Gesundheit heute
Leukämien
Leukämie (Blutkrebs, „weißes Blut“): Bösartige Knochenmarkserkrankung mit unkontrollierter Vermehrung abnormer weißer Blutkörperchen (Leukozyten). Es gibt viele verschiedene Formen der Leukämie. Unter anderem unterscheidet man – nach den betroffenen Zelllinien – lymphatische und myeloische Formen. Menschen mit Leukämie leiden an uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust und nachlassender Leistungsfähigkeit. Hinzu kommen eine Infekt- und Blutungsneigung oder weitere Symptome je nach Leukämieform. Die Leukämie tritt in jedem Lebensalter auf und betrifft Männer etwas häufiger als Frauen. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 12–14.000 Menschen an der Leukämie, die häufigste Form ist mit etwa 40 % die chronische lymphatische Leukämie. Die Behandlung und Prognose hängen von der Leukämieform ab, wobei die Aussichten für Kinder (rund 80 % Langzeitüberlebende) besser sind als für Erwachsene.
Symptome und Leitbeschwerden
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Blässe
- Fieberschübe, Nachtschweiß, Gewichtsverlust
- Verminderte körperliche Belastbarkeit
- Gehäuft blaue Flecken und Schleimhautblutungen
- Infektneigung
- Möglicherweise Druckgefühl im Oberbauch
- Je nach Leukämieform eventuell weitere Symptome wie Lymphknotenschwellung, Juckreiz, Knochen- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Nackensteife.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn die oben genannten Beschwerden plötzlich oder über einen längeren Zeitraum auftreten.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Wie alle teilungsfähigen Zellen im Körper können auch die Blutstammzellen im Knochenmark entarten. Die Frage nach dem „Warum“ bleibt dabei in aller Regel unbeantwortet. Mittlerweile ist zwar bekannt, dass bestimmte Risikofaktoren eine Rolle spielen, jedoch liegt beim Großteil der Betroffenen keiner der bekannten Risikofaktoren vor. Dass Leukämien zwar nicht direkt erblich, aber doch von Mutter zu Kind übertragbar sind, ist wissenschaftlich belegt. Mittels Gentest lässt sich nachweisen, dass die Krebszellen des Kindes die gleiche Genmutation aufweisen wie die der Mutter. Zur Übertragung im Mutterleib kann es kommen, weil die Krebszellen das Immunsystem des Babys umgehen. Ihnen fehlen bestimmte DNA-Abschnitte, an denen das Immunsystem Eindringlinge sonst erkennt.
Die entarteten, bösartigen Zellen vermehren sich ungehemmt und werden schließlich ins Blut ausgeschwemmt. Ihre Vermehrung geht auf Kosten der gesunden Blutkörperchen im Knochenmark, sodass diese verdrängt werden. Die bösartigen Zellen erfüllen jedoch ihre „üblichen“ Aufgaben nicht – sie verlieren z. B. ihre Fähigkeiten, im Rahmen der Immunabwehr aktiv zu werden. Während die funktionslosen bösartigen Blutkörperchen immer mehr werden, fehlt es an funktionsfähigen roten und weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen. Die bösartigen Zellen breiten sich ungehindert weiter im Körper aus und befallen z. B. Leber, Milz, Gehirn und Haut.
Ursachen und Risikofaktoren
Bekannt und wissenschaftlich bewiesen sind einige Faktoren, die das Risiko erhöhen, an einer Leukämie zu erkranken, z. B.
- Kontakt zu Chemikalien wie Benzol (eine Kohlenwasserstoffverbindung in Benzin, Erdöl und Teer) oder Zytostatika (Krebsmedikamente)
- ionisierende Strahlung wie beim Röntgen oder durch im Erdboden vorkommendes Radon
- genetische Faktoren (z. B. deutliche Risikoerhöhung beim Down-Syndrom).
Diskutiert werden weitere Faktoren, die aber noch nicht ganz sicher belegt sind, z. B.
- onkogene (tumorauslösende) Viren wie die humanen T-lymphotropen Viren oder das Epstein-Barr-Virus
- Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Übergewicht.
