Gesundheit heute
Osteomalazie
Osteomalazie (Knochenerweichung): Knochenerkrankung infolge einer Mineralisationsstörung, durch die der Knochen seine Stabilität verliert. Ihre Ursache ist meist ein Vitamin-D-Mangel. Zu den Beschwerden gehören Knochenschmerzen und Muskelschwäche bis hin zu Gehstörungen. In ausgeprägten Fällen verformen sich die Knochen, außerdem drohen Ermüdungsbrüche an Becken und Steißbein. Behandelt wird die Osteomalazie mit Vitamin D und Kalzium. Bei Fehlstellungen oder Brüchen sind manchmal orthopädische Hilfsmittel oder korrigierende Operationen erforderlich.
Hinweis: Die Knochenerweichung durch Vitamin-D-Mangel im Kindesalter wird Rachitis genannt. Näheres dazu siehe dort.
Symptome und Leitbeschwerden
- Knochenschmerzen, die sich beim Anspannen von Muskeln verstärken
- Muskelschwäche
- Gehstörungen
- verformte Rippen, X- oder O-Beine (bei Erwachsenen selten).
Wann in die Arztpraxis
Demnächst, bei
- Knochen- oder Muskelschmerzen ohne erklärbare Ursache.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Knochen setzen sich zusammen aus Knochenzellen und Knochengewebe, das von den Knochenzellen gebildet wird. Damit das Knochengewebe fest und stabil wird, müssen u. a. Kalzium und Phosphat eingelagert werden. Dieser Prozess wird Mineralisation genannt und von Hormonen gesteuert.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei Vitamin D. Das wird entweder unter dem Einfluss von Sonnenstrahlung, also UV-Licht, in der Haut gebildet oder über die Nahrung aufgenommen. Damit es auch wirkt, durchläuft es im Körper noch verschiedene Aktivierungsprozesse. Vitamin D fördert die Mineralisation auf zwei Arten:
- Es steigert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm, sorgt also dafür, dass mehr Vitamin D aus der Nahrung im Körper ankommt.
- Es regt den Einbau von Kalzium und Phosphat in das Knochengewebe an.
Ein gesunder Knochen befindet sich ständig im Auf- und Abbau, dem sogenannten Remodelling. Bei einem Mangel an Vitamin D wird das neu gebildete Knochengewebe allerdings nicht ausreichend mineralisiert. Der Knochen bleibt weich und kann sich verformen. Der geschwächte Knochen bricht auch leichter, vor allem in Belastungszonen wie am Becken oder am Schienbein (sog. Ermüdungsbrüche). Zur Knochenerweichung kann es aber auch unabhängig von Vitamin D kommen. Das ist z. B. bei einem extremen Kalziummangel der Fall oder wenn Phosphat fehlt.
Hinweis: Osteomalazie und Osteoporose haben ähnliche klinische Auswirkungen, unterscheiden sich aber in ihrer Krankheitsentstehung. Bei der Osteomalazie ist die Mineralisation des Knochens und damit der Knochenaufbau gestört. Bei der Osteoporose handelt es sich dagegen um eine Abnahme der normal mineralisierten Knochenmasse durch einen verstärkten Knochenabbau.
Ursachen für die Osteomalazie
Die mit Abstand häufigste Ursache für die Osteomalazie ist der Vitamin-D-Mangel oder Störungen bei der Aktivierung des Vitamins im Vitamin-D-Stoffwechsel, z. B. durch
- mangelndes Sonnenlicht
- zu geringe Aufnahme über die Nahrung
- Dünndarmerkrankungen, bei denen über die erkrankte Darmschleimhaut kein Vitamin D3 aufgenommen werden kann
- Leber- und Nierenerkrankungen, wodurch die Aktivierung des Vitamins zu Calcidiol oder Calcitriol gestört wird.
