Gesundheit heute

Hämochromatose

Hämochromatose (primäre Siderose, Hämosiderose, Eisenspeicherkrankheit): Erbliche Eisenstoffwechselstörung mit übermäßiger Eisenaufnahme aus dem Darm. Die Hämochromatose bewirkt eine massive Eisenüberladung und schädigt zahlreiche Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz, Gelenke und Hormondrüsen. Da so viele Organe betroffen sind, leiden die Patient*innen an vielen unterschiedlichen Beschwerden. Typisch ist eine Bronzefärbung der Haut. Hinzu kommen u. a. Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust, Oberbauchbeschwerden, Durst, Herzschwäche, Potenz- und Menstruationsstörungen. Die Eiseneinlagerung beginnt schon direkt nach der Geburt, die ersten Symptome zeigen sich jedoch meist erst im Erwachsenenalter, bei Männern früher als bei Frauen. Behandelt wird durch eine eisenarme Diät, regelmäßige Aderlässe und manchmal auch mit Medikamenten. Die Hämochromatose ist nicht heilbar, deshalb muss die Behandlung lebenslang fortgesetzt werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto höher ist die Lebenserwartung der Betroffenen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust
  • Bronzefarbene Haut
  • Gelenkschmerzen
  • Hormonstörungen mit Impotenz bei Männern und Störungen der Regelblutung bei Frauen
  • Schmerzen im Oberbauch durch eine Lebervergrößerung
  • Durst und vermehrte Urinausscheidung durch Diabetes
  • Anfallsweises Herzrasen und Herzrhythmusstörungen.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn die Haut sich immer dunkler färbt und zusätzlich eine oder mehrere der oben beschriebenen Beschwerden auftreten.

Am selben Tag bei plötzlichem sehr starken Durst mit einer Trinkmenge von mehr als 4 Litern am Tag oder bei anhaltendem Herzstolpern oder Herzrasen ohne vorherige Belastung.

Die Erkrankung

Bei der erblichen Hämochromatose wird ständig zu viel Eisen aus dem Darm aufgenommen. Das Eisen lagert sich in zahlreichen Organen ab und schädigt v. a. die Bauchspeicheldrüse, die Leber, das Herz und die Hormondrüsen. Die Beschwerden beginnen bei Männern meist im mittleren Lebensalter. Bei Frauen tritt die Erkrankung später – meist erst nach den Wechseljahren – auf, denn davor wird der Eisenüberschuss durch die Regelblutung "natürlich" entsorgt. Selten kommt es schon vor dem 30. Lebensjahr zu Symptomen.

Krankheitsentstehung

Die Ursache der vermehrten Eisenaufnahme sind verschiedene erbliche Genmutationen. Bei der am häufigsten auftretenden Hämochromatose Typ 1 mutiert beispielsweise das HFE-Gen, welches für die korrekte Funktion des HFE-Proteins zuständig ist. HFE steht für "High-FE" – also "Hohes Eisen". Das HFE-Protein reguliert die Eisenaufnahme aus dem Darm. Ist es defekt, wird ungehemmt Eisen aus dem Darm in das Blut transportiert.

Es gibt noch 4 weitere Typen der Hämochromatose, die jeweils andere, für den Eisenstoffwechsel wichtige Gene betreffen. Die 5 Erkrankungstypen unterscheiden sich darin, in welche Organe am meisten Eisen eingelagert wird und wann die Erkrankung zu Tage tritt. Bei Typ 1 ist zuerst die Leber betroffen und das Erkrankungsalter liegt zwischen dem 30.–50. Lebensjahr. Typ 2a ist seltener und betrifft v. a. das Herz und junge Menschen zwischen dem 10.–20. Lebensjahr. Die 3 anderen Typen sind so selten, dass man sie als medizinische Raritäten bezeichnet.