Einteilung der Leukämien
Bei Blutkrebs ist die Einteilung hoch kompliziert und entwickelt sich ständig weiter. Grob unterteilt man die Leukämie zunächst in 4 verschiedene Haupttypen:
- Nach dem Verlauf wird zwischen den rasch verlaufenden akuten Leukämien und den schleichend beginnenden chronischen Leukämien unterschieden.
- Nach der Blutzellreihe wird in lymphatische Leukämien und myeloische Leukämien differenziert. Diese Einteilung bezieht sich also auf den Zelltyp, zu dem die entarteten Zellen ursprünglich hätten werden sollen: Lymphozyten bei der lymphatischen Leukämie oder Granulozyten oder Monozyten bei der myeloischen Leukämie.
Somit ergeben sich also vier verschiedene Haupttypen:
- akute lymphatische Leukämie (ALL)
- akute myeloische Leukämie (AML)
- chronische lymphatische Leukämie (CLL)
- chronische myeloische Leukämie (CML).
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Leukämie-Patient*innen bemerken zunächst uncharakteristische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine abnehmende Leistungsfähigkeit mit Herzklopfen, Pulsrasen, Schwindel und Atemnot bei körperlicher Belastung. Sie sind auffallend blass und bei größerer Anstrengung kommt es häufiger vor, dass sie kollabieren.
Hinzu kommen 3 typische Begleitsymptome (B-Symptomatik): Fieber, Nachtschweiß und ein deutlicher Gewichtsverlust von mehr als 10 % innerhalb von 6 Monaten. Diese Symptom-Trias ist charakteristisch für bösartige Erkrankungen wie Krebs, Tuberkulose und AIDS. Sie findet sich sehr häufig – aber nicht immer vollständig – auch bei Leukämie-Patient*innen.
- Durch die schlechte Immunabwehr neigen die Betroffenen zudem zu Infektionen und „nehmen alles mit“, was an Erregern herumfliegt. Häufiger als Gesunde werden sie von Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten heimgesucht und brauchen längere Zeit, um sich davon zu erholen. Auch Mundsoor und wiederholte Herpes-Bläschen bis hin zur Gürtelrose weisen auf die schlechte Abwehrlage hin.
- Der Mangel an Blutplättchen beeinträchtigt die Blutgerinnung, was sich in auffallend vielen blauen Flecken und häufigen Nasen-, Zahnfleisch- und Mundschleimhautblutungen zeigt. An der Haut können sich neben den blauen Flecken auch kleine stecknadelkopfgroße rote Flecke zeigen, v. a. an den Beinen und Armen.
- Milz und Leber versuchen, den Mangel an funktionierenden Blutzellen auszugleichen und vergrößern sich, was sich manchmal durch ein Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch bemerkbar macht.
- Bei den akuten Leukämie-Formen treten all diese Beschwerden in kurzer Zeit auf und nehmen schnell zu. Chronische Leukämien entwickeln sich schleichend und können auch lange Zeit ohne Beschwerden verlaufen.
- Je nach Leukämieform kommen weitere Symptome hinzu. Diese reichen von geschwollenen Lymphknoten (v. a. bei lymphatischer Leukämie), Juckreiz und Nesselsucht (bei chronischer lymphatischer Leukämie) bis hin zu Knochen- und Gelenkschmerzen, Hodenschwellung, Kopfschmerzen, Nackensteife und Nervenausfällen (bei akuter Leukämie).
Diagnosesicherung
Eine Verdachtsdiagnose ist meist schon aufgrund des Blutbilds möglich. Das zeigt bei den akuten Leukämien Vorstufen der weißen Blutkörperchen (Blasten) und bei den chronischen Leukämien viel zu viele weiße Blutkörperchen. Eine Knochenmarkuntersuchung ist trotzdem immer erforderlich, um die Leukämie exakt zu klassifizieren und die Behandlung zu planen. Außerdem wird durch Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen, CT, Kernspin und bei der akuten lymphatischen Leukämie auch durch eine Liquoruntersuchung geklärt, welche Organe außer dem Knochenmark befallen sind. Weitere Untersuchungen können je nach geplanter Behandlung erforderlich sein. Bei einigen Therapieformen müssen nämlich bestimmte Vorerkrankungen ausgeschlossen oder zumindest behandelt sein.
