Gesundheit heute
Reaktive Arthritis
Reaktive Arthritis (postinfektiöse Arthritis): Entzündliche Gelenkerkrankung, die eine bis wenige Wochen nach einer Infektion von Harnwegen, Geschlechtsorganen, Darm oder Atemwegen auftritt. Betroffen sind meist einzelne große Gelenke von Becken und Bein auf nur einer Körperseite. Zusätzlich liegt manchmal eine begleitende Entzündung der Augenbindehaut oder der Harnröhre vor, manchmal kommt es auch zu Fieber (Urethro-okulo-synoviales Syndrom). Behandelt wird mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR), evtl. auch mit Kortison. Meist heilt die Erkrankung innerhalb eines Jahres aus und verursacht keine dauerhaften Gelenkschäden.
Symptome und Leitbeschwerden
- Einseitig schmerzhafte, geschwollene große Gelenke
- Geschwollene einzelne Finger oder Zehen (Wurstzehe, Wurstfinger)
- Schmerzen der Sehnen oder Sehnenscheiden (z. B. Achillessehne)
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Schleimhautveränderungen an der Eichel
- Schmerzen und Fremdkörpergefühl in den Augen, erhöhte Lichtempfindlichkeit.
Wann zur Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Die reaktive Arthritis ist eine Erkrankung des jungen bis mittleren Erwachsenenalters. In Deutschland leiden etwa 50 von 100.000 Einwohner*innen daran. Bei der Sonderform, dem Urethro-okulo-synovialen Syndrom (siehe unten), sind vor allem 20- bis 40-jährige Männer betroffen.
Krankheitsentstehung
Ursache der reaktiven Arthritis ist eine Infektion, die außerhalb von den Gelenken stattgefunden hat, zum Beispiel in Darm, Geschlechtsorganen, Harn- oder Atemwegen. Die Erreger oder Erregerbestandteile gelangen dann im Anschluss über das Blut in die Gelenke. Im Fall einer Darmentzündung sind dies z. B. Shigellen, Yersinien, Salmonellen oder Campylobacter jejuni. Bei Geschlechtskrankheiten oder Harnwegsinfektionen handelt es sich vorwiegend um Chlamydien, Mykoplasmen oder Gonokokken.
Im Gelenk lösen die Erreger bzw. ihre Bestandteile eine überschießende Immunreaktion aus, sodass sich das Gelenk entzündet. Das Besondere bei dieser Entzündung ist, dass sich die Erreger im Gelenk nicht vermehren und man sie aus der Gelenkflüssigkeit nicht anzüchten kann.
Die überschießende Immunreaktion ist genetisch bedingt, wobei u. a. das auf Immunzellen sitzende Oberflächenprotein HLA-B27 eine Rolle spielt. Es ist bei etwa der Hälfte aller Patient*innen mit reaktiver Arthritis nachweisbar und gilt als Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf.
Klinik
Die reaktive Arthritis tritt meist zwei bis vier Wochen nach der auslösenden Infektion auf. Oft kommen die Gelenkschmerzen wie aus dem „Nichts“, weil der vorangegangene Infekt so leicht war, dass er gar nicht richtig bemerkt wurde. Die Gelenkschmerzen variieren individuell. In schweren Fällen schmerzen die Gelenke stark und sind überwärmt und geschwollen.
Betroffen sind meist große, Gewicht tragende Gelenke wie das Kniegelenk, Hüftgelenk oder Sprunggelenk. Der Befall von Finger- und Fußgelenken oder der Wirbelsäule ist die Ausnahme. Selten sind mehrere Gelenke beteiligt, manchmal springt die Entzündung auch von einem Gelenk auf ein anderes.
Oft schmerzen die Sehnen und die Sehnenansatzstellen. Besonders häufig ist die Ansatzstelle der Achillessehne entzündet, dann schmerzen Gehen und Stehen. Im Gegensatz zur Arthritis kann die Sehnenentzündung auch Finger und Zehen treffen und diese zum Anschwellen bringen. Dann spricht die Ärzt*in von einer Daktylitis (Wurstfinger oder Wurstzehe).
Entzündungen außerhalb von Gelenken und Sehnen
Im Verlauf der reaktiven Arthritis kommt es bei einigen Patient*innen auch zu Entzündungen außerhalb des Bewegungsapparates:
Auge. Hier sind Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und Hornhautentzündung (Keratitis) typisch, aber auch die Regenbogenhaut kann sich entzünden (Iritis). Bemerkbar macht sich eine Augenbeteiligung mit Lichtscheu, Augenjucken, geröteten Augen und Sehstörungen.
Haut. An Hand- und Fußsohlen kommt es zu verstärkter Verhornung, die an eine Schuppenflechte erinnert. Manchmal entwickelt sich auch ein Erythema nodosum mit schmerzenden rot-bläulichen Knötchen an Sprunggelenken und Unterschenkeln. Bei Männern ist die Eichel oft von schuppenden Hautveränderungen betroffen.
Harnwege und Geschlechtsorgane. Typisch sind zudem begleitende Entzündungen von Harnwegen (Urethritis), Gebärmutterhals (Zervizitis) und Prostata (Prostatitis). Sie äußern sich mit Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr.