Klinik

Die Hämochromatose beginnt zunächst schleichend mit allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche und Gewichtsverlust. Relativ früh zeigen sich auch Gelenkschmerzen, die meist zuerst in den Fingergelenken des Zeige- und Mittelfingers auftreten. Später können auch die anderen Fingergelenke sowie Handgelenke, Schulter- und Ellbogengelenke, Hüft- und Kniegelenke betroffen sein.

In der Haut abgelagerte Eisenverbindungen färben diese nach und nach bronzefarben. Die Verfärbung kann dabei entweder diffus den gesamten Körper betreffen oder an einzelnen Körperbereichen besonders ausgeprägt sein, z. B. in den Achselhöhlen, im Gesicht, an den Händen und Unterarmen oder in der Genitalregion. Die betroffenen Regionen sind dann oft auch haarlos.

Bei Hämochromatose Typ 1 wird als erstes Organ v. a. die Leber geschädigt. Durch das eingelagerte Eisen entsteht eine Leberzirrhose – Gewebsvernarbungen, die sich neben Müdigkeit und Schwäche auch mit Schmerzen im Oberbauch bemerkbar machen.

Bei Typ 2a ist zuerst v. a. das Herz betroffen. Die geschädigten Herzmuskelzellen beeinträchtigen die Herzfunktion, was ebenfalls Müdigkeit und Schwäche verursacht. Ein Teil der Betroffenen wird durch Herzrhythmusstörungen und anfallsweises Herzrasen auffällig.

Bei beiden Typen ist auch die Hirnanhangsdrüse von der Eiseneinlagerung betroffen. Diese Drüse reguliert die Funktion der Geschlechtsdrüsen. Die Unterfunktion der Drüsen verursacht Hormonstörungen. Bei Männern schrumpfen die Hoden, bei Frauen wird die Regelblutung immer schwächer und bleibt irgendwann ganz aus. Hinzu kommen ein Verlust des Geschlechtstriebes (Libido) und bei Männern Potenzstörungen.

Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf entsteht bei Hämochromatose Typ 1 zusätzlich ein Diabetes. So wie in der Leber vernarbt auch das Gewebe der Bauchspeicheldrüse immer mehr. Sie kann deshalb nicht mehr ausreichend Insulin bilden. Der dadurch erhöhte Blutzuckerspiegel verursacht Durst und eine stark vermehrte Urinmenge. Wegen der ebenso auftretenden Hautverfärbung spricht man vom "Bronzediabetes".

Komplikationen

Im Erkrankungsverlauf kann sich aus der Leberzirrhose ein Leberkarzinom entwickeln. Es entsteht bei etwa 30 % der Hämochromatose-Patient*innen und ist die häufigste Todesursache bei dieser Erkrankung.

Auch die Herzmuskelschädigung (Kardiomyopathie) kann unbehandelt schnell zum Tod führen.

Diagnosesicherung

Das macht die Ärzt*in

Da sich die Beschwerden nur schleichend entwickeln, gehen die Betroffenen oft erst spät in die Arztpraxis. Dennoch hat sich das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung inzwischen so verbessert, dass die Diagnose heute oft rechtzeitig gestellt wird, also nicht erst, wenn die Organschädigungen schon recht weit fortgeschritten sind. Hatten früher Dreiviertel der Betroffenen bei der Diagnosestellung bereits eine Leberzirrhose, so werden Zirrhose und Diabetes heute viel seltener beobachtet. Gelenkschmerzen und chronische Müdigkeit sind heute der Hauptgrund für den Arztbesuch.

Die Diagnose einer Hämochromatose ist meistens durch verschiedene Blutuntersuchungen möglich. Im Blut werden zunächst verschiedene Eisenmarker bestimmt, z. B. das Ferritin (eine Speicherform des Eisens), das Transferrin (das Transportprotein für Eisen) und die Transferrinsättigung (der Anteil an mit Eisen beladenem Transportprotein). Sind diese Werte erhöht, schließen sich molekulargenetische Blutuntersuchungen an, bei denen die Genmutationen nachgewiesen werden. Eine Leberbiopsie ist dadurch nur noch selten nötig.