Differenzialdiagnosen. Neben den vielen Formen der Leukämie gibt es noch etliche weitere Erkrankungen, die der Leukämie ähneln und die sich z. T. auch zur Leukämie weiterentwickeln können.
Hierzu zählen die Myelodysplasien, bei denen das Knochenmark viele abnorme Blutzellvorstufen enthält. Da diese sich jedoch nicht mehr zu funktionsfähigen Blutzellen weiterentwickeln, finden sich im Blut meist zu wenige rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Die Myelodysplasien treten v. a. bei Über-50-Jährigen auf. Sie nehmen meist einen langsamen Verlauf, können aber in eine akute (myeloische) Leukämie übergehen.
Verwandt mit der Leukämie sind die myeloproliferativen Erkrankungen wie die Polyzythämie, die essenzielle Thrombozythämie und die Osteomyelofibrose. Bei den myeloproliferativen Erkrankungen wuchern ebenfalls bestimmte Blutzellarten im Knochenmark. Die Erkrankungen verlaufen relativ langsam über Jahre, können ineinander übergehen und sich auch zu einer Leukämie entwickeln.
Dann gibt es noch die leukämisch verlaufenden Lymphome – Krebserkrankungen, die von entarteten weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten, ausgehen und meist in den Lymphknoten, aber auch im Knochenmark und anderen Lymphorganen wie der Milz vorkommen. Bei den Lymphomen gibt es ebenfalls zahlreiche verschiedene Typen und die Beschwerden sind der Leukämie sehr ähnlich.
Behandlung
Therapie der akuten Leukämie (AML und ALL).
In der ersten Behandlungsphase (Induktionsbehandlung) wird versucht, die Patient*innen durch eine aggressive Chemotherapie in eine komplette Remission zu bringen. Komplette Remission heißt, dass alle Leukämiezellen aus dem Körper entfernt sind. Blutbild und Knochenmark sehen dann wieder "normal" aus. Danach schließt die Konsolidierungsbehandlung an. Dabei wird versucht, die eingetretene Besserung zu stabilisieren. Sodann folgt eine weniger belastende Erhaltungstherapie. Die Chemotherapie wird dabei in niedriger Dosierung fortgesetzt.
Zusätzlich zur Chemotherapie kommen oft auch noch andere Medikamente zum Einsatz, z. B. monoklonale Antikörper (Abwehrstoffe, die sich direkt gegen die Leukämiezellen richten) oder Proteinkinaseinhibitoren (Hemmstoffe, die ganz bestimmte Enzyme unterdrücken und so das Wachstum der Krebszellen unterbinden).
Bei einigen Patient*innen wird in der Konsolidierungsphase zusätzlich eine Stammzelltransplantation durchgeführt. Hierbei werden die in der Chemotherapie zerstörten kranken Stammzellen durch gesunde Stammzellen einer Spender*in ersetzt.
Therapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML). Eine chronisch myeloische Leukämie macht zunächst vielleicht weniger Beschwerden als akute Leukämie-Formen. Irgendwann geht sie aber in eine kaum behandelbare Blastenkrise über, die einer akuten Leukämie ähnelt. Dann werden massenhaft unreife weiße Blutkörperchen produziert, die keine Funktion mehr erfüllen. Deshalb müssen auch CML-Patient*innen recht aggressiv behandelt werden. Hierzu kommen Proteinkinaseinhibitoren zum Einsatz, die individuell für die Patient*innen ausgewählt werden. Wichtig ist eine sorgfältige Auswahl des Wirkstoffes, eine intensive Therapieüberwachung und ggf. ein Wechsel des Wirkstoffs, wenn die Behandlung nicht mehr anschlägt oder bestimmte Risikofaktoren wie eine Hepatitis-B-Infektion vorliegen.
In bestimmten Situationen wird auch bei der CLM eine Stammzelltransplantation durchgeführt, z. B. wenn die Erkrankung schon recht weit fortgeschritten ist.
Kommt es im Erkrankungsverlauf zur Blastenkrise, muss auch bei der CML zusätzlich eine Chemotherapie begonnen werden.
Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Die Behandlung dieser Erkrankung ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und wandelt sich beständig. Allgemein gilt: Je fitter die Patient*in ist, desto intensiver kann therapiert werden. Zur Anwendung kommen dabei zahlreiche Medikamente wie Proteinkinaseinhibitoren, monoklonale Antikörper und verschiedene Chemotherapeutika. Gebrechliche Patient*innen werden nur unterstützend behandelt. Die CLL spricht schlechter auf medikamentöse Behandlungen an als andere Leukämieformen. Nur eine Stammzelltransplantation führt zur Heilung, ist aber nicht bei allen Patient*innen durchführbar.
Prognose
Die Leukämie galt früher, insbesondere bei älteren Patient*innen, als unheilbar und tödlich. Durch neue Therapieformen und intensive Forschung hat sich die Prognose aber deutlich verbessert. Insgesamt hängen die Heilungsaussichten von zahlreichen Faktoren ab, insbesondere vom Alter, der Leukämieform und -variante, zusätzlichen Erkrankungen und dem Ansprechen auf einzelne Wirkstoffe.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Hilfe durch Angehörige. Sowohl die Erkrankung als auch die Behandlung schwächen die Immunabwehr so stark, dass Leukämie-Patient*innen häufig für eine gewisse Zeit in einem keimarmen Zimmer untergebracht werden müssen. Die Betroffenen dürfen das Zimmer nicht verlassen und nur wenig Besuch empfangen. Leiden die Betroffenen sehr unter der Isolierung, kann man als Angehörige ruhig Verwandte und Bekannte zu Anrufen oder Briefen motivieren und diese auch zeitlich etwas verteilen. Bei vielen Patient*innen stellt sich die Frage nach einer Stammzelltransplantation. Sowohl die Entscheidungsfindung als auch das Warten auf eine geeignete Spende erhöhen die psychische Belastung. Hier sind die Angehörigen stark als Beistand gefordert.
Selbsthilfegruppen. Auch Selbsthilfegruppen stehen Betroffenen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Oft hilft es Leukämie-Patient*innen besonders, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, weil diese die zahlreichen Einschränkungen, Belastungen und Begleiterscheinungen der Erkrankung am besten verstehen können.
Psychoonkologie. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Betroffene in allen Erkrankungsphasen. Sie klärt über Behandlungskomplikationen auf und gibt Tipps wie sich diese vermeiden oder reduzieren lassen. Im Bedarfsfall kann über die Psychoonkologie auch eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet werden.
Weiterführende Informationen
- Internetseite des Berg und Tal e. V., Essen: Von der Klinik und Poliklinik für Knochenmarktransplantation des Universitätsklinikums Essen unterstützte Selbsthilfegruppe.
- Internetseite der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe e. V. (DLH, Bonn): Selbsthilfeorganisation für Erwachsene mit Leukämien und Lymphomen, mit umfangreichem Literaturverzeichnis und Adressen regionaler Gruppen.
- H. Delbrück: Knochenmark- und Stammzelltransplantation nach Krebs. Kohlhammer, 2005. Für Laien verständliches Buch, das auch die Zeit nach der Transplantation behandelt.
Bei Babys und Kleinkindern wird die Temperatur am besten im Po, also rektal gemessen.
Fieber bei Babys und Kleinkindern
Richtig messen, richtig reagieren
Auch wenn Fieber im Kindesalter häufig vorkommt, ist für Eltern der fiebernde Nachwuchs jedesmal wieder eine echte Herausforderung. Vor allem bei Babys und Kleinkindern sind Väter und Mütter oft unsicher, was sie bei ansteigenden Temperaturen machen sollen. Deshalb ist es wichtig, gut informiert zu sein: Welche Temperaturen gelten bei Kindern überhaupt als Fieber, wann und wie sollte man Fieber senken und wann muss ein fieberndes Kind dem Arzt vorgestellt werden? Dies und mehr rund um das Thema Fieber bei Babys und Kleinkindern erfahren Sie in unserem Ratgeber.
Was ist Fieber überhaupt?