Urethro-okulo-synoviales Syndrom. Eine Sonderform oder auch das "Vollbild" der reaktiven Arthritis ist die Kombination aus Harnröhrenentzündung (Urethritis), Bindehautentzündung und Gelenkentzündung (Synovitis = Entzündung der Gelenkinnenschicht). Das Vollbild manifestiert sich bei etwa einem Drittel der Betroffenen, vor allem bei jungen Männern.
Verlauf
Im Durchschnitt dauert die Erkrankung sechs Monate. Manche Patient*innen entwickeln allerdings auch eine chronische Arthritis oder leiden auch später noch unter wiederkehrenden Sehnenproblemen. Am größten ist das Risiko bei denjenigen, die an dem Vollbild der Erkrankung leiden und Träger von HLA-B27 sind.
Diagnosesicherung
Beim Verdacht auf eine reaktive Arthritis fragt die Ärzt*in zunächst nach vorangegangenen Infekten. Mithilfe von Urin- und Stuhlproben oder Abstrichen aus Harnröhre und Gebärmutterhals versucht man, den Erreger zu identifizieren. Oft liegt der Infekt jedoch schon so lange zurück, dass sich der Auslöser selbst nicht mehr nachweisen lässt. Dann können jedoch die vom Körper gebildeten Antikörper im Blut Hinweise auf die zugrundeliegende Infektion geben.
Blutsenkungsgeschwindigkeit, Blutbild und der Entzündungswert CRP sowie der Test auf HLA-B27 runden die Laboruntersuchungen ab. Das Ausmaß der Gelenkentzündung prüft die Ärzt*in anhand von Ultraschall und Röntgen. In der Frühphase ist auch das MRT hilfreich.
Manchmal wird das betroffene Gelenk punktiert. Im Falle eines Gelenkergusses lindert das Ablassen der Flüssigkeit die Schmerzen. Außerdem untersucht man das Punktat auf entzündliche Zellen. Die Punktion kann auch wichtig sein, um eine septische (eitrige) Arthritis auszuschließen: In diesem Fall lassen sich im Punktat die Erreger nachweisen.
Bei Verdacht auf begleitende Infektionen ist z. B. eine urologische, gynäkologische bzw. augenärztliche Untersuchung angezeigt.
Differenzialdiagnosen. Prinzipiell müssen alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ausgeschlossen werden. Dazu gehören vor allem die Psoriasisarthritis und die rheumatoide Arthritis. Weitere wichtige Differenzialdiagnosen sind die septische Arthritis und die aktivierte Arthrose.
Behandlung
Antientzündliche Therapie. Oft reichen zur Behandlung der Gelenkbeschwerden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen aus. Sie lindern die Schmerzen und wirken gegen die Entzündung. Bei schweren Verläufen muss manchmal auch Kortison gegeben werden. In seltenen Fällen entwickelt sich eine chronische Arthritis, d. h. die Beschwerden halten über Monate an. Dann verordnen die Ärzt*innen antirheumatische Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder Methotrexat.
Antibiotika. Wurde der auslösende Erreger gefunden, erhalten die Betroffenen kurzzeitig ein Antibiotikum. Die Antibiose hilft zwar nicht gegen die Arthritis, beseitigt aber die auslösenden Bakterien und damit die zugrundeliegende Darm- oder Harnwegsinfektion.
Eine Augenbeteiligung erfordert die unverzügliche Kontrolle und Therapie durch die Augenärzt*in. Vor allem bei Entzündung der Regenbogenhaut drohen bleibende Sehstörungen. Meist wird Kortison in Form von Augentropfen, manchmal auch systemisch als Tabletten verordnet.
Prognose
Je weniger Symptome die Patient*innen zeigen, desto günstiger ist die Prognose. In der Mehrzahl der Fälle heilt die reaktive Arthritis folgenlos aus. Etwa 20 % der Patient*innen leiden allerdings unter wiederkehrenden Beschwerden oder entwickeln eine chronische Arthritis.
Ihre Apotheke empfiehlt
Physiotherapie
Die Kältetherapie mit Kryopacks lindert Schmerzen und reduziert Entzündungen und Schwellungen.
Durch gezielte manuelle Therapie kann die Physiotherapeut*in die Beweglichkeit von stark betroffenen Gelenken verbessern.
Auch spezielle Bewegungsübungen der Krankengymnastik erhalten oder steigern die Beweglichkeit der Gelenke.
Muskelkräftigungsübungen stärken die umliegende Muskulatur und verbessern die Stabilität und die Funktion der Gelenke.
Prävention
Einige Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken werden durch sexuelle Kontakte übertragen. Sie können nach einer Infektion der Geschlechtsorgane oder der Harnwege zu einer reaktiven Arthritis führen. Mit Kondomen lässt sich sowohl den urogenitalen Infektionen als auch einer nachfolgenden reaktiven Arthritis vorbeugen.
Weiterführende Informationen
Informationen zu Chlamydieninfektionen finden sich auf der Webseite des Robert Koch-Instituts.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