Differenzialdiagnose. Neben der erblichen Eisenspeicherkrankheit (primäre Siderose) gibt es auch andere Ursachen für eine übermäßige Eisenspeicherung im Körper, die sekundären Siderosen:

Bei bestimmten Formen der Blutarmut (Anämie) und bei Stammzellerkrankungen erhöht der Körper ebenfalls die Eisenaufnahme aus dem Darm. Zusätzlich führen dann auch die therapeutisch notwendigen Bluttransfusionen zu einer erhöhten Eisenzufuhr.

Auch bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen, allen voran bei einer Leberschädigung durch Alkoholmissbrauch, kommt es zu einer Eiseneinlagerung in der Leber.

Erhöhte Blutwerte von Ferritin treten außer bei einer Eisenüberladung auch bei Entzündungen im Körper auf, deshalb beurteilen Ärzt*innen diese Blutwerte immer nur im Zusammenhang mit den Beschwerden der Betroffenen.

Neben der erblichen Hämochromatose gibt es noch 2 weitere Erbkrankheiten, die zu einer übermäßigen Eisenspeicherung führen: Die kongenitale Hypotransferrinämie verursacht ebenfalls schleichend Gelenkschmerzen, Leberzirrhose und Herzschwäche. Bei der ebenfalls angeborenen Aceruloplasminämie wird das Eisen v. a. im Gehirn gespeichert und verursacht daher v. a. neurologische Symptome, aber auch Diabetes.

Eine sehr seltene und nicht erbliche Sonderform der Eisenspeicherkrankheit ist die neonatale Hämochromatose. Hierbei treten bereits 2 Tage nach der Geburt die ersten Anzeichen einer Leberschädigung auf. Die betroffenen Säuglinge benötigen schon innerhalb der ersten 3 Lebensmonate eine Lebertransplantation.

Behandlung

Die Hauptsäulen der Behandlung sind regelmäßige Aderlässe zur Entfernung des überschüssigen Eisens sowie eine eisenarme Kost. Die Häufigkeit und entnommene Blutmenge beim Aderlass werden individuell an die Blutwerte und das Wohlbefinden der Patient*innen angepasst. Reichen Diät und Aderlässe nicht aus oder besteht gleichzeitig eine Blutarmut (die einen Aderlass verbietet), werden Medikamente verordnet. Diese Medikamente binden das Eisen im Körper und verhindern die Organablagerungen. Sie haben aber auch starke Nebenwirkungen, weshalb sie nicht regulär bei allen Patient*innen eingesetzt werden.

Zusätzlich werden gezielt die einzelnen Beschwerden und Folgeerkrankungen behandelt. Beispielsweise werden Schmerzmittel gegen die Gelenkschmerzen verordnet, der Diabetes mit Insulin behandelt und Hormone wie Testosteron und Gonadotropin gegen die sexuellen Störungen verabreicht. Eine bereits fortgeschrittene Leberzirrhose erfordert in absehbarer Zeit eine Lebertransplantation.

Prognose

Wird die Erkrankung behandelt, bevor sich eine Leberzirrhose oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickelt hat, ist die Lebenserwartung normal, sofern die Behandlung konsequent fortgesetzt wird. Bei der Behandlung wird ein Zielwert für Ferritin angestrebt. Wird dieser erreicht, sind keine Organschäden zu befürchten.

Besteht bereits eine Leberzirrhose oder Herzschwäche, verschlechtert sich die Prognose. Die Leberzirrhose kann dann in ein Leberkarzinom übergehen, welches insgesamt die häufigste Todesursache bei Hämochromatose-Patient*innen ist.