Fieber ist keine Krankheit, sondern Teil der Gegenmaßnahmen unseres Körpers auf das Eindringen von Krankheitserregern oder andere schädigende Ereignisse (Fieber entsteht z. B. auch bei Krebserkrankungen oder Hormonstörungen). Im Falle einer Infektion wird Fieber durch die körpereigene Abwehr ausgelöst, die über Botenstoffe wie Interleukine und Prostaglandine den Temperatur-Sollwert im Gehirn erhöht. Der Körper glaubt zu frieren und versucht, seine Kerntemperatur zu erhöhen. Er beginnt mit Kältezittern (Schüttelfrost), um durch Muskelaktivität Wärme zu generieren. Gleichzeitig verengt er die Gefäße und reduziert das Schwitzen, um weniger Wärme abzugeben. Durch die erhöhte Körpertemperatur wird nun der gesamte Stoffwechsel aktiviert und der Ablauf biochemischer Reaktionen beschleunigt – was wiederum die Abwehrvorgänge auf Trab bringt.
Hinweis: Bei Neugeborenen bis zu 28 Tagen ist dieser Mechanismus noch nicht voll ausgeprägt. Sie reagieren deshalb auch bei schweren Infektionen nur mit einem geringen Temperaturanstieg. Alarmzeichen sind bei ihnen eher Apathie, Trinkunlust, Veränderung der Hautfarbe und Berührungsempfindlichkeit.
Welche Temperaturen sind normal?
Gesunde Erwachsene haben eine durchschnittliche Körpertemperatur von 36,0 bis 37,2° C, Temperaturen > 37,9°C (rektal gemessen) gelten bei ihnen als Fieber. Die Körpertemperatur gesunder Kinder ist etwas höher, bei ihnen sind 36,5 bis 37,5 °C normal, wobei die Temperatur abends ein halbes Grad höher sein kann als morgens (war das Kind der Sonne ausgesetzt, kann das Thermometer auch ein ganzes Grad klettern). Von Fieber spricht man bei Kindern, wenn die Temperatur über 38,5°C liegt, darunter von subfebrilen Temperaturen. Bei Neugeborenen (bis 4 Wochen alt) gelten Temperaturen über 38,0 °C als Fieber.
Neben einer erhöhten Temperatur gibt es weitere aussagekräftige Hinweise darauf, ob ein Kind Fieber hat. Typische Anzeichen sind
- Heißes und gerötetes Gesicht, glasige Augen
- Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit
- Husten, Schnupfen, Atemnot
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Verändertes Schreimuster, Lethargie, Reizbarkeit.
Hinweis: Nicht jede Temperaturerhöhung ist krankhaft. Beim und nach dem Spielen in der Sonne, bei körperlicher Aktivität und Herumtoben entwickeln Kinder häufig Körpertemperaturen bis leicht über 38°C.
Fieber messen – aber richtig
Beim Verdacht auf Fieber ist sofort die Körpertemperatur zu messen. Die genauesten Werte ergibt die rektale Messung, bei der vorsichtig ein Thermometer in den Po des Kindes eingeführt wird. Folgendes Vorgehen wird empfohlen:
- Das Kind ist nicht überhitzt (vom Herumtoben) und trägt nicht mehr Kleidung als nötig (zu warme Kleidung kann Fieber vortäuschen).
- Das Kind legt sich entspannt auf die Seite und zieht die Beine an, Babys legt man auf den Rücken.
- Die Spitze des digitalen Fieberthermometers mit Wasser anfeuchten oder mit etwas Vaseline oder Creme bestreichen.
- Das Thermometer vorsichtig ein bis zwei Zentimeter in den Po einführen und auf das Messsignal warten.
- Thermometer herausziehen, ablesen und reinigen.
Eine weitere Methode ist die Messung der Temperatur mittels Ohrthermometer. Hier ist es wichtig, dass das Gerät korrekt gehalten wird, damit der Infrarotstrahl auch das Trommelfell erreicht. Dafür muss man die Ohrmuschel vorsichtig nach hinten oben ziehen. Zu beachten ist auch, dass Ohrenschmalz und Zugluft die Messwerte verfälschen können.