Ein Mangel an Phosphat kann die nötige Mineralisierung des Knochens ebenfalls verhindern. Dafür gibt es verschiedene Ursachen:
- Zu geringe Phosphataufnahme durch die Ernährung, z. B. bei chronischem Hungern oder Malabsorptionsstörungen des Darms, z. B. Zöliakie oder Morbus Crohn
- Langfristige Einnahme von aluminiumhaltigen Säurebindern (Antazida). Sie binden Phosphat im Verdauungstrakt und führen dazu, dass es vermehrt über den Darm ausgeschieden wird
- Verstärkter Phosphatverlust über die Niere. Dies kommt z. B. bei Nierenerkrankungen oder im Rahmen von Hormonstörungen bei Krebserkrankungen (onkogene Osteomalazie) vor.
Eine weitere Ursache für die Osteomalazie ist ein ausgeprägter Kalziummangel, z. B. ernährungsbedingt (vegane Ernährung) oder aufgrund von Nierenerkrankungen.
Vorkommen
Genaue Zahlen zur Osteomalazie in Deutschland gibt es nicht. Man weiß aber, dass vor allem alte Menschen oft unter einem Vitamin-D-Mangel und dadurch unter einer Knochenerweichung leiden. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder dritte Oberschenkelhalsbruch im Alter einer Osteomalazie zuzuschreiben ist.
Immigrantenosteomalazie
Besonders gefährdet für eine Osteomalazie sind zudem Einwandernde mit dunkler Hautfarbe. Sie brauchen mehr UV-Licht, um in ihrer Haut Vitamin D3 zu bilden, bekommen in den weniger sonnigen Ländern Mittel- und Nordeuropas aber oft zu wenig davon ab. Durch kulturelle Besonderheiten (verhüllende Kleidung, Vermeiden von Aufenthalten im Freien) wird der Mangel an UV noch verstärkt und die Vitamin-D3-Produktion zusätzlich eingeschränkt. Die so entstehende Immigrantenosteomalazie betrifft Untersuchungen zufolge jede zehnte türkische Einwander*in, darunter vor allem Frauen.
Klinik
Die Osteomalazie des Erwachsenen zeichnet sich vor allem durch Knochenschmerzen aus. Sie entstehen u. a. dadurch, dass sich der erweichte Knochen verformt und dadurch die empfindliche Knochenhaut gedehnt wird. Neben den Knochenschmerzen leiden die Patient*innen durch den Mangel an Kalzium auch unter Muskelschwäche, die bis zu Problemen beim Gehen führen können.
Bei Osteomalazie kommt es auch leicht zu Insuffizienzfrakturen. Das sind Knochenbrüche, die bei gestörter Knochenstruktur schon unter normaler Belastung entstehen. Betroffen sind dabei vor allem das Steißbein und der Beckenbereich, aber auch der Vorfuß und das Schienbein.
Diagnosesicherung
Unklare Knochenschmerzen, Muskelschwäche oder Ermüdungsbrüche lassen schnell an eine Störung des Knochenstoffwechsels denken. Labor und bildgebende Diagnostik helfen dabei, diese zu differenzieren.
Labordiagnostik
Im Labor untersucht werden dabei Urin und Blut. Dort lassen sich Abweichungen bei der Messung von Kalzium, Phosphat und Vitamin D finden. Im Blut ist zudem die alkalische Phosphatase (AP) erhöht. Das ist ein Enzym, das am Knochenaufbau beteiligt ist.
Bildgebende Verfahren und Biopsie
Im Röntgenbild zeigen sich bei einer Osteomalazie frühzeitig typische Veränderungen. Dabei handelt es sich um sogenannte Looser-Zonen. Darunter versteht man bandförmige Aufhellungen im Knochen als Zeichen für die nicht verkalkte/mineralisierte Knochensubstanz. In sehr seltenen Fällen (z. B. bei einem Verdacht auf eine nierenbedingte Osteomalazie) entnimmt die Ärzt*in eine Probe aus dem Knochengewebe und lässt diese unter dem Mikroskop untersuchen. (Biopsie).
