, braucht der Körper Ruhe und ausreichend Schlaf.
- Gürtelrosepatienten sind ansteckend – Achten Sie auf gute Hygiene, waschen Sie häufig Ihre Hände. Meiden Sie engen körperlichen Kontakt zu anderen, vor allem zu Babys, Schwangeren, Kleinkindern und kranken Menschen.
- Tragen Sie lockere Kleidung, da die betroffenen Hautpartien sehr berührungsempfindlich sind.
Komplementärmedizin
Jede Gürtelrose gehört in ärztliche Behandlung, da schwerwiegende Komplikationen auftreten können. Maßnahmen der Komplementärmedizin lassen sich jedoch ergänzend einsetzen, um die Erkrankung zu verkürzen und Beschwerden zu lindern. Gegen die Post-Zoster-Neuralgie helfen Elektrotherapie, Pflanzenheilkunde und Akupunktur. Zur Behandlung des Ausschlags haben sich Pflanzenheilkunde, Homöopathie sowie Packungen bewährt.
Hydrotherapie. Packungen aus Pelose-Heilschlamm sind zur Linderung der Beschwerden ebenso geeignet wie Kompressen mit Franzbranntwein oder Klosterfrau Melissengeist und Ganzkörperwaschungen mit unverdünntem Apfelessig. Schmerzen lassen sich wirkungsvoll mit Eis, in ein Tuch eingewickelt, reduzieren.
Elektrotherapie. Die Elektrotherapie mit Kurz- und Mikrowelle vermag sowohl die Abheilung der Bläschen zu fördern als auch die Schmerzen zu lindern. Dagegen hat die Ultraschalltherapie einen vornehmlich vorbeugenden Effekt, sie soll das Risiko einer nachfolgenden Post-Zoster-Neuralgie senken.
Pflanzenheilkunde. Aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung ist Teebaumöl empfehlenswert, z. B. in Form eines Verbands. Gegen die heftigen Schmerzen der Post-Zoster-Neuralgie wirkt Capsicain in Salbenform. Steht der Juckreiz im Vordergrund, helfen Packungen aus Apfelessig und Mais- oder Kartoffelmehl. Auch ätherische Öle aus Lavendel, Kamille oder Eukalyptus kommen zur Anwendung, und zwar als 20%ige Lösung, die drei- bis viermal täglich auf die betroffenen Hautpartien getupft wird.
Homöopathie. Im Wesentlichen entsprechen die Homöopathika bei Gürtelrose denen bei Herpes. Bei starkem Juckreiz, Angst und Unruhe wählt man Arsenicum album, zeigt sich die Gürtelrose durch große Blasen mit Schwellung und Juckreiz, dann hilft Apis mellifica.
Akupunktur. Ein frühzeitiger Therapiebeginn mit Akupunktur wirkt sich positiv auf die Schmerzentwicklung aus.
Trotz anteilmäßig geringerem UVB-Anteil bekommt die Haut im Solarium ähnlich viel UVB-Strahlung ab wie beim Sonnenbad in der natürlichen Sonne.
Solarium erhöht Hautkrebsrisiko
Gefährliches „Vorbräunen“
Viele nutzen das Solarium, um mit vorgebräunter Haut in den Urlaub zu starten. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Künstliche UV-Strahlung kann das Risiko für schwarzen Hautkrebs deutlich steigern.
Hautkrebsrisiko auf das Dreifache erhöht
Dass Solarien der Haut schaden können, ist seit Jahren bekannt. Eine aktuelle Untersuchung liefert nun neue Hinweise darauf, warum künstliche UV-Strahlung so problematisch ist. Demnach erhöht die Nutzung von Solarien das Risiko, an einem malignen Melanom – dem schwarzen Hautkrebs – zu erkranken, auf fast das Dreifache.
Für die Studie wurden die Daten von knapp 6.000 Patient*innen ausgewertet. Rund die Hälfte hatte nach eigenen Angaben schon Solarien genutzt, die übrigen nie. Das Ergebnis fiel deutlich aus: In der Gruppe der Sonnenbanknutzer*innen traten Melanome wesentlich häufiger auf. Selbst nachdem bekannte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Sonnenbrände oder eine familiäre Vorbelastung berücksichtigt wurden, blieb der Zusammenhang bestehen.
Bedeckte Körperstellen gefährdet
Besonders interessant waren die Ergebnisse aus den Laboruntersuchungen. Die Forschenden analysierten Hautproben und stellten fest, dass sich in den pigmentbildenden Zellen von Solariumbesucher*innen deutlich mehr genetische Veränderungen angesammelt hatten als bei den Vergleichspersonen. Damit gerät auch ein weit verbreitetes Argument ins Wanken: Viele Menschen glauben, das Bräunen im Solarium vor dem Sommerurlaub bereite die Haut auf die Sonne vor. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es dafür jedoch keinen überzeugenden Beleg. Im Gegenteil: Jede zusätzliche UV-Dosis kann weitere Schäden im Erbgut der Hautzellen verursachen.
Auffällig war außerdem, dass diese genetischen Veränderungen auch an Körperstellen nachweisbar waren, die im Alltag meist von Kleidung bedeckt sind. Dort entstehen unter natürlicher Sonneneinstrahlung normalerweise deutlich weniger UV-Schäden.
UVB-Anteil insgesamt so hoch wie in der Sonne
Oft wird behauptet, Solarien seien schonender als die Sonne, weil ihre Strahlung weniger UVB enthält. Das ist jedoch irreführend. Zwar ist der UVB-Anteil geringer – die insgesamt abgegebene Strahlungsmenge ist jedoch so hoch, dass die Haut ähnlich viel UVB abbekommt wie in der Sonne. Hinzu kommt eine UVA-Belastung, die je nach Gerät zehn- bis 15-mal höher ausfallen kann.
Die Weltgesundheitsorganisation stuft Solarien seit Langem als krebserregend ein. Die neuen Studiendaten liefern nun weitere Hinweise darauf, weshalb auf künstliche Bräune besser verzichtet werden sollte – der Haut zuliebe.
Quelle: SpringerMedizin