Eine weitere Messmethode für kooperative Kinder über 5 Jahren ist die Messung der Temperatur im Mund. Gemessen wird frühestens 10 Minuten nach dem Essen oder Trinken unter der Zunge, das Kind soll während der Messung durch die Nase atmen. Messwerte unter der Zunge sind etwa 0,3 bis 0,5 °C niedriger als im Po gemessene Werte.
Hinweis: Stirn- und Schläfenthermometer sowie die Messung in der Achselhöhle sind ungenau, man sollte bei Kindern grundsätzlich darauf verzichten.
Wann zum Arzt?
Da Kinder im Verlauf des Heranwachsens viele Infektionen durchmachen, treten bei ihnen auch häufiger Temperaturerhöhungen und Fieber auf als bei Erwachsenen. Oft stecken banale Infektionen durch Viren oder Bakterien dahinter, z. B. ein Schnupfen oder ein Magen-Darm-Infekt, die man gut selbst behandeln kann. Zum Arzt gehen bzw. den Kinderarzt anrufen sollte man mit
- Säuglingen < 3 Monaten bei Temperaturen ab 38,0 °C
- Babys ab 3 Monaten und Kleinkindern bei Temperaturen ab 39 °C.
Daneben gibt es weitere Gründe, mit einem fiebernden Kind einen Arzt aufzusuchen:
- Das Fieber dauert länger als 3 Tage.
- Das Fieber sinkt trotz fiebersenkender Maßnahmen wie Paracetamol-Zäpfchen nicht.
- Das Fieber kehrt nach einer kurzen fieberfreien Zeit wieder zurück.
- Weitere Beschwerden kommen dazu, wie beispielsweise Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Nackensteife, erschwerte Atmung.
- Das Baby schreit anders als sonst und/oder wirkt lethargisch.
- Das Baby will nicht trinken und reagiert negativ auf Berührungen.
- Die Eltern sind besorgt und beunruhigt.
Bei 90 % aller Fieberzustände kann der Arzt durch eine gründliche klinische Untersuchung und eine Untersuchung des Urins die Ursache feststellen und, falls notwendig, eine Therapie einleiten. Selten werden Blutentnahmen, Röntgen oder andere Untersuchungen nötig.
Ab wann Fieber senken?
Fieber hat bei Infektionen eine wichtige Aufgabe: Es beschleunigt alle Stoffwechselprozesse und heizt damit auch das Abwehrsystem ordentlich an. Deshalb muss es auch nicht zwingend bekämpft werden – im Gegenteil: Untersuchungen haben ergeben, dass fiebersenkende Mittel oft den Verlauf von Infektionskrankheiten verlängern. Andererseits ist hohes Fieber eindeutig schädlich: Steigt es über 39°C, kommt es über die Aktivierung des Stoffwechsels zu einer vermehrten Belastung von Herz und Kreislauf. Viele Ärzte empfehlen deshalb bei Kindern mit Herz- oder Lungenerkrankungen früher fiebersenkende Medikamente als bei ansonsten gesunden Kindern.
Doch wann sollen Eltern ihrem Kind ein fiebersenkendes Mittel verabreichen? Unter 40°C gibt es dafür keine generelle Empfehlung. Entscheidend ist neben der gemessenen Temperatur der Allgemeinzustand des Kindes, weshalb Eltern den kleinen Patienten gut beobachten müssen. Ist das Kind munter und trinkt ausreichend, können auch Körpertemperaturen bis 39°C akzeptiert werden. Bei Windelträgern ist regelmäßig zu prüfen, ob die Windeln nass genug werden – das Kleine also genug Flüssigkeit ausscheidet. Auch an trockenen Schleimhäuten, also wenn sich z.B. die Lippen trocken anfühlen und das Kind ein klebriges Gefühl im Mund hat, lässt sich gut erkennen, wenn ein Kind nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Im Zweifel ist immer ein Arzt aufzusuchen!
- Kindern mit rektalen Temperaturen > 39,5 °C
- Fiebernden Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben
- Fiebernden Kindern, deren Allgemeinzustand schlecht ist.