Unbehandelt führt die Hämochromatose zum Tod. Häufigste Todesursachen sind dann Leber- oder Herzversagen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Eisenarme Diät. Nahrungsmittel mit einem hohen Eisengehalt sind v. a. Fleisch und Innereien wie Leber und Nieren sowie Quinoa, Amaranth und Pflanzensamen wie Sesam und Kürbiskerne. Diese Nahrungsmittel sollten nicht exzessiv verzehrt werden. Eine spezielle, sehr strenge Diät muss aber nicht eingehalten werden. Wie weit die Ernährung wirklich hilft, die Eisenwerte zu senken, ist bislang umstritten. Im Zweifel ist eine individuelle Ernährungsberatung durch qualifizierte Diätassistent*innen empfehlenswert.

Schwarztee. Zusätzlich zur eisenarmen Diät sollten Betroffene schwarzen Tee zu den Mahlzeiten trinken, weil dieser die Eisenaufnahme im Darm hemmt. Auch Kaffee und Milch können die Eisenaufnahme vermindern. Ebenso Rotwein, jedoch sollte auf Alkohol generell verzichtet werden, um die Leber zu entlasten.

Nahrungsergänzungsmittel. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin C sollten nicht eingenommen werden, da Vitamin C die Eisenaufnahme aus dem Darm fördert. Bei allen Nahrungsergänzungsmitteln ist zudem darauf zu achten, dass kein Eisen enthalten ist.

Komplementärmedizin

Besteht bereits eine Leberschädigung, können standardisierte Extrakte aus Mariendistelfrüchten helfen. Diese haben leberschützende Eigenschaften, die sich bei Patient*innen mit Leberschäden positiv auswirken können.

Prävention

Da die Hämochromatose angeboren ist, gibt es keine Vorbeugung. Wird die Erkrankung diagnostiziert, kann aber eine gesunde Ernährung und Lebensweise helfen, die Organe nicht zusätzlich zu schädigen. Wichtig ist z. B. der Verzicht auf Alkohol. Auch ein hoher Zuckerkonsum belastet sowohl die Leber als auch die Bauchspeicheldrüse und sollte daher möglichst vermieden werden.

Weiterführende Informationen

Internetseite der Hämochromatose-Vereinigung Deutschland e. V., Köln: Selbsthilfegruppe mit medizinischen Informationen und über 20 Kontaktstellen in ganz Deutschland.

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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Fieber bei Babys und Kleinkindern

Bei Babys und Kleinkindern wird die Temperatur am besten im Po, also rektal gemessen.

Fieber bei Babys und Kleinkindern

Richtig messen, richtig reagieren

Auch wenn Fieber im Kindesalter häufig vorkommt, ist für Eltern der fiebernde Nachwuchs jedesmal wieder eine echte Herausforderung. Vor allem bei Babys und Kleinkindern sind Väter und Mütter oft unsicher, was sie bei ansteigenden Temperaturen machen sollen. Deshalb ist es wichtig, gut informiert zu sein: Welche Temperaturen gelten bei Kindern überhaupt als Fieber, wann und wie sollte man Fieber senken und wann muss ein fieberndes Kind dem Arzt vorgestellt werden? Dies und mehr rund um das Thema Fieber bei Babys und Kleinkindern erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Was ist Fieber überhaupt?

Fieber ist keine Krankheit, sondern Teil der Gegenmaßnahmen unseres Körpers auf das Eindringen von Krankheitserregern oder andere schädigende Ereignisse (Fieber entsteht z. B. auch bei Krebserkrankungen oder Hormonstörungen). Im Falle einer Infektion wird Fieber durch die körpereigene Abwehr ausgelöst, die über Botenstoffe wie Interleukine und Prostaglandine den Temperatur-Sollwert im Gehirn erhöht. Der Körper glaubt zu frieren und versucht, seine Kerntemperatur zu erhöhen. Er beginnt mit Kältezittern (Schüttelfrost), um durch Muskelaktivität Wärme zu generieren. Gleichzeitig verengt er die Gefäße und reduziert das Schwitzen, um weniger Wärme abzugeben. Durch die erhöhte Körpertemperatur wird nun der gesamte Stoffwechsel aktiviert und der Ablauf biochemischer Reaktionen beschleunigt – was wiederum die Abwehrvorgänge auf Trab bringt.