Ermüdungsbrüche sind im normalen Röntgenbild oft nicht gut zu erkennen. Um sie aufzuspüren, setzt man eher die Knochenszintigrafie. Eine Knochendichtemessung hilft dagegen kaum weiter, weil diese die Osteomalazie nicht von der Osteoporose unterscheiden kann.
Differenzialdiagnose. Abgegrenzt werden muss die Osteomalazie vor allem gegenüber der Osteoporose.
Behandlung
Die Behandlung der Osteomalazie hängt von ihrer Ursache ab. Bei einem Mangel an Vitamin D3 bekommt die Patient*in Vitamin-D3-Präparate als Tabletten, Kapseln oder Tropfen zur täglichen Einnahme. Ist die Vitamin-D-Aufnahme über die Darmschleimhaut gestört – z. B. bei chronischen Darmerkrankungen – kann das Vitamin auch über Spritzen in den Muskel zugeführt werden. Liegt der Osteomalazie eine gestörte Aktivierung des D3-Vitamins zugrunde, muss Calcitriol, also die bereits aktivierte Form des Vitamins, verabreicht werden. Damit das Vitamin wirken kann, muss sich die Patient*in während der Therapie kalziumreich ernähren, oft verordnet die Ärzt*in auch zusätzlich Kalziumtabletten.
Bei einer Osteomalazie aufgrund von erhöhtem Phosphatverlust wird das Phosphat durch Nahrungsergänzungsmittel ersetzt.
Orthopädische Behandlungen
Ermüdungsbrüche können meist konservativ therapiert werden. Eine komplette Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaße ist selten nötig, meist reicht es, Belastungen zu vermindern. Dabei helfen Orthesen und Unterarm-Gehstützen. Heilt der Knochen innerhalb von sechs Monaten nicht vollständig, muss operiert werden. Dazu gibt es je nach Befund verschiedene Verfahren:
- Eine verzögerte Heilung lässt sich durch das Anbohren des betroffenen Knochens stimulieren.
- Liegen mehrere Knochenbruchstücke vor, muss die Chirurg*in diese mittels Platten oder Schrauben verbinden und stabilisieren (Osteosynthese).
- Manchmal bildet sich bei der Heilung zu viel neuer Knochen aus. Dieses Gewebe (Kallus genannt) muss dann vom Chirurgen abgetragen werden.
Prognose
Wenn die Osteomalazie früh erkannt und behandelt wird, ist die Prognose gut.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Körperliche Schonung. In der Heilungsphase einer Osteomalazie sollten sich die Betroffenen etwas schonen. Solange der Knochen noch nicht nachgehärtet ist, drohen sonst (weitere) Brüche.
Kontrollierte Bewegung. Sport sollte immer nur in Rücksprache mit der behandelnden Orthopäd*in erfolgen. Eine speziell angepasste Physiotherapie hilft, die Muskeln zu stärken, ohne den Knochen zu gefährden.
Prävention
Sonnenlicht. Zur Vorbeugung einer Osteomalazie ist es ratsam, sich regelmäßig dem Sonnenlicht auszusetzen. Dazu muss man nicht stundenlang sonnenbaden, es reicht, wenn Hände, Arme und Gesicht täglich 15 Minuten UV-Licht abbekommen.
Ernährung. Auf dem Speiseplan sollten Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel stehen. Dazu gehören Hering, Lachs und Sardinen. Auch Lebertran, Eigelb und viele Speisepilze enthalten das Vitamin.
Vitamin-D-Präparate. Menschen, die sich kaum im Freien aufhalten, Senior*innen und dunkelhäutigen Personen wird die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten empfohlen. Das sollte jedoch nur in Absprache mit der behandelnden Ärzt*in und nach Überprüfung der Vitamin-D-Werte im Blut erfolgen. Denn auch wenn eine Überdosierung mit Vitamin D selten ist, kann sie vorkommen. Sie macht sich durch Erbrechen und Übelkeit bemerkbar, langfristig drohen Nierenschäden.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