Hinweis: Fieber nach dem Impfen muss und soll nicht mit fiebersenkenden Mittel behandelt werden, da dies die erwünschte Impfreaktion abschwächt. Wenn Ihr Kind nach dem Impfen Temperaturen >39 °C entwickelt und Sie Zweifel haben, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt.
Fieber senken – aber wie?
Fieber lässt sich mit Medikamenten oder mit physikalischen Maßnahmen beeinflussen. Als Erstmaßnahmen empfiehlt sich, dass das Kind mit nackten Beinen und Armen herumläuft, und im Bett nur mit einer leichten Decke schläft. Die Heizung etwas herunterzudrehen ist ebenfalls eine sinnvolle Idee — genau wie Speiseeis und kalte Getränke anzubieten. Diese Maßnahmen sind aber nur sinnvoll, wenn das Kind „mitzieht“ - wenn es sich dagegen wehrt, sollte man darauf verzichten. Ansonsten verschaffen eine ganze Reihe von Hausmitteln dem Patienten in der jeweiligen Fieberphase Linderung. Insgesamt gelten folgende Regeln:
- Viel trinken! Fiebernde Kinder sollen täglich 50 bis 80 ml Wasser oder ungesüßten Tee pro kg Körpergewicht trinken.
- Wärmflasche und eine zusätzliche Decke helfen bei Schüttelfrost.
- Wadenwickel und Pulswickel anlegen, wenn das Fieber sinkt und der Körper gekühlt werden soll. Achtung, bei Säuglingen sind nur Pulswickel angebracht.
- Strikte Bettruhe, gerne auch auf dem Sofa, ist nur einzuhalten, wenn das Kind sich schlapp fühlt. Körperliche Anstrengungen, Sport und Toben sind trotzdem zu vermeiden.
Hinweis: Damit der Körper nicht zu sehr auskühlt, dürfen Waden- oder Pulswickel nur angelegt werden, wenn Arme und Beine warm sind!
Fieber mit Medikamenten senken
Als Medikamente der Wahl gelten bei Kindern Paracetamol und Ibuprofen.
- Paracetamol (zum Beispiel ben-u-ron®) wirkt gegen Fieber und Schmerzen, indem es die Synthese von Prostaglandinen und die pyrogenen Effekte anderer körpereigener Botenstoffe im Gehirn hemmt. Es wird je nach Alter und Gewicht dosiert, die Tagesgesamtdosis sollte 60 mg/kg Körpergewicht nicht überschreiten. Paracetamol ist auch für Neugeborene zugelassen, in diesen Fällen wird der Arzt die entsprechenden Mengen bestimmen.
- Ibuprofen (zum Beispiel Nurofen®) wird ebenfalls nach Alter und Gewicht dosiert, hier ist die höchste erlaubte Gesamttagesdosis 30 mg/kg Körpergewicht. Ibuprofen ist für Kinder ab 3 Monaten zugelassen. Für sehr kleine Dosen empfehlen sich Zäpfchen.
Die fiebersenkenden Arzneimittel stehen als Saft, Zäpfchen, Tabletten, Kapseln oder Schmelztabletten zur Verfügung. Bei der Gabe von Fiebersaft ist Vorsicht geboten, er soll dem sitzenden oder aufrecht gehaltenen Kind langsam in die Wangentasche geträufelt werden, damit es sich nicht verschluckt. Bei Erbrechen oder wenn das Kind lethargisch ist und schlecht schlucken kann, eignen sich Zäpfchen besonders gut.
Einige Ärzte empfehlen, fiebernden Kindern Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel zu geben, um das Fieber so schneller zu senken. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lehnt dieses Vorgehen ab und rät dazu, nur einen Wirkstoff zu verwenden und außerdem die verabreichten Mengen genau zu notieren. Notieren Sie auch die gemessenen Temperaturen, um eine Fieberkurve zu erstellen. Diese Informationen sind wichtig, wenn Sie mit Ihrem Kind doch den Kinderarzt aufsuchen möchten.
Hinweis: Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen nicht gegeben werden, da bei ihnen durch ASS das seltene Reye-Syndrom mit Gehirnentzündung und Leberzellnekrose ausgelöst werden kann.
Quellen: DAZ 2019, Nr. 47, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