Hinweis: Bei Neugeborenen bis zu 28 Tagen ist dieser Mechanismus noch nicht voll ausgeprägt. Sie reagieren deshalb auch bei schweren Infektionen nur mit einem geringen Temperaturanstieg. Alarmzeichen sind bei ihnen eher Apathie, Trinkunlust, Veränderung der Hautfarbe und Berührungsempfindlichkeit.

Welche Temperaturen sind normal?

Gesunde Erwachsene haben eine durchschnittliche Körpertemperatur von 36,0 bis 37,2° C, Temperaturen > 37,9°C (rektal gemessen) gelten bei ihnen als Fieber. Die Körpertemperatur gesunder Kinder ist etwas höher, bei ihnen sind 36,5 bis 37,5 °C normal, wobei die Temperatur abends ein halbes Grad höher sein kann als morgens (war das Kind der Sonne ausgesetzt, kann das Thermometer auch ein ganzes Grad klettern). Von Fieber spricht man bei Kindern, wenn die Temperatur über 38,5°C liegt, darunter von subfebrilen Temperaturen. Bei Neugeborenen (bis 4 Wochen alt) gelten Temperaturen über 38,0 °C als Fieber.

Neben einer erhöhten Temperatur gibt es weitere aussagekräftige Hinweise darauf, ob ein Kind Fieber hat. Typische Anzeichen sind

  • Heißes und gerötetes Gesicht, glasige Augen
  • Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit
  • Husten, Schnupfen, Atemnot
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Verändertes Schreimuster, Lethargie, Reizbarkeit.

Hinweis: Nicht jede Temperaturerhöhung ist krankhaft. Beim und nach dem Spielen in der Sonne, bei körperlicher Aktivität und Herumtoben entwickeln Kinder häufig Körpertemperaturen bis leicht über 38°C.

Fieber messen – aber richtig

Beim Verdacht auf Fieber ist sofort die Körpertemperatur zu messen. Die genauesten Werte ergibt die rektale Messung, bei der vorsichtig ein Thermometer in den Po des Kindes eingeführt wird. Folgendes Vorgehen wird empfohlen:

  • Das Kind ist nicht überhitzt (vom Herumtoben) und trägt nicht mehr Kleidung als nötig (zu warme Kleidung kann Fieber vortäuschen).
  • Das Kind legt sich entspannt auf die Seite und zieht die Beine an, Babys legt man auf den Rücken.
  • Die Spitze des digitalen Fieberthermometers mit Wasser anfeuchten oder mit etwas Vaseline oder Creme bestreichen.
  • Das Thermometer vorsichtig ein bis zwei Zentimeter in den Po einführen und auf das Messsignal warten.
  • Thermometer herausziehen, ablesen und reinigen.

Eine weitere Methode ist die Messung der Temperatur mittels Ohrthermometer. Hier ist es wichtig, dass das Gerät korrekt gehalten wird, damit der Infrarotstrahl auch das Trommelfell erreicht. Dafür muss man die Ohrmuschel vorsichtig nach hinten oben ziehen. Zu beachten ist auch, dass Ohrenschmalz und Zugluft die Messwerte verfälschen können.

Eine weitere Messmethode für kooperative Kinder über 5 Jahren ist die Messung der Temperatur im Mund. Gemessen wird frühestens 10 Minuten nach dem Essen oder Trinken unter der Zunge, das Kind soll während der Messung durch die Nase atmen. Messwerte unter der Zunge sind etwa 0,3 bis 0,5 °C niedriger als im Po gemessene Werte.

Hinweis: Stirn- und Schläfenthermometer sowie die Messung in der Achselhöhle sind ungenau, man sollte bei Kindern grundsätzlich darauf verzichten.

Wann zum Arzt?

Da Kinder im Verlauf des Heranwachsens viele Infektionen durchmachen, treten bei ihnen auch häufiger Temperaturerhöhungen und Fieber auf als bei Erwachsenen. Oft stecken banale Infektionen durch Viren oder Bakterien dahinter, z. B. ein Schnupfen oder ein Magen-Darm-Infekt, die man gut selbst behandeln kann. Zum Arzt gehen bzw. den Kinderarzt anrufen sollte man mit

  • Säuglingen < 3 Monaten bei Temperaturen ab 38,0 °C
  • Babys ab 3 Monaten und Kleinkindern bei Temperaturen ab 39 °C.

Daneben gibt es weitere Gründe, mit einem fiebernden Kind einen Arzt aufzusuchen:

  • Das Fieber dauert länger als 3 Tage.
  • Das Fieber sinkt trotz fiebersenkender Maßnahmen wie Paracetamol-Zäpfchen nicht.
  • Das Fieber kehrt nach einer kurzen fieberfreien Zeit wieder zurück.
  • Weitere Beschwerden kommen dazu, wie beispielsweise Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Nackensteife, erschwerte Atmung.
  • Das Baby schreit anders als sonst und/oder wirkt lethargisch.
  • Das Baby will nicht trinken und reagiert negativ auf Berührungen.
  • Die Eltern sind besorgt und beunruhigt.

Bei 90 % aller Fieberzustände kann der Arzt durch eine gründliche klinische Untersuchung und eine Untersuchung des Urins die Ursache feststellen und, falls notwendig, eine Therapie einleiten. Selten werden Blutentnahmen, Röntgen oder andere Untersuchungen nötig.

Ab wann Fieber senken?

Fieber hat bei Infektionen eine wichtige Aufgabe: Es beschleunigt alle Stoffwechselprozesse und heizt damit auch das Abwehrsystem ordentlich an. Deshalb muss es auch nicht zwingend bekämpft werden – im Gegenteil: Untersuchungen haben ergeben, dass fiebersenkende Mittel oft den Verlauf von Infektionskrankheiten verlängern. Andererseits ist hohes Fieber eindeutig schädlich: Steigt es über 39°C, kommt es über die Aktivierung des Stoffwechsels zu einer vermehrten Belastung von Herz und Kreislauf. Viele Ärzte empfehlen deshalb bei Kindern mit Herz- oder Lungenerkrankungen früher fiebersenkende Medikamente als bei ansonsten gesunden Kindern.

Doch wann sollen Eltern ihrem Kind ein fiebersenkendes Mittel verabreichen? Unter 40°C gibt es dafür keine generelle Empfehlung. Entscheidend ist neben der gemessenen Temperatur der Allgemeinzustand des Kindes, weshalb Eltern den kleinen Patienten gut beobachten müssen. Ist das Kind munter und trinkt ausreichend, können auch Körpertemperaturen bis 39°C akzeptiert werden. Bei Windelträgern ist regelmäßig zu prüfen, ob die Windeln nass genug werden – das Kleine also genug Flüssigkeit ausscheidet. Auch an trockenen Schleimhäuten, also wenn sich z.B. die Lippen trocken anfühlen und das Kind ein klebriges Gefühl im Mund hat, lässt sich gut erkennen, wenn ein Kind nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Im Zweifel ist immer ein Arzt aufzusuchen!

Allgemein gilt: Je schlechter der Zustand des Kindes ist, desto früher sind bei Temperaturen > 38,5° C fiebersenkende Medikamente oder, wie in den oben genannten Fällen, auch der Gang zum Arzt angebracht. Mit einer Fiebersenkung begonnen werden sollte bei

  • Kindern mit rektalen Temperaturen > 39,5 °C
  • Fiebernden Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf erlebt haben
  • Fiebernden Kindern, deren Allgemeinzustand schlecht ist.

Hinweis: Fieber nach dem Impfen muss und soll nicht mit fiebersenkenden Mittel behandelt werden, da dies die erwünschte Impfreaktion abschwächt. Wenn Ihr Kind nach dem Impfen Temperaturen >39 °C entwickelt und Sie Zweifel haben, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt.

Fieber senken – aber wie?

Fieber lässt sich mit Medikamenten oder mit physikalischen Maßnahmen beeinflussen. Als Erstmaßnahmen empfiehlt sich, dass das Kind mit nackten Beinen und Armen herumläuft, und im Bett nur mit einer leichten Decke schläft. Die Heizung etwas herunterzudrehen ist ebenfalls eine sinnvolle Idee — genau wie Speiseeis und kalte Getränke anzubieten. Diese Maßnahmen sind aber nur sinnvoll, wenn das Kind „mitzieht“ - wenn es sich dagegen wehrt, sollte man darauf verzichten. Ansonsten verschaffen eine ganze Reihe von Hausmitteln dem Patienten in der jeweiligen Fieberphase Linderung. Insgesamt gelten folgende Regeln:

  • Viel trinken! Fiebernde Kinder sollen täglich 50 bis 80 ml Wasser oder ungesüßten Tee pro kg Körpergewicht trinken.
  • Wärmflasche und eine zusätzliche Decke helfen bei Schüttelfrost.
  • Wadenwickel und Pulswickel anlegen, wenn das Fieber sinkt und der Körper gekühlt werden soll. Achtung, bei Säuglingen sind nur Pulswickel angebracht.
  • Strikte Bettruhe, gerne auch auf dem Sofa, ist nur einzuhalten, wenn das Kind sich schlapp fühlt. Körperliche Anstrengungen, Sport und Toben sind trotzdem zu vermeiden.

Hinweis: Damit der Körper nicht zu sehr auskühlt, dürfen Waden- oder Pulswickel nur angelegt werden, wenn Arme und Beine warm sind!

Fieber mit Medikamenten senken

Als Medikamente der Wahl gelten bei Kindern Paracetamol und Ibuprofen.

  • Paracetamol (zum Beispiel ben-u-ron®) wirkt gegen Fieber und Schmerzen, indem es die Synthese von Prostaglandinen und die pyrogenen Effekte anderer körpereigener Botenstoffe im Gehirn hemmt. Es wird je nach Alter und Gewicht dosiert, die Tagesgesamtdosis sollte 60 mg/kg Körpergewicht nicht überschreiten. Paracetamol ist auch für Neugeborene zugelassen, in diesen Fällen wird der Arzt die entsprechenden Mengen bestimmen.
  • Ibuprofen (zum Beispiel Nurofen®) wird ebenfalls nach Alter und Gewicht dosiert, hier ist die höchste erlaubte Gesamttagesdosis 30 mg/kg Körpergewicht. Ibuprofen ist für Kinder ab 3 Monaten zugelassen. Für sehr kleine Dosen empfehlen sich Zäpfchen.

Die fiebersenkenden Arzneimittel stehen als Saft, Zäpfchen, Tabletten, Kapseln oder Schmelztabletten zur Verfügung. Bei der Gabe von Fiebersaft ist Vorsicht geboten, er soll dem sitzenden oder aufrecht gehaltenen Kind langsam in die Wangentasche geträufelt werden, damit es sich nicht verschluckt. Bei Erbrechen oder wenn das Kind lethargisch ist und schlecht schlucken kann, eignen sich Zäpfchen besonders gut.

Einige Ärzte empfehlen, fiebernden Kindern Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel zu geben, um das Fieber so schneller zu senken. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lehnt dieses Vorgehen ab und rät dazu, nur einen Wirkstoff zu verwenden und außerdem die verabreichten Mengen genau zu notieren. Notieren Sie auch die gemessenen Temperaturen, um eine Fieberkurve zu erstellen. Diese Informationen sind wichtig, wenn Sie mit Ihrem Kind doch den Kinderarzt aufsuchen möchten.

Hinweis: Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen nicht gegeben werden, da bei ihnen durch ASS das seltene Reye-Syndrom mit Gehirnentzündung und Leberzellnekrose ausgelöst werden kann.

Quellen: DAZ 2019, Nr. 47, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: fotorawin/Shutterstock.com